Fedora Core 6 hat sich schick gemacht

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Das Fedora-Projekt hat die sechste Ausgabe der eigenen Linux-Distribution herausgebracht. 3D-Effekte auf dem Desktop, einen überarbeiteten Installer, Optimierungen am Linker und zahlreiche andere Detailverbesserungen zeichnen die neue Version aus.

Nach rund sieben statt der anvisierten sechs Monate Entwicklungzeit und einigen Verzögerungen in letzter Minute hat das Fedora-Projekt nun die sechste Version von Fedora Core zum kostenlosen Download freigeben. Die Neuerungen der Zod genannten Version beschreiben die Release-Notes sowie das Release-Summary. Bei der Installation unterstützt den Anwender ein Install-Guide.

Zu den von vielen wohl sehnlichst erwarteten Neuerungen zählt X.org 7.1 mit der AIGLX-Erweiterung, mit der ein Compositing Manager wie compiz schicke 3D-Effekte auf dem Desktop darstellen kann. Die Erweiterung ist bei dem mitgelieferten Treiber für ATI-Radeon Grafikkarten bis zum x850 oder dem Treiber i810 für praktisch alle modernen Intel-Grafikchips automatisch aktiv. Der nv-Treiber für Nvidia-Chips beherrscht weiterhin weder DRI noch AIGLX. Die proprietären Treiber von ATI und Nvidia unterstützen AIGLX derzeit nicht – erst ein neuer, bisher nur als Beta-Version erhältliche Nvidia-Treiber ist dazu in der Lage. Die 3D-Effekte ließen sich mit den proprietären Treibern alternativ zusammen mit Xgl darstellen, das liefert Fedora jedoch nicht mit.

Compiz und somit auch die 3D-Schmankerl bleiben in der Voreinstellung deaktiviert und lassen sich über den Menü-Punkt "Desktop Effects" einschalten. Dann erhält man unter anderem einen Arbeitsflächenumschalter, bei dem die Desktops wie auf den Seiten eines Würfels abgebildet sind – bei einem Wechsel der Arbeitsflächen sieht man den Würfel drehen:

Die Task-Wechsel vereinfachen zwei neue Task-Switcher: So kann compiz alle Fenster leicht verkleinert nebeneinander darstellen – ähnlich der vom Mac bekannte Exposé-Funktion:

Bei Wechsel über Alt-Tab holt compiz die gerade ausgewählte Anwendung in den Vordergrund und dunkelt parallel die anderen ab:

Auf zwei Systemen mit Radeon 9600 einer- und Intels 945G andererseits wurden die 3D-Effekte korrekt dargestellt; auf einem Mainboard mit Intels neuem G965-Chipsatz kam es jedoch zu massiven Darstellungsfehlern. Auch compiz zeigte kleine, teilweise störende Schwächen: So platzierte es nach dem Systemstart etwa alle Fenster immer auf der ersten Arbeitsfläche, statt sie wie der normale GNOME-Window-Manager Metacity auf die Arbeitsfläche zu legen, wo man sie in der gespeicherten letzten Sitzung benutzt hat.

Neben den grafischen Schmankerln gab es aber auch in anderen Bereichen zahlreiche Neuerungen: So lassen sich nun bereits während der Installation Anwendungen aus RPM-Depots im Internet einspielen. Etwa die rund 3400 Pakete aus dem von Fedora-Anwendern gepflegten Fedora Extras, das sich über eine Checkbox aktivieren lässt. Andere Repositories muss man manuell konfigurieren. Erstmals unterstützt der Installer die Installation auf Apple-Systemen mit Intel-Prozessoren.

Als Kernel kommt Linux 2.6.18 zum Einsatz, der unter anderem um Xen, das Cluster-Dateisystem GFS2 und Unterstützung von SAS (Serial Attached SCSI) erweitert wurde – die beiden letztgenannten Neuerungen werden auch Bestandteil von 2.6.19 sein. Der in der Voreinstellung installierte Kernel eignet sich dank der "SMP-Alternatives" für Uniprozessor- und SMP-Systeme; für Xen und x86-Systeme mit viel Speicher sind spezielle Kernel notwendig.

Im installierten System informiert ein Applet über anstehende Updates und ruft das zum Einspielen zuständige Programm auf. Als Standard-Desktop-Umgebung dient Gnome 2.16 mit seinen zahlreichen Neuerungen wie etwa verschiedenen Performance-Verbesserungen. KDE ist in der Version 3.5.4 enthalten, eine Vorabversion von Xfce 4.4 hält Fedora Extras bereit.

