Ersteindruck: Das Aldi-Netbook Medion Akoya E1318T

Test & Kaufberatung | Hands-on

Seit heute verkauft Aldi Nord mit Medions Akoya E1381T ein 10-Zoll-Netbook, Aldi-Süd-Kunden konnten schon ein paar Tage früher zuschlagen. Die zwischendurch fast ausgestorbene Gattung der Netbooks ist mit vollwertigem Windows 8 und Touchscreen mittlerweile erwachsen geworden.

Klar, ein Netbook bleibt ein Netbook, also ein Kleinst-Notebook mit spartanischer Ausstattung zum niedrigen Preis. Dennoch ist das Akoya E1318T, das letzte Woche bei Aldi Süd und heute bei Aldi Nord für 299 Euro den Besitzer wechselt, praxistauglicher als die Netbooks von vor ein paar Jahren. Das muss es aber auch sein, denn während 300 Euro damals ein unerreicht günstiger Preis waren, bekommt man mittlerweile auch große 15-Zöller dafür.

Statt eines Spezial-Linux wie beim ersten Eee PC oder eines veralteten Windows XP Home ist ein vollwertiges Windows 8 an Bord, die Festplatte fasst satte 500 GByte. Der Bildschirm zeigt alltagstaugliche 1366 × 768 Punkte, die zusätzliche kapazitive Touch-Schicht (bis zu zehn Berührungen gleichzeitig) lässt ihn allerdings arg spiegeln – zumal er mit maximal 180 cd/m2 auch nicht besonders hell ist.

Der AMD-Prozessor A4-1200 mit Temash-Innenleben gehört – typisch Netbook – zu den langsamsten CPUs, die man derzeit neu kaufen kann. Zum Surfen, flüssigem Video-Gucken (auch in HD-Auflösungen) und für Büroarbeiten reicht er aus, schon bei Bildbearbeitung wird es aber arg zäh. Mit 4 Watt Abwärme könnte er passiv gekühlt werden, im E1318T rotiert dennoch ein Lüfter – immerhin mit konstant-leiser Drehzahl.

Dass es beim Arbeiten mit mehreren geöffneten Fenstern stockt, ist eher dem mageren Arbeitsspeicherausbau anzulasten: Medion gibt dem Gerät nur 2 GByte mit auf den Weg, von denen sich die integrierte Radeon-Grafik auch noch ein Viertel abknappst. Wer selbst aufrüsten möchte, findet den belegten RAM-Slot (und auch die Festplatte) wartungsfreundlich zugänglich unter der Tastatur – ganz ohne Schrauben.

Wer einmal an einem SSD-flotten Rechner saß, wird mit dem E1318T nicht glücklich, denn gefühlt dauert hier alles Ewigkeiten. Daran ist auch die überladene Vorinstallation schuld, denn Windows will beim ersten Start erst mal den Systemstart optimieren. Zwischen dem letzten Dialog der Ersteinrichtung und dem ersten Blick auf die Kacheloberfläche liegen mehr als 15 Minuten, und eine halbe Stunde später ratterte die Festplatte immer noch lautstark vor sich hin. Hat man anschließend die mehrstündige Installation von rund 1,2 GByte Windows-Updates hinter sich, freut man sich immerhin über Vollversionen von Office 2013 Home & Student sowie CyberLinks MediaSuite – und ärgert sich über Werbe-Dreingaben wie den nur 90 Tage laufenden Kaspersky-Virenscanner oder die unzähligen Verknüpfungen zu Aldi-Diensten. Deren Deinstallation ist möglich, frisst aber auch wieder viel Zeit.

Die Tasten sind etwas kleiner als üblich, nach etwas Training tippt man flüssig. Zum Umschalten doppelt belegter Tasten stehen gleich zwei Fn-Tasten bereit – so kann man beispielsweise einhändig mit Bild-Runter (Fn+Cursortaste) blättern. Das Touchpad ist arg winzig geraten und definitiv zu klein für die theoretisch möglichen Drei-Finger-Gesten.

Eine der drei USB-Buchsen spricht USB 3.0. Monitore finden per VGA oder HDMI Anschluss, außer einem Kartenleser ist auch eine ausklappbare LAN-Buchse vorhanden – das sind mehr Schnittstellen als bei so manchem teureren Ultrabook. Mit rund drei Zentimetern ist das Netbook aber auch einen guten Zentimeter dicker als ein solches – was Aldi und Medion glatt dazu veranlasste, Produktbilder im Werbeprospekt mit Photoshop stark zu verschlanken (siehe Bilderstrecke).

Bei voller Displayhelligkeit und geringer Systemlast sind rund sieben Stunden Laufzeit möglich. Der Drei-Zellen-Akku ist wechselbar, doch derzeit hat man nichts davon: Medion bietet auf seiner Webseite weder Austauschakkus gleicher Kapazität noch Sechs-Zeller für längere Laufzeiten an. Zumindest erstere sollen folgen, wenn es das Gerät in ein paar Wochen auch bei Medion selbst zu kaufen geben wird -- dann für 30 Euro mehr und mit nur zwei statt Aldi-üblichen drei Jahren Garantie.

Wer bei der Aldi-Aktion leer ausgegangen ist, hat dann also nochmal eine Chance, das Gerät zu kaufen. Auch dürfte das Akoya E1318T nur die Speerspitze einer zweiten Welle von Netbooks sein: Mit der Atom-Generation Bay Trail, die als Celeron und Pentium auch in günstigen Notebooks zu finden sein wird, stehen neue Netbook-Prozessoren vor der Tür. Da dürfte man auf damit bestückte Geräte nicht lange warten müssen – wahrscheinlich nur bis November.

Gleichzeitig schlagen Microsofts Marketing-Bemühungen für Tablets, allen voran das SST-Programm (Small Screen Touch), auch auf den Notebook-Markt durch: Kleinstgeräte mit Touchscreen bekommen Windows 8 und Office 2013 zum Spottpreis – was für den Käufer wie hier auf softwareseitig gut ausgestattete Mini-Notebooks hinausläuft. Wie hoch die Preisnachlässe genau sind, sagt natürlich keiner, doch sie müssen enorm sein: Addiert man die Straßenpreise für Windows 8 und Office 2013 und dazu noch den von Cyberlinks MediaSuite, so hat man den Verkaufspreis des E1318T schon fast zusammen...

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