Auch wenn man darüber streiten kann, wie lange es noch bis zur ‘World Domination’ dauern mag - eine beispiellose Erfolgsgeschichte ist Linux allemal. Einen weiten Weg hat das PC-Unix zurückgelegt von den ersten Experimenten einer verschworenen Hackergemeinschaft bis zum milliardenschweren Linux-Bekenntnis von IBM.
Wir schreiben das Jahr 1991. Intels 80386-Prozessor hat die PC-Welt erobert; der 486er ist gerade im Begriff, seine Nachfolge anzutreten. Microsoft begeistert die PC-Anwender mit seinem ‘grafischen Betriebssystemaufsatz’ Windows 3.0, ohne damit freilich die GUI-Qualitäten eines Mac OS zu erreichen. Die Diskussion ‘Atari oder Amiga?’ ist in vollem Gange. Steve Jobs versucht mit dem ‘Next’, Unix mit einer schicken grafischen Oberfläche und Designergehäuse einem größeren Anwenderkreis zugänglich zu machen. Für die meisten Unix-Fans dürfte zu diesem Zeitpunkt die eigene Sun-Workstation der - finanziell meist unerfüllbare - Traum sein.
Die wirklich zukunftsträchtigen Dinge geschehen allerdings im Internet, damals noch völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit. Tim Berners-Lee, Physiker am CERN, stellt die erste Version seines Hypertext-Systems vor und legt damit den Grundstock für das World Wide Web, das wenige Jahre später für die umfassende Kommerzialisierung des Internet sorgen wird - zum damaligen Zeitpunkt bedeutet ‘Internet’ vor allem Mail, Newsgroups und ‘anonymous ftp’. Bei Sun arbeitet eine kleine Gruppe von Entwicklern an einer neuen Programmiersprache namens Java; an einen Einsatz im Internet denkt dabei freilich noch niemand.
Und dann ist da ein finnischer Informatik-Student namens Linus Torvalds. Torvalds kennt - und mag - Unix von der Uni, wo er auf einer MicroVAX ersten Kontakt damit hat: ‘Unix war das erste Betriebssystem, hinter dem ich ein Konzept, eine Grundidee erkennen konnte.’ Aber er kann sich keine ‘richtige’ Unix-Workstation leisten, das Geld reicht mit Mühe für einen 386er-PC. Mit den damals verfügbaren Unix-Clones für PCs wie Minix ist Torvalds auch nicht richtig glücklich - von MS-DOS oder Windows ganz zu schweigen. Was also macht ein überzeugter Programmierer, der keine Software findet, die seinen Ansprüchen genügt? Ganz einfach: Er schreibt sie sich selbst.
Genau genommen ging es Linus Torvalds 1991 gar nicht darum, ein Betriebssystem zu programmieren: Ihn interessierte, was der 386er-Prozessor so alles kann - Protected Mode, Speicherverwaltung, spezielle Befehle für schnelles Context-Switching. Aus ersten Experimenten wurde schließlich ein minimaler Task-Scheduler, der mehrere Prozesse verwalten konnte. Der wuchs recht schnell zu einer Terminal-Emulation heran, mit der sich Torvalds in den Unix-Rechner der Uni einwählen konnte, um Mail und News zu lesen. Diese Anwendung lief ‘stand alone’ ohne Betriebssystem: Wann immer Torvalds das Programm nutzen wollte, musste er das ansonsten verwendete Minix runterfahren und den Terminal-Emulator booten.
Mit dem Wunsch, Mail und News auch auf der lokalen Festplatte speichern zu können, entstand die Notwendigkeit eines Plattentreibers. Und da dämmerte es Torvalds, dass er eigentlich im Begriff war, einen Betriebssystemkern zu schreiben: Task-Scheduler, Speicherverwaltung, Hardware-Treiber, Dateisystem - die Grundbausteine waren alle da.
Anfang Juli 1991 schickte Torvalds eine Mail an die Minix-Newsgroup, in der er um Informationen über den POSIX-Standard bat - die Definition der Systemschnittstellen bei Unix. Nach und nach rüstete er seinen Kernel mit den wichtigsten Funktionen aus und portierte die bash-Shell. ‘Portieren’ ist in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort: Wie Torvalds in seiner Autobiografie erzählt, bestand die Arbeit vor allem darin, seinen eigenen Kernel an die Bedürfnisse der Shell anzupassen.
Ende August 1991 erwähnte Torvalds in einem Posting ebenfalls an die Minix-Newsgruppe erstmals, dass er an einem Betriebssystem arbeitet. Und er bat die Minix-Anwender gleich um Anregungen, welche Features sie in einem solchen Betriebssystem gerne sehen würden. Am 17. September 1991 schließlich stellte Torvalds sein ‘Linux 0.01’ auf einem ftp-Server zum Download bereit - rund 500 KByte Quelltexte, verteilt auf 10 000 Codezeilen.
