Leseprobe aus c't 13/11
Ihr Rechner rödelt beim Starten der Lieblings-Software ewig? Das neue Spiel ruckelt? HD-Videoschnitt macht schon gar keinen Spaß? Bei diesen Symptomen muss nicht unbedingt ein teurer neuer PC her. Wer genau weiß, wo es klemmt, kann womöglich den alten für kleines Geld wieder flottmachen.
Obwohl er sich schnarchlahm anfühlt und Sie den alten PC gelegentlich mit Fußtritten antreiben, gehört er noch nicht unbedingt auf den Schrottplatz. Oft verdirbt ein einzelner Flaschenhals den Spaß, während die anderen Komponenten des Rechners wenig ausgelastet herumdümpeln. Wer die Kröte findet, erweckt den Baum des PC-Lebens womöglich mit kleinen und vor allem günstigen Eingriffen wieder zum Leben.
Das erfordert aber eine eingehende Analyse. Planloses Aufrüsten nach dem Gießkannenprinzip ist nicht nur Geldverschwendung, sondern führt unter Umständen am Ziel vorbei. Ein Quad-Core schläft bloß häufiger als der alte Dual-Core, wenn der Arbeitsspeicher permanent überquillt. Ein gigantischer Speicherausbau bringt wiederum rein gar nichts, wenn das Betriebssystem davon nur einen Bruchteil zu sehen bekommt. Die wieselflinke Solid-State Disk beschleunigt den Bootvorgang nicht, wenn die CPU auf dem letzten Loch pfeift.
Herauszufinden, wo genau der Schuh drückt, ist nicht besonders schwierig, wenn man die Symptome richtig deutet. Hören Sie dabei aber nicht auf die Stammtisch-Tipps von Bekannten, sondern auf Ihren individuellen Rechner. Viele PC-Bremsen machen sich sehr charakteristisch bemerkbar. Wir haben die typischen Fälle zusammengetragen und zeigen, wie Sie Abhilfe schaffen. Wenn Ihr konkreter Fall doch nicht dabei sein sollte oder Sie der Diagnose-Ehrgeiz packt, so liefern [1] und [2] detaillierte Anleitungen, um mit Windows-Bordmitteln ganz genau nachzusehen.
Aufrüsten lohnt insbesondere bei Rechnern, die erst zwei bis vier Jahre auf dem Buckel haben. Bei älteren Geräten übersteigen die nötigen Investitionen oft den Restwert – nicht zuletzt, weil sie Komponenten benötigen, die kaum noch hergestellt und folglich zu unverschämten Preisen oder nur noch gebraucht angeboten werden. Den Restwert zu bestimmen ist nicht ganz einfach, einen Anhaltspunkt liefert aber das Finanzamt: Es erlaubt die Abschreibung eines PC über drei Jahre und betrachtet ihn danach als wertlos.
Ganz so radikal müssen Sie freilich nicht rechnen. Als Faustregel kann gelten: Kosten die für eine deutliche Verbesserung benötigten Komponenten unter 150 Euro, lohnt ein Aufrüstversuch allemal, oberhalb von 350 Euro fast nie. Im Bereich dazwischen hängt es stark vom Alter und Restwert sowie dem Aufwand für den Umbau ab – eben von Ihrer persönlichen Einschätzung.
Tipp: In den meisten Anwendungen wird ein Performance-Zuwachs erst ab etwa 20 bis 30 Prozent spürbar. Maßnahmen, deren Effekt unter dieser Marke bleibt, zahlen sich nur in Ausnahmefällen aus.
Apropos Aufwand: Einer der häufigsten Beweggründe fürs Aufrüsten ist, dass man weder Betriebssystem noch Software neu installieren möchte. Dieser Wunsch grenzt die Komponenten, die für einen Austausch in Frage kommen, ein: Während Arbeitsspeicher, Grafikkarte und paradoxerweise auch Festplatten in dieser Hinsicht kaum Probleme bereiten, erfordert ein Austausch des Mainboards oft auch eine Neuinstallation. Vom Mainboard hängt es wiederum ab, welche CPUs zum Aufrüsten in Frage kommen. Manchmal erweitert ein BIOS-Update die Liste der unterstützten Modelle.
Außer beim Arbeitsspeicher und der Festplatte oder SSD haben Besitzer von Notebooks kaum Aufrüstchancen – es sei denn, sie greifen zu externer Peripherie. Noch schlechter sieht es bei Tablets und Netbooks aus. Praxistipps zum Einbau von SSDs in Notebooks gibt der Artikel auf Seite 98.
Hat Windows keinen Arbeitsspeicher mehr „verfügbar“, so muss es Daten auf die Festplatte auslagern und das bremst gewaltig.
Geht der Arbeitsspeicher zur Neige, lagert Windows Daten, die es gerade nicht akut braucht, auf die Festplatte aus. Das trifft meist Programme im Hintergrund. Bei einem Taskwechsel muss das Betriebssystem im großen Stil umschaufeln, indem es zuerst Platz im RAM schafft und dann die benötigten Daten zurückholt. Das dauert lange, weil die Festplatte um Faktor 70 langsamer ist als DDR3-SDRAM. Die Zugriffszeiten sind sogar 200 000-mal länger. Die hektischen Bewegungen des Schreib-Lesekopfes führen zu dem charakteristischen Festplatten-Rattern. Bestätigen kann diesen Verdacht der Windows-Taskmanager: Eine sehr niedrige Zahl hinter „verfügbar“ beim „physikalischen Speicher“ im Reiter „Leistung“ weist auf akuten RAM-Mangel hin.
Der Einbau zusätzlicher Speicherriegel ist unkompliziert und sogar bei vielen Notebooks möglich. Im Zweifelsfall müssen die vorhandenen Module weichen. Wesentlich schwerer fällt es jedoch, die geeigneten Module zu finden. Wie das geht, beschreibt der Artikel auf Seite 96 .
Achtung: 32-Bit-Betriebssysteme können maximal 4 GByte adressieren. In der Praxis verdecken die PCI- und PCIe-Geräte von diesem Adressraum aber bis zu 1,2 GByte. Einzelne 32-Bit-Prozesse bekommen – außer in Spezialfällen – ohnehin maximal 2 GByte RAM zugeteilt. Kurzum: Wollen Sie mehr als 3 GByte RAM nutzen, brauchen Sie ein 64-Bit-Betriebssystem. Für dieses fehlen womöglich Treiber für ältere Hardware.
(bbe)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 13/2011.
Steht erst einmal fest, was der PC braucht, beschreiben die folgenden Artikel in c't 13/2011, nach welchen Kriterien man die neuen Komponenten aussucht und wie man sie einbaut.
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