Xtra kundenfreundlich
Prepaid heißt: erst zahlen, dann nutzen. Doch wenn die Nutzung unterbleibt, wird das Geld dann vollständig repaid? Deutsche Mobilfunk-Provider sagten erst mal "Nein!", deutsche Gerichte sagten "Aber hallo!", worauf die Provider murmelten: "Grmpf".
In meinem Fall hieß der Provider T-Mobile. Dort hatte ich 2007 ein Prepaid-Handy mit Xtra-Card für meine Eltern gekauft, die es aber nicht nutzten. Irgendwann sollte die SIM-Karte dann wegen Nichtgebrauch aus dem T-Mobile-Netz ausgebürgert werden. In einem Brief setzte mir die Telekom eine letzte Frist, um dies durch Aufladen des Prepaid-Kontos zu verhindern. Ich kapitulierte vor der Technikfeindlichkeit der älteren Generation und ließ die Frist verstreichen.
Keinerlei Hinweis fand sich in dem Brief darauf, ob sich denn noch Guthaben auf dem Prepaid-Konto befände. Und ich konnte weder Rechnungen noch die Zugangsdaten zum Kundenkonto auftreiben. Für solche Fälle kann man sich per SMS einen Freischaltcode aufs Handy schicken lassen, doch das war bereits von der Nachrichtenzentrale abgeschnitten. Die Telekom scheute keine Mühe und sendete mir einen Code per Brief. Leider erwies sich ihre Mühe als vergebens, denn der Code funktionierte nicht.
Mir blieb nur noch der Weg nach Canossa, das für König Kunde Service-Hotline heißt. Da das Handy jeglicher Kontaktfreude beraubt war, führte dieser nicht über die kostenlose 2202, sondern über eine mautpflichtige Servicerufnummer im Festnetz. Nach einigen Minuten Musikberieselung bedankte sich eine Servicemitarbeiterin höflich dafür, dass ich gewartet hatte. Sie bewies damit mehr Kinderstube als der Bettler, der neulich meinen Euro mit einer barschen Bemerkung quittierte. Außerdem revanchierte sich die Telekom für meinen 0180-Obolus mit der Information, dass auf dem Prepaid-Konto noch über 32 Euro ihrer Rückzahlung harrten. Ich müsse nur einen Brief mit meiner Bankverbindung schicken - und natürlich die gesperrte SIM-Karte dazulegen. Pech gehabt, Telekom: Die hatte ich noch nicht entsorgt.
So weit gekommen, fragte ich mutig nach einem Entsperrcode für das fünf Jahre alte Prepaid-Handy. Die Dame empfahl mir die Webseite, auf der man diesen Code durch Eingabe der IMEI abrufen könne. Die hatte ich bereits seit mehreren Wochen regelmäßig besucht: IMEI eingeben, Antwort: "Ihr Entsperrcode liegt leider nicht vor und wird von uns beim Hersteller bestellt. Sie können den Code dann in ca. einer Woche hier nochmals abfragen.", "Ja" anklicken. Ich begann schon von Murmeltieren zu träumen, so oft hatte ich das durchgespielt.
War natürlich alles mein Fehler, erklärte die Dame, das funktioniere nämlich "manchmal" nicht. Ich hätte auf "Nein" klicken müssen. Dann wird man nach der Adresse gefragt und die Telekom schickt den Code für das Telefon per Post. Das funktioniere.
Fazit: Auch als Ex-Kunde erhält man von der Telekom, was einem zusteht. Würde man es aber als Noch-Kunde der Telekom ebenso schwer machen, an das zu kommen, was ihr zusteht, hätte man wohl schnell eine gehörige Menge Ärger mit dem Inkasso am Hals.
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