Die Woche: Alles klar im Kernel-Land?

@ctmagazin | Kommentar

Linus Torvalds findet, dass die Dinge im Großen und Ganzen gut laufen in der Kernel-Entwicklung. AMD hingegen entlässt seine Kernel-Entwickler.

Auf der diesjährigen LinuxCon Europe hat Linus Torvalds über die Kernel-Entwicklung geplaudert. Die scheint – technisch – mittlerweile in recht ruhigen Bahnen zu verlaufen: Glaubt man Torvalds, macht er schon seit Jahren nicht viel mehr, als die Verbesserungen anderer Entwickler in den Kernel einzubauen.

Probleme sieht der "Linux-Vater" an anderen Stellen: Torvalds klagte über zu wenig Tester, über wiederholte Konflikte zwischen einigen zentralen Entwicklern und über einen Mangel an Entwicklerinnen im Kernel-Team. Allerdings: Dass zu wenige User experimentelle Kernel-Version testen, darüber beschwerte sich Torvalds schon in unserem ersten Gespräch vor zwölf Jahren; und zu dem gelegentlich ruppigen Ton auf der Linux Kernel Mailing List (LKML) trägt Torvalds durchaus selbst bei. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, warum sich so wenig Frauen in Projekten wie dem Linux-Kernel engagieren, sei auf die Ada Initiative verwiesen – deren Mitbegründerin Valerie Aurora übrigens zu den wenigen Kernel-Entwicklerinnen gehört: Unter den ersten 22 der 30 Kernel-Hacker, die die Linux Foundation in einer Serie vorstellt, sind gerade mal zwei Frauen.

Und noch ein Problem kam zur Sprache: Die Kernel-Entwickler werden immer älter. Torvalds sieht darin kein Problem: Die Entwickler würden halt mit dem Linux-Kernel altern, und es würden auch reichlich neue Entwickler hinzukommen. Dass das mit dem Nachwuchs jedoch keineswegs so ganz von selbst läuft, belegen Projekte wie Linux Kernel Newbies, die angehenden Kernel-Hackern den Weg in die Entwickler-Community ebnen wollen. Auch auf der LKML gab es schon Diskussionen, wie man die Hürden für den Einstieg in die Kernel-Entwicklung senken könnte.

Vielleicht interessieren sich junge Programmierer aber auch einfach für andere Themen? Finden es interessanter, eine pfiffige App zu schreiben, als in einen Linux-Treiber Workarounds für irgendwelche Hardware-Macken einzubauen? Programmieren lieber in Java oder Haskell als in C? Torvalds verwies in der Diskussion darauf, dass mittlerweile die meisten Kernel-Entwickler für ihre Arbeit am Linux-Kernel bezahlt werden und Firmen eher erfahrene Entwickler einstellen würden. Vielleicht müssen aber auch so viele Kernel-Entwickler bezahlt werden, weil immer weniger Hacker noch aus Spaß am Linux-Kernel programmieren?

Da ist es umso erstaunlicher, dass AMD sein Operating System Research Center in Dresden schließt. Das 2006 gegründete OSRC beschäftigte über 20 Entwickler, die vor allem dafür sorgten, dass der Linux-Kernel und die Hypervisoren KVM und Xen gut auf AMD-Prozessoren laufen. Als ich vor knapp einem Jahr in Dresden zu Besuch war, erzählt mir OSRC-Chef Chris Schläger noch stolz, dass bislang alle Entlassungsrunden bei AMD an dem Operating System Research Center vorbeigegangen seien. Kein Wunder: Ende 2007 waren es die Dresdner, die mit einem schnellen Patch für den TLB-Bug im AMD Phenom und Barcelona die neuen AMD-Prozessoren etwas aus der Schusslinie nehmen und die ganz große Katastrophe verhindern konnten.

Nun ist AMD der zweitgrößte Hersteller von x86-Prozessoren, und es ist kein Geheimnis, dass mit Serverprozessoren eher Geld zu verdienen ist als im hart umkämpften PC-Geschäft. Linux läuft laut den Marktforschern von IDC und Gartner auf gut 30 Prozent aller x86-Server, Tendenz steigend: Da sollte man doch meinen, dass eine gute Linux-Unterstützung für einen Prozessorhersteller Pflicht ist. Für die geplanten ARM-Server, die AMD in Zukunft bauen will, gibt es derzeit gar keine Alternative zu Linux.

Wenn AMD trotzdem glaubt, bei den Prozessoren ohne Linux-Unterstützung auskommen zu können, fragt man sich natürlich, was aus den offenen Grafiktreibern für Linux werden soll – schließlich spielt der Pinguin auf dem Desktop eine viel kleinere Rolle als in der Server-Welt. Dass die Arbeit daran bei AMD weitergehen soll, während das OSRC dicht macht, mutet da fast absurd an. Aber AMD-Grafik-Konkurrent Nvidia scheint sich derzeit auch etwas stärker bei dem Thema Grafik für Linux zu engagieren ...(odi)

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