Linux 0.01 konnte noch so gut wie nichts: Der Kernel bootete lediglich von Floppy und auf 386er-Prozessoren, unterstützte ausschließlich das finnische Tastatur-Layout und kannte nur das Minix-Dateisystem. Noch finsterer sah es bei den Anwendungen aus: Die beschränkten sich auf die Unix-Shell bash, sodass man im Grunde nichts Nützliches damit anfangen konnte. Ein solches System konnte nur Enthusiasten ansprechen, die das Fehlen von Treibern und Anwendungen sowie Rechnerabstürze nicht als Ärgernis, sondern als Herausforderung auffassten. Aber die fanden sich schnell, schickten Torvalds ihre Wünsche, bastelten an Treibern und portierten erste Programme.
Dabei ergänzte sich Linux ideal mit dem schon seit 1984 bestehenden GNU-Projekt. Unter dem Motto ‘Gnu’s not Unix’ arbeitete eine Gruppe von Programmierern um Richard Stallman daran, eine eigene, freie Unix-Variante zu entwickeln. 1991 hatte das GNU-Projekt bereits eine Vielzahl der klassischen Unix-Tools fertig, die sich unter mehreren kommerziellen Unix-Varianten kompilieren ließen - leichte Portierbarkeit auf verschiedene Unix-Systeme war Programm für das GNU-Projekt. Was den GNU-Leuten hingegen zum kompletten System fehlte, war der eigene Kernel - und den lieferte nun Linus Torvalds: GNU/Linux war geboren.
Im November 1991 unterlief Torvalds ein Missgeschick: Er löschte die Minix-Partition auf seinem PC, indem er Daten, die eigentlich an die serielle Schnittstelle (/dev/tty1) gehen sollten, versehentlich auf die Festplatte (/dev/hda1) schrieb. Bisher hatte er nahezu alles - auch die Arbeit am Linux-Kernel - unter Minix erledigt. Nun stand er vor der Alternative, entweder Minix neu zu installieren oder Linux zu einem benutzbaren System weiterzuentwickeln, mit dem er all das tun konnte, was er bislang unter Minix erledigt hatte. Er installierte kein Minix mehr.
Schon im Dezember liefen eine Reihe der GNU-Tools unter Linux 0.11. Wichtigstes Programm war dabei der GNU-C-Compiler gcc: Mit ihm konnte man unter Linux die Quelltexte weiterer Anwendungen kompilieren. Der Kernel selbst hatte noch gar nicht so viel dazu gelernt: kein Netzwerk und nur sehr eingeschränkter Support von Datenträgern und sonstiger Hardware. Immerhin konnte man jetzt beim Kompilieren des Kernels zwischen finnischem, englischem, französischem und deutschem Tastatur-Layout wählen: Das Linux-Team war international geworden.
Linux 0.12 brachte im Januar 1992 zwei wichtige Neuerungen. Zum einen stellte Torvalds sein Betriebssystem ab dieser Version unter die General Public License (GPL) der Free Software Foundation. Zum anderen gab es einen wichtigen technischen Fortschritt, nämlich Virtual Memory: Bei knappem Hauptspeicher konnte Linux jetzt auf die Festplatte swappen.
Die Linux-Fans trafen sich zu diesem Zeitpunkt nach wie vor in der Minix-Newsgroup. Ende Januar 1992 fühlte sich der Minix-Erfinder und Informatik-Professor Andrew Tanenbaum durch die überhand nehmenden Linux-Threads herausgefordert. In seinem berühmt gewordenen Posting ‘LINUX is obsolete’ [[#lit01 1]] übte er harsche Kritik an dem neuen Betriebssystem: Der monolithische Kernel von Linux sei technisch überholt, moderne Betriebssystemarchitekturen setzten auf einen Microkernel. Und Linux sei fest mit der x86er-Prozessorarchitektur verheiratet, während ein vernünftiges Betriebssystem portabel sein müsse. Torvalds öffentliche Antwort an Tanenbaum war heftig, emotional - und so nahe an der persönlichen Beleidigung, dass er spä-ter eine Entschuldigung hinterherschickte. Folge des Streits war die formale Trennung von Minix und Linux: Die immer größere Linux-Gemeinde traf sich jetzt in einer eigenen Newsgroup, comp.os.linux.
Die Portierung des X Window System brachte Linux 1992 nicht nur ein GUI, sondern auch das Versprechen baldiger Netzwerkfähigkeiten: X-Clients und X-Server sprechen über Domain Sockets miteinander und benötigen damit eine Art Netzverbindung innerhalb des Betriebssystems. ‘Echte’ Netzverbindungen zur Außenwelt - unverzichtbar für ein richtiges Unix-System - schienen greifbar nahe, Linux kurz vorm Ziel. Ohne lange nachzudenken erhöhte Torvalds die Versionsnummer in einem großen Sprung auf 0.95 - 1.0 ist in der Unix-Welt traditionell die erste Release eines Programmes, das alles kann, was sich seine Entwickler wünschen.
Die Sache mit dem Netzwerk sollte sich allerdings als harter Brocken erweisen: Zwei weitere Jahre vergingen, bis Torvalds sein Betriebssystem als reif für die Version 1.0 erachtete - eine endlose Folge von 0.9xxx-Versionen, während der Linux allerdings in vielen Bereichen beträchtliche Fortschritte machte. Erste SCSI- und Soundtreiber fanden Einzug in die Quellen, und das heute noch gebräuchliche ext2-Dateisystem entstand.
