Kaufrausch und Kopfschmerz

Über Vor- und Nachteile des Online-Shopping

Wissen | Hintergrund

Online-Auktionen, Reiseagenturen, Bookshops und automatische Preisvergleiche - ist das Internet ein Einkaufsparadies? Offenbar nicht, denn die Umsätze auf den virtuellen Marktplätzen fallen, zumindest diesseits des Atlantiks, noch recht bescheiden aus. Nach Meinung der Marktforscher wird der Online-Handel in den kommenden Jahren explodieren. Heute muss man jedenfalls noch sehr genau suchen, um wirklich gute Angebote zu finden.

Aufmacher

‘Die Drehtüren meines Geschäfts rotieren extra langsam. So hat der Besucher genug Zeit, sich das aufgemalte Firmenlogo einzuprägen. Im Empfangsraum werden die Leute dann sortiert. Ich habe nicht die allerneueste Technik installiert, damit Turnschuhträger durch mein Geschäft schlurfen. Die Flure meines Hypermarkts sind auf Schuhe mit Ledersohlen optimiert, und zwar ausschließlich solche von Bentley und Smith in den Größen 41 bis 46. Das ist doch heutzutage Standard! Wer da nicht mitzieht, kann sich im Regallager im Keller selbst bedienen.

Doch bevor es ans Einkaufen geht, will ich zuerst Ausweis und Kreditkarte sehen - man muss ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat. Die Waren liefere ich dem Kunden natürlich nach Hause; Lieferzeiten und Versandkosten sorgen dabei stets für eine Überraschung. Und Querulanten, die nach Datenschutz fragen oder die allgemeinen Geschäftsbedingungen sehen wollen, vertröste ich mit der Story von Broschüren, die gerade gedruckt werden.’

Versucht man, die Arbeitsweise vieler Online-Shops auf reale Geschäfte abzubilden, dann liest sich das wie ein absurdes Theaterstück. Im realen Leben würden die Kunden einen solchen Laden im Laufschritt verlassen. Im E-Commerce ist es hingegen üblich, den Kunden mit nichts sagenden Startbildschirmen zu empfangen und seine Telefonrechnung mit dem Download nutzloser Grafiken in die Höhe zu treiben. Man schreibt ihm vor, welchen Browser er benutzen soll und welche (Un-)Sicherheitseinstellungen er vornehmen darf.

Hat man sich dann endlich bis zum Produktkatalog vorgearbeitet, dann fehlt häufig eine Volltextsuche, sodass man sich mühselig durch die vorgegebenen Kategorien hangeln muss, um das gewünschte Produkt zu finden. Manche Online-Shops bieten noch nicht einmal einen Warenkorb, sondern lassen den Kunden für jeden einzelnen Artikel die gesamte Bestellprozedur durchlaufen, ohne dass er nachträglich die Bestellmenge oder Ausstattungsdetails ändern kann. Die Übertragung der eigentlichen Bestellung scheint jedoch das größte Problem zu sein: Selbst bei großen Systemen wie der Buchgemeinschaft ‘Der Club’ oder ‘Shopping24’ kommt es vor, dass die Absendung nicht klappt. Dem Kunden bleibt dann nichts anderes übrig, als die Bestellseite auszudrucken und als Brief oder Fax zu versenden.

Angesichts solcher Missstände ist es kein Wunder, dass die deutschen Sufer noch recht verhalten onlineshoppen. Dabei sind sie im internationalen Vergleich gar keine E-Commerce-Muffel. Nach den USA, wo im vergangenen Jahr 74 Prozent der weltweiten Internet-Shopping-Umsätze gemacht wurden, liegt Deutschland auf Rang zwei. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung hat über die Hälfte der mittlerweile rund 11 Millionen deutschen Surfer bereits per Mausklick bestellt. Sie bescherten den Anbietern im vergangenen Jahr immerhin einen Gesamtumsatz von 2,7 Milliarden Mark, der in diesem Jahr auf knapp 8 Milliarden anwachsen soll.

