News for Nerds. Stuff that matters. Unter diesem Motto schreibt auf Slashdot aber nicht nur ein fester Redaktionsstab über Neuigkeiten und Gerüchte aus der Szene. Auch die Surfer selbst gehen unter die Autoren. So wurde das Internet-Angebot zu einer der wichtigsten Newssites für die Open-Source-Gemeinde.
Slashdot entwickelte sich schon bald nach der Gründung 1997 zu einer der wichtigsten Websites für die Open-Source-Gemeinde. Slashdot machte das Konzept populär, dass die Leser selbst zu Autoren werden. Sie können selbst Artikel verfassen, die dann vom Redaktionsstab online gestellt werden - um dann wieder von den Lesern in teilweise ellenlangen Diskussionsthreads kommentiert und ergänzt zu werden. Im Juni 1999 wurde die Site an den Linux-Dienstleister Andover.net verkauft, den wiederum kurze Zeit später die Linux-Firma VA Linux übernahm. Rob Malda, auch als ‘CmdrTaco’ bekannt und Gründer von Slashdot, äußert sich im Interview mit c't zur Situation der Linux-Szene und zu den Problemen des Online-Journalismus.
| Rob Malda, auch als CmdrTaco bekannt, gründete 1997 Slashdot, das sich zu einer der wichtigsten Online-Nachrichtenseiten und auch Gerüchteküche für die Open-Source-Szene entwickelt hat. |
c't: Welches Gefühl beschleicht Sie, wenn Sie sich die Probleme ansehen, die Linux- und Open-Source-Firmen derzeit mit ihren Finanzen und an der Börse haben?
Rob Malda: Ich folge dem Aktienmarkt nicht richtig. Deshalb bin ich eigentlich nicht qualifiziert, das zu kommentieren. Es ist zwar etwas traurig, aber ich habe keine dieser intensiven Gefühle dabei oder viel dazu zu sagen. Mich interessiert mehr, was tatsächlich entsteht - und nicht, was der Aktienmarkt tut, der so willkürlich und zufällig ist. Aber der ganze Technologie-Sektor ging nach unten. Man kann kaum sagen, dass nur Linux Schuld daran hätte. Das kann man wirklich nicht sagen.
c't: Denken Sie, es wird in Zukunft weniger Linux-Firmen geben?
Malda: Ich denke, dass es den meisten davon gut geht. Was mich aber wirklich ärgert, ist, dass es da eine ganze Menge von Firmen gab, die erst gestartet waren und nun darunter leiden, dass die Begeisterung für den Technologie-Sektor verflogen ist. Nun werden viele Firmen eine ganze Ecke konservativer sein, bevor sie sich entschließen, für ihr Vorwärtskommen auf Open-Source-Projekte zu setzen. Eine gute Sache, die aus den ganzen Börsengängen entstand, ist allerdings, dass die Welt die Wörter ‘Linux’ und ‘Open Source’ hören konnte. Es wächst. Das Faktum, dass es an der Börse gehandelte Firmen gibt, die um die Unterstützung von Linux herum entstanden sind, bedeutet, dass es einige Unternehmen gibt, die es tatsächlich einsetzen. Das war natürlich wirklich gute PR für Linux.
c't: Können Sie die Besitzverhältnisse bei Slashdot beschreiben? Die Sache sieht inzwischen ziemlich kompliziert aus.
Malda: Oh ja. Viele Fische fressen andere Fische. Slashdot war ursprünglich in meinem Besitz. Wir gründeten dann eine Firma namens Blockstackers, die schließlich Slashdot an Andover verkaufte. Andover wiederum wurde dann von VA Linux geschluckt. Wir hatten also dreimal mit neuen Besitzverhältnissen umzugehen. Es ist eigentlich egal, wer mich besitzt, es geht dabei nur darum, wessen Name auf dem Gehaltsscheck steht. Niemand hat bislang gesagt, mach’ das nicht, oder du musst jenes tun. Andover und VA Linux hatten nie ihre Hände im Spiel. Sie gaben mir die Unterstützung, die ich brauchte, und gingen mir sonst aus dem Weg.
c't: Lassen Sie uns kurz über VA Linux reden. Der Dienstleister besitzt inzwischen ziemlich viele wichtige Open-Source-Sites?
Malda: VA war bislang recht cool, wenn es darum ging, die Sites in ihrer jetzigen Form existieren zu lassen. VA Linux lässt die Leute weiterhin machen, was sie bisher schon taten. Die würden es auch nicht sonderlich mögen, wenn die Firma damit begänne, auf einmal herumzustampfen und die Dinge in ihrer Gesamtheit zu verändern. Ich habe beispielsweise sehr gute Verträge. VA Linux darf an Slashdot nicht herumdoktern, solange ich es betreibe.
c't: Manche Leute sagen, die Firma hätte jetzt im Internet so eine Art Linux-Medien-Monopol.