Mit dem X Window System, portierten X11-Programmen und der Möglichkeit, SCO-Unix-Programme auszuführen, stieg das Angebot an Anwendungen. Das System lernte, auf dem Parallelport zu drucken; eine Portierung des BSD-Drucksystems machte Drucker für Anwender zugänglich. Kurzum: Linux wurde benutzbarer und nützlicher. Schon Ende 1992 veröffentlichte Yggdrasil eine erste Linux-Distribution, die sich von CD-ROM installieren ließ; mit Slackware und Debian starteten im Frühjahr und Sommer 1993 weitere Distributionen, die heute noch gepflegt werden.
Im März 1994 gab Torvalds schließlich Linux 1.0 frei. Die Kernelquellen waren inzwischen auf über 170 000 Zeilen Quellcode angewachsen - rund die Hälfte davon entfiel auf Hardware-Treiber. Viele Elemente von Linux 1.0 haben bis heute überdauert: ‘make config’, um den Linux-Kernel eigenen Bedürfnissen anzupassen; zur Laufzeit nachladbare Treiber (Kernelmodule); lilo zum Booten von Festplatten; das ELF-Format für ausführbare Programme; ein eigenes Dateisystem, das ext2fs, aber auch Support für ‘fremde’ Dateisysteme wie DOS-FAT oder CD-ROMs; das /proc-Pseudodateisystem. An die hundert Programmierer auf der ganzen Welt arbeiteten inzwischen an Linux, darunter heute prominente Entwickler wie Alan Cox oder Donald Becker. Die Zahl der Linux-Anwender dürfte zu dieser Zeit bereits bei rund 100 000 gelegen haben. Auch c't-Leser fanden seit damals regelmäßig Informationen über das freie Betriebssystem.
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Der Linux-Erfinder 1996 ... |
Mit der Version 1.0 etablierte sich auch die bis heute bestehende Trennung von Anwender- und Entwicklerkernel: Neue Ideen probierten die Kernel-Hacker in einer 1.1-Serie aus, während in den Kernel 1.0 lediglich Bugfixes und gründlich getestete Features einflossen. Wer an der Spitze der Linux-Entwicklung mitmarschieren wollte, konnte sich ab jetzt auf die neuesten Kernel mit ungerader ‘minor version number’ stürzen; wem es um ein stabiles, robustes System ging, der blieb bei den geraden Nummern.
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... und letztes Jahr |
Bereits ein Jahr später machte der Linux-Kernel den nächsten großen Sprung auf die Version 1.2. Die brachte mit rund 300 000 Zeilen Quellcode nicht nur den doppelten Umfang gegenüber der Version 1.0, sondern auch etliche neue Hardwaretreiber. Die wichtigste Neuerung dürfte allerdings gewesen sein, dass Linux 1.2 nicht mehr nur auf Intel-Hardware lief: Das neue arch/-Verzeichnis in den Kernelquellen enthielt Portierungen auf Alpha-, Mips- und SPARC-Prozessoren.
Ansonsten hatte Linux 1.2 vor allem im Bereich Netzwerk dazugelernt: Der neue Kernel ging jetzt souverän mit mehreren Netzwerkkarten um und ließ sich dank IP-Forwarding auch als Router einsetzen - Packet-Filter-Firewall inklusive. Netzprotokolle wie NFS, IPX oder AppleTalk schafften die Grundlage, um auch in heterogenen Netzwerkumgebungen Anschluss zu finden. Zu SLIP gesellte sich das heute noch gängige PPP, um sich via Telefonleitung ins Internet einzuwählen.
Bei - je nach Schätzung - 500 000 bis 1,5 Millionen Linux-Anwendern weltweit entstand um 1995 allmählich auch ein ernsthafter Markt für Linux-Firmen. Mit Caldera, Red Hat und SuSE etablierten sich Linux-Distributoren, die heute zu den Schwergewichten im Linux-Business zählen. Allmählich begannen die ersten Unternehmen, die Vorteile des freien Betriebssystems zu erkennen - oder eher die Sysadmins in den Unternehmen: Offiziell galt Linux immer noch als Hacker-Spielzeug, das die IT-Branche weitgehend ignorierte. Hinter den Kulissen sorgten freilich freie Anwendungen wie Samba - eine Software, mit der ein Linux-Rechner als File- und Print-Server in Windows-Netzen agiert - und klassische Unix-Programme wie der Webserver Apache oder der Mailserver Sendmail für zunehmende Popularität.
Im Sommer 1996 erschien nach rund 100 Testversionen der 1.3er-Kernelserie Linux 2.0 mit einem Codeumfang von 800 000 Quelltextzeilen. Die Hardwarepalette hatte sich durch neue Treiber sowie Portierungen auf Motorola-68k- und PowerPC-Prozessoren weiter verbreitert. Eine der wichtigsten Neuerungen: Linux 2.0 war Multiprozessor-fähig und konnte theoretisch bis zu 16 CPUs betreiben. Der SMP-Support war allerdings ausdrücklich als experimentell gekennzeichnet und auch nicht sehr leistungsfähig. Der Kernel-Daemon erleichterte den Umgang mit Kernelmodulen, und deutsche Anwender freuten sich über ISDN-Support.