Dennoch verfehlten selbst große Fische die selbstgesteckten Ziele: Karstadts Vorzeige-Shop my-world erreichte 1998 trotz intensiver Werbung statt der geplanten sieben nur sechs Millionen Umsatz. Die Karstadt-Tochter gibt sich trotzdem ungebrochen optimistisch: Dieses Jahr sollen es 15 Millionen werden. Beim Versandhaus Quelle, das auf seinen etablierten Markennamen setzt, betrug der Anteil der Online-Bestellungen mit 25 Millionen Mark gerade mal 0,36 Prozent des Gesamtumsatzes.

Von solchen Zahlen können die meisten Shops nur träumen: Während die US-Anbieter im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 100 000 Mark umsetzen konnten, erreichten ihre europäischen Mitbewerber nur ein Fünftel dieser Summe. Für die meisten Anbieter ist der Online-Shop damit noch ein Zuschussgeschäft. Der Fachverband für Informationstechnik veranschlagt den Aufbau der Internet-Präsenz eines mittelständischen Unternehmens samt Anbindung an das firmeninterne Bestellwesen mit 72 500 Mark und den monatlichen Unterhalt mit 10 000 Mark.

Die Schuld an den schlechten Ergebnissen suchen die Anbieter bei anderen: Der Gesetzgeber brauche zu lange, um für den E-Commerce rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, und die potenziellen Kunden seien zu sicherheitsbewusst und brächten dem Internet zu wenig Vertrauen entgegen. Beiden Argumenten muss man jedoch widersprechen. Die rechtliche Grundlage für den nationalen und internationalen Handel übers Internet sind weiter gediehen, als allgemein angenommen wird (s. S. 184 in c't 19/99). Hier wirkt vor allem die Europäische Union als treibende Kraft, die E-Commerce als wichtigen Faktor für den gemeinsamen europäischen Binnenmarkt sieht.

Am Misstrauen vieler Anwender tragen die Anbieter selbst Schuld. Allzu leichtfertiger Umgang mit Kundendaten sorgte in der Vergangenheit für Schlagzeilen [#lit1 [1]]. Der Einkaufsbummel im Netz erfordert Aufmerksamkeit, wenn man verhindern möchte, dass persönliche Daten ungehindert in Umlauf gelangen. Das wichtigste Schutzprinzip heisst dabei ‘Minimalität’ - sowohl der Preisgabe persönlicher Daten als auch der Freigabe von aktiven Inhalten. Konkret: Aktive Inhalte (ActiveX, Java, JavaScript, VBScript usw.) und die Speicherung von Daten auf dem PC des Kunden (Cookies) sollten im Browser ausgeschaltet sein, um jeglicher versteckter Datensammlung vorzubeugen. Falls man dann nur leere oder nicht-navigierbare Seiten vorfindet, gilt es abzuwägen, ob einem der Besuch bei dem Anbieter wichtig genug ist, um die Sicherheitseinstellungen aufzugeben, oder ob man nicht einfach zur Konkurrenz geht.

Meiden sollte man auch Webserver, die den Kunden erst mal pauschal - ‘damit wir besser auf Ihre Wünsche eingehen können’ - einer umfassenden Fragestunde unterziehen. Bevor nicht klar ist, ob man das Angebot überhaupt nutzen will, muss man bei solchen Online-Verhören nicht allzu ehrlich sein. Macht eine Bestellung die Dateneingabe unabdingbar oder erscheint eine persönliche Anmeldung sinnvoll, weil damit nützliche Zusatzfunktionen verbunden sind, sollte man zunächst nach Hinweisen zum Datenschutz und einer eventuellen Einwilligung in die Weitergabe oder Verwertung von personenbezogenen Daten suchen. Solche Klauseln können sich auch in den allgemeinen Geschäftsbedingungen verstecken (s. S. 262 in c't 19/99). Die übertriebene Neugier eines Anbieters ist ein weiterer Grund, zu einem anderen Shop zu wechseln.

