Leseprobe aus c't 1/08
Gratisprogramme und reine Webdienste ermöglichen unkomplizierte Videotelefonate zwischen der Windows-, Mac- und Linux-Welt. Wer über einen Breitbandanschluss und eine schnelle CPU verfügt, bekommt seine Gesprächspartner aus aller Welt sogar in bestechender Qualität auf den Schirm.
Mit Webcam, Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet verwandelt sich jeder handelsübliche Rechner in ein Videofonie-Terminal. Die notwendige Software und die Verbindungsdienste sind in der Regel kostenlos, Webcams liefern schon zu erschwinglichen Preisen Audio- und Videoströme in beeindruckender Qualität (siehe Artikel auf S. 130 in c't 01/08).
Anhand von Skype, aber auch einiger weniger bekannter Alternativen zeigen wir, wie man mit ein paar Handgriffen eine ansprechende Videoverbindung zum Geschäftspartner in Übersee oder für virtuelle Familientreffen aufbauen kann und welche Qualität drin ist - abhängig von der Hardware, Netzanbindung und nicht zuletzt der Software. Mac-Nutzern steht mit iChat von Haus aus ein Client zur Verfügung, der bis zu vier Teilnehmer in einer hochwertigen Videokonferenz zusammenbringt. Leider müssen Nutzer anderer Betriebssysteme dabei draußen bleiben. Eine Installation von Client-Programmen auf dem eigenen Rechner ist dabei übrigens nicht immer erforderlich - für manchen Vermittlungsdienst reicht ein Webbrowser mit installiertem Flash-Player. Die Tabelle auf Seite 129 gibt einen Überblick über alle erwähnten Lösungen.
Die meisten Videofonie-Clients haben sich seit unserem letzten Vergleichstest [1] nur im Detail verändert - von einigen Ausnahmen wie Skype und iChat wird im Folgenden die Rede sein.
Seit einiger Zeit macht auch der Pinguin Augen: Eine Linux-Version von Skype oder Flash-Konferenzen im Web erlauben auch Nutzern des Open-Source-Betriebssystems Videofonate - und endlich über die Plattformgrenzen hinweg. Während die Installation von Soft- und Hardware auf dem Windows-Rechner oder dem Mac in der Regel mit ein paar Mausklicks erledigt ist, bockt Linux leider oft, wenn eine Webcam angeschlossen wird. Die notwendigen Kniffe zur Abhilfe zeigt der Artikel auf Seite 136 in c't 01/08.
Nutzer eines Videofonie-Dienstes melden sich bei einem Vermittlungsserver an, der die Verbindung initiiert. In der Regel sind Client und Server unterschiedlicher Anbieter untereinander nicht kompatibel. So stellt iChat zwar Videoverbindungen zu einem älteren AOL-Client her, einen Skype-Nutzer hingegen erreicht es nicht. Die Clients teilen dem Server ihre aktuellen IP-Adressen mit; dynamische IPs stellen daher kein Problem dar. Ein umständlicher Austausch der IP-Adressen etwa per Mail ist heutzutage obsolet.
Verbindungen zwischen den Teilnehmern stellt der Server je nach Dienst über Protokolle wie SIP (Session Initiation Protocol), RTP (Real-Time Transport Protocol) oder auch H.323 (eine Protokoll-Empfehlung der Internationalen Fernmeldeunion ITU) her. Mit H.323 arbeiten auch viele Videokonferenzsysteme der Business-Klasse, die beim Verbindungsaufbau nicht so wählerisch wie die Gratislösungen sind und durchaus mit Geräten anderer Hersteller ins Gespräch kommen [2].
Im Idealfall bauen die Clients übers Internet direkte Verbindungen zueinander auf, um die Audio- und Videodatenpakete auszutauschen, ohne den Server zu belasten. Stellen sich dabei allerdings die Firewalls quer oder verstecken zwischengeschaltete NAT-Router (Network Address Translation) die IP-Adressen der Gesprächspartner, springt oft ein Server des Anbieters ein und wickelt den kompletten Datenaustausch ab.
Steht die Verbindung, reicht der Treiber die Aufnahmen von Webcam und Mikrofon an die Clientsoftware durch. Diese komprimiert und verpackt Bilder und Töne in Echtzeit; die einzelnen Programme benutzen dazu unterschiedlich moderne Codecs. Der Videocodec MPEG-4 AVC (H.264), der beispielsweise in Apples iChat zum Einsatz kommt, erzielt eine hohe Kompressionsrate bei guter Bildqualität [3], liefert also bei gleicher Bandbreite des Internetanschlusses bessere Bilder als sein Vorgänger H.263, den beispielsweise Qnext verwendet. Allerdings belastet das En- und Dekodieren von H.264-Videos den Prozessor deutlich stärker.
Skype benutzt den Codec VP 7 von On2 Technologies und misst für jede Verbindung die zur Verfügung stehende Bandbreite sowie die CPU-Last. Wenn die Netzanbindung ausgelastet ist oder der Prozessor beim Ein- und Auspacken von Videobildern und Sprachpaketen zu sehr ins Schwitzen gerät, drosselt die Software selbstständig die Framerate (Anzahl der übertragenen Bilder pro Sekunde) oder reduziert die Bildqualität.
(pek)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 01/2008.
[1] Peter König, Blickkontakt, Videokonferenzen im Netz, c't 1/07, S. 146
[2] André Kramer, Geschäftlich auf Sehreise, Videokonferenzlösungen für Unternehmen, c't 1/07, S. 156
[3] Dr. Volker Zota, Kompressionist, Aktuelle Videocodecs im Vergleich, c't 10/05, S. 146
| "Videofonieren ganz einfach" | |
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| Hochwertige Videotelefonie am PC | S. 124 |
| Webcams aller Klassen im Test | S. 130 |
| So klappts mit Linux | S. 136 |
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