Leseprobe aus c't 26/12
Christof Windeck
Immobilien-Beratung
Kaufberatung für attraktive Desktop-PCs
Neben schlanken Tablets wirken Desktop-Rechner wie Dinosaurier aus der Computer-Steinzeit. Die stationären Systeme haben aber gewichtige Vorzüge, die viele schätzen: hohe Rechen- und 3D-Leistung, viel Speicherplatz, flexible Ausstattung. Sie lassen sich auch leicht reparieren oder umrüsten.
Gerade weil er stets am gewohnten Ort steht, bietet ein Desktop-Rechner Vorteile: Wer möchte, schafft sich mit einem großen Monitor – oder gleich mehreren davon – eine riesige Arbeitsfläche, tippt auf einer ergonomischen Tastatur und klickt mit einer komfortablen Maus. Große Lautsprecher sorgen für guten Klang. An Rechenleistung, 3D-Schub, RAM und Massenspeicher herrscht kein Mangel, bei Bedarf kann man preiswert nachlegen. Wer Spaß daran hat, baut seinen Rechner selbst zusammen oder übertaktet ihn nach Herzenslust. Kennt man die Vor- und Nachteile der vier aktuellen Desktop-Plattformen von AMD und Intel, findet man die optimalen Komponenten für seine individuellen Ansprüche.
Preisklassen
Wer einen möglichst billigen PC braucht und dabei auf Rechenleistung und Ausstattung pfeift, kauft heutzutage meistens ein Kampfpreis-Notebook. Viele kosten weniger als Desktop-Rechner, obwohl man Display, Akku und Lautsprecher dazubekommt. Allerdings sind die Billigheimer lahm, wenn ein Intel Atom drinsteckt oder dessen AMD-Konkurrenten C-60, E-350, E-450, E1-1200 oder E2-1800. Letztere rechnen nicht wesentlich schneller als Atoms, besitzen aber bessere Grafikprozessoren (GPUs).
Nur in kompakten und leichten Netbooks bringen die sparsamen Billigprozessoren Vorteile, etwa lange Akkulaufzeit und leise Kühlung. Ansonsten sollte man sie meiden. Trotzdem stecken sie auch in Billig-Desktops, gerne in Kombination mit lahmen Festplatten und wenig Hauptspeicher. Geräte mit Atom & Co. lassen sich meistens auch kaum aufrüsten. Eine gewisse Berechtigung haben die Spar-Chips in superkompakten Mini-Rechnern, von denen manche ohne Lüfter auskommen. Doch Vorsicht: Lüfterlos heißt nicht zwingend geräuschlos, manchmal pfeifen oder zirpen Netzteile und andere elektronische Komponenten.
Die Desktop-PC-Palette reicht vom lüfterlosen Mini bis zum schicken All-in-One mit Touchscreen.
In besseren Mini-PCs stecken Ultrabook-Mobilprozessoren der 17-Watt-Klasse. Davon gibt es bezahlbare Celeron- und Pentium-Versionen mit zwar bloß 1,2 bis 1,6 GHz Takt, aber viel höherer Single-Thread-Performance als beim Atom. Das spürt man mit älterer Software oder beim Websurfen – JavaScript nutzt typischerweise bloß einen CPU-Kern. Eigentlich könnte man solche Rechner mit flotten SSDs etwas auf Trab bringen. Doch bei Billigrechnern zählt einzig der Preis, weshalb man sinnvolle Konfigurationen mit der Lupe suchen muss – selbst USB 3.0 fehlt oft.
Im PC-Preisbereich unter 400 Euro liefern Desktop-Prozessoren wie Celeron G540 oder Pentium G850 vergleichsweise gute Rechenleistung. Sie laufen mit über 2,4 GHz und entstammen Intels vorletzter CPU-Generation Sandy Bridge.
Die Dual-Core-Baureihe Core i3-3000 rechnet schneller und zählt zur aktuellen Ivy-Bridge-Familie. Sie ist in PCs zu finden, die zwischen 400 und 600 Euro kosten. Dort hinein drängt auch AMD, nämlich mit den Serie-A-Prozessoren. Die aktuelle Generation trägt den Codenamen Trinity [1] und liefert deutlich mehr 3D-Grafikpower als ähnlich teure Intel-Chips.
Ab etwa 550 Euro gibt es Komplettrechner mit dem Quad-Core i5. Er liefert viel Rechenleistung, dank Turbo-Modus auch mit Single-Thread-Software. Seine integrierte Grafik erlaubt viele, aber eher anspruchslose 3D-Spiele. Eine Grafikkarte, die für flotte Action-Titel in Full-HD-Auflösung reicht, kostet mehr als 80 Euro; folglich muss man für Spiele-PCs, die diesen Namen verdienen, auch über 600 Euro ausgeben.
Bei den bisherigen Beispielen fehlen Extras: Ein Blu-ray-Brenner kostet mehr als 60 Euro, eine 120-GByte-SSD über 80 Euro und eine 3-TByte-Festplatte 120 Euro. 150 Euro sind für eine Mittelklasse-GPU fällig. Auch kräftigere Netzteile, stabilere Gehäuse, WLAN-Adapter oder Kartenleser gehen ins Geld. Es ist deshalb kein Problem, weit mehr als 1000 Euro auszugeben.
