Der Virtualisierungsspezialist VMware bemüht sich mit mehreren Ansätzen, die Displays mobiler Endgeräte mit Unternehmensanwendungen zu füllen. Auf seiner Hausmesse VMworld stellte er Ende August den Anwendungs-Manager Horizon vor – quasi einen Marktplatz, über den Mitarbeiter Zugriff auf die vom Arbeitgeber bereitgestellten Cloud-Anwendungen erhalten. Ein Schmankerl dazu gibt es in Gestalt von Horizon Mobile: So wie VMwares Chef-Technologe Brian Gammage das gegenüber c’t erläuterte, erhalten Abonnenten dieses Dienstes entweder ein passend ausgestattetes Android-Handy oder eine Zusatzsoftware für freigegebene Handy- und Tablet-Modelle. Auf diesen Geräten können sie gleichzeitig zum Handy-Betriebssystem eine virtuelle Maschine mit einer zentral administrierten zweiten Android-Instanz betreiben. In dieser virtuellen Umgebung laufen dann die Horizon-vermittelten Anwendungen und bleiben von Störeinflüssen durch sorglos heruntergeladene Privat-Apps des Handybesitzers verschont. Andererseits können die Firmen-Admins die virtuellen Mobil-Arbeitsplätze nach Belieben abschotten, ohne dadurch die Smartphones zu unattraktiven One-Trick-Ponies zu degradieren [1] .
Über VMware Horizon können Unternehmen ihren Mitarbeitern quasi einen Selbstbedienungsladen mit Serveranwendungen anbieten.
Vorerst gibt es für die virtuellen Maschinen ausschließlich Android-Images als Gastsysteme, und auch für die Hosts kommen vorerst nur wenige Android-Geräte in Betracht. Als erster Handy-Hersteller hat LG die Kooperation mit VMware im vergangenen Dezember besiegelt, und pünktlich zur VMworld hat Samsung angekündigt, VMware-kompatible Smartphones und Tablets zu produzieren. Welche Handy-Provider den VMware-Dienst anbieten könnten, wollte Gammage noch nicht verraten, kündigte aber konkrete Service-Angebote noch im Jahr 2011 an.
Gleichfalls zur VMworld ist Version 5 des Terminalserver-Pakets View erschienen. Dieses schnürt Anwendungen in virtuelle Desktops zusammen, in die man sich mit passenden Client-Programmen übers Netz einloggen kann. Laut Hersteller erschließt die neue Version unter anderem Microsofts Aero-Oberfläche, MS Office 2010, DirectX- und OpenGL-Anwendungen für die Clients. Dokumente werden ebenso wie alle Anwendungsprogramme als Bestandteile des virtuellen Desktops auf dem Server gespeichert. Während sich bei den Clients für Desktop-Rechner nicht viel getan hat, steht der bisher als Technical Preview erhältliche View-Client für Android-Geräte jetzt als fertige Ausgabe zum Download, und vom iPad-Client soll „in einigen Wochen“ eine neue Version mit Multitasking, RSA-Verschlüsselung und einem neuen Präsentationsmodus herauskommen. Die Clients für alle unterstützten Plattformen gibt es kostenlos, dagegen kostet das Serverpaket für 10 gleichzeitig aktive Nutzer je nach Support-Vertrag 1500 Euro oder mehr.
(hps)
[1] Peter Schüler, Dienst ist Dienst und Apps sind Apps, c’t 15/11, S. 172
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