Malda: Das ist nicht wahr, weil es da draußen noch viele andere Sites gibt. Slashdot ist auch nicht wirklich eine Linux-Page. Das ist nicht alles, was wir tun. VA Linux besitzt Linux.com, eine Linux-Site. Außerdem NewsForge, aber das ist mehr eine generelle Open-Source-Site. Sie stellen sich uns jedenfalls nicht in den Weg, solange wir die Banner-Werbung anzeigen und viele Seitenabrufe generieren.
c't: Wie begann das Slashdot-Projekt?
Malda: Als ich im College war, habe ich viel Website-Programmierung gemacht. Das war mein Teilzeitjob, um für die Uni und für Essen zu bezahlen. Ich machte außerdem noch eine Menge Sachen auf meiner eigenen Homepage. Das war zu der Zeit trendy, glaube ich. Als ich dann Slashdot zusammenbaute, hatte ich diesen freien Computer. Dann fand ich jemanden, zu dem ich sagte: ‘Lass mich den Rechner an deine T1-Leitung hängen und eine Website ins Netz stellen.’ Und so fing Slashdot an, so wurde es in den ersten sechs oder sieben Monaten gehostet. Das war Ende 1997. Es wuchs direkt aus einer Rubrik auf meiner Homepage, die ‘Chips and Dips’ hieß. Die hatte ein ähnliches Konzept.
c't: Warum ging das alles so schnell voran?
Malda: In erster Linie hatten meine persönlichen Seiten eine recht hohe Besucherzahl, weil ich viele Dinge darauf hatte - Linux-Code, den ich geschrieben hatte und solche Sachen. Also hatte Slashdot, als es dann schließlich startete, eine ordentliche Anzahl an Usern. Ich schrieb über Dinge, für die ich mich interessiere. Es war gut genug programmiert, dass es ordentlich funktionierte. Manche Sites sind nur gut gestaltet, aber schlecht geschrieben, andere gut geschrieben, aber es fehlt etwas anderes. Wir waren anfangs ziemlich leichtgewichtig. Es gab nur mich, nachher kam Hemos hinzu. Es war wohl auch eine dieser Geschichten unter dem Motto ‘zur rechten Zeit am rechten Ort’. Ich denke gerne so darüber, dass wir die Dinge etwas anders anpackten. Viele Newssites waren zu voll oder sprachen über Dinge, die mich nicht interessierten. Ich wollte etwas wie eine seriöse Zeitung, aber relativ informell durchgeführt. Das gefiel den Leuten. Man konnte auf der Site auch diskutieren. Nicht viele Server boten das damals, jedenfalls nicht die großen. Wir hatten eine ähnliche Herangehensweise wie das Usenet. Außerdem war Linux relativ unbekannt, als Slashdot startete. Die meisten meiner Leser waren Linux-Nutzer. Die Leute, die auf unserer Site diskutierten, waren dementsprechend qualifiziert.
c't: Wie entstand das redaktionelle System von Slashdot?
Malda: Als ich noch meine eigene Website hatte, haben mir die Leute ständig Material zugemailt. Das machte Spaß und ich nannte im Gegenzug ihre Namen auf der Page. Als Slashdot daherkam, machte es Sinn für mich, eine Methode zu finden, diese Postings zentral zu koordinieren. Ursprünglich bestand ein großer Teil von Slashdot aus einem System, das sicherstellte, dass das ganze Material nicht via E-Mail hereinkam. Eine Geschichte aus einer elektronischen Nachricht umzuformen, kann knifflig sein, es braucht Zeit. Mit einer Web-Form, die die Leute ausfüllen, brauchte ich nur noch einen Button zu klicken. Ich konnte das Posting editieren, die Rechtschreibung korrigieren und fertig. Außerdem sind Links für mich sehr wichtig. Darum dreht sich das ganze Internet: Verlinke so viel du kannst. Unglücklicherweise deckt sich die geschäftliche Meinung einiger Leute nicht unbedingt mit dieser Vorstellung. Ich habe die Philosophie, wenn ich auf irgendwelche Dinge verlinke, die interessant sind, würden die Leute morgen wieder kommen, um noch mehr Links zu finden. Andere Websites denken, dass ein Link bedeutet, dass man auch weggeht. Darüber mache ich mir keine Sorgen, weil ich denke, dass wir ziemlich gute Sachen machen und der Nutzer sowieso wiederkommen wird.
c't: Fühlen Sie sich als Journalist? Ist das, was die Autoren bei Slashdot tun, Journalismus?
Malda: Das ist immer die magische Frage. Ich weiß es nicht. Ich bin kein Journalist, schreibe aber ziemlich gut. Ich weiß nicht, ob ich journalistische Integrität habe. Ich weiß nicht, ob ich nur ein Programmierer bin, der schreibt, um Dinge auf eine Mailingliste zu posten. Ich stelle viele verschiedene Dinge dar. Slashdot ist nicht wirklich Journalismus, aber es stiehlt ihm einige seiner besten Ideen.
c't: Wie steht es mit der Korrektheit Ihrer Meldungen?
