Leseprobe aus c't 1/13
Achim Barczok, Martin Holland
Ein Licht geht auf
E-Book-Reader mit lesefreundlichen Displays und LED-Leuchte
E-Book-Reader brauchen kaum Strom und sind leicht. Doch bisher hatten Tablets ihnen etwas voraus: Man kann darauf auch im Dunkeln schmökern. Die neue Reader-Generation vereint die Vorteile beider Welten mit einer zuschaltbaren LED-Beleuchtung.
Kommen Sie näher! Zoomen Sie doch mal rein. Finger auseinander! Sie wissen schon, Pinch to Zoom heißt das. Oder ein Doppeltipp genau hier, dann wirds größer. Geht nicht? Oh – Sie lesen ja immer noch auf Papier.
Keine Sorge, wir finden es völlig in Ordnung, dass Ihre c’t noch raschelt. Aber ein richtiges Buch aus totem Baum ist wirklich nicht mehr zeitgemäß. Es gibt gute Gründe, auf E-Books umzusteigen. Die Lesegeräte sind ausgereift, haben Platz für Hunderte E-Books und bieten Funktionen, die kein Papier der Welt beherrscht. Einige können sogar Multitouch. Und das Angebot an kostenlosen und kostenpflichtigen E-Books ist riesig.
E-Books lesen macht aber nur Spaß mit der passenden Hardware. Es gibt zwar auch Lese-Apps für Smartphones und Tablets, doch am besten taugen dafür immer noch die Lesegeräte mit Spezial-Displays, die augenfreundliches Lesen, lange Laufzeit und Lesespaß auch am Strand in der prallen Sonne versprechen.
Acht Geräte treten das Rennen um den Platz auf der Sessellehne an. Im Preisbereich ab 100 Euro warten drei Reader mit echten Neuerungen auf: Der Amazon Kindle Paperwhite, der Bookeen HD Frontlight und der Kobo Glo haben hochauflösende Displays und ergänzen das lesefreundliche E-Ink-Display um eine zuschaltbare LED-Beleuchtung. Auf dem Sony Reader PRS-T2 wiederum kann man mit einem Stift Notizen in E-Books kritzeln.
Der Kindle 5 bietet den gewohnten Shop-Komfort von Amazon, lässt sich über den 4-Wege-Button aber nur umständlich bedienen.
Den günstigeren Geräten fehlen solche Schmankerl: Dafür punkten das Einstiegsmodell von Amazon (im Folgenden Kindle 5 genannt), der Kobo Mini, das Pocketbook Basic und der Trekstor Pyrus mit Preisen ab 60 Euro – und dürften deshalb in diesem Jahr unter so manchem Weihnachtsbaum liegen.
Displaytechnik
Alle Testgeräte verwenden als Displaytechnik sogenannte elektronische Tinte, bei fast allen stammt sie aus dem Hause E-Ink. Auf ihnen sehen Texte wie gedruckt aus und bleiben auch im Sonnenlicht ausgezeichnet lesbar. Die neueste E-Ink-Generation heißt Pearl und ist inzwischen in fast allen teureren Readern eingebaut. Sie bietet schnelle Schaltzeiten und den höchsten Kontrast.
Unter den Testgeräten setzen nur noch der Kobo Mini und das Pocketbook Basic den Pearl-Vorgänger Vizplex ein, der sich vor allem durch einen graueren Hintergrund bemerkbar macht. Den schwächsten Kontrast zeigt der Trekstor Pyrus, dessen Panel der Hersteller schlicht „Digital Ink“ nennt. Doch so richtig schwarz auf weiß sieht E-Ink auch auf den Pearl-Geräten nicht aus: Man hat auch hier noch das Gefühl, auf Recycling-Papier zu lesen. Am kontrastreichsten sind noch der Sony Reader und der Kindle 5, danach folgen der Paperwhite und die übrigen Reader mit Pearl-Display.
Die UMTS-Version des Kindle Paperwhite bietet kostenlosen Zugriff auf
den Kindle-Shop
auch unterwegs –
unter anderem in
der EU und den USA.