Besondere Vorsicht ist bei Anbietern angebracht, die nicht in der EU angesiedelt sind oder keine Rückschlüsse auf ihren Stammsitz zulassen. Vorsicht: Nicht jedes deutschsprachige Angebot ist auch in Deutschland beheimatet. Viele Länder außerhalb der EU haben deutlich lockerere Datenschutzbestimmungen. Das gilt insbesondere auch für die USA. Aber selbst hier zu Lande muss ein Verstoß gegen geltendes Datenschutzrecht keine bedeutsamen Folgen für den Verursacher nach sich ziehen. Leider kennt beispielsweise das Teledienstedatenschutzgesetz keine Bußgeldvorschriften.

Angriffe durch Dritte zielen vor allem auf die Kundendatenbanken der Online-Shops, denn dort findet ein Datenspion eine große Menge gut sortierter Informationen. Der Kunde kann natürlich kaum herausfinden, ob das System des Anbieters dagegen gefeit ist. Ein erstes Indiz für eine sicherheitsbewusste Systemverwaltung ist aber beispielsweise das Angebot, mit dem Server über SSL-verschlüsselte Seiten zu kommunizieren (Secure Socket Layer, stellt die Authentizität des Servers sicher und verschlüsselt die zu übertragenden Daten). Zumindest hat sich der Anbieter dann schon einmal Gedanken über die Sicherheit gemacht. Bekannte Namen verdienen dabei keinen Vertrauensvorschuss, wie das Beispiel Europcar beweist: Der Autovermieter bietet bei Online-Buchung, wie die meisten seiner Mitbewerber, Preisnachlässe; die Kreditkartendaten werden dabei jedoch unverschlüsselt übertragen.

Vertrauensbildend sind hingegen SET-Angebot (Secure Electronic Transaction), falls mit Kreditkarte bezahlt werden kann. Dieses Verfahren schützt die Daten nicht nur auf dem Transport, sondern implementiert auch ein datenschutzfreundliches ‘Need to Know’-Prinzip. Händler und Abrechnungsstelle erhalten jeweils nur die für sie notwendigen Informationen: Der Händler bekommt keine Kartendaten und die Abrechnungsstelle keine Bestellinformationen. Digitale Signaturen belegen die Verbindlichkeit des Kundenauftrags und die Gültigkeit der Kartendaten. Über SET autorisierte Zahlungen kann ein Kreditkartenkunde dann allerdings auch nicht ‘einfach so’ stornieren. Die bloße Angabe der Kreditkartennummer in einem Webformular (auch mit SSL), Brief, Fax oder am Telefon gilt hingegen als schwach autorisierte ‘Mailorder/Fone Order’ (MOPO) - das Risiko solcher Zahlungsanweisungen liegt voll beim Händler.

Wer sich bei einem Webshop mit Benutzernamen und Passwort anmeldet, kann zudem mit ein paar kleinen Tests zumindest die gröbsten Schnitzer bei der Serveradministration entlarven. Oft enthält die Webadresse nach dem Login die Anmeldeinformation kodiert in einem wild aussehenden Buchstaben- oder Zahlengewusel. Wenn man hier lediglich ein Zeichen verändern muss, um in den Account eines anderen Kunden zu gelangen, ist es mit der Sicherheit nicht weit her. Auch das Weglassen des letzten Teils der URL kann bisweilen überraschende Einsichten liefern, wenn sich dann nämlich im Browserfenster die Verzeichnisstruktur des Webservers präsentiert, deren Dateien für alle Welt lesbar sind und Kundendaten im Klartext enthalten.

Ein positives Zeichen ist hingegen das Vorhandensein eines ‘Abmelden’-Links, nach dessen Anwahl auch die ‘Zurück’-Funktion des Browsers keinen autorisierten Zugriff auf persönliche Seiten liefert. Spätestens nach dem ‘Neu laden’ in den Browser sollten die gespeicherten Anmeldeinformationen dann nicht mehr gültig sein.

Die Kunden wollen vor allem bequem und preiswert einkaufen. Bequem ist das Online-Shopping, sofern die Bedienung des Shops den Surfer nicht in die Verzweiflung treibt. Die heiß geführte Diskussion um Ladenschlusszeiten lässt die E-Commerce-Branche kalt; im Internet haben die Geschäfte rund um die Uhr offen. Die Fahrt mit der Straßenbahn beziehungsweise die Parkplatzsuche entfallen. Mit Online-Kosten von durchschnittlich 3 Mark pro Stunde bezahlt man dafür einen geringen Preis.

