Leseprobe aus c't 23/12
Dr. Volker Zota, Christof Windeck
Flexibler, mobiler, schneller
Hardware für Windows 8
Windows 8 soll Microsoft nicht nur den Durchbruch auf dem Tablet-Markt bringen. Der Mix aus herkömmlichem Desktop und Touch-optimierten Kacheln ermöglicht neue Bauformen mit passenden Geräten für praktisch jedes Anwendungsszenario und Bedienkonzept, sei es Touch, Stift, Maus, Tastatur oder alles auf einmal.
Nun ist es fast da: Wenige Tage nach dem Erscheinen dieser c’t-Ausgabe werden Windows 8 und damit vorbespielte Rechner in den Läden stehen – Notebooks mit Touch-Display, Hybride aus Tablet und Notebook, All-in-One-PCs mit riesigem Multitouch-Schirm, aber auch weniger als 1 Zentimeter flache, lüfterlose Tablets mit langen Akkulaufzeiten, die leichter sind als ein iPad. Dank der automatischen Synchronisation von Einstellungen und Apps zwischen den eigenen Windows-8-Geräten ist so ein Tablet als Zweitgerät jederzeit auf dem aktuellen Stand, sodass man darauf nahtlos weiter spielen, browsen oder – wenn es sein muss – darauf arbeiten kann.
Um das zu gewährleisten, ohne dabei die Vorteile seines Universalbetriebssystems Windows über Bord zu werfen, hat Microsoft die Metro-Bedienoberfläche vor den Desktop geschnallt und damit ganz bewusst nicht nur einen visuellen Bruch herbeigeführt. Er soll dem Nutzer den Unterschied zwischen den klassischen Windows-Programmen und den schlanken, auf die jeweils nötigsten Funktionen beschränkten Metro-Apps demonstrieren. Und auch, wenn der Füllstand des Stores noch recht niedrig ist, lassen sich tatsächlich bereits einige frühe Perlen erkennen – wir stellen sie in c't 23/12 ab Seite 92 vor.
Viele der Möglichkeiten von Windows 8 lassen sich nur mit neuer Hardware entdecken. Es muss aber nicht zwingend einer der in c't 23/12 ab Seite 88 vorgestellten schicken Rechner sein. Ausgerüstet mit einem Touch-Monitor, was wir ebenfalls ausprobiert haben, oder mit Touch-Mäusen oder Trackpads kann man ebenfalls von den Neuerungen profitieren. Dieser Beitrag stellt die diversen Hardware-Neuerungen vor.
Selbstverständlich kann man auch vorhandene Rechner auf Windows 8 aktualisieren – Tipps für den Umstieg finden Sie in c't 23/12 auf Seite 96. Und wer trotzdem lieber nur auf dem Desktop arbeiten will, weil er sich an die Kacheln einfach nicht gewöhnen mag, kann dennoch aus der Verquickung beider Welten Vorteile ziehen: Dann bekommt er Metro nur noch zu Gesicht, wenn er es wirklich nutzen will. Die nötigen Handgriffe erklärt der Artikel in c't 23/12 ab Seite 98.
Wozu Touch?
Für die meisten Menschen dürfte Touch-Bedienung vorwiegend beim Konsum von Medien Vorteile bringen: E-Mails überfliegen, im Browser oder einer App Nachrichten, den Wetterbericht oder die Tageszeitung lesen, in E-Books schmökern, Fotos herumzeigen, Videos anschauen, während der TV-Quizshow bei Wikipedia spicken. Viel bequemer als am PC oder Notebook geht das mit einem federleichten, sekundenschnell einsatzbereiten, stundenlang ohne Steckdose laufenden Tablet ohne Lüfter. Touch-Spiele verkaufen sich gut und wie die vielen Kreativ-Apps fürs iPad beweisen, laden die leichten Computertafeln manchen auch zum Malen, Zeichnen oder Musizieren ein. Sogar einfache Fotobearbeitung, Videoschnitt oder die Gestaltung von Präsentationen ist per Fingerwisch möglich. Das Tippen langer Texte auf der Bildschirmtastatur macht dagegen nur wenig Spaß, weshalb sich einige der Windows-Täfelchen per Tastatur-Dock in Netbooks verwandeln lassen. In den nächsten Wochen kommen viele Hybrid-Notebooks auf den Markt, welche die umgekehrte Verwandlung erlauben: Dank mitunter verblüffender Mechanismen mutieren sie vom klassischen Klapprechner zum reinen Touchscreen ohne Tastatur.
Die Windows-8-Gesten gehen erst
nach einer gewissen Eingewöhnung
leicht von der Hand – und funktionieren nur auf Touch-Displays optimal.
