Über 100 neue Funktionen sollen Anwendern den Umgang mit dem kommenden Phone OS 4 erleichtern, darunter auch eine abgespeckte Form von Multitasking. Entwickler können aus einem Schatz von über 1500 neuen Funktionen schöpfen.
Trotz der vielen neuen Funktionen: Das neue iPhone OS sieht aus wie das alte, Anwender müssen sich nicht umgewöhnen. Lediglich den Favoritenbereich am unteren Bildschirmrand hat Apple umgestaltet. Statt gelochter Metallplatte gibt es nun das vom iPad bekannte Regalbrett aus Metall, welches aber weiterhin nur vier Favoriten aufnimmt.
Um der vielen Programme Herr zu werden, gibt es jetzt Ordner zum Gruppieren. Man schiebt einfach Apps mit dem Finger übereinander, das iPhone legt automatisch einen Ordner an und schlägt anhand der Programmkategorie aus dem App Store einen Namen vor. Das Ordnersymbol setzt sich aus den Icons der enthaltenen Apps zusammen. Mit iTunes 9.2 lassen sich Ordner auch am PC oder Mac erstellen. 9 Apps passen in einen Ordner, 16 Ordner auf eine Bildschirmseite, nach 15 Bildschirmseiten oder 2160 Anwendungen ist Schluss.
Ein Doppeldruck der Home-Taste lässt den Programmwechsler aus dem unteren Bildschirmrand herausfahren.
Den Programmwechsler für das neu hinzugekommene Multitasking lässt ein Doppeldruck auf die Home-Taste aus dem unteren Bildschirmrand hervorgleiten. Per Wischgeste sieht man alle im Hintergrund befindlichen Anwendungen.
Offenbar hat es aber nicht für vollwertiges Multitasking gereicht. iPhone OS 4 bietet nämlich nur sieben Dienste an, denen Anwendungen ihre Hintergrundaufgaben übergeben können. Mit deren Hilfe können Apps im Hintergrund Musik abspielen, VoIP-Anrufe entgegennehmen (Jobs demonstrierte das mit der Skype-App) oder die Position für Tourenplaner oder andere GPS-Anwendungen ermitteln. Der bereits bekannte Push-Notification-Mechanismus wurde um eine lokale Variante erweitert, die etwa beim Anstehen eines Termins eine Erinnerung anzeigen kann, ohne dass der beauftragende Terminplaner tatsächlich laufen muss. Die sogenannte Task Completion führt auf Wunsch Aufgaben zu Ende, mit denen eine Anwendung gerade beschäftigt ist, wenn sie beendet wird. Über den Dienst Fast App Switching können Apps ihren aktuellen Zustand schnell einfrieren und reaktivieren.
Multitasking im klassischen Sinne beherrscht das iPhone OS also auch weiterhin nicht, aber immerhin lassen sich zukünftig populäre Aufgaben im Hintergrund abwickeln. Für die Anwender ist es auf alle Fälle ein Fortschritt, und die Kompromisse sollen den Akku schonen und eine gute Performance der Vordergrund-Anwendung sicherstellen.
Die restlichen Neuerungen für Anwender sind vielfältig. So verfügt die neue Version der Mail-Anwendung über einen zentralen Eingangskorb, der die neuen Nachrichten aller Konten zusammenfasst. Ein schnelles Wechseln zwischen Konten ist dennoch vorgesehen. Auf Wunsch darf man größere Schriften verwenden. Anhänge lassen sich nun von anderen Anwendungen öffnen.
Die neue Fotos-App kann Bilder nun wie iPhoto auf dem Mac auch nach Ereignissen und Gesichtern gruppiert darstellen. Auf dem Anmeldebildschirm zeigt das iPhone OS 4 anstehende Termine. Dem Hintergrund lässt sich wie beim iPad ein Bild zuweisen.
Die vom iPad bekannte iBooks-Anwendung hält mit dem iPhone OS 4 auch auf den kleineren Geräten Einzug. Zwischen mehreren Geräten kann man per Funk seine E-Books nebst Lesezeichen synchronisieren.
Mit dem neuen Game Center kann man in Spielen beispielsweise Mitspieler einladen oder ein Multiplayer-Spiel mittels Matchmaking starten, Fortschritte verfolgen und aktuelle High-Scores vergleichen.
