Vielen PC-Netzwerken in privaten Haushalten und Kleinbüros fehlt ein kompakter, leiser und sicherer Server, der sich komfortabel installieren und verwalten lässt - hier kommt er: Tipps zu Hardware-Auswahl und Installation finden sich auf den folgenden Seiten, die nötige Software auf der Heft-CD.
Webserver, Fileserver, Mailserver, Printserver - dienstbare Netz-Geister gibt es viele. Doch wie konfiguriert man seine persönliche Netzwerk-Zentrale optimal? Welche Komponenten und Anwendungen sind sinnvoll, welche verzichtbar?
Gute Ratschläge dazu gibt es zwar an jeder Ecke, doch sie widersprechen sich nicht selten, weil viele sehr unterschiedliche Auffassungen kursieren. Mal muss es gleich ein Doppel-Prozessor-Panzer mit drei Terabyte Speicherplatz sein, dann wiederum reicht der altersschwache 486-er-PC angeblich völlig aus. Der eine empfiehlt RAID, der andere eine USB-Platte. Die unausgegorenen Tipps vergällen schnell den Spaß an eigenen Experimenten.
Auch in der c't-Redaktion haben wir uns mit einer präzise definierten Auswahl an Soft- und Hardware für den universellen Heim(büro)-Server schwer getan - zu weit ist das Feld aus Anforderungen und Lösungsmöglichkeiten. Erst nach langer Diskussion standen die Randbedingungen fest, unter denen wir sinnvolle Kompromisse zwischen Leistung und Lärm, flexibler Ausstattung und einfacher Konfiguration, Funktionsumfang und Wartungsaufwand gesucht haben.
Herausgekommen ist ein komplettes Linux-Paket auf Basis der freien Distribution Debian, das sich von der beiliegenden CD auf die Festplatte der meisten Desktop-Rechner installieren lassen sollte (S.94, c't 4/05). Es folgen Tipps zur Konfiguration der Firewall (S. 102, c't 4/05) und zum Aufbau leiser und stromsparender Server-Rechner (S. 106, c't 4/05). Sämtliche Hinweise sind nur als Vorschläge gedacht, denn selbstverständlich halten wir unsere Lösungen nur unter den definierten Bedingungen für gut.
Am leichtesten fiel die Entscheidung für Linux als Server-Betriebssystem: Es ist nicht nur kostenlos verfügbar, sondern es verzichtet auch auf künstliche technische Beschränkungen und separate Client-Lizenzen. Die von Linux unterstützte Hardware-Basis ist riesig, es gibt zahllose Server-Anwendungen und Erweiterungssoftware, weiterführende Informationen sind leicht zu beschaffen. Debian bringt eine leicht bedien- und automatisierbare Funktion für Updates und die Installation zusätzlicher Softwarekomponenten mit. Es lässt sich sehr sicher konfigurieren und ist bisher weniger von Viren- und Würmerattacken aus dem Internet betroffen. Bei Verzicht auf eine grafische Oberfläche läuft ein Linux-Server auch auf schwächerer Hardware einigermaßen flott. Fernbedienung und Fernwartung ist mit großem Funktionsumfang möglich. Schließlich gelingt auch der Wechsel der Hardware-Plattform, etwa im Falle eines Mainboard-Defektes, unter Linux recht einfach.
Windows, vor allem älteren Heim-PC-Versionen wie 9x und ME, aber auch der Home-Edition von Windows XP, fehlen schon Funktionen zur Verwaltung der Rechte von Nutzern, die aus dem Netz zugreifen. Windows-Server-Versionen sind erst ab etwa 500 Euro zu haben - inklusive gerade einmal fünf Client-Lizenzen.
Unser Linux-Server soll ein kleines Netzwerk sicher und zuverlässig mit dem Internet verbinden, dabei gehen wir von einer Ethernet-Anbindung aus - in den meisten Fällen dürfte es sich dabei um ein DSL-Modem handeln. Der Server kann als Router zwischen internem LAN und externem Internet dienen. Ein besonderes Highlight ist die eingebaute IPCop-Firewall des c't-Debian-Servers. Anders als übliche Firewall-Server-Kombinationen vereint sie scheinbar widersprüchliche Anforderungen durch ein ausgeklügeltes Konzept: Die Firewall läuft auf dem Server, was Kosten für Energie und Hardware spart. Weil sie in einer virtuellen Maschine steckt, trennt sie aber trotzdem das interne Netz und die dort bereitgestellten Dienste sauber vom potenziell gefährlichen Internet.