Schicke All-in-One-PCs mit großen (Touch-)Displays kosten sogar über 1500 Euro. Ebenso wie Mini-PCs oder Notebooks lassen sie sich nachträglich kaum erweitern. Viele AiO-PCs, die mit Windows 8 kommen, besitzen berührungsempfindliche Multitouch-Bildschirme.
Warenkunde
Zurzeit haben AMD und Intel jeweils zwei Produktklassen für Desktop-Rechner im Angebot. Die Mittelklasse von AMD nutzt die Fassung FM2. Da hinein passen Kombiprozessoren mit je zwei oder vier CPU-Kernen sowie einem integrierten Grafikprozessor (IGP) vom Typ Radeon HD. AMD spricht von Accelerated Processing Units (APUs), weil der GPU-Teil wie ein Coprozessor benutzt werden kann. Die schnellsten FM2-APUs liefern ausreichend 3D-Power für viele Spiele.
AMD FM2, Intel LGA1155:
die gängigsten Plattformen für Desktop-Rechner
Sie konkurrieren mit ähnlich teuren LGA1155-Prozessoren von Intel, ebenfalls mit GPU. Weder HD 2500, noch HD 4000 können mit den Radeons mithalten. Dafür sind Intels CPU-Kerne viel leistungsfähiger. Ein Core i7-3000 kostet allerdings auch bis zu 300 Euro. Attraktiver sind die Varianten des Core i5-3000: Er hat einen kleineren L3-Cache und seinen vier Kernen fehlt Hyper-Threading, was aber nur in einigen Multi-Threading-Programmen wesentliche Vorteile bringt. In einem Core i3 stecken bloß zwei Kerne und noch weniger Cache als in einem Core i5. Unterhalb des Core i3 rangieren Pentiums und Celerons. Hier gibt es weder Hyper-Threading noch Turbo, auch AVX- und AES-Befehle schaltet Intel ab und die schwächere GPU heißt bloß „HD Graphics“.
Bis zum Core i5 kann der AMD FX mithalten. Seine Bulldozer-Technik ist auf Multi-Threading ausgelegt, sprich: Die Single-Thread-Performance entspricht trotz 4,2-GHz-Turbo bloß der eines Pentiums. Mit acht Kernen sticht der FX in manchen Programmen trotzdem den teureren Core i5 aus. Doch er nutzt noch die drei Jahre alte Plattform AM3: Auch der aufgebrezelten Version AM3+ fehlen PCI Express 3.0 und integrierter USB-3.0-Controller. Außerdem schlucken die FX-Chips unter Volllast recht viel Strom.
Für mehr Rechenleistung als LGA1155-Chips liefern, muss man tief in die Tasche greifen: Intels LGA2011-Plattform stammt aus der Server-Welt. Der billigste Hexa-Core i7-3930X kostet über 500 Euro und verlangt ein Mainboard für mindestens 160 Euro. Schon im Leerlauf versimmert hier mehr als doppelt so viel Energie wie bei LGA1155-Systemen. Wir haben zwar in [2] einen Bauvorschlag für ein LGA2011-System vorgestellt, doch der ist für wenige Zwecke attraktiv: Zum Beispiel, wenn die Software mehr als vier Prozessorkerne, mehr als 32 GByte RAM oder mehrere Grafikkarten ausreizt.
Wer übertakten möchte, dem machen es AMD und Intel mit speziellen CPU-Versionen leicht: Bei Black-Edition-, K- und X-Typen lässt sich der maximale Multiplikator, der die interne Taktfrequenz festlegt, relativ frei einstellen. Die dynamische Taktumschaltung im laufenden Betrieb, die einerseits fürs Energiesparen im Leerlauf und andererseits für die Turbo-Funktion wichtig ist, bleibt dabei funktionsfähig. Intels K-Typen fehlen Spezialitäten wie die PCI-Express-Virtualisierung VT-d. Zum Übertakten braucht man außerdem ein Mainboard mit dem Chipsatz Z77 oder Z75; beim H77 kann man nur jene Multiplikatorstufen wählen, die auch der Turbo-Modus verwendet – also typischerweise viermal 100 MHz mehr als die Nennfrequenz.
Um besonders hohe Taktfrequenzen zu erreichen, muss man die Kernspannung des Prozessors steigern. Er erzeugt dann unter Last wesentlich mehr Hitze. Daher verwenden Übertakter riesige Kühler und Mainboards mit überdimensionierten „Multi-Phasen“-Spannungswandlern. Letztere sind meistens weniger effizient als einfachere Schaltungen. Andererseits sind sie oft mit Kühlkörperchen bestückt, die leise Kühlung erleichtern: Überhitzt sich der Spannungswandler, kann er einerseits den Prozessor zum Drosseln zwingen und andererseits komplett ausfallen – berüchtigt sind aufgequollene Elektrolytkondensatoren. ...
(ciw)
Der optimale PC
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