Doch bei der Preisgestaltung kollidieren die Interessen von Shop-Betreibern und Kunden. Die meisten großen Anbieter geben keine Rabatte auf die Online-Order, obwohl sie im Vergleich zu schriftlichen Bestellungen oder dem Ladenverkauf Kosten sparen. Ganz anders sieht es in den USA aus: Dort dienen Preisnachlässe als wirkungsvolles Verkaufsargument. Das geht bis hin zum AT-Cost-Modell, bei dem der Anbieter sich ausschließlich durch Werbung auf dem Webserver finanziert und die Waren zum Einkaufspreis zuzüglich der Handling-Kosten weitergibt. Ein solches Extrem ist allerdings auch aus Verbrauchersicht nicht wünschenswert: Bei einem so hart geführten Wettbewerb bleibt zwangsläufig der Service auf der Strecke. Außerdem werden damit schwächere Anbieter vom Markt verdrängt, was zu einem kleineren Angebot und damit letztlich wieder zu steigenden Preisen führt.

Was sich in Deutschland zunehmend durchsetzt, sind Online-Auktionen [#lit2 [2]], eine Vertriebsform, bei der der Kunde bei der Preisfindung mitwirkt. Dabei werden Neu- oder Gebrauchtwaren zu einem Startpreis angeboten, und wer in einer vorgegebenen Frist das höchste Gebot abgibt, erhält den Zuschlag. Hier ist jedoch Vorsicht geboten; im Eifer des Gefechts hat sich schon so mancher Bieter über den Preis hinaustreiben lassen, den er in einem normalen Geschäft bezahlt hätte.

Neben den Online-Auktionen versprechen Schnäppchenfahnder und Preisagenturen (s. S. 174 in c't 19/99) den billigen Einkauf über das Internet. Sie decken meist jedoch nur ein schmales Produktportfolio ab und besitzen teilweise nur einen unvollständigen oder veralteten Überblick über den Angebotsbestand. Häufig erschwert die umständliche Bedienung der Online-Shops den Preissammlern die Arbeit, eine automatische Abfrage ist meist unmöglich. Der direkte Preisvergleich bedeutet jedoch gesunden Wettbewerb. Im Interesse des Kunden sollte jeder Shop eine vordefinierte Schnittstelle besitzen, über die man mit einer speziellen Software den aktuellen Preis für ein Produkt automatisch abfragen kann, um selbst Preisrecherchen durchzuführen.

Dies wäre dann der gläserne Anbieter. Dies lehnen die meisten Shopbetreiber, von denen einige fleißig Kundendaten sammeln, jedoch ab. Dazu gehören auch kleinere Händler, die sich von der Aussicht auf den weltweiten Markt ins Internet haben locken lassen. Dieses Credo, das unter anderem IBM mit seiner e-business-Kampagne vertritt, ist jedoch sehr kurz gedacht. Die Händler geraten in dem neuen Markt in eine neue Konkurrenzsituation. Der kleine Tischlereibetrieb in Süddeutschland, der bislang mit seinen Massivholzmöbeln eine kleine, aber treue Kundenschar belieferte, erreicht nun auch Interessenten in anderen Regionen. Gleichzeitig können jedoch die alten wie die neuen Kunden seine Preise unmittelbar mit ähnlichen Angeboten aus dem In- und Ausland vergleichen.

Bislang machen solche kleinen Betriebe mit Nischenangeboten sogar vergleichsweise gute Umsätze im Internet. Sie präsentieren sich auf von Fremdfirmen betriebenen Shop-Servern oder haben sich mit preiswerten Fertiglösungen ein eigenes Angebot gestrickt, um die Einstiegskosten gering zu halten. Doch das US-Marktforschungsinstitut Forrester Research stellt ihnen eine finstere Prognose: Nach seiner Einschätzung werden kleinere Online-Händler in den USA bis 2003 nur noch einen Marktanteil von sechs Prozent haben. Große Unternehmen mit protzigen Auftritten, großem Werbeetat und der Möglichkeit, sich auf prominenten Portalsites einzukaufen, werden sie zunehmend vom Markt verdrängen. Eigentlich schade - denn diese kleineren Shops haben die interessantesten Angebote.

