Friede, Freude und freie Eierkuchen-Rezepte, Teil 2

Wissen | Hintergrund

Unsere dreiteilige Serie spürt den freien Inhalten im Netz hinterher – von Unterhaltung und Bildung über Forschung und Lehre bis zu Strickmustern und Fotosammlungen. Im zweiten Teil geht es um freie Daten und wissenschaftliche Veröffentlichungen, Sp

Unsere dreiteilige Serie spürt den freien Inhalten im Netz hinterher – von Unterhaltung und Bildung über Forschung und Lehre bis zu Strickmustern und Fotosammlungen. Im zweiten Teil geht es um wissenschaftliche Aufsätze und freie Daten, um Sprachkurse und Lehrmaterial.

Teil 1: Freie Musik, Filme und Bücher
Teil 2: Freie Forschung und Lehre
Teil 3: Hobby und Kultur

Just dieser Tage hat sich der Bundesrat gegen die Unterstützung von Open Access als wissenschaftliche Publikationsform ausgesprochen, schließlich habe sich das wissenschaftliche Verlagswesen doch bewährt. Natürlich, funktionieren tut es, und viele Wissenschaftler publizieren ihre Fachaufsätze und Monographien bei den etablierten Wissenschaftsverlagen. Aber muss das in Zeiten der weltweiten Vernetzung so sein, und muss es zu den derzeitigen Preisen sein, unter denen die Bibliotheken nicht nur in Deutschland ächzen?

Jeder, der aus dem Internet die Unmengen von Howtos und Texte insbesondere über Computertechnik gewöhnt ist, kann da nur den Kopf schütteln und sich fragen: "Wieso nicht in Selbstorganisation begutachten und einfach im Internet publizieren?" Die Antwort: Die Zitierindices, die bislang nur auf Papier Gedrucktes erfassen, sind zu wichtig für das Renommee und damit die Finanzierung der Forschung, als dass sich ein Wissenschaftler ohne weiteres außerhalb dieses Systems stellen könnte. Trotzdem versuchen verschiedene Initiativen, den Weg der freien Internet-Publikation mit Rücksichtnahme auf den Citation Index zu gehen.

Ganz allgemein ist die Informationslage im Internet für Informatik und Mathematik geradezu paradiesisch anzusehen – verglichen mit Geistes- und Sozialwissenschaften. Praktisch jeder kennt CiteSeer als zentrale Suchmaschine für Fachaufsätze der Informatik. Auch Computerbuchverlage sind weniger zurückhaltend, ihre Publikationen online zugänglich zu machen – O'Reilly beispielsweise arbeitet mit dem Creative-Commons-Projekt zusammen, um langfristig auslaufende Bücher unter Creative Commons (CC) online verfügbar zu machen.

Zwei wichtige Initiativen gibt es zur Zeit, wissenschaftliches Publizieren nach einem Open-Source-Modell zu gestalten. Die Open Access Iniative ist dabei, kurz gesagt, für den Inhalt und die Open Archives Iniative für die Form der Daten zuständig.

Die Budapest Open Access Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftliche Publikationen für den Leser frei zugänglich, druckbar, kopierbar und verteilbar zu machen. Entscheidend dabei ist, dass Wissenschaftler nicht die Urheberrechte am Aufsatz aufgeben oder ab sofort wild plagiiert werden können, sondern dass der Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen erleichtert wird. Natürlich entbindet das keinen Studenten vom sauberen Zitieren und der Nennung der Quelle als Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten – aber mit Open Access ist es zum Beispiel möglich, eine Textsammlung für ein Seminar öffentlich ins Web zu stellen.

Die Open Archives Initiative befasst sich mit offenen Standards zur Archivierung und hat damit eine völlig andere Zielsetzung als die Open Access Initiative. Dort geht es um die Formate für digitale Daten, um Dublin Core, XML und digitale Archivierung.

Für die Wissenschaftslandschaft in Deutschland findet man die besten Informationen an der Uni Bielefeld, wo Links und Fachaufsätze zum Thema Open Access zusammengetragen sind. Als weitere wichtige Anlaufstelle fungiert Zugang zum Wissen, betreut von der Uni Oldenburg. Dort schreibt Eberhard Hilf außerdem ein Blog zum Thema mit Schwerpunkt auf Initiativen, Konferenzen und Unterschriftenlisten, um Wissenschaftler, Unis und Verlage zur Beteiligung aufzufordern. Auch die Helmholtz-Gemeinschaft als Vereinigung verschiedener naturwissenschaftlicher Institutionen in Deutschland beschäftigt sich mit Open Access und bietet Neuigkeiten und Informationen an. Seit 1. Mai gibt es für den deutschsprachigen Forschungsraum ein Web-Portal, das viele Fragen nach spezifisch deutschen und EU-weiten Forschungsnormen beantwortet.

Ganz allgemein sollten Wissenschaftler und Studenten, die Interesse an Open Access haben, unbedingt das Blog von Peter Suber lesen, wo aktuelle Nachrichten und Diskussionen zum Thema gepostet werden. In Subers Newsletter finden sich Dutzende Einrichtungen, Initiativen und Journale, die sich OA verschreiben.

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