Für Entwickler öffnet Apple im iPhone OS 4 so manche Pforte, die bisher verschlossen war.
Viel Zeit hat Steve Jobs der Demonstration von iAd eingeräumt, Apples mobiler Werbeplattform, die Entwickler in ihre App integrieren können. Tippt man auf ein iAd-Banner, verlässt man die App nicht, sondern die Werbung übernimmt den Bildschirm. Jobs demonstrierte eine in HTML5 realisierte Werbung – wohl ein kleiner Seitenhieb Richtung Adobe Flash –, die mit Video, integriertem Spiel und Kaufoption aufwartete. Die Werbung war jederzeit zu schließen, die Anwendung wurde dabei nicht beendet. Apple wird die Anzeigen vermarkten und bereitstellen, Entwickler erhalten 60 Prozent der über iAd erzielten Umsätze.
Beim Verwalten von iPhones im Unternehmensumfeld kann der neue Mobile-Device-Management-Service in die bestehende Server-Infrastruktur integriert werden, um iPhones drahtlos zu konfigurieren, zu durchsuchen und sogar zu sperren oder zu löschen. iPhone OS 4 soll es Unternehmen erlauben, eigene Apps drahtlos auf Geräte zu bringen. Die neue Data Protection verwendet ein Nutzerkennwort zur Verschlüsselung, um auf dem iPhone gespeicherte E-Mails und Anhänge zu sichern. Das neue System unterstützt mehrere Exchange-ActiveSync-Accounts und ist kompatibel mit Exchange Server 2010.
Registrierte Entwickler haben bereits Zugriff auf die Beta-Version des iPhone OS 4 und das passende Software Development Kit (SDK). Sie können aus einer großen Anzahl neuer Funktionen schöpfen. Endlich ist ein Zugriff auf die Kalenderdaten möglich. Auch ein flexiblerer Zugriff auf die Foto-Bibliothek ist vorgesehen. Das vom Mac bekannte Quick Look hält ebenso Einzug wie voller Zugriff auf die Kamera. Aus Anwendungen heraus sollen – ähnlich wie bei E-Mails – SMS versandt werden können.
Großen Unmut der Entwickler zog sich Apple mit einem Passus in den neuen Lizenzbedingungen zu. Abschnitt 3.3.1 verbot bisher den Zugriff auf nicht von Apple offengelegte Funktionen. Nun schreibt er explizit den Einsatz von Objective-C, C, C++, oder JavaScript als Programmiersprache vor und verbietet den Einsatz von Zwischenschichten.
Damit wäre das Entwickeln von iPhone-Anwendungen mit Hilfe von Multiplattform-Compilern wie MonoTouch ebenso verboten wie der Einsatz des Flash-zu-iPhone-Konverters Packager for iPhone aus Adobes Creative Suite 5.
Während Adobe in Blog-Postings Apple teilweise scharf kritisiert, sehen die Macher von MonoTouch, dem Nachbau von Microsofts .NET-Bibliothek fürs iPhone, die Situation entspannter. In einem Blog-Eintrag versichern sie, dass MonoTouch wenig Probleme haben dürfte, im Rahmen der neuen Lizenzbedingungen zu bleiben – vorausgesetzt, es gehe Apple um technische Gründe oder den Einsatz der XCode-Werkzeuge. Außerdem sei bis zum Erscheinen des finalen Systems noch genügend Zeit, um in Gesprächen mit Apple die Situation zu klären. Von Apple gibt es dazu noch keine Stellungnahme.
Das finale iPhone OS 4 soll im Sommer für iPhones und iPods erscheinen – möglicherweise zusammen mit einem neuen iPhone-Modell. In den Genuss aller neuen Funktionen sollen lediglich iPhone 3GS und iPod touch der dritten Generation kommen. Auf einem iPhone 3G und einem iPod touch der zweiten Generation werden laut Apple einige Dinge nicht laufen, darunter Multitasking. Auf den ersten iPhone- und iPod-touch-Modellen wird nach bisherigem Kenntnisstand kein Update auf das neue System möglich sein. Das iPad will Apple im Herbst mit dem iPhone OS 4 versorgen. Ob das Update etwas kosten soll, ist noch nicht bekannt.
(adb)
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