Ein erster Eindruck von Amazon Kindle Fire und Fire HD

Test & Kaufberatung | Hands-on

Amazons 7-Zoll-Tablets werden nun auch in Deutschland ausgeliefert, Zeit sich einen ersten Eindruck über die beiden Kindle Fire zu verschaffen.

Kauf mich! Bereits auf dem Sperrbildschirm von Amazons subventionierten Kindle Fire und Fire HD schlägt dem Nutzer erst einmal großflächige Werbung entgegen. Zu keinem Zeitpunkt danach verschwindet der Eindruck ganz, dass die Kindle-Tablets nur zu einem Zweck entwickelt wurden: Konsum. Wenn man sich darauf einlässt, gibt es jedoch auch kaum ein besseres und günstigeres Gerät dafür. Und für 15 Euro mehr lässt sich zumindest die Werbung los werden.

Sowohl Kindle Fire für 160 Euro als auch das teurere Kindle Fire HD für 200 Euro haben 7-Zoll-Displays im Breitbild-Format, die schöne kräftige Farben zeigen. Wo Amazon beim billigeren Fire gespart hat sieht man allerdings auch: So sitzt das Display deutlich tiefer im Gehäuse, die Auflösung ist geringer und die Entspiegelung schlechter. Der Bildschirm des Fire HD kann dagegen subjektiv das ebenfalls gute Display des Google Nexus 7 übertrumpfen. Längeres Lesen ist aber mit allen drei möglich.

Durch dicke Display-Ränder ist das Fire HD deutlich breiter als das Nexus und das günstigere Fire. Ohne Fingerabdrücke auf der Glasoberfläche lässt es sich kaum sicher in einer Hand halten. Beide Kindle sind vergleichsweise schwer, aber mit unter 400 Gramm hebt man sich auch noch keinen Bruch. Das Design der Kindle Fire ist zweckmäßig.

Die Einrichtung des Geräts und die Anbindung an den eigenen Amazon-Account hat der Händler bereits übernommen, wenn der Nutzer sich beim Kauf nicht ausdrücklich dagegen entschieden hat. Er muss nicht einmal mehr sein Passwort eingeben. Im Normalfall hat der Nutzer so direkt nach dem Einrichten des WLANs Zugriff auf sämtliche bei Amazon gekauften Bücher, Apps und MP3s sowie die schon bei Amazon in der Cloud gespeicherten Fotos und Dokumente.

Raum für Probleme gibt es dennoch: Mit einem neu eingerichteten deutschen Account waren zunächst sämtliche Shops und Inhalte auf Englisch und die Preise in Dollar. Kaufen ließ sich dort nichts, Amazon verwies auf Ländereinschränkungen. Erst nachdem auf der Amazon-Webseite die Herkunft des Kindle-Nutzers von "Unbekannt" auf "Deutschland" geändert wurde, erschienen die Shops wie vorgesehen. Über das Gerät selbst ließ sich das Problem nicht beheben.

Ähnlich verhielt sich auch mit einem alten deutschen Account, der für den US-amerikanischen Kindle-Shop eingerichtet war. Dieser musste erst in einen deutschen Kindle-Account gewandelt werden, um das Tablet in vollem Umfang nutzen zu können. Amazon warnt jedoch, dass dabei nicht alle Inhalte transferiert werden können, etwa Filme und Musik. Bereits beim Amazon-Cloud-Musikdienst waren einige Nutzer in diese Account-Falle geraten.

Sehr aufgeräumt wirkt die Oberfläche: Es fehlt ein klassischer Startbildschirm, auf dem Apps und Widgets abgelegt werden können. Stattdessen gibt es ein Karussell, in dem alle zuletzt aufgerufenen und hinzugefügten Inhalte zu finden sind. Darunter befindet sich eine weitere Leiste, in der kontextbezogen weitere Inhalte angezeigt werden. Bei den durch Werbung finanzierten Geräten sind das meist Vorschläge zum Kauf anderer Bücher, Musik oder Filme.

