Der Erwerb von Speicherriegeln ist nicht ohne Tücken, der Wirrwarr um Zugriffszeiten oder CAS latency ist groß. Was also tun, wenn man sich nicht auskennt?
Die Leseranfragen zu vermeintlichen PC100-Speichern häufen sich. Viele Anwender haben erhebliche Probleme bei der Identifikation von DIMMs, und den Aussagen der Verkäufer wollen sie keinen rechten Glauben schenken. Denn deren Auskünfte sind in den meisten Fällen eher dürftig - wenn überhaupt eine Antwort kommt. Dies gilt insbesondere für Speichermodule nach der Intel-Spezifikation [[#lit1 1]]. Das Spektrum reicht hier von 'Das können Sie doch unserer Anzeige entnehmen' bis 'Es ist ein PC100-Modul mit 128 MByte und 7 ns Zugriffszeit'.
Letzteres ist eine ausgezeichnete Auskunft - so sie denn stimmt. Denn garantieren möchten die Händler für das Einhalten des PC100-gerechten Timings im allgemeinen nicht. Wenn sie ihren Kunden dann nicht einmal ein Umtauschrecht für den gekauften Speicher einräumen, begeben sie sich ganz auf die sichere Seite - und die Kunden stehen bei einem falschen Riegel dumm da.
Die Händler könnten die Module selbst überprüfen, wenn sie die entsprechende Ausrüstung hätten. In Frage käme hier beispielsweise der SIMCheck II von Innoventions Inc., ein professionelles und dennoch handliches Gerät für den Modultest. Mit dem SIMCheck kann man nicht nur Größe und Timing von DRAMs herausfinden, sondern auch defekte Module aussortieren - den Kunden wär's bestimmt nur recht. Doch leider scheuen die meisten Unternehmen die Investitionskosten von rund 5000 Mark für ein solches Gerät.
Der Aufdruck auf den Chips selbst läßt zuweilen ebensowenig auf das DIMM schließen, wie ein möglicher Aufkleber auf dem Modul. Es sind Speicher im Umlauf, die mit kryptischen Firmenlogos bedruckt sind und auf einer nicht zu identifizierenden Platine sitzen. Einen besonders eklatanten Fall schilderte uns ein Computerhändler, nach eigenen Worten 'der kleine Laden um die Ecke'. Er hatte SDRAM-Module erworben, die mit einfachsten Mitteln (schwarze Farbe übermalen und neues Logo aufdrucken) umgelabelt waren. Die ursprüngliche Aufschrift der Chips konnte man noch erkennen. Das Modul stellte sich im SIMCheck als PC66-konform heraus - was es sowohl laut der Spezifikation des Original-Chip-Herstellers als auch des DIMM-Anbieters sein sollte.
Natürlich fragt man sich, weshalb dann umgelabelt wurde. Es könnten zum einen zollrechtliche Gründe dahinter stecken. Da die Einfuhrzölle je nach Exportland unterschiedlich hoch sind, lohnt sich unter Umständen eine Umdeklaration des Herstellerlandes. Oder der Originalhersteller hat Chips, die nicht seiner eigenen Spezifikation entsprechen, im OEM-Geschäft günstiger verkauft - was angesichts der derzeitigen Speicherpreise kaum zu glauben ist. Im beschriebenen Fall schloß der Hersteller (hier Fujitsu) dies auch aus: Den im OEM-Geschäft verkauften Fujitsu-Chips fehle entweder jeglicher Aufdruck oder die Aufschrift würde komplett entfernt.
Also nicht nachvollziehbar? Fujitsu möchte dem nachgehen. Den Anwendern ist damit auf lange Sicht geholfen. Doch was können diese bereits jetzt tun, wenn die Art des erworbenen Speichers unklar ist?
Läuft das DIMM in einem existierenden PC, kann man es in vielen Fällen mit dem kleinen Programm 'CTSMB' überprüfen, das auf dem Heise-ftp-Server unter http://www.heise.de/ct/ftp/pcconfig.shtml steht.
Zwei Voraussetzungen sind dazu unabdingbar: Zum einen muß auf dem Speicherriegel ein SPD-EEPROM (Serial-Presence-Detect-EEPROM) stecken. Dieser Konfigurationsspeicher - ein kleiner achtpoliger Chip - sitzt meistens am Rand der Trägerplatine und enthält Daten über den Speicherriegel. In der Intel-Spezifikation [[#lit1 1]] ist ein solcher Baustein Pflicht für jedes DIMM, auf älteren Modulen sitzt er dagegen nicht immer.