Das Einkaufsparadies Internet steht noch am Anfang seiner Schöpfungsgeschichte. Bis Anbieter und Käufer dort zufrieden sind, werden beide Seiten noch viel Lehrgeld bezahlen. Die Käufer quälen sich durch umständlich zu bedienende Shops und suchen häufig vergeblich nach Schnäppchen. Dabei zahlen sie die im internationalen Vergleich noch recht hohen deutschen Online-Kosten.

Die Anbieter müssen lernen, ihre Angebote in Preis und Service besser auf die Kundenwünsche abzustimmen. Obwohl ein paar mehr Sonderangebote dem deutschen Online-Angebot gut täten, ist der Verzicht auf Preisharakiri nach US-Manier langfristig besser. Wie lange wird Amazon.com, einer der Stars am E-Commerce-Himmel, noch leuchten, wenn die Verluste in gleichem Maße wachsen wie die Umsätze? ‘Wir machen mit jedem verkauften Buch Verlust, aber die Stückzahlen bringen es’, ist sicherlich kein langfristig erfolgreiches Geschäftsprinzip. (ad)

[1] Jürgen Schmidt, Kreditkarten-Lotto, Kundendaten öffentlich zugänglich, c't 10/98, S. 34

[2] Maria Benning, Unter dem virtuellen Hammer, Aufbruchstimmung für Netzauktionen, c't 14/99, S. 68

[3] Andreas Grote, Bittere Pille, Arzneimittel aus dem Internet, c't 5/99, S. 198

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Starke Kryptographie setzt sich langsam als wichtige Voraussetzung für E-Commerce durch. Händler möchten durch ihren Einsatz nicht zuletzt mehr Rechtssicherheit für Kundenaufträge erlangen. Mit der Bereitstellung von SSL-Servern oder Software zur Authentifizierung ist es aber nicht getan. Die Sicherheit von verschlüsselten Transportwegen und digitalen Signaturen zum Besiegeln von Bestellungen steht und fällt letztlich mit dem Schutz der geheimen Schlüssel. Solange diese auf dem Windows-Computer des Anwenders liegen, reduzieren sich Vertraulichkeit und Verbindlichkeit auch hochsicherer Krypto-Verfahren auf die wenig glorreiche Rechnersicherheit des PC.

Der Zugriff auf die Schlüssel ist kaum zu kontrollieren, was die Nicht-Abstreitbarkeit digitaler Signaturen beeinträchtigt: Eine hohe Verbindlichkeit kann eine Signatur erst erlangen, wenn klar ist, dass auch wirklich der rechtmäßige Anwender sie abgegeben hat. Auf den gängigen PC-Betriebssystemen kann ein Angreifer aber die Fehler von Anwendungsprogrammierern und die Unachtsamkeit der Benutzer auskosten: Sicherheitslücken erlauben das Einbringen von Hintertüren oder das Ausspionieren der Festplatteninhalte. Arglose Anwender installieren möglicherweise beim Ausprobieren von Software Trojanische Pferde oder schleppen Viren in ihr System ein.

Der Word-Makrovirus Caligula sendet beispielsweise geheime PGP-Keys seiner Opfer per FTP an eine Hacker-Site, sofern er auf dem infizierten Rechner Schlüssel-Dateien findet. Mit der Kopie eines geheimen Signaturschlüssels und der abgehörten PIN des Anwenders kann aber jeder Datenspion in dessen Namen digital signieren.

Größere Sicherheit geben Prozessor-Chipkarten (Smart Cards). Diese Systeme entziehen geheime Schlüssel dem Zugriff von Trojanern und Anwendungssoftware auf dem PC. Die Daten einer Smart Card lassen sich nicht unmittelbar auslesen, sondern stehen nur dem internen Prozessor zur Verfügung. Nach außen hin erlauben Smart Cards nur vorgesehene Anfragen. Ein Problem bleibt bei digitalen Signaturen jedoch zunächst bestehen: Der Anwender kann sich nicht sicher sein, dass die Daten, die er am Bildschirm sieht, auch diejenigen sind, die der PC an die Chipkarte zum Signieren sendet (Darstellungsproblem). Für das künftige Bezahlen mit der Geldkarte fordert der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) daher ein spezielles Chipkartenterminal mit Display und eigener Tastatur. Ein solches Gerät könnte im Prinzip auch die wesentlichen Inhalte eines Bestellvorgangs vor der PIN-Eingabe für eine digitale Signatur anzeigen.