Die vielleicht wichtigste Neuerung war jedoch keineswegs technischer Natur: Linux hatte jetzt ein Symbol - den Pinguin Tux, entworfen von Larry Ewing [[#lit03 3]]. Wie alle sonstigen Fragen diskutierten die Entwickler auch über das Logo auf ihrer Mailingliste; alternative Vorschläge waren beispielsweise ein Hai oder ein Fuchs. Letztlich entschied sich Torvalds für den Pinguin - und zwar einen ‘sympathischen, leicht übergewichtigen, vollgefressenen, mit sich und der Welt zufriedenen Pinguin’, bei dessen Anblick Kinder in ein entzücktes ‘Den will ich auch haben!’ ausbrechen sollten.
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Tux, ein `leicht übergewichtiger, vollgefressener, mit sich und der Welt zufriedener Pinguin´ |
Aber natürlich nahmen die Linux-Entwickler auch gleich neue technische Herausforderungen in Angriff: In einem Jahr, so der Plan, wollte man die nächste ‘major revision’ auf 2.2 vornehmen. Tatsächlich zog sich die Entwicklung über geschlagene zweieinhalb Jahre und 132 Linux-2.1-Versionen hin. Im Fokus der Entwickler standen dabei vor allem Bereiche, in denen Linux noch einen schmerzlichen Abstand zur kommerziellen Unix-Konkurrenz aufwies: Die Leistung auf Mehr-Prozessor-Systemen ließ zu wünschen übrig; und die Speicherverwaltung - Dauerbrenner auf den Diskussionslisten der Kernelhacker - sollte mal wieder ganz anders und vor allem bei viel Speicher effizienter werden. Video4Linux, das Open Sound System und zahlreiche neue Treiber brachten Linux einen ersten Hauch von Multimedia. Portierungen auf UltraSPARC und PA-RISC trugen Linux zunehmend den Ruf ein, auf allem zu laufen, was Nullen und Einsen verstehen kann.
Dennoch regte sich im Herbst 1998 Unzufriedenheit unter den Entwicklern, weil Torvalds mit der Integration des ihm zugeschickten Codes in den Kernel nicht mehr nachkam. Torvalds reagierte gereizt auf die Beschwerden, der Streit eskalierte. Für einige Tage stand sogar eine Gabelung in zwei unabhängig weiterentwickelte Kernelversionen im Raum. Letztlich gelang es aber doch, die drohende Spaltung zu verhindern: Altgediente Entwickler wie Alan Cox, Ted Y. Ts’o und Steven Tweedie fungierten zunehmend als ‘Vorfilter’ und entlasteten so Torvalds von der Arbeit, jeden Beitrag selbst zu prüfen.
Während die Entwickler auf den Kernel 2.2 hinarbeiteten, tat sich bei den Linux-Anwendungen eine Menge. StarDivision, damals noch nicht von Sun aufgekauft, veröffentlichte eine Linux-Version seines StarOffice 3; Netscape brachte einen Navigator für Linux auf den Markt. Die ersten Datenbankhersteller - Borland und Informix - begannen 1997 mit der Portierung auf Linux. Firmen wie Netscape und Sun traten Linux International bei, einer Organisation, die sich die Förderung von Linux auf die Fahnen geschrieben hat.
Wie schnell Linux an Bedeutung gewann, zeigt sich an SCO, selbst Anbieter eines kommerziellen Unix: 1994 musste Linux 1.0 noch die Basis ausführbarer Anwendungen verbreitern, indem das System SCO-Binaries ausführen konnte. Nun entwickelte der Unix-Anbieter einen Linux-Emulator, um Linux-Programme auf dem eigenen UnixWare auszuführen, und versuchte Ende 1997, Linux-Anwender in einer Briefaktion zu dem eigenen Unix zu konvertieren. 1997 kam es auch zu einem ersten Streit um das Warenzeichen Linux, der damit endete, dass Linus Torvalds die Markenrechte an Linux erhielt.
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KDE brachte Linux eine komfortable Bedienoberfläche. |
Um 1998 zeichnete sich ein neues Einsatzgebiet von Linux ab: Der erste Linux-Cluster, gebaut aus 68 Alpha-Rechnern für astrophysikalische Berechnungen, schaffte den Sprung in die Liste der 500 schnellsten Superrechner der Welt - und zeigte, wie man höchste Rechenleistung für einen Bruchteil des Preises eines ‘echten’ Superrechners à la Cray erreichen kann. Auch das erwies sich als zukunftsträchtiges Projekt: In den nächsten Jahren sollten sich zahlreiche Cluster, viele davon unter Linux, in der Top-500-Liste platzieren - so viele, dass es seit neuestem eine eigene Liste für High-Performance-Cluster gibt.