Malda: Wir reißen uns kein Bein aus, um Fakten zu checken und ganz akkurat zu sein, aber es ist wichtig. Wenn ich bei Slashdot eine Geschichte einstelle, bedeutet das für mich, zu versuchen, eine Art einleitenden Absatz zu schreiben. Die User werden diesen lesen und dann ergänzen, was wirklich wichtig ist, und ihn vollenden. Das Moderationssystem wirft die Sache etwas durcheinander. Wenn alles fertig ist, hat man zumeist ein paar Tausend Wörter, die wirklich intelligent sind und sich lohnen, zu lesen.
c't: Haben Sie ein Problem damit, etwas zu korrigieren?
Malda: Das hängt von der Geschichte ab. Wenn ich einen Absatz geschrieben habe, der einen Fehler enthält und es Hunderte von Kommentaren über diesen Fehler gibt, würde eine Fehlerbereinigung diese Kommentare sinnlos machen. Die Nutzer-Kommentare sind wirklich wichtig. Wenn man sie nicht liest, ist es so, als würde man sich nur den Anfang eines New-York-Times-Artikels anschauen, aber nicht auf Seite 8 umblättern, um ihn weiterzulesen.
c't: Wird es Slashdot-Versionen in anderen Sprachen als Englisch geben?
Malda: In der neuen Code-Basis unseres Content-Management-Systems ‘Slashcode’ werden wir mehrere Sprachen erlauben. Aber ich glaube, dass man Slashdot nicht in einer anderen Sprache als Englisch laufen lassen könnte, weil seine Leserinnen und Leser diese Sprache in großer Mehrzahl sprechen. Eine andere Sprache würde dem Ganzen einen anderen Geschmack geben. Aber es gibt ein paar Dutzend Sites, die Slashcode benutzen, die nicht in Englisch verfasst sind.
c't: Slashcode ist selbst ein Open-Source-Projekt?
Malda: Ja. Unser Moderationssystem ist jetzt schon ziemlich gut. Es gibt noch ein paar Sachen, die wir ändern wollen. Die meisten dieser Neuerungen, die wir in den letzten sechs Monaten vorgenommen haben, sind ziemlich fein. Die Leute bemerken sie nicht. Momentan sind wir mitten in einem großen Code-Rewrite. Wir hatten ein wackeliges Fundament mit viel schmutzigem Code (weil er komplett von mir geschrieben war), nun haben wir kompetente Programmierer, die wissen, wie man große Programme schreibt. Es ist ein Open-Source-Projekt, bei dem viele Personen teilhaben, wir bezahlen einige der Leute, die daran arbeiten.
c't: Wie gefällt Ihnen, dass andere Sites Ihre Software einsetzen?
Malda: Ich denke, dass das cool ist. An einem Punkt wollte ich Slashdot zu einem generischen System machen, wo man über alles reden kann. Dann wurde mir klar, dass ich nicht in der Lage wäre, mich darum zu kümmern. Ich denke, es könnte für fast jedes Thema eine Slashdot-Site geben und ich hoffe, dass die Leute das tun. Ich liebe die Idee, dass jede wichtige Industrie eine Site wie die unsere hat. Es gibt eine Liste auf Slash.com, die zeigt, dass es um die 100 Sites gibt, die Slashcode benutzen. Einige sind in Sprachen, die ich nicht spreche und über Themen, über die ich überhaupt nichts weiß.
c't: Ist Slashdot profitabel?
Malda: Eigentlich weiß ich das gar nicht richtig. Als wir es verkauften, machten wir einen Profit, keinen riesigen, aber einen Profit. Wir mussten nie einen Kredit aufnehmen, wir waren nie im roten Bereich. Wir bezahlten unsere Mieten und es war unser Job. Ich weiß nicht, wie das jetzt ist. Wir haben ein professionelles Sales-Team, das Banner-Anzeigen verkauft, und ich denke, dass es uns dabei ziemlich gut geht. Mein Job ist es, sicherzustellen, dass die Leute die Site mögen und sie lesen. Mein Job ist es nicht, dass die Kosten hereingeholt werden (grinst). Deshalb haben wir Slashdot, neben anderen Gründen, überhaupt an Andover verkauft.
c't: Mit welcher Technik arbeitet die Site?
Malda: Slashdot läuft auf sehr viel Hardware. Wir haben sechs Web-Server, zwei Datenbank-Server, einen File-Server und einen Load-Balancer. Es gibt außerdem noch einen dedizierten Switch. Das ganze System hängt an einem gigantischen Netzwerk, einer echten ‘Fat Pipe’. Die Maschinen sind alles Boxen von VA Linux, die hatten wir schon, bevor wir von denen übernommen wurden. Die Datenbank-Server verfügen alle über Arbeitsspeicher im Gigabyte-Bereich und Dual-Prozessor-Technik - einfach unfassbar riesige Computer.
c't: Was ist Ihre bevorzugte Linux-Distribution? Sie führen in Ihrem Büro von Zeit zu Zeit Umfragen dazu durch?
Malda: Das tun wir. Es ist einfach wie ein heiliger Krieg - meine Sprache ist besser als Deine. Es gibt nicht die beste und nicht die schlechteste Distribution. Das ist natürlich nur meine offizielle Meinung. Debian ist das Beste, was es gibt - deshalb benutze ich es auch (lacht). (jk)
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