Kernel-Log – Was 2.6.31 bringt (3): Storage und Dateisysteme

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Das "Next Generation Filesystem for Linux" soll jetzt noch schneller arbeiten. Erste Teile zum Defragmentieren von Ext4-Dateisystem sind nun im Kernel. Der parallele Hardware-Scan in Intel-ATA-Treibern beschleunigt den Systemstart.

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In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat Linus Torvalds die sechste Vorabversion von Linux 2.6.31 freigegeben. Wie in dieser späten Phase des Entwicklungsprozess üblich sind die meisten Änderungen gegenüber dem rc5 eher klein. Torvalds geht in der Freigabe-Mail davon aus, 2.6.31 nach der achten Vorabversion fertig zu stellen – vermutlich also in zirka zwei bis drei Wochen.

Das Kernel-Log nimmt das zum Anlass, die Berichterstattung über die größten Neuerungen von Linux 2.6.31 gegenüber dem aktuellen Kernel 2.6.30 mit einem Überblick aus den Bereichen Storage und Dateisystemen fortzusetzen. Die Änderungen in den Bereichen Netzwerk und Grafik, Audio und Video haben wir bereits in früheren Ausgaben des Kernel-Logs dargestellt.

Eine umfangreiche Änderung in Form eines zirka 350 KByte großen Btrfs-Patches soll die Performance des experimentellen Dateisystems durch den Einsatz von "Mixed back references" in vielen Bereichen erheblich steigern. Dazu haben die Entwickler allerdings die Dateisystemstruktur auf dem Speichermedium (On-disk Format) angepasst. Die nötige Umwandlung vom alten ins neue Format erledigen Kernel mit dem neuen Btrfs-Code beim ersten Einhängen automatisch – Linux-Versionen mit älteren Btrfs-Code können ein so verändertes Dateisystem anschließend allerdings nicht mehr einbinden.

Der Commit-Kommentar und der Git-Pull-Request weisen darauf auch deutlich hin. Normalerweise versuchen die Kernel-Entwickler solche Dinge selbst bei experimentellen Dateisystemen zu vermeiden, denn wagemutige Anwender, die Btrfs als Root-Dateisystem verwenden, können sonst bei der Fehlersuche keine alten Kernel mehr starten – genau das ist Linus Torvalds selbst passiert, der sich entsprechend wenig begeistert zeigte.

Kernel-Log – Was 2.6.31 bringt

Weitere Teile aus der Kernel-Log-Mini-Serie "Was 2.6.31 bringt", die wichtigsten Neuerungen der kommenden Kernel-Version zusammenfasst:

1. Netzwerk – Neue Treiber für LAN und WLAN

2. Audio & Video – KMS für Radeon und Treiber für X-Fi

Der Artikel "Feintuning – Die Neuerungen von Linux 2.6.30" bietet eine Übersicht über die Neuerungen der derzeit aktuellen Kernel-Version der Hauptentwicklungslinie. Weitere Geschehnisse rund um den Linux-Kernel und andere Hardware-nahe Linux-Software finden Sie in den regulären Kernel-Logs.

Recht spät im Entwicklungszyklus sandte der Btrfs-Betreuer im Rahmen eines Git-Pull-Request noch einige größere, schon länger in Arbeit befindliche Änderungen hinterher. Durch sie soll Btrfs nach längerer, starker Belastung nicht mehr so viel Arbeitsspeicher belegen (u. a. 1, 2). Verbessert haben die Btrfs-Entwickler zudem die Unterstützung für den Einsatz auf SSDs (u. a. 1, 2)

Der unter anderem durch seine Arbeit als Betreuer des Netzwerk-Subsystems und der Sparc-Unterstützung bekannte Kernel-Entwickler David Miller hat nun auch das IDE-Subsystem übernommen und löst damit Bartlomiej Zolnierkiewicz ab. Ursache war ein Streit über einen auf Sparc-Systemen auftretenden Fehler, wo Miller andeutete, dass Zolnierkiewicz zahlreiche Änderungen im IDE-Subsystem vorgenommen habe, ohne diese ausreichend zu testen.

Miller ließ durchblicken, in Zukunft keine größeren Änderungen im IDE-Subsystem vornehmen zu wollen ("I'm going to treat IDE as pure legacy [...]"). Damit dürfte die Zukunft jetzt definitiv den Ende 2006 bei Linux 2.6.19 aufgenommenen PATA-Treibern im Libata-Subsystem gehören. Sie steuern zwar nicht ganz so viele IDE/PATA-Adapter an wie das IDE-Subsystem, aber nahezu alle heute gängigen.

Einige Entwickler hatten die Libata-Treiber von Anfang an als Ersatz für die Treiber des älteren – und schon seit über einem Jahrzehnt immer wieder für Unfrieden zwischen Kernel-Entwicklern sorgenden – IDE-Subsystems gedacht. Zolnierkiewicz hatte nach einer Phase weitgehender Inaktivitiät das IDE-Subsystem in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren aber dennoch massiv überarbeitet und auch neue Treiber aufgenommen – aus der erwarteten schleichenden Ablösung entstand so eine länger anhaltende, nun wohl aber zu Ende gehende Konkurrenzsituation.

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