Nach dem Seitenwechsel bleiben blasse Rückstände der Vorseite stehen. Auf schlechten Readern sieht das in etwa so aus wie eine gedruckte Zeitung, bei der die Buchstaben der Rückseite durchschimmern. Um diese Reste komplett zu entfernen, invertieren die Reader den Seiteninhalt alle paar Seiten, was einige beim Lesen stört. Das Invertieren kann man abschalten oder zumindest reduzieren. Für schönes Lesen reicht es auf den Pearl-Readern, alle 5 bis 10 Seiten zu invertieren, bei den Vizplex-Readern sollte man es lieber „immer“ einstellen. Auf dem Trekstor Pyrus ist es so schlimm, dass Texte ohne Invertieren nicht mehr ordentlich lesbar sind.
Die höhere Auflösung vom Kindle Paperwhite, Kobo Glo und HD Frontlight (alle 213 dpi) macht sich vor allem bei kleinen Schriftgrößen bemerkbar, doch bei normalem Abstand und längerem Lesen fällt der Unterschied kaum auf – auch auf den Readern mit 167 dpi ist das Lesen sehr angenehm. Weil alle Displays leicht verkratzen und durch starken Druck – zum Beispiel im vollgepackten Rucksack – brechen, ist bei E-Book-Readern eine Hülle empfehlenswert.
LED-Beleuchtung
Kindle Paperwhite, Kobo Glo und HD Frontlight eint eine Besonderheit: Sie haben am Displayrand zuschaltbare LED-Lampen, deren Licht über eine auf dem Display liegende Diffusionsschicht verteilt wird. Damit kann man ohne Leselampe wie mit einem Tablet oder Smartphone auch dann weiterlesen, wenn es dunkel wird.
Auf dem Kobo Glo verteilt die Diffusionsbeschichtung das Licht der unten eingebauten LEDs am gleichmäßigsten. Die dunkelste Stelle auf dem Display leuchtet noch mit 80 Prozent der hellsten Stelle, das ist mit der Ausleuchtung eines mittelmäßigen Tablet-Displays vergleichbar. Mit maximal 111 cd/m2 ist der Glo außerdem vergleichsweise hell. Das entspricht in etwa der Helligkeit, mit der ein Bürolicht auf den Schreibtisch fällt – fürs Lesen im Dunkeln ist das mehr als genug.
Ein ganzes Stück schlechter verteilt der HD Frontlight das Licht. Zwar sitzen hier an allen vier Bildschirmrändern LEDs (max. 125 cd/m2). Doch die Ausleuchtung ist mit 59 Prozent miserabel, das fällt selbst ungeschulten Augen sofort auf. Zudem stört am unteren Displayrand ein Schatten, der sich über die ganze Breite zieht. Stellt man den Reader auf eine niedrigere Helligkeitsstufe, liest es sich aber auch hier mit Licht angenehm.
Am natürlichsten sieht die Beleuchtung auf dem Kindle Paperwhite aus: Er leuchtet mit maximal 73 cd/m2 zwar lange nicht so hell wie die anderen. Doch die Stufen jenseits der 50 cd/m2 braucht man sowieso selten. Der Clou liegt vielmehr in den niedrigen Helligkeitsstufen: Die ersten zehn Stufen liegen zwischen 0,3 cd/m2 und 3 cd/m2 – die anderen Reader fangen erst bei 4 cd/m2 an. Das Justieren der LEDs in diesem Bereich sieht so aus, als würde man die Buchseiten sanft bleichen, statt ein Licht anzumachen. Das ist nicht nur in dunkler Umgebung nützlich, sondern verschönert die Seite auch bei guten Lichtverhältnissen.
Dass die Beleuchtung so natürlich aussieht, liegt aber auch am höheren Kontrast bei eingeschalteter LED. Ein paar Wermutstropfen gibt es aber auch hier: Der Kindle leuchtet mit 68 Prozent ungleichmäßig aus und am unteren Rand stören kleine Schatten zwischen den LEDs. Komplett abstellen kann man die Beleuchtung auf dem Kindle beim Lesen nicht, doch aufgrund der niedrigen Helligkeit merkt man das nur im Dunkeln.
Einen Helligkeitssensor hat keiner der Reader, man muss also immer händisch feintunen. ...
(acb)
Schöner lesen
Artikel zum Thema finden Sie in c't 1/2013:
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 1/2013.