POP3- oder IMAP-Server liefern E-Mails aus, wobei sich Sortier- und Analysefunktionen einbinden lassen. Auch ein Webserver ist vorgesehen, ein Web-Interface erlaubt auch die Verwaltung wichtiger Serverfunktionen aus der Ferne.
Ein File-Server dient als zentrale Festplatte im Netz - vom simplen Network-Attached-Storage- (NAS-)Ersatz bis hin zum Software-RAID mit zeitgesteuertem Backup ist vieles möglich. Beim Einsatz von GBit-Ethernet-Karten sind im Zusammenspiel mit den nötigen Switches und der richtigen Verkabelung hohe Datentransferraten erreichbar. Per USB lassen sich auch externe Laufwerke einbinden. Wir empfehlen, optische Backup-Medien an einem Netzwerk-Client zu brennen - so kann der Server außer Reichweite irgendwo in der dunklen Ecke stehen, falls diese trocken, wohl temperiert und vor unberechtigtem Zugang sicher ist.
Auch Druck-Dienste kann man dem Server leicht aufbürden, außerdem sind - je nach Hardware-Grundausstattung - spätere Erweiterungen denkbar. Zunächst verzichtet haben wir beispielsweise auf einen WLAN-Acces-Point mit vollständiger IPSEC-Absicherung der Kommunikation sowie auf Fax- und Anrufbeantworter-Funktionen. Denkbar ist auch der Anschluss von Webcams und von Schnittstellen zur Heim-Automatisierung.
Funktionsfülle und Flexibilität - aber nicht die Stabilität - müssen sich beim Server für Privathaushalte oder Klein-Büros drei wichtigen Kriterien unterordnen: leiser Betrieb, geringe Leistungsaufnahme und minimaler Administrationsaufwand. Unter diesen Aspekten haben wir einige empfehlenswerte Hardware-Konfigurationen ausgiebig getestet - was selbstverständlich nicht ausschließt, dass auch mal etwas schief geht. Für den professionellen und geschäftskritischen Einsatz ist die vorgestellte Hardware weniger geeignet: Leiser Betrieb schränkt die Kühlleistung ein, weshalb wir vom Betrieb der Systeme unter kontinuierlicher Volllast ebenso abraten wie von unbedachter Auf- und Umrüstung der Hardware.
Ein Grundgedanke bei den Überlegungen zum zentralen Heimserver war, möglichst viele sinnvoll kombinierbare Funktionen in einem Gerät zu vereinen. Schon allein durch Verzicht auf sonst notwendige Stecker-Netzteile lassen sich einige Euro jährlich einsparen, außerdem entfallen fehlerträchtige externe Kabelverbindungen. Doch es ist eben in jedem Fall ein individueller Kompromiss nötig: Ein mit mehreren TV-Karten als Video-on-Demand-Zentrale hochgerüsteter PC erfüllt möglicherweise nicht die Erwartungen in Bezug auf Stabilität und Verfügbarkeit, die man an einen Server stellt.
Auch die Zahl der laufenden Dienste und Programme sollte man so klein wie möglich halten, um das Ausfallrisiko und die Angriffsfläche zu beschränken. Der Aufwand für Backup und regelmäßige Wartung der Software benötigt auf jeden Fall etwas Zeit - je weniger, desto besser. Bevor man also nun gleich die Hardware bestellt, sollte man sein individuelles Server-Profil möglichst genau einschätzen - und präzise abwägen, was sich einsparen lässt. Zum Ausloten der eigenen Ansprüche bieten sich Experimente mit der Server-Software von der Heft-CD auf einem ausgemusterten PC an. (ciw)
| "Der eigene Server" | |
| Weitere Artikel zum Thema finden Sie in der c't 4/2005: | |
| Soft- und Hardware für die kleine LAN-Zentrale | S. 92 |
| Server-Softwareinstallieren und konfigurieren | S. 94 |
| Firewall in Server | S. 102 |
| IPCop unter User Mode Linux | S. 105 |
| Leise und sparsame Hardware für kleine Server | S. 106 |
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