Es kann nur einen geben
Für einen erfolgsverwöhnten Aufsteiger gibt es wohl nichts Schlimmeres als einen Rivalen, der ihm das erkämpfte Revier streitig macht. So wird verständlich, weshalb Intel mit verblüffend perfiden Methoden versuchte, AMD aus dem Markt zu drängen. Das jedenfalls hat die EU-Wettbewerbskommission festgestellt (siehe Seite 152 ) und denselben Vorwurf erhebt auch die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC).
Man kann nur spekulieren, wie sich Intel zur Jahrtausendwende fühlte: Zwei Dekaden lang hatte man – anfangs zur eigenen Überraschung – säckeweise Geld mit x86-Prozessoren verdient, weil IBM zufällig eben jene für die ersten Personal Computer auserkoren hatte. Zunächst interessierte sich freilich kein PC-Käufer dafür, von wem der Chip-Salat in der Kiste stammte – Hauptsache, er war "IBM-kompatibel". Damit war Intels Wohl und Wehe an IBM geknüpft, was nicht nur ein geschäftliches Risiko darstellte, sondern auch Wachstumschancen beschnitt.
Um den CPU-Absatz zu fördern, erweiterte Intel den Einsatzbereich der PC-Technik nach Kräften, etwa durch höhere Rechenleistung, niedrigere Preise, Standardisierung möglichst vieler Hilfskomponenten oder Bereitstellung optimierender Compiler. Vor allem aber gab Intel sehr viel Geld aus, um die eigene Marke bekannter zu machen – "Intel inside" gilt heute als Musterbeispiel des "Brand Building".
Glücklich war der Silicon-Valley-Aufsteiger trotzdem nicht, das Image des billigen Jakobs nagte am Selbstbewusstsein: Man lieferte ja bloß PC-Prozessoren, echte Kerle fertigten Chips für Mainframes und Superrechner. In mehreren Anläufen, etwa mit dem Pentium Pro, kämpfte sich Intel ins Server-Business hoch. Vom Pentium II gab es erstmals Server-Versionen namens Xeon, das Geschäft kam allmählich in Schwung. Die x86-Boxen fraßen sich immer tiefer ins profitable Schlaraffenland der mächtigen Unix- und RISC-Platzhirsche, wie historische Top500-Listen eindrucksvoll belegen.
Doch just als der 64-Bitter Itanium die Kronjuwelen erobern sollte, tauchte der rasante Athlon auf. Attacke mittschiffs, Panik auf der Steuerbrücke: Der Pentium 4 erwies sich als Blindgänger, Rambus-Speicher als Rohrkrepierer und der Opteron schoss dem Itanium das Volumengeschäft weg. Das mühsam erarbeitete Image als omnipotenter und unbezwingbarer Performance-Champion nahm schweren Schaden – die Marke "Intel inside" funktioniert nicht für Ware zweiter Wahl. In schierer Verzweiflung setzten Intels Kapitäne aufs taktische Foul, meinen die Wettbewerbshüter: Opulente Rabatte, aber auch unverblümte Drohungen hielten Großkunden wie Acer, Dell, HP oder Lenovo bei der Stange. Wichtigen PC-Händlern wie MediaMarkt schob Intel Bares zu, schlecht getarnt als Werbekostenzuschüsse oder Marktentwicklungshilfen.
Jahre später zahlt Intel nun die Zeche: 1,06 Milliarden Euro an die EU, 1,25 Milliarden US-Dollar an AMD, das FTC-Verfahren läuft erst an. Intels Kasse verkraftet das locker, denn sie ist prall gefüllt. Es hat sich also trotzdem gelohnt, unfair zu sein.
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