Leseprobe aus c't 19/12
Nico Jurran
Film ab!
Video on Demand gibt richtig Gas
So kann das Filmvergnügen auf Knopfdruck jederzeit starten: Smart-TVs und andere Unterhaltungselektronik mit Internetzugang haben den nötigen Video-on-Demand-Client gleich an Bord – nicht selten sogar für verschiedene Dienste.
Auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand“ – immer häufiger ist dieser Satz in Anzeigen und auf Plakaten für Video-Neuerscheinungen zu lesen. Nachdem Online-Videodienste in der Gunst der Filmstudios jahrelang weit hinter physischen Medien rangierten, stehen mittlerweile immer häufiger Titel ab dem ersten Tag auch legal zum Abruf über das Internet bereit. Auch hochaufgelöste Videobilder (High Definition) und digitaler Mehrkanalton sind bei ausreichender Bandbreite kein Problem mehr. Steht die nicht zur Verfügung, liefern die Dienste Videos in Standardauflösung (Standard Definition); ab 2 MBit/s ist man gewöhnlich bei SD dabei, mit 5 bis 8 MBit/s bei HD.
So entwickelt sich Video on Demand (VoD) bei Spielfilmen langsam zu einer echten Konkurrenz für die klassische Videothek, für Automatenvideotheken und die verwirrenderweise häufig auch Online-Videotheken genannten Anbieter, die ihren Kunden DVDs oder Blu-rays zuschicken. Bei manchen populären Serien haben die VoD-Dienste sogar bereits die Nase vorn und bieten Episoden gleich nach der US-Ausstrahlung (einige mit Originalton und Untertiteln) an. Und das digitale Rechtemanagement (Digital Rights Management, kurz DRM) ermöglicht sogar Abomodelle.
Und eine weitere Entwicklung zeigt, dass Video on Demand kein Nischenprodukt mehr ist: Praktisch jeder TV-Hersteller stattet neue Modelle gleich ab Werk mit einem VoD-Zugang aus; auf manchen Geräten finden sich sogar Clients für mehrere Dienste, wie auch unser Smart-TV-Test ab Seite 124 (c't 19/12) zeigt. Die Botschaft an die Kunden ist klar: „Mit diesen Geräten befreien Sie sich von den Fesseln des klassischen Fernsehens“. Denn die Filme sind werbefrei und lassen sich innerhalb der Mietdauer (gewöhnlich 48 Stunden) beliebig oft wiedergeben, anhalten, zurückspulen und so weiter. Einen ähnlichen Freiheitsgrad bieten sonst nur die Mediatheken der Fernsehsender und Online-Videorecorderdienste, die wir uns ab Seite 118 (c't 19/12) anschauen und auf die man ebenfalls immer häufiger direkt über Smart-TVs Zugriff hat.
Bei iTunes ist für die Wiedergabe einiger Filme in HD auf dem Rechner eine HDCP-gesicherte Verbindung zum Display zwingend Voraussetzung. Fehlt diese (rechtes Bild), so gibt das Programm einen Hinweis und graut die Bedienfelder aus.
Wer bereits einen Flat-TV besitzt, muss für VoD nicht extra ein neues Fernsehgerät kaufen: Einige Hersteller stellen für ältere Modellreihen kostenlose Firmware-Updates bereit, die die VoD-Funktion nachrüsten – leider nicht selten von den Bestandskunden unbemerkt. Für alle anderen findet sich am Markt eine ganze Reihe von Produkten mit VoD-Zugang, darunter neben internetfähigen Blu-ray-Playern, Digital-TV-Receivern, Spielkonsolen und HD-Video-Playern auch spezielle Smart-TV-Nachrüstboxen.
Dennoch sollte man nicht einfach zu irgendeinem Gerät mit VoD-Funktion greifen. Tatsächlich tummeln sich mittlerweile eine ganze Reihe von Online-Videotheken auf dem deutschen Markt, die sich bisweilen schon bezüglich der Titelauswahl stark unterscheiden. Denn anders als klassische Videotheken, die in der Regel Zugriff auf alle verfügbaren Leihfilme haben, müssen die Dienste Verträge mit den einzelnen Inhaltelieferanten abschließen – ein sehr zeitaufwendiger Prozess.
Vorauswahl
Wir haben uns übrigens nur echte VoD-Angebote angeschaut, weshalb sogenannte „Near Video on Demand“-Angebote wie „Sky Select“ außen vor blieben, bei denen die Filme in einer Schleife laufen und sich der Zuschauer zu bestimmten Zeiten einklinken muss, um den ganzen Film zu sehen. Ebenso ließen wir Dienste von DSL- oder Kabelnetz-Providern außen vor, die direkt auf dem Fernseher (also nicht etwa durch Verbindung des Rechners mit dem TV-Gerät) lediglich deren Kunden zur Verfügung stehen – schon, weil wohl kaum jemand seinen Internetzugang nur wegen des VoD-Angebots wechseln dürfte. Aus dieser Gruppe wollte die Telekom aber eigentlich vor zwei Jahren mit ihrem Angebot „Videoload“ den Sprung auf den Fernseher wagen; eine Ankündigung von Philips, wonach deren Cinema-21:9-TV-Reihe mit einer passenden Funktion ausgestattet würde, blieb jedoch bis heute ohne Folgen.
