Am 1. Mai 2012 sollen Millionen deutscher Fernsehzuschauer, die heute Analog-TV über Satellit schauen, unter das Joch des Digitalfernsehens gezwungen werden. Was da unter dem verharmlosenden Motto "Klardigital" verkauft wird, bedeutet im Klartext, dass bei allen, die bis zum Stichtag nicht umstellen, der Bildschirm schwarz bleibt. Das forcieren unter anderem die Landesmedienanstalten, ARD und ZDF sowie ProSiebenSat.1 und die RTL-Gruppe.
So jedenfalls stellt es das aufrechte Grüppchen unbeugsamer Unternehmen dar, das da nicht mitmachen will: Kabel Deutschland, Kabel BW und Unitymedia haben sich nämlich "Keine Zwangsdigitalisierung" auf die Fahnen geschrieben und versprechen auch nach dem 30. April 2012 ein "analoges Programmangebot", das "zu jeder Zeit verfügbar" ist. Als mich deren Pressemitteilung zur Rettung des Analogfernsehens erreichte, bin ich vor Lachen fast vom Stuhl gerutscht.
Ist ja lobenswert, dass sich da jemand für die Rest-Röhrenfernseher in Wohn- und Schlafzimmern stark macht, damit sie weiterhin ohne Zusatzgeräte Bilder zeigen. Aber langfristig wird sich doch wohl jeder möglichst viel HDTV wünschen, der einen HD-fähigen Fernseher angeschafft hat. Das braucht Bandbreite, und Analog-TV geht damit nun mal allzu verschwenderisch um.
Und es ist einfach absurd, dass sich ausgerechnet die Kabelnetz-Provider darüber aufregen, Fernsehzuschauer würden zu irgendetwas gezwungen: Profitieren sie etwa nicht davon, dass Vermieter den Mietern Kabelanschluss aufzwingen und das Anbringen von Satellitenschüsseln verbieten? Wird man nicht gerade bei den meisten Kabelnetz-Providern über die sogenannte "Grundverschlüsselung" gezwungen, für den Empfang der Privatsender einen gesonderten Vertrag abzuschließen und nur bestimmte Digital-TV-Empfänger einzusetzen? Und sind es nicht wiederum diese Empfänger, die "aus Gründen des Jugendschutzes" immer wieder die Eingabe einer PIN verlangen - selbst wenn gar kein Minderjähriger im Haushalt lebt?
Tatsächlich, liebe Kabelnetzbetreiber, dürfte Eure Treue zum Analog-TV schnödere Gründe haben als das Wohlergehen der Zuschauer: Ihr seid zur Fortführung der analogen Einspeisung unter anderem durch Verträge mit Wohnungsbaugesellschaften verpflichtet, über die etliche TV-Haushalte an Eure Netze angeschlossen sind. Und diese Gesellschaften haben - wie übrigens auch die anderen Kunden - keine Lust auf den Stress mit Digital-TV-Abos, Grundverschlüsselung und Smartcards. Und wenn Ihr, die letzte Bastion des Analog-TV, dasselbe wirklich sterben lassen würdet, dürften nicht wenige Zuschauer plötzlich feststellen, dass sie mit einem völlig kabelgebührenfreien Programmangebot über DVB-T womöglich auch gut leben können. Also, lasst’s gut sein.
(nij)
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