Die Neuerungen von Suse Linux Enterprise 12

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Suse nutzt jetzt standardmäßig das Btrfs-Dateisystem, unterstützt nun aber auch Ext4. Einige Software wurde in Module ausgelagert, die Suse nicht zehn, sondern nur wenige Jahre pflegt. Gnome ist Standard, KDE fehlt.

Fünfeinhalb Jahre nach der Vorstellung von Suse Linux Enterprise (SLE) 11 hat Suse nun Version 12 seiner auf Unternehmenskunden ausgerichteten Linux-Distribution freigegeben. Sie wird wie gewohnt in einem Abo-Modell vertrieben und fragt jetzt bereits im Installer nach einem Registrierungscode. Wer diese Abfrage übergeht, hat bei der Installation keinen Zugriff auf die Online-Repositories. Dort liegen nicht nur die aktualisierten Pakete, die SLE jetzt direkt bei der Installation einspielen kann, sondern auch Software, die in den neu geschaffenen "Modulen" steckt.

Die erstmals angebotenen Module enthalten die ein oder andere Software, die bei SLE11 zum normalen Lieferumfang zählt. Zum "Web and Scripting Module" gehört beispielsweise PHP 5.5 und eine Reihe damit laufender PHP-Module; in Kürze soll das Modul auch Ruby on Rails enthalten.

Die Software in SLE-Modulen pflegt Suse anders als die Distribution selbst. Letztere will Suse mindestens zehn Jahre mit Sicherheitskorrekturen versorgen; für jede Revision seines "Web and Scripting Module" verspricht Suse derzeit nur einen Wartungzeitraum von mindestens drei Jahren. Ungefähr alle 18 Monate sollen neue Modul-Revisionen erscheinen; also in dem Takt, in dem auch Service Packs für SLE in etwa erscheinen. Mit neuen Revisionen springen PHP und andere Software dieses SLE-Moduls auf dann jeweils aktuellere Versionsreihen.

Entwickler sollen so schneller als bei SLE11 an moderne Versionen von PHP und Co. kommen. Sie müssen ihre auf SLE12 laufenden PHP-Anwendungen aber auch alle paar Jahre auf neue PHP-Versionen portieren. Der genaue Pflege- und Aktualisierungszeitraum kann sich bei den Software-Paketen innerhalb eines SLE-Moduls unterscheiden. Auch für die verschiedenen SLE-Module gelten unterschiedliche Pflegestrategien. Beim "Advanced Systems Module", das unter anderem Cfengine und Puppet enthält, ist "Continuous integration" geplant, wobei immer wieder modernere Versionen dieser Werkzeuge nachgereicht werden. Beim "Legacy Modul", das Sendmail, IBMs Java 6 oder OpenSSL 0.9.8 enthält, endet die Pflege in spätestens drei Jahren komplett.

Das Installationsprogramm von SLE12 richtet standardmäßig drei Partitionen ein: eine zum Swappen, eine mit Btrfs formatierte Partition für das Betriebssystem sowie eine auf /home/ eingehängte XFS-Partition. Als Root-Dateisystem dient das Default-Volume der Btrfs-Partition; sie hat standardmäßig noch rund 15 Subvolumes, die SLE12 über Fstab-Einträge auf Verzeichnisse wie /opt/, /srv/, /usr/local/, /tmp/ oder /var/lib/pgsql/ mountet. Das ist für Suses automatisch aktives Snapshot-Tool "Snapper" wichtig, das regelmäßig Snapshots des Default-Volumes der Btrfs-Partition anlegt.

Durch die Snapshots können Admins im Notfall zu einem älteren Zwischenstand des Root-Dateisystems zurückkehren, wenn das System aus irgendeinem Grund nicht mehr funktioniert – beispielsweise nach dem Einspielen der Systemaktualisierung. Die Subvolumes stellen dabei sicher, dass die zwischenzeitlich in ihnen gespeicherten Daten bei so einem Rollback nicht verloren gehen; dadurch bleibt beispielsweise der aktuelle Inhalt der PostgreSQL-Datenbanken unter /var/lib/pgsql/ oder zwischenzeitlich in /usr/local/ installierte Software erhalten. Die Snapper-Homepage und die Release Notes listen Details zum Vorgehen, zu weiteren Einsatzmöglichkeiten und einigen für den Alltagseinsatz wichtigen Eigenheiten auf.

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  1. Die Neuerungen von Suse Linux Enterprise 12
    1. Zwischenstände aufheben
  2. Ext4, aber kein KDE
  3. UEFI, Kernel, MariaDB
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