Wer schon immer mal einen Blick auf Linux werfen wollte, bislang aber vor den Hürden und Risiken einer Installation zurückgeschreckt ist, hat jetzt keine Ausrede mehr. Knoppix läuft direkt von CD und rührt die Festplatte nicht an. Erfahrene Linuxer finden zudem eine Vielzahl von Werkzeugen zur Netz-werkdiagnose und Systemrettung.
Es mögen noch so viele gute Gründe für den Einsatz von Linux auf dem Desktop sprechen, ein gewichtiges Argument dagegen bleibt: Wie kann man sicher sein, dass man sich in der Welt des Pinguins zurechtfindet? Um die frage zu beantworten, müsste man das PC-Unix erst mal installieren und ausprobieren, wie weit man damit kommt. Doch die Linux-Installation ist mühsam und birgt ihre Risiken - um nur mal eben zu schauen, ob die freie Software den eigenen Ansprüchen genügt, ist der Aufwand dann doch zu hoch.
Genau hier schafft das Knoppix-System auf unserer Heft-CD Abhilfe. Knoppix ist ein vorkonfiguriertes Debian GNU/Linux, das von CD bootet, die Hardware im Rechner selbstständig - und mit einer erstaunlichen Trefferquote - konfiguriert und via LAN, Modem, ISDN oder DSL aufs Internet zugreift. Die enthaltenen Programme starten dabei direkt von CD aus einem komprimierten Dateisystem. Da stecken natürlich nicht all die Anwendungen drin, die sich auf einer Distribution mit acht oder noch mehr CDs finden, aber der Entwickler Klaus Knopper hat das Kunststück vollbracht, ein komfortables Linux-System mit KDE-Desktop und über einem GByte an interessanten und nützlichen Linux-Anwendungen in einem 500-MByte-Image auf der CD unterzubringen.
So dient unsere CD gleich mehreren Herren: Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich Linux anfühlt, kann das ganz gefahrlos und ohne großen Aufwand tun (siehe Artikel in c't 4/2003 ab S. 100). Wer Linux bereits kennt und schätzt, kann eine vertraute Arbeitsumgebung mit sich herumtragen und auf jedem PC starten - und sich aus dem hervorragend vorkonfigurierten System den einen oder anderen Trick für eigene Linux-Installationen abschauen. Zudem finden sich auf der CD-ROM neben einer Menge nützlicher Goodies eine Vielzahl von Werkzeugen zur Systempflege und -rettung und zur Netzwerkanalyse (siehe c't 4/2003 S. 104).
Der Umgang mit der CD ist ganz simpel: In ein CD-Laufwerk einlegen, falls nötig im BIOS dieses Laufwerk als erstes Bootdevice eintragen, den Knoppix-Bootschirm mit der Eingabetaste beantworten - und warten. Natürlich bootet Linux von CD deutlich langsamer als von Platte; da kann es durchaus auch mal einige Sekunden so aussehen, als ob sich gar nichts mehr tut. Auf machen Rechnern fragt Knoppix beim Booten nach einem Videomodus; in diesem Fall ist die Leertaste zum Weitermachen die richtige Antwort. Je nach Hardware kann während des Bootens die eine oder andere Fehlermeldung über den Schirm flimmern, das hat in aller Regel aber keine Bedeutung. Erst wenn das CD-Laufwerk während des Bootens für länger als ein, zwei Minuten stillsteht, ist bei der Hardwareerkennung wirklich etwas schief gegangen und der Rechner hängen geblieben.
Das heißt aber noch lange nicht, dass Knoppix auf Ihrem PC gar nicht läuft: Auf manchen Rechnern muss der Anwender dem System ein bisschen auf die Sprünge helfen. Das kann auch nötig sein, wenn manche Hardware nicht vollständig unterstützt wird, beispielsweise das Rad der Wheelmouse nicht funktioniert. Die wichtigsten Punkte nennt der Kasten auf der gegenüberliegenden Seite.
Hat man das Booten geduldig überstanden, winkt als Lohn ein moderner KDE-3-Desktop. Auch wer bislang nicht aus der Windows-Welt herausgekommen ist, dürfte sich schnell zurechtfinden. Das Haus-Symbol steht in der Startleiste wie im Dateimanager für Ihr Home-Directory, der einzige Bereich des Dateisystems, wo Sie in der Standardeinstellung Daten speichern können. Dabei handelt es sich allerdings um eine RAM-Disk; um Dateien dauerhaft zu speichern, müssen Sie ein beschreibbares Medium mounten - mehr dazu im Artikel ab Seite 100.
Je nachdem, in welcher Umgebung Sie das Knoppix-System betreiben, sind noch einige Anpassungen vorzunehmen - ein Drucker einzurichten, beispielsweise, oder der Internet-Zugang zu konfigurieren. Für all diese Aufgaben stehen grafische Frontends zur Verfügung, die Sie im Startmenü unter dem Menüpunkt ‘KNOPPIX’ finden. Erscheinungsbild und Funktionsweise des KDE-Desktops und der zahlreichen zugehörigen Anwendungen (erkennbar zumeist am ‘K’ am Anfang des Programmnamens) passt man im KDE-Kontrollzentrum den eigenen Wünschen an.
Damit der Anwender diese Einstellungen nicht bei jedem Booten aufs Neue vornehmen muss, lassen sich alle wichtigen System- und Desktopeinstellungen über den Menüpunkt ‘KNOPPIX-Konfiguration speichern’ auf Diskette sichern. Dabei empfiehlt es sich, auch die per Default nicht angewählten ‘Alle Desktop-Dateien’ hinzuzunehmen. Beim nächsten Booten der Knoppix-CD legt man einfach die Diskette ein und fordert am Bootprompt mit
knoppix floppyconfig
den Systemstart mit der gespeicherten Konfiguration an.