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Gnome: Desktop, die zweite. |
Ebenfalls im Sommer 1998 erschien nach einer langen Testphase die Version 1 des KDE-Desktops. Bereits im Oktober 1996 hatte Matthias Ettrich in einer Mailingliste vorgeschlagen, ein auf dem X Window System aufsetzendes ‘Kool Desktop Environment’ zu schaffen. Bis dato galt der Fenstermanager fvwm2 als inoffizieller GUI-Standard für Linux, nun gab es auf einmal einen modernen Desktop. Mit Gnome 1.0 (für GNU Network Object Model Environment) gesellte sich im März 1999 ein zweites Desktop-Projekt hinzu. Die von Linus Torvalds scherzhaft als Ziel formulierte Weltherrschaft von Linux schien in greifbare Nähe gerückt, wurde das PC-Unix jetzt doch auch für Windows-gewöhnte, nicht-technische Anwender bedienbar.
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Der fvwm2 (hier in der SuSE-Inkarnation) bot für einen Fenstermanager bereits viel Komfort. |
1998 war auch das Jahr, in dem sich immer mehr große Unternehmen der IT-Branche öffentlich zu Linux bekannten. Oracle wies den Gedanken einer Linux-Portierung nach entsprechenden Spekulationen erst weit von sich - und kündigte wenige Tage später im Juli ganz offiziell eine Linux-Version seiner Datenbank an. Wenig später zogen die anderen großen Datenbankhersteller nach. Ende des Jahres gingen erste Gerüchte um, dass SAP seine Unternehmenssoftware R/3 nach Linux portiert. Im August 1998 prangte Linus Torvalds auf dem Titel des amerikanischen Wirtschaftsblattes Forbes: Linux und Open Source waren geschäftsfähig geworden.
Doch auch die ersten Flops kündigten sich schon 1998 an: Corel versuchte, sich erst mit einer Linux-Version von WordPerfect, einige Monate später dann auch mit einer auf den Desktop-Einsatz optimierten Distribution im stürmisch wachsenden Linux-Markt zu platzieren. Das Ende vom Lied: Als sich der Linux-Boom zwei Jahre später abschwächte, geriet das Softwarehaus im Herbst 2000 in eine tiefe finanzielle Krise.
Allmählich begann auch Microsoft, das freie Betriebssystem als Konkurrenz wahrzunehmen. Im Herbst 1998 gelangten die nach dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens benannten Halloween-Papiere an die Öffentlichkeit - Microsoft-interne Texte, die die potenzielle Bedrohung durch Open-Source-Software und Linux analysierten. Auftrieb erhielt Linux ab Ende 1998 durch die Ankündigungen von Hardware-Herstellern wie Compaq, Dell oder Hewlett-Packard, zukünftig Rechner mit dem freien Betriebssystem ausliefern zu wollen und auch Support zu leisten. Im Dezember 1998 attestierte eine Marktstudie der International Data Corporation (IDC) Linux das größte Wachstum und bereits einen beträchtlichen Marktanteil im Servermarkt.
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Der Anteil der Treiber an den Kernel-Quellen wird immer größer. |
Im Januar 1999 erschien dann endlich der lang erwartete Kernel 2.2.0 und brachte viele für den Unternehmenseinsatz auf großen Servern erforderliche Features. Bei mittlerweile rund 7,5 Millionen Linux-Anwendern sah der März dieses Jahres gleich zwei Veranstaltungen im Schatten des Pinguins: Auf der LinuxWorld in San Jose kündigte IBM eine große Linux-Initiative an; und auf der CeBIT erteilte SAP dem freien Betriebssystem mit der offiziellen Verfügbarkeit einer Linux-Version von R/3 gewissermaßen den Ritterschlag. SAP-Vorstandssprecher Hasso Plattner äußerte sogar die Erwartung, dass das PC-Unix den zersplitterten Unix-Markt einigen könnte - was sich inzwischen tatsächlich abzeichnet: IBM hat sein AIX mittlerweile Linux-kompatibel gemacht, Caldera macht nach dem Kauf von SCO dasselbe mit dem Open Unix Server. Linux war zur CeBIT 1999 in aller Munde: Selbst die Tagesthemen widmeten dem Open-Source-System im Vorfeld der CeBIT einen eigenen Beitrag.
Jetzt trat auch Microsoft offen auf den Plan - und gab im April die berühmt-berücktigte ‘Mindcraft-Studie’ in Auftrag, die Linux als File- und Webserver eine deutlich schlechtere Performance als Windows NT bescheinigte. Linus Torvalds erklärte später in einem Interview [[#lit02 2]], diese Studie sei die ‘unangenehmste Überraschung’ im Laufe seines Linux-Werdegangs gewesen. Natürlich regte sich allerorten Widerspruch: Andere Studien mit denselben Benchmarks hätten einen Leistungsvorsprung für Linux gefunden, die NT-Systeme seien sorgfältiger leistungsoptimiert gewesen, Microsoft hätte gar die gesamten Ergebnisse gekauft. Weitgehend unbestritten blieb jedoch, dass Mindcraft zumindest eine reale Schwäche von Linux gefunden hatte: Auf SMP-Systemen skalierte die Netzwerk-Performance von Linux 2.2 nicht gut mit der Zahl der Prozessoren.
