Die Woche: Linuxer sind keine Spieler

@ctmagazin | Kommentar

Hardcore-Gamer sind unter Linux rar gesät: Falls Linuxer überhaupt spielen, starten sie Windows-Spiele im Emulator oder begnügen sich mit typischen Kurzweilern wie Tetris oder Mahjongg. Vielleicht liegt es daran, dass sie mit Linux schon genug Spielspaß haben.

Für die einen ist Linux nur ein Betriebssystem, für andere das längste Text-Adventure der Welt: Vielleicht ist das die Erklärung, warum es unter Linuxern kaum Hardcore-Gamer gibt – sie verbringen schon so viel Zeit beim Herumspielen mit dem freien Betriebssystem, dass sie auf andere komplexe Spiele keine Lust mehr haben oder allenfalls noch typische Kurzweiler aus dem (auch in der Linux-Version durchaus erfolgreichen) Humble Indie Bundle spielen.

Einen Mangel an ausgefeilten und auch komplexen Spielen gibt es unter Linux eigentlich nicht. Jedes neue Release des Windows-Emulators Wine enthält eine umfangreiche Liste neuer Spiele, die nun unterstützt werden – darunter finden sich auch so bekannte wie World of Warcraft oder Command & Conquer.

Hinzu kommen die nativen Linux-Spiele wie zum Beispiel der freie Flugsimulator FlightGear, der teamfähige First-Person-Shooter Unvanquished oder das Strategiespiel Harvest Massive Encounter. Zudem will Spielehersteller Valve jetzt seine Spieleplattform Steam auf Linux portieren, womit demnächst auch Titel wie Left 4 Dead 2, Team Fortress, Counter-Strike und Half-Life nativ unter Linux laufen dürften.

Für Zeitvertreib ist also gesorgt. Dennoch scheinen die meisten Linux-Anwender Spiele zu verschmähen: Noch keinem kommerziellen Anbieter ist es gelungen, mit "großen" Linux-Spielen Geld zu verdienen. Ein Pionier war die Software-Schmiede Loki, die bekannte Spiele wie Sim City 3000, Rairoad Tycoon II oder Civilization auf Linux portierte (und die man noch heute ausprobieren und sogar kaufen kann). Aber wWährend die Spiele unter Windows Kassenschlager waren, blieb der wirtschaftliche Erfolg bei Loki aus: Das Unternehmen musste 2002 die Pforten schließen.

Haben Linux-Anwender vielleicht einfach keine Zeit zum Spielen? Neulinge installieren Linux fast immer parallel zu Windows und haben genug damit zu tun, das neue Betriebssystem kennenzulernen. Man experimentiert halt mit Linux herum, bis man weiß, wie man es sinnvoll einsetzen kann – Linux wird quasi zum Spiele-Ersatz, zu einem Abenteuer, das oft genug auf der Kommandozeile endet.

Selbst wenn ein Hardcore-Gamer später die meiste Zeit unter Linux arbeitet, wird er sich seine Windows-Partition mit den Spielen aufheben. Es ist also ein Leichtes, mal eben Windows zu starten und dort dem Spieltrieb zu frönen. Interesse an Linux-Spielen dürften daher vor allem die hartgesottenen Linux-Verfechter haben, die keinesfalls ein Windows booten würden. Ob das heutzutage reicht, um damit ein Software-Unternehmen über Wasser zu halten, wird sich an Steam für Linux ablesen lassen – wenn es denn eines Tages fertiggestellt ist. (mid)

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