DejaVu ist nun als Standard-Schriftart. Als Instant-Messenger unter Gnome dient eine Beta-Version von Gaim 2.0. OpenOffice 2.0.4 ist in der x64-Variante von Fedora Core 6 erstmals für die 64-Bit-Architektur übersetzt. Die DT_GNU_HASH genannte Erweiterungen der glibc und der binutils soll das dynamische Nachladen von Bibliotheken um bis zu 50 Prozent beschleunigen – das machte sich beispielsweise durch einen schnelleren Start von OpenOffice bemerkbar.

Virtuelle Xen-Maschinen lassen sich mit dem neuen Programm virt-manager ähnlich komfortabel wie etwa unter VMWare Workstation einrichten. Drucker konfiguriert man über ein neues Tool, das deutlich besser mit Cups interagiert. Zudem nutzen zahlreiche Programme den neuen Druck-Dialog von GTK+ und ermöglichen so einfacher als zuvor die Qualitätseinstellung für einzelne Druckjobs.

GTK1-Anwendungen wurden aus Fedora Core entfernt und residieren nun teilweise in Fedora Extras. Aufgrund von Unstimmigkeiten um die Lizenz von Openmotif liegt das Toolkit nicht mehr bei und wurde durch lesstif ersetzt. SELinux ist in der Voreinstellung aktiviert – falls das Sicherheitsframework Anwendungen über Gebühr einschränkt, lassen sich über das erstmals enthaltene Programm setroubleshoot recht komfortabel Ausnahmen definieren.

Fedora Core und Extras enthalten weiterhin ausschließlich Open-Source-Software und meiden auch Programme, die möglicherweise durch Patente geschützten Techniken verwenden – die Unterstützung zum Abspielen von MP3-Dateien oder DVDs fehlt daher genauso wie die proprietären Grafiktreiber von ATI und Nvidia oder der Macromedias Flash. Sie lassen sich über externe Software-Depots wie rpm.livna.org, freshrpms oder atrpms installieren – beim Mischen der Repositories ist jedoch Vorsicht angebracht.

Erstmals in Fedora enthalten ist Unterstützung für das NTFS-Dateisystem in Form des in Fedora Extras enthaltenen ntfs-3g. Offizielle Live-CDs stellt Fedora weiterhin nicht bereit – das externe Projekt Fedora Unity bietet jedoch mit Kadischi erstellte Live-Medien von Fedora Core 6 zum Download an.

Die zahlreiche Detailverbesserungen im Vergleich zur Vorversion dürften für Fedora-Anwender in der Summe das Update attraktiv erscheinen lassen. Darüber hinaus bietet die neue Fedora-Version einen guten Vorgeschmack auf die nächste, für Dezember erwartete Version des im professionellen Umfeld verbreiteten Red Hat Enterprise Linux (RHEL), da zu weiten Teilen auf Fedora Core 6 basieren soll.

Im Vergleich zum bereits einige Monate alten Suse 10.1 bietet Fedora Core durch die aktuellen Versionen von Kernel, X.org und Co. bessere Unterstützung von aktueller Hardware. Da Fedora auch nach dem Release noch größere Kernel-Updates auf neue Linux-Versionen wie etwa 2.6.19 oder 2.6.20 nachschiebt, gilt das auch langfristig – etwa für neue Hardware, die erst durch Treiber in zukünftigen Kernel-Versionen unterstützt wird.

Ubuntu 6.10 soll noch diese Woche mit ähnlich aktueller Software auf den Markt kommen. Es dürfte noch mehr Hardware als derzeit Fedora unterstützen, da die Ubuntu-Entwickler auch noch nicht im Kernel enthaltene Treiber integrieren – die Fedora-Entwickler meiden das und bitten die Treiber-Entwickler, sich um die Integration in den Kernel zu bemühen. Das soll die Verwaltung vereinfachen und kommt zudem allen Distributionen zugute. Ubuntu mag zudem durch die Integration proprietärer Software etwas einfacher in der Bedienung als die Distribution des Fedora-Projekts sein, das sich ähnlich wie Debian einen ausschließlich auf Open-Source-Software basierende Distribution zum Ziel gesetzt hat – das legt dem Anwender gelegentlich einige Stolpersteine in den Weg.

Fedora Core 6 steht ab sofort über den Hauptserver, zahlreiche Mirrors oder BitTorrent zum Download bereit; die DVD-Images finden sich auf vielen via http zu erreichenden Mirror-Servern nicht, da sie zumeist noch einen Apache ohne Unterstützung von Large File Support einsetzen. Eine Ausnahme bildet etwa der unter Fedora Core mit Apache 2.2 laufende Server der Fachhochschule Esslingen, den wir in einem eigenen Artikel vorstellten.

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