Theoretisch sind digitale Signaturen erst dann nicht-abstreitbar und zweifelsfrei einem Menschen zuzuordnen, wenn durch die Kapselung der Daten in einer Smart Card nicht einmal der berechtigte Anwender eine Möglichkeit hat, seine Signaturschlüssel zu vervielfältigen, und wenn zudem die Freigabe der Schlüssel unmittelbar gegenüber der Karte mit Hilfe eines biometrischen Merkmals erfolgt. Chipkarten mit integriertem Fingerabdruckscanner will beispielsweise Siemens in wenigen Jahren auf den Markt bringen. In der Praxis genügen für den E-Commerce sicher deutlich weniger strenge Anforderungen. Man sollte aber angesichts der Leichtigkeit, einen häuslichen PC auszuspionieren, die Standards nicht zu niedrig ansetzen, wenn man hier Rechtssicherheit wünscht. (Matthias Bauer)

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Wer innerhalb der Europäischen Gemeinschaft für private Zwecke Waren ordert, hat es gut: Dank des Binnenmarktes braucht er keine Gedanken an Einfuhrabgaben zu verschwenden. Es gibt zwar Richtwerte dafür, bis zu welcher Menge ein Import noch als privat gilt, in der Praxis resultieren daraus aber kaum Einschränkungen, falls man glaubhaft machen kann, seine Bestellung nicht gewerblich zu nutzen. Für eine bevorstehende Familienfeier dürfte man beispielsweise auch einmal größere Mengen französischen Weines einführen.

Bei Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten müssen aber auch Privatleute prinzipiell Zölle und Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Anders als bei Mitbringseln im Reisegepäck existieren hier zunächst keine nennenswerten Freigrenzen. Sendungen ‘mit geringem Wert’ sind zwar abgabenfrei. Die Grenze liegt aber bei lediglich 50 Mark inklusive Versandkosten und auch das nur, falls es sich bei den Waren nicht um alkoholische Erzeugnisse, Tabak(waren), Parfums oder Toilettenwasser handelt. Für alle teureren Sendungen müssen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer zumindest einzeln geprüft werden.

Allerdings fallen für einige Warengruppen dennoch keine Zölle an (Zollsatz 0 Prozent): beispielsweise Bücher, Software auf Disketten und die meisten Arten von Computer-Hardware (Ausnahme: Geräte mit Videonutzung und bestimmte Netzwerkkomponenten). Außerdem benennt die ‘Einfuhrumsatzsteuer-Befreiungsverordnung’ 18 Mark als Mindestgrenze, damit die Steuer auch tatsächlich abgeführt werden muss. So bleiben beispielsweise Büchersendungen bis circa 250 Mark abgabenfrei.

Eine böse Überraschung könnte hingegen erleben, wer selbst geringe Mengen bestimmter Zigarren einführt, bei denen zu 180 Prozent Zoll und Umsatzsteuer auch noch Verbrauchssteuer hinzukommt, die nicht vom Einkaufspreis, sondern von einem angenommenen Verkaufswert in Deutschland abhängt. Hier kann ein vermeintliches Schnäppchen schnell zur Kostenfalle werden. Allgemein sollte man sich bei Alkoholika und Tabakwaren unbedingt vor einer Bestellung aus Nicht-EU-Ländern beim nächstgelegenen Zollamt über die genauen Bedingungen informieren.