Die Microsoft’sche Strategie gegenüber Linux pendelte zwischen ‘gefährliche Konkurrenz’ und ‘kann man doch gar nicht ernst nehmen’: In den Halloween-Papieren wurde Linux ebenso als Gefahr für das eigene Betriebssystem dargestellt wie in dem Monopolprozess, in dem die amerikanische Regierung dem Softwareriesen wettbewerbswidriges Verhalten vorwarf. Im Frühjahr 1999 hingegen wies Bill Gates den Gedanken weit von sich, Linux sei ein ernsthafter Konkurrent. Wenige Wochen später richteten die Redmonder dann eine Anti-Linux-Gruppe ein, die die Entwicklung rund um das freie Betriebssystem im Auge halten und auch Gegenmaßnahmen entwickeln sollten. Doch der Linux-Hype war nicht mehr zu stoppen.
Im August 1999 legte Red Hat als erste Linux-Firma einen fulminanten Börsenstart hin: Die Aktie vervierfachte ihren Wert am ersten Handelstag und stieg binnen weniger Tage von einem Ausgabepreis von 14 auf über 100 US-Dollar. Noch stärker explodierte der Kurs beim Börsengang von VA Linux wenige Monate später. Damit war der Höhepunkt des Börsenbooms allerdings auch schon erreicht: Im März 2000 konnte sich die Caldera-Aktie am Tag der Erstausgabe ‘nur noch’ verdoppeln. Auch die Kurse von Red Hat und VA Linux waren inzwischen wieder auf dem Weg nach unten; Ende 2000 sollte der Wert aller drei Aktien unter dem Ausgabepreis liegen.
Inzwischen hatte sich jedoch schon ein neues Boomthema herauskristallisiert: Embedded Linux. Schon 1998 hatte Digital Equipment (DEC), damals frisch von Compaq übernommen, mit einem experimentellen Linux-Handheld namens Itsy für Aufsehen gesorgt. 1999 begannen verschiedene Unternehmen, das Potenzial des einstmaligen PC-Unix für Kleingeräte auszuloten. Längst angekommen war Linux in der Welt der ‘Server Appliances’. Ob als Web- und Mailserver, als Intranetserver, Firewall oder Internet-Gateway: Immer mehr Firmen statteten die boomende Internet-Branche mit Linux-Servern aus. Nicht zuletzt diesen Rechnern war es zu verdanken, dass die IDC Linux Anfang 2000 25 Prozent Marktanteil bei den Servern attestieren konnte.
Aber auch ‘nach oben’ lernte Linux dazu. Der maximal nutzbare Hauptspeicher auf Intel-Systemen wurde noch während der 2.2er-Kernelserie auf 4 GByte erweitert. SGI begann, sein Journaling File System XFS nach Linux zu portieren. Das Trillian-Projekt brachte das PC-Unix unter tatkräftiger Unterstützung der Prozessorschmieden Intel und HP auf den Itanium: Stand Linux bislang in dem Ruf, neue Hardware nur mit Verzögerung zu unterstützen, marschierte das freie Betriebssystem hier ganz an der Spitze. Ende 1999 wurde offiziell, wovon bislang nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt worden war: Linux lief sogar auf IBMs S/390-Mainframe.
Linux-Distributoren und -Entwickler, Software- und Hardware-Hersteller nahmen derweil ein anderes Problem in Angriff: die Standardisierung. Die Linux Internationalisation Initiative trat an, die Lokalisierung zu erleichtern. Linux Standard Base wollte für distributionsübergreifende Standards sorgen, sodass Entwickler ihre Software nicht an jede einzelne Linux-Distribution einzeln anpassen müssen. Im Mai 2000 schlossen sich die beiden Initiativen zur Free Standards Group zusammen; inzwischen ist die Version 1 des Linux Standard Base veröffentlicht.
Bereits im Herbst 1999 verkündete Linus Torvalds einen ‘feature freeze’, um den neuen Kernel 2.4 im Zeitplan (ein Jahr nach 2.2) freigeben zu können. Letztlich sollte aber noch über ein Jahr ins Land gehen, bis Linux 2.4 mit seinen zahlreichen Neuerungen und Erweiterungen für den Unternehmenseinsatz tatsächlich fertig war, in dem aber der Kernel 2.2 - anders als der ‘feature freeze’ vermuten ließ - etliche substanzielle Fortschritte machte; etwa im Bereich SMP, wo Linux die Mindcraft-Schlappe auf Mehrprozessormaschinen Mitte 2000 doch noch auswetzen konnte.
Während alle dem Kernel 2.4 entgegenfieberten, tat sich einiges im Userland - auch auf dem Desktop: Anfang 2000 präsentierte das KDE-Team Previews seiner KOffice-Suite; erste DVD-Player und weitere Multimediaprogramme erschienen; und zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter gründeten Eazel, um endlich den perfekten Linux-Desktop zu schaffen. Trotz großen Zuspruchs aus der IT-Branche hielt dieses Unternehmen allerdings nur 15 Monate durch: Im Jahr 2000 gerieten mit dem Abschwung von ‘New Economy’ und Internet-Boom auch etliche Linux-Firmen in stürmische Gewässer - so musste Ende des Jahres mit ID-Pro einer der größten deutschen Linux-Dienstleister aufgeben.
