Neue Prozessoren, Blade-Systeme, optische InfiniBand-Kabel, Hochleistungs-Switches und natürlich die neue Top500-Liste der Supercomputer, das waren die begleitenden Highlights der diesjährigen Internationalen Supercomputer-Konferenz (ISC2007) in Dresden.
Vor allem Sun und Microsoft bauten sich diesmal kräftig auf. Microsoft trat gar als Hauptsponsor auf, voller Freude, dass es diesmal immerhin zwei Systeme mit Windows Compute Cluster Server 2003 in die Top500-Liste geschafft haben. Sun hatte seinen besten Mann, Andreas von Bechtolsheim, nach Dresden geschickt, um allhier Suns neue Initiative fürs High Performance Computing (HPC) ins optimale Licht zu rücken. Der setzt hierbei ganz auf AMDs Barcelona und präsentierte hinter den Kulissen noch unveröffentlichte NAS-Parallel-Benchmark-Ergebnisse, die diesen in den meisten Fällen klar vor der aktuellen und demnächst kommenden Intel-Konkurrenz platzieren. Dafür sei weniger der Kern als vielmehr die weitaus bessere Speicheranbindung verantwortlich.
Hinter selbigen Kulissen zeigte er auch schon die neuen Opteron-Blades mit vier Sockeln und 16 DIMM-Plätzen, wie sie in der „Constellation“ genannten Plattform eingebaut werden sollen. Alternativ gibt es aber auch für die Intel-Quad-Cores neue Xeon-Blades - diese allerdings nur mit zwei Sockeln pro Knoten, dafür aber mit zwei Festplatten. Und damit sich die zahlreichen Blades in einem wirklich großen Cluster-System auch wirklich schnell unterhalten können, enthüllte Bechtolsheim auf der ISC2007 feierlich den bei weitem größten InfiniBand-Switch der Welt „Magnum“ mit 3456 Ports, je drei auf einem (Sun-spezifischen) Stecker zusammengefasst. Zwei solcher „Magnen“ sollen im Mittelpunkt des Supercomputers Ranger stehen - den die Universität Texas (TACC) bestehend aus 3936 Blades, 125 TByte Arbeitsspeicher und 1,7 PByte Massenspeicherkapazität bestellt hat - AMD muss eben dafür nur rechtzeitig die benötigten 15 744 Barcelona-Opterons liefern. Mit 420 TeraFlop/s dürfte das dann im Herbst der schnellste Rechner der Welt sein - zumindest der bei Top500 gemeldeten: Google, NSA und Co. geben ja keine Werte bekannt.
Auch bei Intel stand der Interconnect im Mittelpunkt: Ein neues optisches InfiniBand-Kabel soll die Bandbreite auf 20 GBit/s erhöhen und vor allem weitaus längere Verbindungswege von 100 Meter und mehr ermöglichen. Der Clou dabei ist, dass es als aktives Kabel an herkömmliche elektrische 4X-InfiniBand-Anschlüsse passt, die optoelektrischen Transceiver stecken in den Steckern. An Magnum passen diese Kabel jedoch nicht - hierfür braucht man Suns spezielle 12X-Kabel in Kupfer.
IBM hatte diesmal zur ISC2007 sogar einen neuen Prozessor, den Blue Gene/P, gelauncht (siehe S. 22 in c't 15/07). Ein erstes damit bestücktes System hat es auf Platz 31 der Top500 geschafft. In dieser 29. Liste konnte IBM sogar sechs Systeme unter den ersten zehn platzieren (gegenüber vier in der vorigen Liste vom November 2006). Spitzenreiter ist weiterhin das Blue Gene/L-System am Lawrence Livermore National Lab (LLNL) mit 131 072 Prozessoren und einer Rechenleistung von 280 TFlop/s. Dahinter folgen nun aber zwei Opteron-Cluster von Cray, die gegenüber dem Vorhalbjahr noch etwas aufgerüstet wurden und die nun beide die 100-TFlop/s-Marke überschreiten. In die Top10 konnte sich nun auch wieder ein deutsches System schieben, der Itanium-Supercomputer des Leibniz-Rechenzentrums in München, der mit seinen 9728 Montecito-Prozessorkernen jetzt 56,5 TFlop/s erzielt.
Mit 203 Systemen (zuvor 158) konnte Hewlett-Packard IBM auf Platz zwei verweisen (192, zuvor 236) - auch wenn kein einziges HP-System unter den ersten 50 zu finden ist. An nackter Rechenleistung dominiert indes weiterhin IBM mit einer gesamten Linpack-Leistung von 2 PFlop/s vor HP mit 1,2 PFlop/s. Doch während IBM hier nur um 18 Prozent zulegen konnte, steigerte HP seine Rechenleistung in der Liste auf mehr als das Doppelte. Weit hinter den beiden großen Rivalen folgen Dell (23 Systeme, zuvor 17), SGI (19, zuvor 20) und Cray (11, zuvor 15).
Itanium als Prozessorfamilie verliert trotz des neuen Doppelkerns Montecito weiterhin an Boden, nur noch 28 (zuvor 35 Systeme) sind in der Top500 zu finden, dafür dominiert Intel mit den Core-2-Duo-Prozessoren (vorrangig Xeon-Woodcrest) den Markt. Genau die Hälfte, also 250 Systeme, sind mit 32- oder 64-bittigen Xeon-Prozessoren ausgestattet; 228 waren es in der letzten Liste. AMD Opteron hat etwas verloren (106 von 113) ebenso Power (85 von 91).
Die amerikanische Übermacht in der Supercomputerszene ist nicht mehr ganz so massiv wie im Vorjahr: Nur noch 289 Systeme (mit 3079 TFlop/s, zuvor waren es 309 Systeme mit 2270 TFlop/s) stehen in den USA. Zweitgrößte Supercomputer-Nation ist nun Großbritannien, das mächtig von 30 (186 TFlop/s) auf 43 (326 TFlop/s) Systeme zugelegt hat. Deutschland konnte sich mit nunmehr 24 (249 TFlop/s) Systemen gegenüber zuvor 18 (145 TFlop/s) vor Japan platzieren, das von 30 (286 TFlop/s) auf 23 (286 TFlop/s) zurückfiel.
In Deutschland rangiert hinter dem Leibniz-Rechenzentrum in München auf Platz 10 und dem Forschungszentrum Jülich (Platz 18) nun die Technische Universität Dresden, die gleich zwei Systeme in die Top500-Liste eingebracht hat: ein SGI-Altix-4700-System mit Itanium-Montecito auf Platz 72 und einen Opteron-Cluster auf Platz 78.
Die Gesamtleistung der auf der Top500-Liste aufgeführten Rechner ist um 40 Prozent auf nahezu 5 PFlop/s angestiegen und die Minimalleistung, um auf die Liste zu gelangen, stieg um 46 Prozent auf 4 TFlop/s. (as)
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