Der Schwerpunkt unseres Read-only-Linux liegt auf Desktop-Tools für die tägliche Arbeit, und von denen finden Sie eine ganze Menge im KDE-Startmenü: OpenOffice, die Webbrowser Mozilla und Konqueror, den Acrobat Reader und die E-Mailer kmail und Evolution (Letzterer mit integrierter Termin- und Adressverwaltung). Mit Gimp und Sketch finden sich leistungsfähige Bitmap- und Vektorgrafikprogramme, wobei Gimp auch direkt Daten von einem Scanner einliest. Für Töne und bewegte Bilder sorgen der MP3-Player xmms, der Video- und DVD-Player xine und der Audio-Editor audacity. Zum Brennen von CDs empfiehlt sich K3b; wenn es speziell um Audio-CDs geht, leistet der Gnome CD Master (gcdmaster) womöglich noch bessere Dienste. Digitalkameras und Camcorder lassen sich mit gtkam und dvgrab auslesen, jpilot ermöglicht die Kommunikation mit Palm-Handhelds und Verwandten. Gaim und Gnomemeeting bedienen den Wunsch nach Internet-Kommunikation mit und ohne bewegte Bilder. Mit Bluefish, Qcad und Scribus haben auch ein HTML-Editor, eine CAD-Anwendung und ein DTP-Programm den Weg auf die CD gefunden.
Und ja, auch ein paar Spiele haben wir mit auf CD gepresst. Verwöhnte Windows-Gamer sollten freilich nicht zu viel erwarten: Die meisten Linux-Spiele gehen nicht sehr weit über das hinaus, was Windows XP als Zubehör mitliefert. Wer schnelle 3D-Shooter zu den unverzichtbaren Anwendungen zählt, dürfte mit Linux nicht glücklich werden.
Das Knoppix-System in diesem Heft entspricht nicht ganz der Original-Version, wie Sie sie im Internet herunterladen können (www.knoppix.de). Um auf der Silberscheibe noch ein bisschen Platz für die Software-Kollektion zu lassen, mussten wir auf eine Reihe von Anwendungen verzichten. Dem Sparzwang zum Opfer gefallen sind unter anderem alternative Desktops und Fenstermanager wie Gnome und XFCE, viele Spiele, TeX, KOffice, die allermeisten Entwicklertools und einiges andere.
Während man mit Knoppix herumspielt, darf man nicht ganz aus den Augen verlieren, dass das System von CD-ROM läuft. Programme brauchen da schon mal ein bisschen länger, bis sie ihr Fernster auf den Bildschirm malen. Besonders, wenn sich das CD-ROM-Laufwerk nach einigen Minuten der Inaktivität abgeschaltet hat, kann es etliche Sekunden dauern, bis ein Klick oder Tastendruck die gewünschte Wirkung hat - selbst bei so scheinbar trivialen Dingen wie dem Aufrufen des Einstellungen-Dialogs einer Anwendung oder der Tab-Expansion der Bash. Derartige Unbequemlichkeiten sind bei einem System, das von CD läuft, nicht zu vermeiden.
Die beiden folgenden Artikel stellen Ihnen einige der Highlights unserer Knoppix-CD vor und erläutern, wie sich das System den eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Wenn Sie nach etwas Herumspielen gar nicht mehr von Ihrem Knoppix lassen wollen, können Sie das System auch auf Festplatte installieren. Im nächsten Heft beschreiben wir, wie man Knoppix auf die Platte kriegt und über seine ausgefeilte Softwareverwaltung zu einem vollwertigen Debian GNU/Linux ausbaut. (odi)
Hilfen und weitere Informationen zu Knoppix[#anfang Seitenanfang]
Einige Einstellungen müssen unter Umständen bereits beim Booten angegeben werden. Die am Bootprompt (‘boot:’) einzutippende Befehlszeile enthält zunächst den Namen des Kernels (‘knoppix’), anschließend die gewünschten Optionen aneinander gereiht. Eine Anzeige der möglichen Parameter erhält man mit F2.
Bleibt der Rechner während des Bootens stehen, kann die letzte Bootmeldung vor dem Absturz einen Hinweis auf die Ursache des Problems geben. Bleibt Knoppix beispielsweise beim Durchtesten der verschiedenen SCSI-Adapter hängen, obwohl gar kein solches Gerät im Rechner steckt, schaltet ein koppix noscsi die Suche nach SCSI-Controllern ab. Abstürze beim Booten lassen sich manchmal mit den Optionen noapic, noapm oder nopcmcia in den Griff kriegen. Bei Problemen aller Art bis hin zum Systemcrash im laufenden Betrieb hilft es bei einigen Chipsätzen, den DMA-Modus zu deaktivieren (knoppix nodma).
Anderes erhöht eher den Komfort. Wer eine PS/2-Maus mit Rad besitzt, benötigt die wheelmouse-Option. Standardmäßig richtet Knoppix einen Desktop mit 1024 x 768 Pixeln und 16 Bit Farbtiefe ein. Besitzer großer Displays und Monitore werden sicher mit knoppix screen=1280x1024 depth=24 eine höhere Auflösung und Farbtiefe setzen wollen.
Für Spezialfälle stehen eigene virtuelle Kernel zur Verfügung, deren Namen man ohne vorangestelltes ‘knoppix’ am Bootprompt angibt. Bei Grafikproblemen auf Notebooks helfen die Framebufferkernel (fb1280x1024, fb1024x768 etc.), failsafe deaktiviert die Hardwareerkennung fast vollständig.
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