Die Entwickler ließen sich dadurch freilich nicht beeindrucken: XFree86 machte den Sprung auf die Version 4.0, die Linux zunächst hardwarebeschleunigte 3D-Grafik und später auch Anti-Aliasing für Schriften brachte. Der Threaded Web Server TUX 1.0 schlug die Konkurrenz in Webserver-Benchmarks um Längen. Unternehmen wie IBM oder Dell (‘Linux wird unser Unix’) überboten sich gegenseitig mit Linux-Ankündigungen: Bei den Servern war Linux zur festen Größe geworden und setzte nicht nur Windows NT, sondern auch den kommerziellen Unix-Varianten zu. Sinnfälligstes Beispiel: Im August 2000 kaufte der Linux-Distributor Caldera das Unix-Traditionshaus SCO.
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In der CREDITS-Datei schlägt sich die stetig wachsende Entwicklerschar nieder. |
Im Jahr 2000 wurde Linux - oder besser: Open Source allgemein - in Deutschland aber auch zum Politikum. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte schon länger betont, dass offen gelegte Quelltexte eine wichtige Voraussetzung seien, um die Sicherheit von Software zu überprüfen. Nun plädierte die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) mit den Argumenten Sicherheit und Kostenersparnis öffentlich für den Einsatz von Open Source in der Bundesverwaltung - und handelte sich erst mal Ärger ein. Immerhin begannen mehrere Bundesländer, den möglichen Einsatz von Open-Source-Software zu prüfen. Das Wirtschaftsministerium übernahm die Schirmherrschaft über den LinuxTag 2000, der in diesem Jahr endgültig zu groß für den traditionellen Veranstaltungsort (die Uni Kaiserslautern) wurde und rekordverdächtige 17 000 Besucher zur Messe Stuttgart lockte.
Das deutlichste Indiz, wie sehr Linux in der IT-Welt angekommen war, lieferte aber wohl IBM. Schon 1999 hatte der Computergigant umfassende Supportangebote für Linux geschaffen und eine Portierung auf weitere IBM-Plattformen in Aussicht gestellt. Im August 2000 kündigte Big Blue an, Linux auf allen Serverreihen anbieten zu wollen - von Intel-Servern über die RS/6000-Rechner und S/390-Mainframes bis zu Supercomputern in Form von Linux-Clustern. Auch die eigene Middleware sollte demnächst in Linux-Versionen bereitstehen. Im Dezember kam es dann richtig dick: Eine Milliarde Dollar wolle IBM im kommenden Jahr in Linux investieren, erklärte IBM-Chef Louis Gerstner.
Anfang 2001 erschien dann mit einem Jahr Verspätung der Kernel 2.4.0 mit Portierungen auf insgesamt 13 Hardware-Plattformen - von Embedded-Prozessoren wie Hitachis Super-H über Intels IA64 bis zum S/390-Mainframe. Linus Torvalds erläuterte die Gründe für die Verzögerung in einem Interview [[#lit02 2]]: ‘Eine grundlegende Schwierigkeit ist gar nicht technischer Art, sondern liegt darin, dass die meisten Leute überhaupt nicht auf einen neuen Kernel upgraden wollen. Sie sind mit dem Kernel 2.2 zufrieden, haben keine größeren Probleme damit - warum sollten sie einen Entwicklerkernel ausprobieren?’
Zumal viele der Neuerungen eher auf den Einsatz auf großen Servern zielten, beispielsweise der SMP-Support: Flaschenhälse im Filesystem-Code wurden beseitigt, feiner aufgelöste Kernel-Locks sollten eine bessere Skalierung bei bis zu acht Prozessoren und darüber hinaus ermöglichen. Mit Hauptspeicher bis zu 64 GByte auch auf x86-Prozessoren und einem 64-Bit-Dateisystem stieß Linux in Bereiche vor, die bislang kommerziellen Unix-Varianten vorbehalten waren. Raw Devices erlaubten den direkten Zugriff auf Massenspeicher am Kernel-Cache vorbei - wichtig für Datenbanken, die sich um solche Dinge lieber selbst kümmern. Ab Version 2.4.1 fand dann mit dem ReiserFS auch ein Journaling File System offiziellen Eingang in den Anwenderkernel. Firewire- und USB-Unterstützung sowie ein verbessertes Management von Hardware-Ressourcen inklusive Plug & Play für ISA-Karten und ACPI machten den neuen Kernel auch für den Desktop- und Notebook-Einsatz interessant.
Im Frühjahr 2001 zeigte sich aber auch an ganz anderer Stelle, dass Linux längst kein Exot mehr war: Mit ‘Ramen’, ‘Lion’ und ‘Adore’ machten sich gleich mehrere Würmer über schlecht gesicherte Linux-Server her und zeigten, dass es inzwischen genug Ziele für Linux-Würmer gibt - bislang waren derartige Schädlinge vor allem ein Problem der weiter verbreiteten Windows-Systeme.
