Als elektronische Kleingeldbörse, die das Bezahlen beim Shoppen im Web ebenso wie offline in der physischen Welt ermöglicht, ist die GeldKarte vom Handel und den meisten Verbrauchern bisher nicht angenommen worden. Dabei kann man sie inzwischen sogar daheim über das Internet aufladen.
Die elektronische Kleingeldbörse haben fast alle Bundesbürger in der Tasche, meist ohne es zu wissen: Erkennbar an dem zusätzlichen Logo, befindet sich die GeldKarten-Funktion auf den Chips von rund 68 Millionen ec- und Kundenkarten. Mehr als 52,8 Millionen Mal haben Kunden im vergangenen Jahr damit bezahlt. Nach den jetzt vom Zentralen Kreditausschuss (ZKA), dem Koordinierungsgremium der Spitzenverbände von Banken und Sparkassen, bekannt gegebenen Transaktionszahlen für das Jahr 2007 stieg die Zahl der Bezahlvorgänge um 25 Prozent, der Umsatz sogar um 42 Prozent auf insgesamt 148 Millionen Euro. Pro Tag wechselten so im Jahresdurchschnitt 400 000 Euro Kleingeld elektronisch den Besitzer.
Das ist, verglichen mit den 1,08 Milliarden Euro, die der Einzelhandel täglich umsetzt, nicht viel. Unter den Zahlungsarten liegt dort das Bargeld mit 62,4 Prozent (2006) unangefochten an der Spitze. Wer mit Karte zahlt, nutzt je nach Angebot des Händlers meist electronic cash (13,9 Prozent) mit PIN-Eingabe oder das elektronische Lastschriftverfahren ELV mit Unterschrift (12,6 Prozent); Kreditkarten und Handelskarten bringen es auf 5 beziehungsweise 1 Prozent. An den Ladenkassen, wo sie 1996 mit einem Pilotversuch in Ravensburg ursprünglich startete, spielt die GeldKarte keine Rolle. Mit nicht einmal einem Promille wird ihr Anteil in der Einzelhandelsstatistik seit Jahren lediglich als Erinnerungsposten („ 0,1 Prozent“) mitgeführt.
Die von der deutschen Kreditwirtschaft gemeinschaftlich getragene GeldKarte verbindet eigentlich in idealer Weise Kleingeldzahlungen in der virtuellen und der realen Welt. Seit 1999 kann man damit auch im Internet bezahlen; wie beim Bargeld im Laden müssen beim Webshopping mit der GeldKarte weder Kontonummer noch sensible Kreditkartendaten preisgegeben werden. Doch ausgerechnet da, wo das Instrument seine Stärken ausspielen könnte, geht es nur schleppend voran. Von einem universellen elektronischen Zahlungsmittel, das von jedem überall wie Bargeld online und offline im alltäglichen Geschäftsverkehr einsetzbar wäre, ist die GeldKarte noch weit entfernt.
Die Zahl der Akzeptanzstellen im Internet beläuft sich auf rund 170 000, schätzt die Euro Kartensysteme GmbH, das Gemeinschaftsunternehmen der Banken- und Sparkassenverbände, das für die zentralen Aufgaben des kartengestützten Zahlungsverkehrs zuständig ist. Doch geht es online meist nicht ums Bezahlen – vielmehr nutzen viele Kunden das zusätzliche Jugendschutzmerkmal auf dem GeldKarten-Chip als anonymen Volljährigkeitsnachweis beim Bezug von Erwachseneninhalten (siehe dazu www.geldkarte-jugendschutz.de). Echte Webshops, die das Zahlungsmittel akzeptieren, gibt es bislang nur sechs. Entsprechend gering ist der Gebrauch der GeldKarte. Laut einer Allensbach-Umfrage vom vergangenen Jahr gaben nur drei Prozent der Nutzer an, sie in Verbindung mit einem Chipkartenleser am PC auch im Internet zu verwenden.
In der physischen Welt gibt es mehr als 600 000 Akzeptanzstellen. Zieht man allerdings die 460 000 Zigarettenautomaten ab, dünnt das Angebot schon merklich aus: Es bleiben rund 60 000 Fahrkarten-, 40 000 Parkschein- und 4000 Briefmarkenautomaten sowie eine nicht näher aufgeschlüsselte Zahl von Waschsalons, Copy-Shops und Verkaufsstellen, die das Chipgeld akzeptieren. Die zweistelligen Zuwachsraten sind vor allem auf die Anfang 2007 in Kraft getretene Novellierung des Jugendschutzgesetzes zurückzuführen, das die Automatenbetreiber verpflichtete, die Zigarettenabgabe mit einer Altersverifikation zu verbinden. Die Branche entschied sich für den Geldkarten-Chip, der es erlaubt, die Abfrage des Jugendschutzmerkmals unmittelbar mit dem Bezahlvorgang zu koppeln; zudem möchte sie sich möglichst schnell vom ungeliebten Münzgeld-Handling verabschieden.
Schnell noch vor dem Shoppen die GeldKarte aufladen - da spielen noch nicht alle Banken mit.