Die Zollämter informieren auch über Einfuhrverbote. Besonders bei Waffen und waffenähnlichen Gegenständen (auch Imitationen) sowie Medikamenten ist Vorsicht geboten [#lit3 [3]]. Prinzipiell gilt: Alles was hier zu Lande frei verkäuflich ist, darf man auch einführen, verschreibungspflichtige Medikamente und Betäubungsmittel also nicht. Und Achtung: Die Einfuhr jeglicher Pornografie per Versandhandel ist strafrechtlich verboten, auch wenn man die Videos, Bücher und so weiter als Erwachsener in Deutschland im Laden kaufen könnte.

Zudem gilt es Mengengrenzen zu beachten, deren Überschreiten Auflagen nach sich zieht oder eine Einfuhrgenehmigung notwendig macht. Beispielsweise müsste auch ein Privatbesteller für Kleidung im Wert von über 1000 Mark eventuell ein so genanntes Ursprungszeugnis beibringen; die hierfür notwendigen Informationen stehen bei einer Online-Bestellung aber üblicherweise nicht zur Verfügung.

Der Zollwert einer Sendung setzt sich aus dem Warenwert zuzüglich der Versandkosten zusammen. Da Zölle aber (virtuell) an der EU-Außengrenze anfallen, werden die tatsächlichen Versand-kosten um den Teil für den Transport innerhalb der EU gemindert. Wer beispielsweise für den Versand dreier Baumwoll-T-Shirts (Warenwert 150 Mark) von New York nach Frankfurt 100 Mark bezahlt, muss nur zwei Drittel der Versandkosten verzollen: Bei 12 Prozent Zoll ergeben sich (150 + 66) x 0,12 ~= 26 Mark. Die Einfuhrumsatzsteuer beruht hingegen auf dem Gesamtwert der Sendung inklusive aller Transportkosten plus Zoll: also (150 + 100 + 26) x 0,16 ~= 44 Mark - macht zusammen 70 Mark Einfuhrabgaben.

Wesentlich für die Berechnung des Zolls ist die korrekte Aufschlüsselung von Warenwerten und Versandkosten in der Rechnung oder im Frachtbrief. Dabei kommt es besonders auf die Angabe der Versandart (Frankatur) an: Üblicherweise bezahlt im E-Commerce der Händler die Frachtkosten und berechnet dem Empfänger dafür Versandkosten(anteile); das branchenübliche Kürzel hierfür lautet CIF, ‘Cost of goods, Insurance and Freight’. Da die Rechnungssumme bereits die Transportkosten enthält, wird sie zur Verzollung um die Anteile für EU-interne Strecken gemindert. In unserem T-Shirt-Beispiel würden von der Rechnung über 250 Mark 34 Mark abgezogen.

Bezahlt hingegen der Kunde den Paketdienst, so müssen die Frachtkosten bis zur EU-Grenze vor der Verzollung auf die Rechnungssumme aufgeschlagen werden (z. B. T-Shirt-Rechnung vom Versender über 150 Mark, 100 Mark kassiert der Paketdienst). Diese Versandart trägt das Frankatur-Kürzel FOB, ‘free on board’ - der Händler zahlt nur den Weg bis zur Verladung in Flugzeug, Schiff oder LKW. Falls ein Versender auf der Rechnung keine Frankatur angibt oder fälschlicherweise ‘FOB’ einträgt, obwohl er dem Kunden die Versandkosten berechnet, so werden die Auslands-Frachtkosten dennoch aufgeschlagen: Bei der T-Shirt-Lieferung würden dann 311 Mark verzollt und entsprechend fast 100 Mark Einfuhrabgaben anfallen - 30 Mark zu viel wegen der falschen Deklaration, die zu Lasten des Kunden gehen. Leider kein seltener Fall; es lohnt sich also, die Zollpapiere zu prüfen.

Wichtige Zolltarife
Ware Zoll [%]
Bücher 0
DVD 1,0
EDV-Hardware1 01
Kleidung ~=9 -14
Musik-CDs 3,5
Software (Disketten) 0
Software (CD) 1,0
Videobänder 2,6
1 Gilt nicht für Geräte mit ‘Videonutzung’ (z. B. Monitor mit SCART-Buchse) und bestimmte Netzwerkkomponenten (u. a. mit Telefon-Funktionen). Zollfrei bleiben u. a. Motherboards, CPUs, Speicher, Peripheriegeräte, Scanner, Festplatten.
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