Fedora 18 im Test

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Die Linux-Distribution unterstützt jetzt Secure Boot und setzt auf ein stark überarbeitetes Installationsprogramm. An Desktops liegen nicht nur die aktuellen Versionen von Gnome, KDE und Xfce bei, sondern auch Cinnamon und Mate.

Mehr als zwei Monate später als ursprünglich vorgesehen hat das Fedora-Projekt jetzt die Linux-Distribution Fedora 18 freigegeben. Die Hauptschuld für diese selbst bei Fedora ungewöhnlich lange Verzögerung tragen größere Umbauten am Installationsprogramm. Die "Spherical Cow" genannte Distribution bringt zudem Secure-Boot-Unterstützung, neue Ansätze zur Systemaktualisierung und Techniken zum Zuschalten von Grafikchips zur Laufzeit.

Fedora gesellt sich mit der neuen Version zu der Handvoll Linux-Distributionen, die UEFI Secure Boot unterstützen. Dazu verwendet Fedora einen Boot-Loader, der mit Zertifikaten von Microsoft signiert wurde, damit Windows-8-PCs die Distribution ohne weiteres starten.

Fedora geht bei der Implementierung allerdings einen Schritt weiter als beispielsweise Ubuntu 12.10, denn Canonical signiert nur die Boot-Loader, nicht aber den Kernel. Diese Art der Secure-Boot-Unterstützung bringt keine im Normalbetrieb spürbaren Einschränkungen für den Anwender mit sich, schützt aber auch nicht vor Schadsoftware, die bereits vor dem Start des Betriebssystems aktiv wird – genau das soll Secure Boot aber eigentlich leisten.

Bei Fedora 18 laden die mit Microsoft-Signatur versehene Boot-Loader standardmäßig nur Kernel, die eine vertrauenswürdige Signatur aufweisen – derzeit sind das nur die vom Fedora-Projekt signierten Kernel. Diese wiederum laden nur signierte Module, also nur solche, die zu Fedora-Kerneln gehören.

Das erschwert Malware das Einnisten erheblich, es verkompliziert aber auch den Alltag, denn man kann keine Kernel-Module aus anderen Quellen mehr laden – auch nicht die proprietären Grafiktreiber von AMD und Nvidia. Um solche Kernel-Treiber einzusetzen, muss der Anwender Secure Boot über die Setup-Funktion der Firmware deaktivieren. Das ist auch nötig, um mit Systemtap oder Kprobes Kernel-Abläufe zu untersuchen; auch Kexec/Kdump und Suspend-to-Disk (Hibernate/Ruhezustand) funktionieren erst bei deaktiviertem Secure Boot, wie der UEFI Secure Boot Guide des Fedora-Projekts erläutert.

Auch zum Booten eigener Kernel ist es am einfachsten, die Technik zu deaktivieren. Alternativ kann man Kernel aber auch mit selbst erzeugten Signaturen versehen und diese dem System als vertrauenswürdig bekannt machen; Details dazu erläutert Fedora-Kernel-Entwickler Josh Boyer in seinem Blog.

Fedoras Installationsprogramm Anaconda hat mit der neuen Version größere Umbauten und ein neues Aussehen erhalten. Der Installer wirkt dadurch nun deutlich moderner. Im Idealfall gelingt die Installation auch schneller, denn der Anwender muss dann lediglich den Zielort angeben; zum Betrieb wichtige Parameter wie das Root-Passwort fragt Anaconda erst parallel zur Datenträgereinrichtung ab. Andere Einstellungen – etwa Zeitzone und Tastaturbelegung – sind optional und werden nicht mehr umständlich nacheinander abgefragt, wie es bei früheren Fedora-Versionen der Fall war.

Das Fedora-Projekt konnte nicht alle Änderungen umsetzen, die es sich für den Umbau vorgenommen hatte. Dadurch ging etwa die Funktion zum Einbinden weiterer Paketdepots während der Installation verloren; sie soll bei Version 19 zurückkehren. Es gibt zudem mehr bekannte Probleme am Installer als bei früheren Fedora-Versionen – darunter eines, das die Auswahl der Tastaturbelegung betrifft. Manche Umbauten haben den Installer auch komplizierter gemacht. Die Oberfläche zum manuellen Partitionieren etwa dürften viele Anwender als verwirrenden Rückschritt einstufen.

Fedora 18 enthält den Kernel 3.6; die Fedora-Entwickler reichen aber bereits bei der Freigabe einen aktualisierten Kernel nach, der auf dem derzeit aktuellen Linux 3.7 basiert. Ein ähnliches Update soll bald auch für Fedora-17-Systeme herausgehen.

Fedora 18 bringt Wayland 1.0 und den zugehörige Referenz-Compositor Weston mit. Um die grafische Oberfläche kümmert sich der X-Server 1.13; die OpenGL-Treiber stellt Mesa 3D 9.0.

Durch einige dieser Komponenten und zusätzlich eingebaute Änderungen soll Fedora 18 die experimentelle "Prime"-Infrastruktur unterstützen, welche die Unterstützung für zur Laufzeit aktivierte Grafikchips verbessern soll. Dazu zählen beispielsweise via USB angebundene DisplayLink-Bildschirme oder Nvidias Optimus; letzteres findet sich vorwiegend in Notebooks und ermöglicht ein Zuschalten eines GeForce-Grafikchips. Beim Test konnte die Distribution einen DisplayLink-Adapter aber nicht aktivieren, und für Optimus-Unterstützung wäre das leider nicht beiliegende Bumblebee derzeit viel interessanter gewesen, denn mit dem lassen sich Nvidias proprietäre Grafiktreiber verwenden; sie unterstützten Prime bislang nicht, kitzeln aber viel mehr 3D-Leistung aus GeForce-Chips als die zu Prime kompatiblen und von Fedora genutzten Open-Source-Treiber.

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