Wer vom Startbildschirm aus auf seine bereits gekauften Inhalte zugreifen will, kann das Suchfeld nutzen oder muss sich durch eine Leiste mit acht Kategorien scrollen. Eingerahmt werden diese von Links zum Amazon-Shop und den aktuellen (Werbe-)Angeboten. In den Kategorien Apps, Spiele, Bücher und Musik wird eine klassische Übersicht der auf dem Gerät bereits vorhandenen Inhalte geboten. Bei Amazon gekaufte, aber nicht heruntergeladene Elemente finden sich jeweils unter der Rubrik "Cloud".

Im App-Store gibt es zwar viele der bekannten Apps aus dem Google Play Store, in der Masse hinkt Amazon hier aber hinterher. Bei Google gekaufte Apps lassen sich auf dem Kindle nicht weiter verwenden, müssen also noch einmal bezahlt werden. Bei Büchern und Musik lässt die Auswahl hingegen keinerlei Wünsche offen, hier kann Amazon mit seinem reichhaltigen Angebot Google locker ausstechen. Auch die Kindle-App lässt kaum Wünsche offen und steht dem reinen eBook-Reader von Amazon in nichts nach. Zeitungen sind derzeit im deutschen Angebot jedoch gar nicht vorhanden, sogar die Kategorie fehlt auf der Fire-Oberfläche.

Die Oberfläche des Kindle Fire HD in bewegten Bildern

Die Abteilung Filme wird von der Amazon-Tochter Lovefilm bestückt. Hier lassen sich derzeit nur Filme und Serien zum Pauschalpreis von 7 Euro im Monat streamen. Der erste Monat ist kostenlos und das Paket monatlich kündbar, seine Bankdaten muss der Kunde jedoch von Anfang an hinterlegen. Das deutsche Filmangebot ist zwar nicht allumfassend, einige Blockbuster und viele neuere Filme lassen sich jedoch finden. Sehr mau fällt das Serienangebot aus, es gibt nur sehr wenige US-amerikanische und britische Serien, doch längst nicht alle sind vollständig.

Viele Videos liegen in HD-Auflösung bereit, die die Server auch schnell genug lieferten. Über den HDMI-Ausgang lassen sie sich bequem an andere Geräte ausgeben. Eigene Videos, die auf das Gerät transferiert werden, zeigt die Applikation nicht an. Nur über einen zusätzlichen Dateimanager aus dem App-Store lassen sich Videos auf dem Gerät finden und über den Video-Player anschauen.

Sowohl im eher gemächlich ladenden Webbrowser Silk als auch auf der Oberfläche fällt das nicht ganz flüssige Scrollen auf, wie es Android gerade vor Version 4.1 plagt. Zwar hängt nichts und die Bedienung wird nicht durch Wartezeiten getrübt, doch insbesondere iOS ist hier optisch weit voraus.

Die Benutzerführung ist Amazon nur zum Teil gelungen. Inhalte sind schnell zu finden, das Karussell macht neue und zuletzt benutzte Inhalte gut sichtbar und die Kategorisierung ist nur durch das notwendige Scrollen etwas ungeschickt zu bedienen, ansonsten aber hilfreich. Leider ist die restliche Nutzerführung inkonsistent und der Hang zur Vereinfachung mitunter hinderlich. Die Film-Sektion verhält sich anders als andere Rubriken, Bedienelemente verschwinden je nach Rubrik und Inhalt oder befinden sich an ungewohnten Stellen. Die Einstellungen versteckt Amazon gleich kommentarlos im Ausziehmenü an der Oberseite. Hat der Nutzer sich mit den Eigenheiten abgefunden, ist die Konzentration aufs wesentliche durchaus angenehm. Selbst ungeübte Nutzer dürften beim Kindle Fire kaum überfordert werden.

Insgesamt sind beide Kindle Fire schöne Geräte, die sich für all das eignen, was Amazon anbietet. Als Wiedergabegeräte und Fenster zu einer enormen Menge an attraktivem Content sind sie schlicht gelungen, auch wenn gerade im Bereich Video immer noch viel zum US-amerikanischen Angebot fehlt. Die Inhalte werden einem schon fast aufgedrängt, bei anderen Tablets muss man sie suchen. Ein klassisches Tablet kann und darf man nicht erwarten, denn dazu sind zu viele Verrenkungen nötig. (asp)

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