Auch wenn sich Linux einen festen Platz in der Serverwelt erobert hat, immer mehr freie Projekte und Unternehmen Linux-Treiber und -Anwendungen aller Art (inzwischen sogar Spiele) entwickeln, die Arbeit am Kernel weitergeht und das freie Betriebssystem zunehmend die Standards für die Unix-Welt setzt - die Zeiten des ganz großen Hype scheinen vorbei zu sein. Nicht alle Linux-Träume sind in Erfüllung gegangen: Noch immer dominiert Microsoft den Desktop, nur die wenigsten Firmen vertrauen ihre unternehmenskritischen Daten einem Linux-Server an, im Laden wird man kaum ein Linux-PDA entdecken, und so manches Unternehmen musste erkennen, dass das Engagement für Linux nicht von selbst den Erfolg bringt.
Die Programmierer und Anwender selbst lassen sich freilich von den Stimmungen der Geschäftswelt nicht beeindrucken. Alte und neue Linux-Projekte - vom Kernel selbst bis zum digitalen Videorecorder - sind lebendig wie eh und je. Bei gut 15 Millionen Linux-Benutzern weltweit, zahllosen dem PC-Unix gewidmeten Websites, Newsgroups und Chat-Foren sowie einem stetig wachsenden Marktanteil im Serverbereich dürfte die Zukunft gesichert sein. Und immer noch fühlen sich die Linuxer als Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft.
Manches, was Linux (mit) erreicht hat, lässt sich wohl nicht mehr zurückdrehen: Open Source ist in aller Munde; Unternehmen, Anwender und Politik beginnen, die Möglichkeiten von Freier Software und offenen Standards, aber auch ihre Bedeutung für die immer wichtiger werdende IT-Infrastruktur zu erkennen. Unix, im Zuge des NT-Erfolges zum Auslaufmodell abgestempelt, ist auf einmal wieder angesagt. Und immer mehr Computernutzer entdecken mit Linux und Open Source, welchen Spaß es machen kann, mal hinter die Kulissen eines Betriebssystems zu schauen.
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Vom Hackerspielzeug zum Konkurrenten: Microsoft-Werbung gegen das Betriebssystem mit dem Pinguin |
Weiterer Trost für die erfolgsverwöhnten Linux-Fans kommt ausgerechnet aus Redmond: Seit dem Frühjahr betreibt Microsoft eine große PR-Offensive gegen Linux, Open Source und freie Software - offenbar setzt das PC-Unix den Software-Riesen spürbar unter Druck. Mit ihrer ‘Shared Source’ versuchen die Redmonder sogar, sich ihr Scheibchen von der Popularität von Open Source abzuschneiden. Auch ein Erfolg für das Freie Betriebssystem, das vor zehn Jahren als Experiment eines finnischen Informatikstudenten startete. (odi)
[1] ‘Linux is obsolete’: www.educ.umu.se/~bjorn/mhonarc-files/obsolete/
[2] Oliver Diedrich: ‘Was Anwender tun, ist niemals falsch’, Linus Torvalds zu Geschichte und Zukunft von Linux, c't 22/2000, S. 90
[3] Tux: www.isc.tamu.edu/~lewing/linux/
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| Meilensteine | |
| September 1991 | Linux 0.01 |
| Januar 1992 | Linux 0.12 mit virtuellem Speicher und GPL-Lizenz |
| Mai 1992 | Version 0.96a mit X Window System |
| Oktober 1992 | Kernel 0.98.2 mit erster Alpha-Version des TCP/IP-Stacks |
| Dezember 1992 | Erste Linux-Distribution auf CD (Yggdrasil) |
| August 1993 | Start des Debian-Projektes |
| Mai 1994 | Linux 1.0 mit SCSI-, Sound-, Drucker- und brauchbarer Netzwerkunterstützung sowie ext2-Dateisystem, ladbaren Treibern und ELF-Format für Programme. Rund 100 000 Anwender weltweit |
| November 1994 | Erste Red-Hat-Distribution |
| März 1995 | Linux 1.2 läuft auf Alpha-, SPARC- und Mips-Prozessoren und bringt zahlreiche neue Netzwerkfunktionen. Geschätzte 500 000 Anwender |
| Mai 1996 | Erste selbst entwickelte SuSE-Distribution |
| Juli 1996 | Der Kernel 2.0 unterstützt 680x0- und PowerPC-CPUs sowie mehrere Prozessoren. Weitere Neuerungen: Kernel-Daemon, ISDN- und Firewall-Funktionen. Rund zwei Millionen Anwender |
| Juli 1998 | Ankündigung von Linux-Versionen der Datenbanken Oracle und Informix |
| November 1998 | SAP R/3 für Linux |
| Januar 1999 | Linux 2.2 läuft mit verbessertem SMP-Support auf acht Hardware-Plattformen. Open Sound System, Video4Linux, IPv6. Etwa zehn Millionen Anwender. Compaq, Dell, Gateway und HP kündigen Linux-Server an. |
| März 1999 | IBM kündigt Linux-Initiative an. |
| August 1999 | Börsengang von Red Hat |
| Dezember 2000 | IBM will eine Milliarde US-Dollar in Linux investieren. |
| Janur 2001 | Der Kernel 2.4 kompiliert auf 13 Hardware-Plattformen, enthält ein 64-Bit-Dateisystem, USB- und Firewire-Unterstützung und kann bis zu 64 GByte RAM auf Intel-Prozessoren ansprechen. Rund 15 Millionen Anwender |
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