Beim diesjährigen RoboKing-Finale mussten die Bots mehrere Teilaufgaben bewältigen, taktieren und dabei stets den Kontrahenten im Sensor behalten, um beim „Steinschlag im Gebirge“ als Sieger vom Platz zu gehen.
Der König hatte auch in diesem Jahr auf die CeBIT geladen. Beim von der Technischen Universität Chemnitz ausgeschriebenen RoboKing galt es, das Tal von Felsbrocken zu befreien, damit der König sicher seine Burg erreichen kann. Insgesamt 16 Teams aus dem deutschsprachigen Raum nahmen am Finale des Schülerwettbewerbs im Roboterbau teil und zeigten, dass diesmal nicht nur Technik, sondern auch eine clevere Strategie gefragt war.
Die Aufgabe, die die Roboter völlig eigenständig auf dem 2 x 3 Meter großen Spielfeld bewältigen sollten, hatte es in sich: Zu Beginn mussten sie Tennisbälle von einer Rampe herunterschubsen, um damit die in der Mitte des Spielfeldes liegenden Tischtennisbälle so anzustoßen, dass sie ins gegnerische Feld rollen. Anschließend galt es, die eigene Hälfte von den Tischtennisbällen zu befreien. Dazu konnten die Bots die Bälle entweder zurück zum Gegner befördern oder in eine Grube in der eigenen Spielfeldhälfte werfen. Zum Spielende bekam jedes Team pro Tischtennisball im eigenen Spielfeld Punktabzug, für Bälle in der Grube gab es dagegen Pluspunkte.
Die Arbeitsgrundlage für die Bot-Bauer waren auch in diesem Jahr mehrere PDF-Dokumente, die detailliert Spielfeld, Aufgabe und wichtige Bauteile beschreiben. Die deutlichste Einschränkung für die Roboter war die Verwendung eines einzigen 8-Bit-Controllers oder -Prozessors. Wie auch im vergangenen Jahr wurden der Kreativität der Schüler darüber hinaus kaum Grenzen gesetzt.
Entsprechend tummelten sich auf dem Spielfeld Roboter, die schaufelten, saugten, fegten oder die Tischtennisbälle entweder in die eigene Grube oder zurück in das gegnerische Spielfeld schossen, um dem Kontrahenten damit Strafpunkte aufs Auge zu drücken. An Baumaterialien nutzten die Teams von Acrylglas, Staubsaugermotoren, Rundbürsten bis zu Kunststoffwasserrohren beinahe alles, was man im Haushalt und Baumarkt auftreiben - und dann zweckentfremden - kann.
Für die Programmierung der Bots waren die Teams ebenfalls verantwortlich. Außer der Steuerung des Antriebs musste die Software die Daten der verschiedenen Infrarot- oder Ultraschallsensoren auswerten, damit der Roboter seine Position auf dem Spielfeld errechnen kann. In einigen Fällen misslang das. Bei totaler Orientierungslosigkeit mussten einige Teams ihren Bot von Hand zurück auf den rechten Weg bringen - und kassierten dafür Strafpunkte.
Zwischen den Spielrunden konnten einige Teams mit kurzfristigen Änderungen der Steuersoftware die Spielstrategie oder die abzufahrenden Routen ändern: So mancher Bot, der in einigen Läufen zunächst nur Bälle einsammelte, konnte die Gegner damit verblüffen, dass er in anderen Runden die gesammelten Bälle einige Sekunden vor Spielende plötzlich ins gegnerische Feld schoss. Andere Bots hatten „gelernt“, zu Spielbeginn zunächst den gegnerischen Steinschlag zu blockieren und erst anschließend die eigene Lawine loszurollen.
In den Spielpausen schraubten die Teams in hektischer Betriebsamkeit fieberhaft an ihren Schützlingen. Und so mancher Bot wurde an den digitalen Tropf gehängt, um ihm per Laptop noch schnell ein Softwareupdate zu verpassen.
Außer den technischen Hürden mussten sich die Teams auch einem großen weltlichen Problem stellen: der Finanzierung. Allein die Materialkosten für einige Bots kratzen an der 1000-Euro-Marke. Ohne Finanzspritzen von Sponsoren können viele Schülerteams ihre Projekte nicht verwirklichen. Mehrere Teilnehmer erklärten, dass die Anfrage nach finanzieller Unterstützung häufig selbst bei namhaften Firmen ins Leere lief. Oft sei die Anfrage beim Elektroladen um die Ecke erfolgreicher gewesen.
Das Spiel um Platz eins bestritt das Team Hamburg des Walddörfer Gymnasiums gegen das Team Berlin von der Hermann-Hesse-Oberschule. Nach einem spannenden Hin- und Rückspiel konnte das Team Hamburg seinen Vorjahrestitel verteidigen. Die Enttäuschung dürfte sich bei den Berlinern jedoch in Grenzen halten. Die gemeinsame Webseite beider Mannschaften zeugt eher von Teamgeist als von knallharter Konkurrenz.
Das Duell um Platz drei entpuppte sich als sehr enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Robotrixern aus Buxtehude und dem Team Robofaber aus Erlenbach. Nach einem Unentschieden konnten sich die Robotrixer erst durch ein drittes Match die Bronzemedaille sichern. Das Schweizer Team, das beim Vorentscheid des RoboKings die 41 anderen Schülerteams aus Deutschland ausgestochen hatte, erreichte bei den Finalläufen den sechsten Platz in der Gesamtwertung. Aufgrund einer Regeländerung für die Finalläufe musste das Team nach der Vorrunde seinen Bot umbauen.
Die detaillierte Aufgabe für den kommenden Wettbewerb hat die TU Chemnitz bereits auf ihrer Webseite veröffentlicht. Unter dem Motto „Ritterspiele“ sollen beim RoboKing 2008 die Bots Tennisbälle finden und in die eigene Basis transportieren. Für Taktieren ist auch im kommenden Jahr gesorgt: Durch das „Stehlen“ von Ringen kann ein Team das gegnerische Lager wieder entleeren und sich deren Bälle einheimsen. Wer am RoboKing 2008 teilnehmen möchte, kann bis zum 15. Mai online seine Bewerbung einreichen. Die diesjährige Qualifikationsrunde wird am 24. und am 25. November 2007 in Chemnitz stattfinden. Das Finale soll dann im kommenden Frühjahr ausgetragen werden. Wer das diesjährige Finale verpasst hat, findet auf der Webseite der TU mehrere Videos davon.
(spo)
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