Fair & Green IT: Kann ein Smartphone nachhaltig sein?

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Samsung wirbt mit einem Nachhaltigkeits-Zertifikat für sein Galaxy S4. Aber was bedeutet "Nachhaltigkeit" überhaupt?

Am vergangenen Mittwoch habe ich Samsung, Apple und Co. dazu aufgefordert, sich am Fairphone und der fairen Maus ein Beispiel zu nehmen. Genau einen Tag später verschickte Samsung eine Pressemitteilung: "Samsung erhält als erste Marke das Nachhaltigkeitszertifikat für Smartphones".

Zufall. Aber auch ein Grund, genauer hinzusehen. Viele Leser der heise-online-Meldung zum TCO-Zertifikat für das Galaxy S4 fragten sofort kritisch nach: Kann ein Smartphone überhaupt nachhaltig sein? (Zum Beispiel hier, hier und hier.)

Diese Frage führt schnurstracks zur nächsten: Was verstehen wir überhaupt unter Nachhaltigkeit? Es gibt so viele Definitionen, dass Nachhaltigkeit zu einem Gummiwort geworden ist.

In der Wissenschaft durchgesetzt hat sich eine Lesart, die der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung schön knapp zusammenfasst: Nachhaltigkeit bedeutet zum einen, "Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen".

Der Begriff "Nachhaltigkeitszertifikat" für das TCO-Logo ist demnach berechtigt. Früher beinhaltete das Logo eines schwedischen Gewerkschaftsverbands nur Umwelt- und Ergonomie-Kriterien, seit einigen Jahren prüft TCO aber auch die Arbeitsbedingungen in der Produktion. Fairphone und die faire Maus folgen diesem Leitbild ebenfalls, sie betonen das Soziale aber noch stärker. Auch Wirtschaftlichkeit ist den Initiativen wichtig, schließlich sollen ihre Ideen für Nachahmer attraktiv sein, auch für profitorientierte Unternehmen.

Nachhaltigkeit bedeutet außerdem Zukunftsfähigkeit: "Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen", schreibt der Nachhaltigkeitsrat.

Kann ein Smartphone sozial, wirtschaftlich und ökologisch zukunftsfähig sein? Nein. Es kommt vielmehr darauf an, wie wir mit dem Gerät umgehen.

Aus Umweltsicht zum Beispiel ist unser Umgang mit Smartphones alles andere als nachhaltig. Nur ein paar der rund 30 enthaltenen Metalle können recycelt werden – falls das Smartphone überhaupt in einer geeigneten Anlage landet. Der Rest geht verloren. Außerdem ist der Energieaufwand in der Produktion extrem hoch. Das heißt: Je länger man sein Smartphone nutzt, desto nachhaltiger handelt man, egal ob man ein Fairphone, ein Galaxy S4 oder ein anderes Modell hat.

Das TCO-Logo kann also Nachhaltigkeit für Smartphones nur in Teilen bewerten. Trotzdem ist es wichtig. Erstens sorgt es für mehr Transparenz in den Lieferketten der Hersteller. Vielleicht wissen wir in ein paar Jahren erstmals so viel über die Herstellung, dass wir die ökologischen und sozialen Profile der Hersteller seriös vergleichen können. Und zweitens hat TCO seine Kriterien in der Vergangenheit immer wieder ausgeweitet und verschärft – und dürfte das auch in Zukunft tun. (cwo)

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