Leseprobe aus c't 5/13
Thomas Krumbein
Einheitlich vorbelegt
LibreOffice vor der Installation konfigurieren
Normalerweise bietet LibreOffice keine Option, um die Bürosuite für alle Nutzer eines Rechners oder mehrerer PCs anders als nach den Voreinstellungen einheitlich zu konfigurieren. Doch durch gezielte Eingriffe in die Konfigurationsdateien kann man die Software fast beliebig anpassen – und auch verhindern, dass Anwender wichtige Vorgaben rückgängig machen.
LibreOffice ist von Haus aus auf den typischen Einzelanwender abgestimmt und lässt sich über das Extras-Menü nach persönlichem Geschmack anpassen. In Firmen oder Schulen ist es jedoch häufig unerwünscht, dass Mitarbeiter oder Schüler die Oberfläche dauernd umgestalten oder munter Makros und Extensions installieren, die sich am Ende nicht miteinander vertragen und die Software womöglich zum Absturz bringen.
Standardmäßig sieht das Paket keine Optionen vor, um Befehle für den Anwender zu sperren und eine einheitliche Konfiguration für alle PCs und Benutzer zu garantieren. Doch über die Konfigurationsdateien können Administratoren weitaus tiefer in die Installation eingreifen und eine einmal vorgenommene Konfiguration nicht nur auf andere Benutzer desselben PCs, sondern auf beliebig viele Rechner im Netz übertragen.
Für die im Folgenden vorgeschlagene Vorgehensweise dient die Basisinstallation als Grundkonfiguration, aus der man den Makro-Aufruf und andere Befehle entfernen kann. Alle Informationen legt LibreOffice in XML-Konfigurationsdateien ab, die sich mit einem einfachen Texteditor bearbeiten lassen.
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Um das Office-Paket auf mehreren Rechnern mit bestimmten Benutzerprofilen zu installieren, erzeugt man zunächst eine saubere Installation und lässt durch den Aufruf einer der LibreOffice-Anwendungen ein neues Profil anlegen. Nun korrigiert man über „Extras/Optionen“ alle Einstellungen, die später für alle Anwender gelten sollen, und nimmt gegebenenfalls noch Ergänzungen oder Korrekturen vor. Nach Beenden von LibreOffice hat man nun ein perfekt konfiguriertes Benutzerprofil, das man auf andere Rechner kopiert und das Original-User-Profil damit ersetzt. Auf diese Weise ist es möglich, alle firmenübergreifenden Einstellungen in eigenen Konfigurationsdateien unterzubringen und diese dann auf alle PCs zu übertragen.
Beim Start lädt LibreOffice zuerst die Basisdaten mit den Grundeinstellungen für Optionen, Menüs und Symbolleisten, die anschließend durch die Benutzerkonfiguration ergänzt oder überschrieben werden, sofern das Benutzerprofil sie neu definiert. In einem dritten Schritt aktiviert LibreOffice die installierten Extensions und lädt deren Einstellungen, die wiederum vorhandene überschreiben können. Mit diesen Informationen baut LibreOffice schließlich die Oberfläche auf.
Wo ist was?
Im Programmverzeichnis legt das Installationsprogramm diverse Unterordner und Dateien an. Die wichtigsten Unterverzeichnisse lauten program, presets, URE, share, registry und config. Mit dem ausführbaren Programm und den DLLs bildet program das Herzstück. URE (Uno Runtime Environment) enthält die Programmbibliotheken der UNO-Schnittstelle (Universal Network Objects) sowie Dateien des UNO-Frameworks, auf dem die API von LibreOffice beruht.
LibreOffice speichert die Konfiguration in unterschiedlichen Verzeichnissen. Beim Start der Software können sie die Einstellungen der vorhergehenden Ebenen überschreiben.
Im Verzeichnis share finden sich sämtliche Einstellungen, die alle Anwender des Rechners betreffen. Diese Dateien bilden die unterste Ebene der Konfiguration, die LibreOffice zuerst in den Hauptspeicher lädt. In eigenen Unterverzeichnissen finden sich zum Beispiel Autokorrektur-Dateien, Textbausteine, Erweiterungen (Extensions), Beispielskripte, gemeinsame Vorlagen und vieles mehr. Dieses share-Verzeichnis ist also der passende Ort, um Informationen beziehungsweise eine bestimmte Konfiguration für alle Nutzer des PC bereitzustellen.
