Im Test: OpenSuse 13.2

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Die neue Version 13.2 "Harlequin" der Community-Distribution bringt viel aktuelle Software und eine breite Auswahl an Desktop-Oberflächen mit. Die Installation wurde weiter vereinfacht, bietet aber gewohnt viele Möglichkeiten.

OpenSuse 13.2 steht als Installations-DVD, als Live-Medium mit wahlweise Gnome- oder KDE-Desktop sowie als Rettungs- und Netzwerk-Installations-Image zum Download zum Download bereit.

Schon im Installer begrüßt OpenSuse 13.2 mit einer ungewohnten Farbgebung: Das bisherige, typische Suse-grün haben verschiedene Blau-grün-Töne abgelöst. Optisch hat sich an vielen Stellen etwas getan bei OpenSuse 13.2: Installer, Bootloader und nicht zuletzt alle mitgelieferten Desktop-Oberflächen wurden überarbeitet.

Die Installation mit dem Allround-Werkzeug Yast ist benutzerfreundlich und wurde weiter vereinfacht. Dabei bietet OpenSuse allerdings noch immer viele Eingriffsmöglichkeiten, so lässt sich bei der umfangreichen Installations-DVD schon während der Installation die Software-Auswahl beeinflussen. Der Ablauf der Installation wurde weiter vereinfacht und soll nun bessere automatische Vorauswahlen präsentieren.

Die zweite Installationsphase, in der nach der Basisinstallation und einem Reboot erst noch das System konfiguriert werden musste, entfällt jetzt. Stattdessen startet wie bei der Konkurrenz nach dem Aufspielen der Software direkt ein sofort benutzbares System. Während die Vorversion beim Einrichten des Netzwerks während der Installation noch patzte, klappte die WLAN-Konfiguration bei OpenSuse 13.2 auf Anhieb.

Standard-Dateisystem ist bei OpenSuse 13.2 jetzt wie bei dem vor kurzem vorgestellten Suse Linux Enterprise 12 Btrfs für die Root-Partition und XFS für die Home-Partition. Dass Btrfs reif für den Einsatz in der Praxis ist, sehen nicht nur die OpenSuse-Entwickler so; auch Btrfs-Erfinder Chris Mason stuft sein Dateisystem mittlerweile als stabil ein.

OpenSuse 13.2 verwendet den Linux-Kernel 3.16, der einige neue Stabilitäts-Features mitbringt. Die Sicherheitserweiterung AppArmor ist in Version 2.9 dabei und standardmäßig aktiviert.

Das mächtige Administrationswerkzeug Yast ist erst im letzten Jahr komplett neu in Ruby geschrieben worden. Mittlerweile ist das Tool weiter gereift und soll jetzt schneller reagieren. Neue Module helfen beispielsweise beim Profilmanagement für die Sicherheitserweiterung AppArmor und der Konfiguration der von Systemd 210 verwalteten Systemdienste.

Auch für das Anlegen und Verwalten von Snapshots der Root-Partition mit Snapper bringt Yast nun ein passendes Modul mit, das die Fähigkeiten von Btrfs nutzt. Das praktische Werkzeug ermöglicht die Rückkehr zu früheren Snapshots des Betriebssystems und ist in OpenSuse 13.2 bereits vorinstalliert.

OpenSuse gehört zu den wenigen Linux-Distributionen, die noch ein eigenes, umfassendes Konfigurationstool mitbringen, statt die Administrationswerkzeuge von Gnome oder KDE zu verwenden. Leider überschneiden sich die Konfigurationsdialoge von Yast zum Teil mit den Einstellungsdialogen der großen Desktop-Umgebungen. So lassen sich etwa Datum und Uhrzeit oder Drucker sowohl in Yast als auch in den KDE-Einstellungen konfigurieren. Nutzt man mal den einen, mal den anderen Weg, kann das zu Problemen führen.

OpenSuse 13.2 bringt aktuelle Programmversionen und Desktop-Oberflächen mit. Als Desktop schlägt der Installer standardmäßig KDE 4.14 vor. Alternativ lässt sich das aktuelle Gnome 3.14 installieren, das es nicht mehr in das vor kurzem veröffentlichte Ubuntu 14.10 geschafft hatte. Zu seinen Neuerungen zählen beispielsweise die Unterstützung für Multitouch-Gesten, Verbesserungen beim Anmelden an WLAN-Hotspots sowie verbesserte Gnome-Applets. Als weitere Oberflächen stehen Xfce 4.10, LXDE 0.5.5, Enlightenment 17 (0.17.6), Mate 1.8.0 und Awesome 3.4.15 bereit.

KDE-Fans können Plasma[ 5, die nächste Generation des KDE-Desktops, aus den Repositories nachinstallieren. Plasma 5 bringt neben einem komplett renovierten Unterbau und dem Umstieg auf die aktuelle Version 5 der Qt-Bibliotheken unter anderem eine bessere Unterstützung für hochauflösende Displays mitbringen.

OpenSuse 13.2 installiert eine umfangreiche Software-Auswahl. Entscheidet man sich bei der Installation für den KDE-Desktop, kommen als Webbrowser Mozilla Firefox 33.0 sowie Konqueror 4.14.2 zum Einsatz. Standard-Mail-Client ist in diesem Fall KMail; Termine, Mails und Adressen verwaltet man gesammelt in KDEs PIM-Suite Kontact. Bei Büroarbeiten setzt OpenSuse 13.2 auf LibreOffice 4.3.2.

Für die meisten Einsatzzwecke kommen bei dieser Installationsvariante KDE-Anwendungen zum Zug: Zum Chatten sind der Multiprotokoll-Messenger Kopete und der IRC-Client Konversation dabei, auch der Twitter-Client Choqok ist vorinstalliert. Fotos verwaltet Digikam 4.3.0, Audio-Wiedergabe und -Verwaltung übernimmt Amarok 2.8.0, Videos spielt Kaffeine 1.2.2 ab. Zur Bildbearbeitung liegt wenig überraschend Gimp 2.8.14 bei, aber auch der Panorama-Editor Hugin 2013.0.0. In seinen umfangreichen Repositories bietet OpenSuse viele weitere aktuelle Programmpakete zur Nachinstallation an.

Mit OpenSuse 13.2 hat sich das Projekt darauf konzentriert, ein verlässliches Release abzuliefern, das flotter läuft, neue Technologien integriert und die Software auf den aktuellen Stand bringt. Dank Yast können Anwender viele Details des Systems über ein einheitliches GUI konfigurieren, statt sich mit Konfigurationsdateien und -werkzeugen mit unterschiedlicher Syntax herumzuschlagen. Das erleichtert den Einstieg in Linux, lässt fortgeschrittenen Anwendern aber weiterhin alle Möglichkeiten. (lmd)

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