Die Woche: Linux als Schulfach

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Mit seinem neuen Zertifizierungsprogramm "Linux Essentials" hat das LPI Schulen und andere Bildungseinrichtungen im Visier. Die Schüler erhalten damit nicht nur fundierten IT-Unterricht, sondern auch ein international anerkanntes Zertifikat.

Wenn "Grundlagen Informatik" oder "Office" auf dem Stundenplan stehen, meinen viel zu viele Schulen damit noch immer "Microsoft Windows" und "Microsoft Office". Mitunter wird schon von Fünftklässlern erwartet, dass sie ihre Referate mit Microsoft PowerPoint gestalten und ihre Aufsätze mit den Word-Vorlagen des Lehrers schreiben. Alternative oder Open-Source-Software ist hier meist unerwünscht, schließlich müsste der Lehrer abweichende Menüs und Funktionen erklären – und die Word-Vorlage sieht in OpenOffice doch nicht immer exakt so aus wie in MS-Office.

Das Schlimme ist: Mit der Fixierung auf bestimmte Programme des immer gleichen Herstellers lernen die Schüler nicht mehr, wie sie mit dem Computer Probleme lösen. Schon kleine Änderungen an der Benutzeroberfläche können die Schüler dann ratlos machen – weil sie stur nach Schema F ausgebildet wurden.

Mit der zur CeBIT vorgestellten Zertifizierung Linux Essentials bietet das Linux Professional Institute Schulen ein interessantes Konzept für den Informatik-Unterricht, die ein breiter angelegtes Computer-Wissen fördert. Die Städtische Berufsschule für Informationstechnik in München plant bereits für das kommende Schuljahr 2012/13 einen ersten Informatik-Kurs für die 10. Klasse mit dem Schwerpunkt Linux Essentials. Die dort verwendenten Lehrunterlagen sollen Schulen kostenlos zur Verfügung stehen, mit ihrer Veröffentlichung ist allerdings erst im Sommer zu rechnen – ebenso wie mit dem Buch von Open Source Press. Die Linup Front GmbH hingegen hat ihre Schulungsunterlagen bereits zur Vorstellung des Linux-Essential-Programms unter der Creative-Commons-Lizenz vorgestellt.

Das vom LPI geforderte Wissen für das Zertifikat ist ziemlich breit angelegt: So verlangt die Prüfung im Bereich Desktop-Anwendungen nicht nur Grundwissen in OpenOffice, sondern auch in LibreOffice, Gimp und ImageMagick. Mit ihren unterschiedlichen Bedienkonzepten verlangt die Vielfalt von den Schülern, sich mit verschiedenen Lösungswegen auseinanderzusetzen: Sie lernen, Probleme und Lösungen zu verstehen, anstatt bei einem bestimmten Problem einfach die 5. Funktion aus dem 3. Menü von links aufzurufen.

Auch die Bereiche Server und Kommandozeile kommen nicht zu kurz: Einfache Skripte in Skriptsprachen wie Bash, Perl und Python, Grundlagen von Apache, MySQL und PostgreSQL, Netzwerkkonfiguration und Zugriffsrechte sind ebenfalls Gegenstand der Ausbildung.

Ein weiterer Vorteil: Behandelt der Lehrer im Rahmen des Informatik-Unterrichts alle für die Zertifizierung erforderlichen Themen, können die Schüler am Ende des Schuljahrs die offizielle LPI-Prüfung ablegen – und erhalten neben ihrer Note im Zeugnis auch noch ein international anerkanntes Zertifikat, das in jeder Bewerbung für einen IT-Job gut aussieht. Welche Jobs es gibt, wissen die Schüler in jedem Fall – denn Grundwissen über die Linux-Community und Jobs im Open-Source-Umfeld gehören ebenfalls zum Prüfungsstoff. (mid)

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