Bei Notebooks sowie All-in-One-PCs liegt die Fingerbedienung freilich ferner als beim Tablet. Ein kiloschwerer Klapprechner mit Lüfter liegt schlichtweg schlechter in der Hand beziehungsweise auf dem Schoß. Überzeugende Einsatzgebiete für Desktop-Touch findet man bislang eher in Nischen: Arbeitsplätze in der Kundenberatung oder interaktive Präsentationen im kleinen Kollegenkreis. Ein Beispiel für herkömmliche Desktop-Programme mit Touch-freundlicher Bedienung ist das Windows Media Center. Es vereint Diashow, Musik-Player, Videorecorder und Live-TV. Leider ist es nur bei Windows 8 Pro und gegen Aufpreis erhältlich. Mit wachsender Verbreitung von Touchscreens dürften aber mehr Programmierer auf den Geschmack kommen, ihre Software für Fingerbedienung zu optimieren. Bei manchen Arbeiten mit Fotos und Grafiken drängt sie sich als intuitive Bedienungsvariante geradezu auf.
Auch die bei Tablet-PCs mit Windows schon seit 10 Jahren eingebaute Stiftbedienung könnte eine Renaissance erleben. Der Erfolg des Android-Smartphones Galaxy Note mit Pen zeigt, dass es für solche Geräte einen Markt gibt – es kommt eben auf die Software an. Für Windows gab es bisher wenige Stift-Anwendungen, aber einige besonders raffinierte: Allen voran das vorinstallierte Journal zum Schreiben von Notizen und Microsoft OneNote. Beide kann man als Desktop-Apps auch unter Windows 8 sehr gut benutzen. Der handschriftliche wissenschaftliche Taschenrechner und das Schnappschuss-Werkzeug sind zwar ebenfalls installiert, ohne Startmenü aber nur über die Windows-Suche auffindbar.
Die für Finger optimierte Metro-Oberfläche kennt nur wenige stiftspezifische Funktionen: Meistens übernimmt der Stift schlicht die Aufgaben des Fingers. Ein Glanzstück ist jedoch die eingebaute Handschrifterkennung. Die virtuelle Tastatur der Metro-Umgebung, die beim Tipp in ein Suchfenster oder Formularfeld erscheint, lässt sich in ein grafisches Eingabefeld umstellen. Es erkennt selbst kritzelige Schriften recht zuverlässig, zumindest wenn die Wörter im „Freihand-Wörterbuch“ hinterlegt sind; fehlende lassen sich nachtragen. Mit kleinen Gesten kann man Fehler bei der Erkennung rasch korrigieren und hernach das Geschriebene in die Felder einfügen. Das funktioniert im Prinzip auch bei der Eingabe mit dem Finger oder mit kapazitiven Stiften, aber beide sind wesentlich ungenauer und kennen keine Druckunterschiede. Außerdem verwirrt ein aufliegender Handballen kapazitive Sensoren. Für den druckempfindlichen Stift ist ein zusätzlicher Flächensensor (Digitizer) nötig, der den Gerätepreis in die Höhe treibt.
Innovationsschub:
Windows 8 bringt
spannende neue
Gerätetypen.
Noch sind wenige Apps aus dem Windows Store für den Stift optimiert. Ausnahme ist die Preview von OneNote MX, die zwischen leichtem und festerem Druck unterscheiden kann, aber nur einen Bruchteil der Funktionen der Desktop-Version mitbringt. Viele Apps unterstützen nicht einmal den für Windows-Tablet-PCs bisher typischen Hochkantmodus, sondern erzwingen das Querformat. Das ist allerdings noch eine Momentaufnahme und es bleibt zu hoffen, dass viele App-Entwickler außer Touch auch den Stift berücksichtigen.
Alles in allem ist die Stift-Eingabe in Windows 8 derzeit schlechter integriert als in Windows 7. Auf dem Desktop lässt sich der Stift-Eingabebereich nur noch über ein Icon in der Startleiste aktivieren und erscheint nicht mehr am Bildschirmrand oder automatisch bei Klick auf ein Eingabefenster. Die Gestensteuerung per Stiftwisch klappt zwar im Prinzip, aber nicht in Anwendungen wie dem Internet Explorer 10, wo sie am nützlichsten wäre. Solche und ähnliche Funktionen könnten Digitizer-Hersteller wie Wacom aber noch mit Treiber-Updates nachliefern....
(ciw)
Umstieg auf Windows 8
Artikel zum Thema "Umstieg auf Windows 8" finden Sie in c't 23/2012:
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 23/2012.








