Interview mit Mark Mayo: Firefox erfindet sich neu

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Bild: Mozilla

Zum Release von Version 42 des Browsers spricht Firefox-Chef Mark Mayo über den Tracking-Blocker, vergangene Fehlentscheidungen, iOS-Firefox und den bevorstehenden Total-Umbau durch das "Electrolysis"-Projekt.

Mark Mayo ist bei Mozilla Senior Vice President, oder laut seiner About-Seite "der Kopf von allem, was mit Firefox zu tun hat". Er stellt derzeit in Europa die Neuerungen in Firefox 42 vor, erläutert aber auch den tiefgreifenden Architekturwandel, den der Browser derzeit durchläuft.

c’t: Wir sprechen über Firefox 42 ...

Mark Mayo: Wir mögen die Nummer 42 aus vielen Gründen. Das ist ein großes Release für uns, das sechs Monate in der Planung war. Es enthält einen Tracking-Schutz im privaten Modus. Wir haben über eineinhalb Jahre an verschiedenen Modellen von Tracking-Schutz und Inhaltsblockern gearbeitet und versucht, einen verantwortungsbewussten Weg zu finden. Wir haben von unseren Nutzern laut und deutlich gehört, dass sie mehr Kontrolle über ihren digitalen Fußabdruck haben wollen. Wir sind ziemlich froh, dass wir das jetzt im Release-Channel haben.

Wie genau funktioniert der Tracking-Schutz?

Er lädt keine Inhalte von Dritten, die anscheinend den Benutzer über verschiedene unabhängige Websites hinweg tracken. Wir beziehen uns dabei auf die klassische Definition von Tracking der Electronic Frontier Foundation (EFF). Es könnte ein Stück JavaScript, ein Bild oder was auch immer sein, das von einer dritten Seite kommt und auf vielen Websites eingebunden ist.

Sie benutzen also einen Blacklist und eine Whitelist?

Korrekt.

Also kein stumpfes Blockieren aller Drittinhalte.

Wir haben diese Option schon immer in Firefox. In manchen Szenarien kann sie ebenso nützlich sein wie etwa das Abschalten von JavaScript. Aber einen Großteil des Webs kann man dann nicht mehr benutzen. Von unseren Benutzertests, die wir seit einem Jahr machen, wissen wir, dass die Anwender von "kaputten" Seiten überfordert sind.

Es gibt eine simple Heuristik, die im Browser läuft, ansonsten entscheiden das meiste über die Listen. Domains werden mit der Blacklist verglichen. Die Implementierung steckt im Netzwerk-Kern von Gecko und arbeitet als Filter – sie läuft sehr schnell, es gibt keinen Performance-Einbruch. Das war eines unserer großen Design-Ziele. Damit setzen wir uns von den vielen Ad-Blockern, Content-Blocker, Was-auch-immer-Blockern ab, die es als Erweiterungen gibt und die mit einer API arbeiten – sie verlangsamen oft den Browser.

c't: Wie gehen Sie mit Inhalten beispielsweise von facebook.com oder twitter.com um, die sowohl als Tracker als auch als legitimer Inhalt gesehen werden können?

Mark Mayo: Wir haben keine Meinung über Websites, es geht nur um Drittinhalte. Es gibt dabei noch das Konzept der "Entities", die Beziehungen von Drittinhalten mit der Domain beschreiben. Zum Beispiel holt google.com Bilder von googleusercontent.com – das sind Drittinhalte, die in Wahrheit von den gleichen Leuten kommen. Solche "Entity Relationships" sind in der Blockliste registriert.

Beim Zusammenstellen der Liste arbeiten wir mit einem Partner, Disconnect.me. Die Liste ist Open Source und komplett öffentlich. Publisher können Korrekturen einreichen.

Kurz gesagt: Der Benutzer schaltet den privaten Modus ein und gibt uns damit ein starkes Signal, die Schilde hochzufahren. Mit dem Tracking-Schutz versuchen wir, aggressiv so viele Dinge zu blockieren wie möglich, ohne damit die Nutzererwartungen zu unterlaufen. Wir wissen nicht, ob Inhalte tatsächlich tracken oder nicht, aber sie sind dazu in der Lage.

Kann ich das konfigurieren oder eine eigene Liste verwenden?

Im Augenblick nicht, aber das ist geplant. Derzeit kann man den Tracking-Schutz entweder komplett oder für eine Session abschalten. Kommende Firefox-Versionen werden mit mehreren Listen arbeiten können. Wir testen das gerade.

Die Herausforderung dabei ist, dass der Benutzer versteht, was passiert, gerade wenn man ins Laden der Seite eingreift. Wir haben lange an der Bedienung gefeilt, obwohl es nur um den Privaten Modus geht, der relativ wenig benutzt wird. Trotzdem mochten die Benutzer das Feature nicht, wenn sie nicht verstanden, warum eine Seite plötzlich anders geladen wird als sonst immer. Sie mussten erst verstehen, was sie bei einem Darstellungsproblem tun konnten. Wir brauchen noch mehr Tests und Feedback. Auch die Publisher müssen noch lernen, wie sie auf die Liste kommen und wieder herunter.

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