Gegenspionage

RFID-Detektor im Taschenformat

Praxis & Tipps | Praxis

Wer wissen will, ob er im Kaufhaus mit Kurzwellenfunk bespitzelt wird, kann das mit einer kompakten, selbst gebauten Schaltung herausfinden.

Aufmacher

Derzeit laufen erste Feldversuche mit Sensoren, die passive RFID-Etiketten ohne eigene Stromversorgung auslesen. Longrange-Sensoren schaffen das aus bis zu einem Meter Entfernung, ohne dass man davon etwas mitbekommt. Die RFID-Sensoren gemäß ISO-Norm 15693 strahlen konstant mit geringer Leistung im Kurzwellenband auf 13,56 MHz. Aus dem elektromagnetischen Feld ziehen die Etiketten Energie und versorgen damit ihre Elektronik. Starterkits für Entwickler bieten beispielsweise die Firmen Feig Electronic oder Megaset Systemtechnik an (siehe Seite 122 in c't 9/04).

Dank des konstanten Feldes kann man solche Sensoren relativ leicht aufspüren. Dabei hilft eine kleine Schaltung, die sich für rund 15 Euro nachbauen lässt. Sie ist als Einfachüberlagerungsempfänger (Superhet) mit nachfolgendem Diodendetektor konstruiert. Als Antenne dient eine Leiterbahnschleife auf der Platine, diese ist gleichzeitig die Spule für den Eingangsschwingkreis. HF-Vorverstärker, ZF-Oszillator und Mischer stecken in einem preisgünstigen Analog-IC. Damit der Detektor nicht auf HF-Signale weiter abseits vom RFID-Träger anschlägt, sorgt ein keramisches ZF-Filter für die nötige Trennschärfe. Sensoren für simple passive Diebstahlschutz-Etiketten lassen ihn stumm bleiben, denn diese Systeme arbeiten typischerweise bei etwa 2 MHz oder 8,2 MHz, also HF-technisch weit weg von RFID.

Die Verstärkung der folgenden beiden Transistorstufen ist so gewählt, dass der Detektor nur in räumlicher Nähe zu einem RFID-Sensor auslöst. In einem Versuch mit einem Short-Range-Sensor zeigte die Schaltung das HF-Feld schon bei etwa 25 Zentimeter Distanz an, das RFID-Tag mussten wir dagegen auf sieben Zentimeter an den Sensor heranbringen. Der Detektor ist also etwas empfindlicher, allerdings nicht so sehr, dass er einen RFID-Sensor „quer über die Straße“ anzeigen würde.

Soll die LED etwas heller leuchten, damit sie bei Tageslicht besser erkennbar ist, kann man R10 auf 220 Ohm verringern. Dadurch steigt die Stromaufnahme der Schaltung an, wenn sie ein Signal anzeigt. Weil das eher selten passieren wird, dürfte die Batteriestandzeit nicht nennenswert sinken. Die anderen Widerstandswerte sollte man aber strikt einhalten, weil sich sonst beispielsweise der Arbeitspunkt des ZF-Teils oder die Anpassung des Filters verändert.

Statt einer gewöhnlichen Leuchtdiode aus der Restekiste kann man auch eine ultrahelle Type einsetzen, die mit 12 bis 40 Cent etwas teurer als 5-Cent-Standardware ist. Wer akustische Signalisierung vorzieht, ersetzt R10 durch eine Brücke und schließt statt der LED einen selbsterregten, für 5 V spezifizierten Piezosummer an.

In Standard-Zigarettenschachteln passt die Platine samt 9-Volt-Blockbatterie mit etwas Quetschen und ist damit gut getarnt. Bei größeren Schachteln von Edelmarken fällt der Einbau leichter. Wer den Batterieclip nicht als Ein/Aus-Schalter missbrauchen will, kann an SW1 statt einer Lötbrücke einen Mikroschalter oder eine 2-Pin-Pfostenleiste mit Jumper anschließen.

RFID Detektor
Vergrößern
Die äußere Leiterbahnschleife fungiert gleichzeitig als Antenne und Spule für den Empfangsschwingkreis. Braucht man keinen Ein-Schalter, setzt man als SW1 eine Drahtbrücke oder eine zweipolige Pfostenleiste mit Jumper ein.

Falls der HF-Chip SA/NE602 schlecht erhältlich ist, kann man auch den etwas günstigeren Typ SA/NE612 einsetzen. Dieser hat zwar geringfügig schlechtere Daten (leicht höhere Rauschzahl, etwas geringere Verstärkung), aber das stört hier nicht.

Aufgrund des einfachen Prinzips kann unser Detektor nur die Anwesenheit eines RFID-HF-Feldes feststellen. Ob dieses nun aktiv zum Auslesen von RFID-Tags benutzt wird, vermag er nicht zu erkennen. Sollten die RFID-Entwickler und Anwender in Zukunft auf andere Techniken wie beispielsweise UHF-Funk übergehen, wird dieser Detektor stumm bleiben - aber eventuell einen Nachfolger bekommen. (ea )

RFID Detektor
Vergrößern
Der RFID-Felddetektor arbeitet als Einfach-Superhet. Das sorgt für Unempfindlichkeit gegenüber Feldern mit falscher Frequenz, beispielsweise von Sensoren, die auf passive Diebstahlschutz-Etiketten ansprechen. Statt eines SA602 funktioniert auch ein SA/NE612 als IC1. Dessen etwas schlechtere Eigenschaften (niedrigere Verstärkung, höhere Rauschzahl) stören in dieser Anwendung nicht.

[#anfang Seitenanfang]


Stückliste
Widerstände
R1 750R
R2 2k2
R3,4 1k2
R5-7 470R
R10 470R bis 220R, siehe Text
R8,9 15k
R11 33R
alle R Kohleschicht oder Metallfilm, 0,25W, ±5 %
Kondensatoren
C1 100p, Keramik, RM2,5
C2,3 22p, Keramik, RM2,5
C4-8 4n7, Keramik od. Folie, z. B. MKS-4, RM5
C9-11 100n, Sibatit o. ä., RM5
C12 10µ, RM2,5
alle C mit 16 V Spannungsfestigkeit oder mehr
Halbleiter
D1,2 1N4148
D3 1N4001
LED1 Leuchtdiode, siehe Text
T1-3 BC547B
IC1 SA/NE602, DIP8-Gehäuse
IC2 7805
Sonstiges
QZ1 Quarz 8 MHz, HC49U
FI1 Keramikfilter 5,5 MHz, z. B. SFE 5,5 (Reichelt)
SW1 Drahtbrücke, optional: Ein-Schalter
9-V-Blockbatterie, Batterieclip dazu Platine 0409132 (eMedia)

Kommentare

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Stiller Alarm
  2. Beschränkungen
15Kommentare
Kommentare lesen (15 Beiträge)
  1. Avatar
  2. Avatar
  3. Avatar
Anzeige

Anzeige

Anzeige