Die GeldKarte ist eine Automatenwährung geblieben. Nachdem sie weder im Einzelhandel noch im Internet bislang Fuß fassen konnte, soll ein zusätzlicher Kundennutzen die Wende bringen. Statt nur am Bankautomaten können Nutzer den Höchstbetrag von 200 Euro auch am heimischen PC über das Internet auffüllen. „Der gewünschte Betrag wird einfach, schnell und sicher auf die GeldKarte geladen und ist sofort als Guthaben verfügbar“, wirbt Euro Kartensysteme. Abgesehen von Gebühren, die Hausbank oder Sparkasse möglicherweise für Online-Überweisungen erheben, entstehen durch das Aufladen keine zusätzlichen Kosten. Der User steuert die Webseite www.geldkarte-laden.de an, die für das Beladen der Karte zuständig ist; die Verbindung zum eigenen Konto stellt Giropay her. Voraussetzung auf Nutzerseite ist allerdings ein Windows-PC mit Internet-Explorer oder Firefox sowie aktiviertem Java oder ActiveX; JavaScript muss ebenfalls eingeschaltet sein. Außerdem benötigt man einen Chipkartenleser der Klasse 1 oder 2, empfohlen wird für den Zahlungsverkehr im Internet ein Lesegerät der Klasse 3 (siehe dazu www.geldkarte.de/chipkartenleser).
Giropay ist ein von Teilen der deutschen Kreditwirtschaft entwickeltes Verfahren für Online-Überweisungen im Internet, das dem teilnehmenden Händler den Zahlungseingang sofort garantiert – damit ist das System fast als Konkurrenzsystem zur GeldKarte zu betrachten. Tatsächlich setzen bereits 450 Webshops das vor zwei Jahren gestartete Verfahren ein. Um ans Geld der Teilnehmer zu gelangen, nutzt PayPal – selbst ein Online-Bezahlsystem – die Giropay-Sofortüberweisung als Alternative zum Lastschriftverfahren, und seit Ende Februar kann man in der eFiliale der Deutschen Post damit beispielsweise Nachsendeaufträge bezahlen. Anders als bei Giropay kann der Kunde bei Verwendung der GeldKarte dem Händler gegenüber jedoch anonym bleiben; auch die Bank oder Dritte wissen nicht, wo der Kunde eingekauft hat, solange die im Hintergrundsystem zum Saldenabgleich gespeicherten Transaktionsdaten nicht deanonymisiert werden.
Der entscheidende Unterschied zu Giropay aber liegt darin, dass die GeldKarte auch außerhalb des Cyberspace verwendbar ist. Mit dem angeschlossenen Chipkartenleser wird der PC zum privaten Geldautomaten. Voraussetzung ist lediglich ein für das Online-Banking freigeschaltetes Konto bei einem an Giropay teilnehmenden Kreditinstitut. Wer sein Konto allerdings bei der Commerzbank, Deutschen Bank, Dresdner Bank oder der HypoVereinsbank führt, bleibt außen vor. „Keine Nachfrage“, heißt es beispielsweise seitens der Deutschen Bank. Dort erhalten die Kunden die GeldKarte auch nicht als zusätzliches Feature der ec-Karte, sondern müssen sie ausdrücklich verlangen; beworben wird das Produkt nicht.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Großbanken bislang zögern, die technische Zahlungsabwicklung flächendeckend auf die vom Giropay-Verfahren benötigte harte Disposition umzustellen, bei der die Systeme in Echtzeit den Verfügungsrahmen überprüfen und dem Empfänger die Gutschrift sofort garantieren. Stattdessen haben sie noch eine zeitliche Verzögerung zwischen Auftragsannahme und Ausführung eingebaut: Wie herkömmliche Überweisungsformulare werden die elektronischen Orders erst gesammelt und dann im Stapelbetrieb abgearbeitet; so kann es passieren, dass eine am Freitagnachmittag aufgegebene Online-Überweisung bis Montagmittag liegen bleibt.
Eine zweite Begrenzung des Nutzerkreises ergibt sich aus dem Umstand, dass Giropay als eine reine Browser-Banking-Applikation das Homebanking mit eigener Client-Software nicht unterstützt. So lassen sich zwar alle gängigen Transaktionsabsicherungen wie PIN/TAN, PIN/iTAN, PIN/mTAN oder PIN/smartTAN nutzen, nicht jedoch HBCI mit Chipkarte – ein Verfahren, das derzeit etwa fünf Prozent der Homebanking-Teilnehmer nutzen und das bei nahezu allen Instituten die Kontenführung mit speziellen Bankprogrammen wie StarMoney oder Quicken erfordert. Ausgerechnet diese Teilnehmer, die sich für die sicherste Methode der Online-Kontenführung entschieden haben, stehen vor der Alternative, entweder auf die HBCI-Chipkarte oder auf die Auflademöglichkeit der GeldKarte zu verzichten.
Als Behelf offeriert Euro Kartensysteme ein Gutschein-Verfahren, mit dem auch alle GeldKarten-Inhaber, die kein Online-Konto führen oder deren Bank nicht am Giropay-Verfahren teilnimmt, die Kleingeldbörse via Internet aufladen können. Ursprünglich war diese Option für Händler gedacht, die ihren Kunden geldwerte Gutscheine oder Boni zukommen lassen wollen.
Auf der CeBIT werden bereits Chipkartenleser nach dem neuen „Secoder“-Standard präsentiert, der die Gutschein-Krücke schon bald überflüssig machen dürfte. Dieser Standard – im vergangenen Jahr noch als „KT-light“ angekündigt – wird den rund zehn Jahre alten IKT-Standard des ZKA für das „Internet-Kundenterminal“ ablösen, das im Volksmund auch als Klasse-3-Leser firmiert. Mit diesen Lesern wird man dann sämtliche Bank- und Zahlungsgeschäfte sicher abwickeln können, von GeldKarten-Transaktionen bis zum HBCI mit Chipkarte via Browser-Banking. Fragt sich nur, wie lange die Großbanken brauchen, bis sie das anbieten.
(jk)
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