Die Neuerungen von Linux 3.19

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Der Kernel kann nun eine AMD-Technik nutzen, die das Zusammenspiel von Haupt- und Grafikprozessor verbessert. Einige Erweiterungen schaffen Grundlagen zur besseren Unterstützung von 4k-Monitoren. Der RAID-5/6-Support von Btrfs und der NVMe-Treiber wurden deutlich verbessert.

Linus Torvalds hat Linux 3.19 veröffentlicht. Es ist die erste Kernel-Version mit dem Treiber "amdkfd", mit dem sich "Heterogeneous Queuing" (HQ) bei Prozessoren und Grafikchips von AMD nutzen lässt. Die Technik ist eine von mehreren der "Heterogeneous System Architecture" (HSA), mit denen AMD und andere Unternehmen die Effizienz bei der Zusammenarbeit verschiedener Prozessoren eines Systems steigern wollen.

Die Neuerungen von Linux 3.19

Heterogeneous Queuing macht es dabei leichter, Teilaufgaben einer größeren Arbeitsaufgabe mit Haupt- oder Grafikprozessor auszuführen, je nachdem, welcher der Chips am besten für die jeweilige Aufgabe geeignet ist. Programme interagieren aber nicht direkt mit dem neuen Treiber, sondern nutzen die Technik über die "HSA Runtime" – eine Userspace-Biliothek, die vornehmlich von AMD entwickelt und im November von der HSA Foundation unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurde. Zu den AMD-Chips, die Heterogeneous Queuing unterstützen, zählen die Prozessoren mit Kaveri-Kern, die AMD seit Anfang 2014 verkauft.

Die Kernel-Entwickler haben Grundlagen geschaffen, um die Ansteuerung von 4K-Monitoren sowie von Monitorausgängen in den Docking-Stationen moderner Notebooks zu verbessern – zwei Bereiche, in denen Linux-Distributionen derzeit immer mal wieder Probleme zeigen. Bevor diese aus der Welt sind, müssen aber noch X-Server und Wayland Compositors erweitert werden, um mit Hilfe der jetzt geschaffenen Grundlagen solche Hardware besser zu unterstützten.

Im Detail

Die vierteilige Kernel-Log-Artikelserie "Was 3.19 bringt" hat bereits in den vergangenen Wochen detailliert über die wesentlichen Neuerungen von Linux 3.19 berichten, denn die waren bereits seit Weihnachten absehbar:

  1. Dateisysteme und Storage
  2. Netzwerk
  3. Infrastruktur
  4. Treiber

Der nebenstehende Text erwähnt die wichtigsten Neuerungen, die in diesen Artikeln zur Sprache kamen; zudem gibt er einen Ausblick auf einige der Änderungen, die für den Nachfolger von 3.19 entwickelt wurden.

In den Kernel ist das Gros Infrastruktur für "Atomic mode-setting" eingeflossen, durch das unter anderem der Wechsel der Bildschirmauflösung oder die Zweischirmkonfiguration im Betrieb verlässlicher, schneller und mit weniger Bildstörungen erfolgen sollen. Ferner können Anwendungen über die Infrastruktur sicher stellen, dass verschiedene Ebenen eines Anwendungsfensters zeitgleich erscheinen – etwa damit der Inhalt eines Anwendungsfensters nicht dargestellt wird, bevor auch der Fensterrahmen zur Darstellung vorliegt. Die Treiber für Mainstream-PC-Grafikprozessoren profitieren davon aber bislang nicht, denn sie sollen erst bei späteren Versionen auf die neue Infrastruktur zurückgreifen.

Das Netzwerk-Subsystem des Linux-Kernels enthält nun eine Infrastruktur, mit denen Treiber viele Switching- und Routing-Aufgaben an Hardware-Bausteine delegieren können, die für solche Aufgaben geschaffen wurden. Dadurch sollen sich universelle Linux-Distributionen mittelfristig als Betriebssysteme für Switches eignen, wie sie in Rechenzentren stehen. Es sind aber noch passende Treiber nötig, bevor universelle Linux-Distributionen in den Markt für Switch-Betriebssysteme vordringen können. Der neue Kernel bringt nämlich lediglich einen als Referenzimplementierung gedachten Treiber "rocker" mit, der die neue Infrastruktur nutzt; er unterstützt allerdings keinen echten Switching- und Routing-Chip, sondern einen von Qemu emulierten.

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