Leseprobe aus c't 15/09
Seit 150 Jahren wird mit 3D herumexperimentiert, strohfeuerartig loderte die Technik alle paar Jahre auf – und verschwand wieder. Nun hat die Stereoskopie erstmals die Chance, sich quer durch alle Medien auszubreiten – diesmal vielleicht für immer.
Noch drei Jahre, dann wird es im Kino fast nur noch 3D-Filme zu sehen geben“ – das verkündete vor wenigen Monaten der US-amerikanische Filmproduzent Jeffrey Katzenberg, Miteigentümer des großen Studios DreamWorks und definitiv keine kleine Nummer in Hollywood. Katzenbergs Prognose wirkt im ersten Moment befremdlich. Doch die Zahlen geben dem 3D-Evangelisten recht: In Deutschland hat sich die Zahl der 3D-fähigen Digitalkinos in den letzten Monaten mehr als verdoppelt. Rund 80 Kinos können derzeit digitales 3D zeigen. Auf der anderen Seite des Atlantiks haben bereits nahezu 1600 der insgesamt 5900 Kinos mindestens einen Saal auf die digitale 3D-Technik umgestellt. Ein Nischenphänomen ist das nicht mehr – so viel ist sicher.
Nicht zu vergessen: Die Kasse klingelt ordentlich. Bei der DreamWorks-Produktion „Monsters vs. Aliens“ wurde ein Drittel des deutschen Gesamtumsatzes in 3D-Kinos generiert – und das, obwohl nur 50 von insgesamt 750 Spielstätten die räumliche Fassung zeigten, dafür allerdings auch höhere Eintrittspreise verlangten. An Material mangelt es nicht: Die erfolgreichsten Animationsfilm-Produzenten Pixar, Disney und DreamWorks haben verkündet, jeden ihrer neuen Filme auch in einer stereoskopischen Fassung in die Kinos zu bringen. Mit Steven Spielberg, James Cameron und Robert Zemeckis arbeiten einige der bekanntesten Regisseure an 3D-Produktionen.
Die aktuelle 3D-Welle schickt sich zudem an, aus den Kinosälen in die Wohnzimmer zu schwappen: Wenn es nach dem Willen der Unterhaltungsindustrie geht, sollen die Zuschauer im Kino mit dem räumlichen Filmerlebnis angefixt werden, um dann ihren Wohnzimmer-Gerätepark auf 3D-Technik umzustellen. Das Problem: Es gibt noch keinen Standard für 3D-Filme in hoher Auflösung. Die 3D-Lobby betont zwar, dass bereits 1,4 Millionen 3D-fähige Fernseher in den Wohnzimmern stehen. Mangels 3D-Inhalten werden die meisten Besitzer dieser Wunderkisten allerdings gar nicht wissen, dass ihr Fernseher – zusammen mit einer Shutterbrille – auch räumlich statt flach könnte.
Mitverdienen an der neuerlichen 3D-Welle wollen auch die Hardware-Hersteller mit 3D-Monitoren und dergleichen. Dabei haben sie einen entscheidenden Vorteil: In der Computerwelt gibt es bereits massenhaft 3D-Inhalte. Während in der Unterhaltungselektronik-Branche noch fieberhaft überlegt wird, wie man stereoskopisches Videomaterial in die Wohnzimmer bringen kann, benötigt man am Rechner nur einen Treiber, der Direct3D- oder OpenGL-Software stereoskopisch ausgibt (siehe Artikel auf c't 15/2009, S. 84). Spiele, Programme wie Google Earth, Rendering- und Konstruktionssoftware lassen sich so überreden, räumliche Bilder anzuzeigen – hier wird ja intern bereits mit Tiefeninformationen gearbeitet, es müssen lediglich zwei Ansichten berechnet werden. Nach Unternehmen wie Hyundai, Zalman und iZ3D hat nun auch Grafikkarten-Primus Nvidia seine Shutterbrille 3D Vision auf den Markt gebracht (siehe Hardwaretest auf c't 15/2009, S. 100).
Kurioserweise unterscheidet sich die Nvidia-„Innovation“ technisch keinen Deut von den Shutterbrillen, die Unternehmen wie Elsa und Asus bereits vor zehn Jahren verkauft haben. Wirklich neu ist in Sachen 3D ohnehin so gut wie nichts: Die Stereografie wurde sogar noch vor der Fotografie erfunden – der Wissenschaftler Charles Wheatstone nutzte bei seinem ersten Stereoskop noch Zeichnungen statt Fotos. Erst einige Jahre später war die Fotografie so ausgereift, dass sie für Stereoskope verwendet werden konnte. Auch die Filmpioniere Lumière sollen Ende des 19. Jahrhunderts schon mit 3D-Filmen experimentiert haben. Die heute noch gebräuchlichen Verfahren, Stereobilder mit Farb- oder Polarisationsfiltern darzustellen, wurden vor weit über 100 Jahren entwickelt.
Die vollständigen Artikel sowie eine 3D-Pappbrille finden Sie in c't 15/09,
Links zu exklusiven Programmen und 3D-Videos hier online, wo Sie auch ein Forum zum Kommentieren und Diskutieren finden.
"3D neu entdecken"
| Artikel zum Thema "3D neu entdecken" finden Sie in der c't 15/2009: | |
| Dank digitaler Technik boomt 3D nicht nur im Kino | S. 80 |
| Stereoskopische Fotos, Videos und Direct3D-Programme | S. 84 |
| 3D-Hardware im Test | S. 90 |
| Plastische Bilder aufnehmen und betrachten | S. 94 |
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