Ebenfalls eingeschlafen ist der auf TechniSats ISIO S1 abrufbare Dienst Cloud7Movies, der auf seiner Website als Neuheit noch „The Dark Knight“ aus 2008 aufführt. VideoWeb hat seinen eigenen VoD-Dienst „HD Kino“ eingestellt, als er Maxdome für seine Smart-TV-Nachrüstbox VideoWeb TV gewinnen konnte. Der Disc-Versender Videobuster informiert Interessenten auf seiner Website schließlich darüber, dass man „derzeit die Weichen stelle für ein noch besseres VoD-Angebot“ – das alte VoD-Angebot ist derweil nicht mehr verfügbar.
Am Ende kamen wir so auf insgesamt sieben Dienste, die wir genauer unter die Lupe nahmen – darunter auch alte Bekannte wie Apples iTunes, Maxdome oder Videociety, bei denen sich aber seit unserem Beitrag in [1] einiges getan hat. Die wichtigsten Eckdaten fassen wir in der Tabelle auf Seite 116 (c't 19/12) zusammen, auf Besonderheiten gehen wir nachfolgend näher ein. Wir haben dabei nicht zwischen den verschiedenen HD-Auflösungen mit 1280 x 720 Bildpunkten (720p) und mit 1920 x 1080 Pixeln (1080p) unterschieden. Das Bild der HD-Versionen war im Vergleich zu den SD-Varianten durchweg sichtbar detailreicher und knackiger. Blu-ray-Qualität sollte man hier aber trotzdem nie erwarten – statt der dort üblichen 25 MBit/s muss man sich bei Kino aus dem Netz in der Regelmit 2,5 bis 8 MBit/s begnügen.
Sortiment
Um uns einen Eindruck über die Aktualität der einzelnen Dienste zu verschaffen, haben wir die zu Redaktionsschluss aktuellen Videotheken-Charts mit der Titelauswahl der VoD-Anbieter abgeglichen (siehe Tabelle auf Seite 116 in c't 19/12). Die Charts können nur eine Momentaufnahme sein, die zudem davon beeinflusst sind, welches Studio gerade besonders viele Titel platzieren kann. Einige Titel tauchen mit Verspätung aber noch bei einem anderen Anbieter auf. Dennoch taugen sie durchaus, um eine Tendenz auszumachen: Hatten in [1] die getesteten VoD-Dienste bestenfalls 6 der Top-20-Titel im Sortiment, kam iTunes am Apple TV in dieser Runde auf satte 17 Treffer.
Die Auswahl hat übrigens generell nichts mit dem Jugendschutz zu tun: Mehrere getestete Dienste haben auch Filme mit FSK-18-Freigabe im Sortiment. Bei der nach den Jugendschutzbestimmungen nötigen einmaligen Altersverifikation setzen die Anbieter dabei vor allem auf Verfahren, die die vom Kunden angegebenen persönlichen Daten mit den in Melderegistern oder bei Kreditkarten-Unternehmen hinterlegten Daten abgleichen. Auch mit „Schufa Ident“ wird nicht die Bonität des Kunden geprüft, sondern nur dessen Name, Anschrift und Geburtsdatum. Diese Verfahren haben gegenüber PostIdent den Vorteil, dass die Altersprüfung rasch elektronisch erledigt ist und der Kunde gleich an den Film kommt. Einige Anbieter bieten zudem, ähnlich der Regelung im Free-TV, ein nächtliches Zeitfenster ab 22 beziehungsweise 23 Uhr, in dem Kunden auch Filme mit FSK-16 oder -18 ohne weitere Altersprüfung frei abrufen können. Pornos ohne Jugendfreigabe fallen darunter allerdings nicht.
Die Unterschiede zur klassischen Videothek setzen sich bei älteren Filmen fort – nicht zuletzt, weil viele Titel aus den VoD-Angeboten nach einiger Zeit wieder verschwinden. Dies liegt an den unterschiedlichen Positionen innerhalb der Verwertungskette, die die beiden Vertriebswege nach Ansicht der Studios einnehmen. Ob und wann ein Film in ein VoD-Angebot zurückkehrt, lässt sich nicht generell sagen. ...
(nij)
Auf Abruf Film
Artikel zum Thema "Auf Abruf Film" finden Sie in c't 19/2012:
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 19/2012.








