Der Schlagabtausch zwischen AMD und Nvidia umdie besten Direct3D-10-Chips geht in die nächste Runde. Diesmal schickt AMD zwei 3D-Bausteine für die Mittel- und Einstiegs-klasse in den Ring. Das Publikum ist gespannt, ob die neuen Radeon-Chips zu Preisen unter 150 Euro mehr Leistung für Vistas Grafikschnittstelle als ihre Konkurrenten namens GeForce liefern.
Einen Monat nachdem AMD versucht hat, mit dem Radeon HD 2900 XT im prestigeträchtigen High-End-Segment Punkte zu sammeln (siehe c't 11/07, Seite 18), kommen nun erste Karten mit dem Mittelklasse-Chip Radeon HD 2600 und dem Low-Cost-Ableger Radeon HD 2400 in den Handel. Die Mittelklasse erfüllt gewöhnlich die Ansprüche ambitionierter Spielefans zu bezahlbaren Preisen. Allerdings enttäuschte Nvidias GeForce-8600-Reihe in den ersten Direct3D-10-Tests mit überraschend schlechten Resultaten (siehe c't 14/07, Seite 118). Diesmal muss AMD zeigen, ob zumindest die Pixel-Power des HD 2600 für anspruchsvolle Direct3D-10-Grafik reicht.
Beide Grafikchips sollen in einer schnellen XT- und einer langsameren Pro-Version herauskommen. Die Grafikkartenhersteller kombinieren den HD 2600 XT zudem mit zwei unterschiedlichen Speichertypen. Die Variante mit 1100 MHz schnellem GDDR4-Speicher soll knapp 150 Euro kosten, die Version mit GDDR3-Speicher für 700 MHz Taktfrequenz rund 30 Euro weniger. Der Preis für Grafikkarten mit dem Radeon HD 2600 Pro (Chip-/Speichertaktfrequenz: 600/400 MHz) liegt bei 85 Euro. Radeon-HD-2400-Karten taugen schon aufgrund ihres 64-Bit-Speicherinterfaces nur begrenzt zum Spielen. Für die XT-Ausführung (700/800 MHz) wird rund 70 Euro verlangt, für die Pro-Variante (525/400 MHz) 60 Euro.
Im Unterschied zu Nvidias Mittel- und Einstiegsklasse bieten Grafikkarten mit dem neuen AMD-Chip durchgängig HDCP-Unterstützung für die Wiedergabe kopiergeschützter HD-Videos. Außerdem lässt sich bei ihnen ein HDMI-Ausgang mit Tonsignal unkompliziert nachrüsten. Der dazu erforderliche DVI/HDMI-Adapter soll allerdings nur den 2600er-Grafikkarten beiliegen. Wie Nvidias 8500er- und 8600er-Reihe können auch die AMD-Chips die CPU beim Abspielen von HD-Videos unterstützen, was wir ab Seite 132 ausführlich untersuchen.
Für erste 3D-Tests holten wir den HD 2600 XT mit GDDR4-Speicher und den HD 2400 XT ins Labor (siehe Tabelle auf der nächsten Seite). Der Radeon HD 2600 XT GDDR4 zeigt sich nur im Di-rectX-9-Spiel Company of Heroes dem etwa gleichteuren GeForce 8600 GTS gewachsen. In Oblivion und S.T.A.L.K.E.R. arbeitet er bis zu 28 Prozent langsamer und mit Antialiasing bleibt der AMD-Chip sogar 34 Prozent zurück. In den Direct3D-10-Tests bricht der Nvidia-Chip völlig ein, während der 2600 XT hier bis zu 2,5-mal schneller arbeitet.
Der Radeon 2400 XT schlägt sich trotz seines 64-Bit-Speichers tapfer und liefert zumindest in DirectX-9-Tests spielbare Bildraten bei 1024er-Auflösung und reduzierten Effekten. Das zu ihm passende Konkurrenzprodukt GeForce 8400 GS verwendet ebenfalls ein 64-Bit-Speicherinterface, aber keine Speichertakte oberhalb von 400 MHz und stand uns zum Testzeitpunkt noch nicht zur Verfügung.
Die Lüfter der beiden AMD-Testmuster rotieren auch unter 3D-Last sehr langsam und kaum hörbar. Da AMD die 2600er- und 2400er-Chips mit 65-nm-Strukturen fertigen lässt, entwickeln vor allem die 2400er-Karten sehr wenig Wärme. Ihre maximale Leistungsaufnahme liegt unter 25 Watt, die der 2600er unter 50 Watt. Zahlreiche Hersteller haben bereits passiv gekühlte Versionen angekündigt.
In Spielen mit anspruchsvoller DirectX-9-Grafik eignet sich der Radeon HD 2600 XT für Auflösungen bis zu 1280 x 1024 Bildpunkten, bleibt aber deutlich hinter den guten Werten eines GeForce-8600-GTS zurück. Besonders mit zweifachem Antialiasing machen sich die Leistungsgrenzen bemerkbar, was bei der GDDR3-Version mit 700 MHz Speichertakt noch stärker zu spüren sein dürfte. In Direct3D-10-Spielen kehrt sich das Bild um. Während der Nvidia-Chip hier gänzlich versagt, liefert der AMD-Chip zumindest bei 1024er-Auflösung noch Bildraten, die man bei leichter Reduzierung von Schatten, Lichtern oder Texturdetails in den akzeptablen Bereich heben kann. Seine Direct3D-10-Leistung ist trotzdem alles andere als üppig, weshalb ambitionierte Spielefans besser zur Oberklasse greifen sollten.
Der Einstiegschip Radeon HD 2400 XT-Version bewältigt aktuelle DirectX-9-Spiele zwar noch knapp bei Bildschirmauflösungen bis zu 1024 x 768 Bildpunkten. Trotzdem sollten Gelegenheitsspieler den Radeon HD 2600 Pro vorziehen, der für wenige Euro mehr eine deutlich höhere Leistung verspricht. Dem schwächsten Neuling Radeon HD 2400 Pro mutet man besser nur unkritische Anwendungen wie Google Earth oder ältere Spiele zu.
AMDs Partner wollen ihre Grafikkarten ab Anfang Juli in den Handel bringen und verwenden besonders beim Radeon HD 2400 Pro teilweise höhere Taktfrequenzen als von AMD vorgesehen. GeCube, MSI und Sapphire bereiten zudem Dual-Grafikkarten mit zwei HD-2600-XT-Chips vor. Bei GeCube laufen sie unter dem Namen Gemini und sollen vier DVI-Ausgänge sowie 512 MByte Speicher pro 3D-Chip tragen.
(law)
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