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Der kleine achtbeinige Baustein in der Platinenecke ist das SPD-EEPROM; es enthält die Daten, auf die CTSMB zugreift. |
Zwingend ist außerdem ein 82371-Baustein (PIIX4) als SouthBridge auf dem Mainboard. Dieser enthält die Schnittstelle zum System Management Bus (SMB), über den CTSMB die Daten aus dem EPROM liest. PIIX4 vermittelt zwischen PCI-Bus und ISA-Bus und sitzt typischerweise auf allen Pentium-Boards mit TX-Chipsatz. Außerdem findet man ihn auf Pentium II-Boards mit BX- und GX-Chipsatz und in Notebooks mit MX-Chipsatz; ausgeschlossen sind alle Boards mit SuperSocket7-Prozessoren. Fehlt der PIIX4, meldet CTSMB dies gleich nach dem Aufrufen, das Programm wird abgebrochen.
Sind die genannten Voraussetzungen erfüllt, erhält man nach dem Starten des DOS-Programms CTSMB die Konfigurationsdaten der im Rechner steckenden DIMMs. Die Anzeige erfolgt wahlweise als Hex-Dump (durch die zusätzliche Angabe des Parameters 'h') oder in Klartext (mit CTSMB /d). CTSMB kann neben dieser Abfrage noch einiges mehr (siehe dazu [[#lit2 2]]).
Leider sind die von CTSMB gelieferten Werte nicht in jedem Fall zuverlässig. Das liegt nicht an CTSMB, sondern vielmehr am SPD-EEPROM beziehungsweise an demjenigen, der den Konfigurationsspeicher programmiert hat. Zwar müssen die Daten im Prinzip stimmen, wenn das DIMM zuverlässig laufen soll, doch natürlich kann man in so ein EEPROM allerhand reinschreiben ...
Läuft das DIMM zwar (noch) nicht in einem PC, ist es jedoch 'ordentlich' beschriftet und kann man auch die Chip-Bezeichnungen ablesen, bleibt noch der Weg übers Internet. Die meisten Speicherhersteller halten auf ihrer Homepage Listen mit ihren verfügbaren DRAMs und Modulen bereit. Dort muß man dann nur noch die entsprechende Bezeichnung finden, und schon ist der Speicher identifiziert.
Hört sich einfach an und ist es im Prinzip auch - wenn man die kryptischen Kürzel auf den Speichern einem Hersteller zuordnen kann. Die [#Tabelle Tabelle] soll hier ein wenig Unterstützung leisten. Sie zeigt die typische 'Buchstabenfolge' für DRAMs einiger Speicherhersteller und die passende Internet-Adresse. Mehr Informationen bieten [[#lit3 3]] und [[#lit4 4]], eine ausgezeichnete Quelle ist auch das Chip Directory [[#lit5 5]]. (uk)
[1] http://developer.intel.com/design/pcisets/memory/index.html
[2] Ernst Ahlers, Nervensystem, Der System Management Bus auf PC-Mainboards, c't 14/97, S. 218
[3] Ulrike Kuhlmann, Schnelle Speicherkäfer, Neue DRAMs beschleunigen den Datentransfer, c't 10/97, S. 298
[4] Ulrike Kuhlmann, Neue Speicher - Neue Sorgen, PC-SDRAMs für den 100-MHz-Bus, c't 8/98, S. 184
[5] Chip Directory http://www.xs4all.nl/~ganswijk/chipdir/chipdir.html
[#anfang Seitenanfang]
| Hersteller | Präfixe | URL |
| Fujitsu | MB | http://www.fujitsumicro.com/products/memory/memory.html |
| Hitachi | HM | http://semiconductor.hitachi.com/ |
| Hyundai | HY | http://www.hea.com/hean2/semi/home.htm |
| IBM | IBM | http://www.chips.ibm.com/products/memory/ |
| LG Semicon | GM | http://www.lgsemicon.co.kr/products.htm |
| Micron | MT | http://www.micron.com/mti/msp/html/product.html |
| Mitsubishi | M5M | http://www.mitsubishichips.com/data/datasheets/psgindex.html |
| Mosel Vitelic | V | http://www.moselvitelic.com/frame_products.html |
| NEC | µPd | http://www.ic.nec.co.jp/english/products/memory/doc.html |
| Oki | MSM | http://www.okisemi.com/ |
| Samsung | KM | http://www.intl.samsungsemi.com/ |
| Siemens | HYB | http://www.siemens.de/semiconductor/products/ics/31/313.htm |
| Texas Instruments | TMS | http://www.ti.com/sc/docs/psheets/pids1.htm |
| Toshiba | TC | http://www.toshiba.com |
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