Im Test: Ubuntu 14.10

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Auf den ersten Blick gleicht die neue Ubuntu-Version 14.10 ihrer Vorgängerin weitgehend. Neuerungen gibt es aber unter der Haube, so lässt sich erstmals auch Systemd in Ubuntu nutzen.

Canonical hat allen Grund zu feiern: Ubuntu 14.10 erscheint zum zehnjährigen Jubiläum der Linux-Distribution. Doch um Neues zu entdecken, muss man bei Utopic schon genau hinschauen: Auf dem Desktop kommt Unity 7.3 zum Einsatz, das sich optisch nicht verändert hat. Auf Unity 8 müssen Ubuntu-Anwenderinnen und -Anwender noch eine ganze Weile warten, es wird frühestens in Ubuntu 15.10 enthalten sein.

Ubuntu 14.10 liefert aktuelle Software und nutzt den Linux-Kernel 3.16 sowie den X-Server 1.16 von Xorg. Auch die Desktop-Anwendungen sind aktuell: Standard-Browser ist Firefox 33, für Mails ist Thunderbird 31.2 dabei und als Office-Paket liefert Utopic LibreOffice 4.3.2 mit.

Nicht ganz aktuell ist der Gnome-Unterbau des Unity-Desktops: Das erst im September veröffentlichte Gnome 3.14 hat es nicht mehr in Ubuntu 14.10 geschafft. Stattdessen verwendet die Distribution Teile aus Gnome 3.10 und 3.12. So ist etwa das Brennprogramm Brasero noch in Version 3.10 dabei, wohingegen die Webcam-Software Cheese schon in 3.12 vorliegt.

Verbessert wurde der Chromium-basierte Webview Oxide, der Web-Apps in einem eigenen Fenster anzeigt. Oxide nutzt jetzt die aktuelle Chromium Content-API. Auch die Sicherheitserweiterung AppArmor hat kleine Verbesserungen erhalten. Die Server-Ausgabe von Ubuntu 14.10 enthält bereits das kürzlich veröffentlichte OpenStack 2014.2 (Juno).

Ubuntu 14.10 steht in einer Desktop- und einer Server-Variante für 32- und 64-Bit-x86-Systeme zum Download bereit. Außerdem gibt es Images für das Deployment in Cloud-Umgebungen (Amazon EC2, OpenStack, LXC). Ein minimales Netboot-Image von knapp 40 MByte Größe sowie Ubuntu Core werden in Versionen für verschiedene ARM-, ARM64-, PowerPPC-, PPC64- und x86-Plattformen angeboten.

Standard-Init-System bei Ubuntu 14.10 ist noch immer Upstart, ein Wechsel auf Systemd – zukünftiger Init-Standard auch in Ubuntu – ist aber problemlos möglich: Programme wie /sbin/init, /sbin/shutdown und /sbin/runlevel sind symbolische Links, die standardmäßig auf Upstart zeigen. Die Installation des Pakets systemd-sysv sorgt dafür, dass Upstart sowie das Meta-Paket ubuntu-minimal deinstalliert und die symbolischen Links auf Systemd umgebogen werden. Das Ganze lässt sich ebenso einfach wieder rückgängig machen: Man muss nur das Meta-Paket ubuntu-minimal neu installieren, wodurch systemd-sysv entfernt und die symbolischen Links zurückgebogen werden.

Perfekt ist die Integration von Systemd allerdings noch nicht. In Virtualbox war beispielsweise kein grafischer Bootsplash mehr zu sehen. Auch die Umstellung von SysV-Init-Skripten ist noch nicht abgeschlossen: Der Apache-Webserver beispielsweise startet immer noch über das SysV-Init-Skript /etc/init.d/apache2; ein Systemd-Service-File fehlt genauso wie ein Upstart-Job. Deshalb verwenden beide Init-Systeme zum Start des Dienstes das SysV-Init-Skript.

Ubuntus Desktop-Oberfläche Unity sieht in Utopic kein bißchen anders aus als in Trusty. Statt Unity 7.2 kommt hier immerhin Version 7.3 zum Einsatz, die besser mit hochauflösenden Displays zurechtkommen soll. Mit zwölf neuen Hintergrundbildern lässt sich die Optik ein wenig ändern.

Wer sich den – derzeit eher traurigen – aktuellen Stand von Unity 8 auf dem Desktop ansehen möchte, kann Ubuntu Desktop Next mit Canonicals eigenem Display-Server Mir und der zukünftigen vereinigten Oberfläche für Mobilgeräte und Desktops ausprobieren. In unseren Versuchen funktionierte das Image allerdings nur auf ausgewählter Grafik-Hardware und nicht in virtuellen Maschinen; zudem liefert Unity 8 derzeit auf dem Desktop die nur wenig angepasste Smartphone-Oberfläche von Ubuntu Touch.

Wie gewohnt gibt es Ubuntu 14.10 in mehreren offiziellen Geschmacksrichtungen mit anderen Desktop-Oberflächen. Die KDE-Variante Kubuntu setzt noch auf Plasma 4 sowie KDE Applications und Platform 4.14. Daneben ist eine Technical Preview mit Plasma 5 als installierbares Live-Image erhältlich.

Die Xfce-Variante von Ubuntu, Xubuntu, liefert vor allem aktuelle Anwendungen. Daneben kann der Xfce Power Manager jetzt auch die Tastaturbeleuchtung regeln.

In erster Linie Fehlerkorrekturen und Aktualisierungen hält Lubuntu 14.10, die besonders schlanke Ubuntu-Variante mit LXDE-Desktop, bereit. Das Projekt-Team bereitet derzeit den Umstieg auf den LxQt-Desktop vor, der aus einem Zusammenschluss von LXDE-Qt und Razor-Qt hervorgegangen ist. Der Qt-basierte Desktop will eine schlanke Oberfläche mit klassischem Bedienkonzept und moderner Technik liefern.

Gnome-Fans erhalten mit Ubuntu Gnome eine passende Variante der Linux-Distribution. In Ausgabe 14.10 wurde ein Großteil von Gnome 3.12 integriert, die wenigen fehlenden Teile lassen sich aus einem Launchpad-PPA nachinstallieren.Das aktuelle Gnome 3.14 hat es nicht mehr in die Distribution geschafft.

Das für den chinesischen Markt gedachte Ubuntu Kylin 14.10 bringt neue Software mit, darunter das Kylin Software Center. Mit dem Youker Assistant ist außerdem ein Tool zum Anpassen des Desktops und für die Systemwartung dabei.

Für Desktop-Anwender hält Ubuntu 14.10 wenig Neues parat; das Update lohnt sich nur, wenn Sie die neueren Programmversionen benötigen oder schon mal einen Blick in die Systemd-Zukunft werden wollen. Andernfalls fährt man mit Ubuntu 14.04 LTS weiterhin gut, da es noch viereinhalb Jahre Support erhält. Ubuntu 14.10 Utopic Unicorn dagegen wird nur für neun Monate unterstützt. Danach ist ein Upgrade auf die nächste Version 15.04 fällig, die im April 2015 ansteht. Sie soll den Code-Namen "Vivid Vervet" tragen. (lmd)

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