Leseprobe aus c't 21/12
Achim Barczok, Christoph Dernbach, Lutz Labs, Alexander Spier
High Five
Das iPhone 5 gegen die Android-Topmodelle
Doppelt so schnell, Daten-Turbo LTE, mehr Display und dazu dünn und leicht: Mit dem neuen iPhone will Apple kräftig vorgelegt haben. Wie schlägt es sich gegen die Konkurrenz?
Das erste iPhone war ein Paukenschlag, es krempelte den Markt komplett um. Kein Smartphone sieht mehr so aus wie früher, funktioniert wie früher. Die alten Innovationsführer wie Nokia und RIM kämpfen ums Überleben. Das iPhone war die Messlatte, an der sich jedes Smartphone messen musste. Doch fünf Jahre und fünf iPhone-Generationen später hat sich die Welt weitergedreht. Die größten Handys kommen von Samsung, die flachsten von Motorola, die ersten mit Vierkern-CPU von HTC. Apple gibt das Tempo nicht mehr vor, sondern muss inzwischen auch mal hinterherrennen. Beim iPhone 5 preist Apple-Chef Tim Cook einen großen Performance-Schub, ein größeres Display und den Mobilfunk-Turbo LTE an. Reicht das, um die in vielen technischen Aspekten führenden Geräte von Samsung, HTC und Co. einzuholen? Oder kann Apple sich wie bisher darauf verlassen, dass das Gesamtkunstwerk iPhone den Wettbewerb aussticht?
Um diese Fragen zu beantworten, haben wir das iPhone 5 gründlich getestet und zwei Top-Konkurrenten aus dem Android-Lager herangezogen: das HTC One XL und das Samsung Galaxy S3, beide mit Android 4.0.4. Das Samsung Galaxy S3 und eine Variante des HTC ohne LTE (HTC One X) haben wir bereits getestet, weshalb wir hier nur auf den Vergleich zum iPhone eingehen [1, 2 ]. Vom Galaxy S3 wird es ab Oktober eine LTE-Version geben, die uns zum Test noch nicht vorlag.
Ein iPhone 4S darf in diesem Vergleich natürlich nicht fehlen; wir haben es mit der zum Testzeitpunkt aktuellen iOS-Version 5.1.1 noch einmal komplett durchgetestet. Die Unterschiede von iOS und Android finden Sie im Kasten auf Seite 73 (c't 21/12) beschrieben, und auf Seite 71 (c't 21/12) geben wir einen kurzen Ausblick auf den Dritten im Bunde, Microsofts Windows Phone 8.
Displays
Die auffallendste Neuerung des iPhone 5 ist das größere Display: 4 Zoll hat es nun in der Diagonale statt 3,5 Zoll wie alle bisherigen iPhones. Es ist bei unveränderter Breite von 640 Pixeln (5 cm) um 176 Bildschirmzeilen in der Höhe auf 1136 Pixel (8,9 cm) gewachsen, das Seitenverhältnis hat sich von 3:2 auf 16:9 verändert. Das bringt mehr Platz für Inhalte, so kommt auf dem Startbildschirm eine Reihe Icons hinzu. Filme nutzen nun die Displayfläche besser aus, die in 16:9 zeigen anders als beim iPhone 4S keine schwarzen Ränder mehr.
Das iPhone 5 (links) bietet mehr Anzeigefläche als das iPhone 4S, ohne dabei in der Breite zu wachsen.
Für den iPhone-Nutzer sind 4 Zoll ein großer Schritt, in der Android-Welt gilt das inzwischen als klein. So haben das HTC One XL 4,7 Zoll, das Samsung Galaxy S3 sogar 4,8 Zoll Diagonale bei ebenfalls 16:9. Weil die beiden Android-Smartphones mehr Punkte als die iPhones abbilden (720 x 1280), ist die Pixeldichte mit über 300 dpi bei allen vier Geräten etwa gleich. Inhalte sehen knackscharf aus.
Alle vier sind Spitzendisplays: Die Farben ändern sich auch bei seitlicher Betrachtung nicht, dabei nimmt der hohe Kontrast bei den iPhones etwas ab, was im Alltag nicht stört. Den mit Abstand höchsten Kontrast hat das AMOLED-Display des Galaxy S3, das als Einziges ein richtig sattes Schwarz zeigt. Auch beim Farbraum hat das S3 die Nase vorn, Fotos und Filme sehen einfach klasse aus, für manchen vielleicht sogar schon zu kräftig. Brillante Farben gibt es auch beim iPhone 5 und One XL, die in etwa den sRGB-Farbraum abbilden. Der ist bei Desktop-Monitoren Standard, doch bei Smartphones, Tablets und Notebooks findet man ihn seltener. So wirkt das iPhone 4S blass gegen die drei.
Im Außeneinsatz bei Sonneneinstrahlung blieb das iPhone 4S einen Hauch besser als das iPhone 5 ablesbar, geschlagen nur vom One XL. Weil diese drei auf rund 400 bis 500 cd/m2 Helligkeit eingestellt werden können, kommt man deutlich besser zurecht als mit dem Galaxy S3 (maximal 230 cd/m2). Das S3 lässt man bei schönem Wetter lieber in der Tasche.
Äußere Werte
Apple hat die behutsame Vergrößerung des Displays ohne Einbußen bei der Handlichkeit hinbekommen. Zwar sieht das einen Zentimeter längere Gerät auf den ersten Blick ungewohnt aus. Doch dank des dünneren Gehäuses und des niedrigeren Gewichts von 113 Gramm liegt es sogar besser in der Hand als die Vorgänger. Weil die Breite gleich geblieben ist, braucht man auch beim iPhone 5 keine zwei Hände und erreicht weiterhin jeden Punkt des Displays mit dem Daumen. Das geht bei den beiden Android-Smartphones nicht beziehungsweise nur mit mehr Handakrobatik und einem lockereren Griff, den man beim Laufen oder Radfahren lieber nicht riskiert.
Der Mix aus Glas und gebürstetem Alu mitsamt farblich abgehobenem mittlerem Rückteil sieht elegant und edel aus, sowohl beim weißen als auch schwarzen iPhone 5. Auch das HTC One XL mit seinem schön geschwungenen Polycarbonat-Unibody ist schick, daneben wirkt das S3 mit seinem Plastikgehäuse eher billig.
Statt der etwa zwei Zentimeter breiten 30-poligen Buchse hat das iPhone 5 einen kleineren, wieder proprietären Anschluss, den Apple Lightning nennt. Der hat bereits viel Unmut erregt, weil er nur über einen kostenpflichtigen Adapter (29 Euro) mit altem Zubehör kompatibel ist; in spezielle Ladeschalen etwa im Auto passt das iPhone 5 nicht mehr. Ob alle alten Lautsprecher und Docks funktionieren, konnten wir bislang nicht testen. Für 19 Euro gibt es einen Adapter auf MicroUSB, doch auch, was darüber geht, wissen wir noch nicht. Adapter mit HDMI-Ausgang sind noch nicht lieferbar.
Den Stecker selbst empfanden wir als Gewinn, weil er weniger fummelig ist und auch um 180 Grad gedreht angeschlossen werden darf. Die Kopfhörer-Buchse sitzt anders als beim iPhone 4S nun unten neben der Docking-Buchse.
Die beiden Android-Smartphones haben eine Micro-USB-Buchse, die mittels MHL-Adapter auch HDMI spricht ...
(acb)