Dem Verzeichnis „share/registry“ kommt eine besondere Bedeutung zu. Hier speichert LibreOffice die Basis-Konfigurationsdateien, die das Paket beim Start auswertet. Diese Dateien konfigurieren Menü- und Symbolleisteneinträge und stellen unter anderem die Optionen auf Vorgabewerte ein. Die Einträge in den XML-Dateien sind hochsensibel; falsche Daten, Zeilenumbrüche oder nicht identifizierbare Zeichen führen dazu, dass LibreOffice nicht mehr startet.
Der Ordner „share/config/soffice.cfg/modules“ speichert die Basisstruktur aller Symbol- und Menüleisten von Writer, Calc, Impress und den anderen Modulen in jeweils eigenen Unterverzeichnissen. Jeder dieser Ordner besitzt wiederum drei Unterverzeichnisse für Menüs (menubar), Symbolleisten (toolbars) und die Statusleiste (statusbar) mit den jeweiligen Voreinstellungen.
Startet ein Benutzer das Office-Paket zum ersten Mal, legt LibreOffice ein eigenes Benutzerprofil mit persönlichen Einstellungen an. Dazu übernimmt das Paket die Basiseinstellungen und überträgt sie in eigene Konfigurationsdateien, die sich unter Windows in „C:\Benutzer\<Benutzername>\AppData\Roaming\LibreOffice\3\user“ und unter Linux im Home-Verzeichnis unter „~/.LibreOffice/3/user/“ befinden. Beim ersten Start wird zusätzlich die Datei registrymodification.xcu angelegt, in der LibreOffice alle Änderungen speichert, die der Benutzer später vornimmt, zum Beispiel die zuletzt geöffneten Dateien, Position und Größe der Modulfenster, Symbolleisten und so weiter.
Startet ein Benutzer zum ersten Mal LibreOffice, erzeugt das Paket das user-Verzeichnis mit den Voreinstellungen aus dem presets-Ordner. Hier speichert LibreOffice die Konfiguration der einzelnen Benutzer.
Das user-Verzeichnis enthält das Benutzerprofil, das LibreOffice erzeugt, falls es noch nicht existiert. Da das Verzeichnis alle Benutzereinstellungen enthält, empfiehlt es sich, den Inhalt regelmäßig zu sichern. Sollte LibreOffice plötzlich nicht mehr richtig laufen, häufig abstürzen oder sich nicht mehr bedienen lassen, kann man eine frühere, noch funktionierende Konfiguration zurückspielen. Man kann das Verzeichnis aber auch löschen. Beim nächsten Start erzeugt LibreOffice dann ein neues mit den ursprünglichen Konfigurationsdateien und versetzt die Software in den Urzustand zurück. Eine Neuinstallation des Pakets wäre nicht nur langwierig, sondern würde auch nichts nützen, da LibreOffice ein bestehendes user-Verzeichnis nicht antastet und die Probleme dann weiter bestünden.
Die Struktur des Benutzerverzeichnisses ähnelt der des Programmverzeichnisses presets. Die zusätzliche Datei registrymodification.xcu im Hauptverzeichnis speichert alle Änderungen des Benutzers. Je nach Art der Modifikation legt LibreOffice noch Ergänzungsdateien im config-Verzeichnis an.
Um Befehle aus dem Menü so zu entfernen, dass Anwender sie nicht einfach wieder einbinden können, editiert man die XML-Dateien der Basiseinstellungen, die beim ersten Start ins user-Verzeichnis kopiert werden. Haben Anwender bereits mit LibreOffice gearbeitet, löscht man einfach die user-Verzeichnisse aller Nutzer, sodass sie beim nächsten Aufruf des Pakets mit der neuen Konfiguration wieder hergestellt werden. Zum Bearbeiten der Konfigurationsdateien (*.xcd und *.xcu) empfiehlt sich ein Editor wie das kostenlose Notepad++, das die Struktur des XML-Codes anzeigt. ...
(db)








