Kernel-Log – Was 2.6.32 bringt (1): Die Neuerungen bei Netzwerk-Subsystem und -Treibern

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Die Entwickler mussten die Stromsparfunktionen in einem viel genutzten Intel-WLAN-Treiber deaktivieren. Neu dabei sind Treiber für virtuelle VMware-Netzwerkchips, zwei neue Bluetooth-Treiber sowie mehrere mISDN-Treiber.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat Linus Torvalds die vierte Testversion des Linux-Kernels 2.6.32 freigegeben – durch den Vertipper bei der ersten Vorabversion heißt sie jedoch nicht 2.6.32-rc4, sondern 2.6.32-rc5. Torvalds hat diese Version nur wenige Tage nach dem RC4 veröffentlicht, da er und viele andere Kernel-Hacker am Wochenende zum diesjährigen Linux Kernel Summit reisen, der nächste Woche in Tokyo stattfindet; in den kommenden Tagen dürften daher wohl nur wenige Änderungen den Weg in das Quellcodeverwaltungssystem des Linux-Kernels finden.

Mit der RC4 stieß noch ein größer SCSI-Treiber neu zum Hauptentwicklungszweig des Linux-Kernels, beim RC5 zwei Netzwerktreiber. Solche Nachzügler gibt es in fast jedem Entwicklungszyklus. Das Gros der Neuerungen haben die Entwickler aber wie immer im zwei Wochen langen Merge Window aufgenommen, das Torvalds bereits Ende September mit der Freigabe der ersten Vorabversion schloss. Das Kernel-Log kann daher schon jetzt einen Überblick über einige der größten Neuerungen der Anfang Dezember erwarteten Linux-Version 2.6.32 geben und widmet sich zum Auftakt der Kernel-Log-Mini-Serie "Was 2.6.32 bringt" den bedeutsamsten Änderungen rund um die Netzwerkunterstützung des Kernels; wichtige Neuerungen aus anderen Funktionsbereichen werden weitere Teile der Mini-Serie in den kommenden Wochen sein.

Im Treiber p54 haben die Entwickler die Unterstützung der Stromsparmechanismen wieder aktiviert. Um einen vermutlich von der Hardware verursachten Fehler zu umgehen, haben die Entwickler an anderer Stelle genau das Gegenteil gemacht und einige der Stromsparfunktionen im für Intels Wireless WiFi Link 4965AGN zuständigen Treiber iwl4965 deaktiviert. Die Entwickler wissen noch nicht, ob sie die Stromsparfunktionen je wieder werden aktivieren können. Die Kernel-Hacker verbesserten den Treiber für Intel-WLAN-Chips aber auch, denn anhand von Informationen durch pm_qos (Power Management Quality of Service) können diese nun automatisch entscheiden, wie tief sie die WLAN-Hardware schlafen legen.

Nach einigen Umbaumaßnahmen an den für zahlreiche neuere WLAN-Chips von Atheros zuständigen Treiber ath9k haben die Entwickler ihn um Unterstützung für die WLAN-Chips AR9287 erweitert; auch einige erste rudimentäre Teile zur Untersuchung des AR9271 fanden den Weg in den Kernel.

Der MAC80211-WLAN-Stack kann in Zukunft im Hintergrund nach WLAN-Netzwerken scannen, sodass eine Verbindung mit dem AccessPoint weiter Daten überträgt. Dan Williams, Hauptentwickler des NetworkManager, hebt diese für standortbezogene Dienste oder Roaming interessante Funktion in einem Blog-Eintrag hervor.

Neu dabei ist der Treiber wl1271 für den WLAN-Part der im Embedded-Bereich eingesetzen WiLink 6.0 Mobile Platform von Texas Instruments. Der Treiber b43 für WLAN-Chips von Broadcom kann nun auch mit den in einigen Notebooks oder im Embedded Bereich eingesetzten Low-Power-PHYs (LP-PHY) wie dem BCM4312 umgehen. Der vom Treiber p54pci beerbte Treiber prism54 soll nach den neuesten Planungen bei 2.6.34 aus dem Kernel fliegen.

Gerade noch rechtzeitig für den RC5 nahmen die Kernel-Hacker den Treiber vmxnet3 in den Hauptentwicklungszweig auf. Er versteht sich mit dem "vmxnet3 virtual ethernet NIC" – einem Netzwerkadapter, den einige Virtualisierungslösungen von VMware emulierten. Der Linux-Kernel 2.6.32 bietet zudem die Infrastruktur, um mit dem Programm ethtool die Firmware von Netzwerk-Chips zu aktualisieren ("flashen").

Der für neuere Realtek-Netzwerk-Hardware zuständige Treiber r8169 unterstützt nun auch den Chip RTL8168D. Das ist aber nur einer von vielen Netzwerktreibern, die um Unterstützung für neue Hardware erweitert wurden – Informationen zu solchen Änderungen liefern die Commits im Abschnitt "Die kleinen Perlen" am Ende des Artikels.

Der Treiber Btusb beherrscht jetzt USB-Autosuspend – bei Bluetooth-Chips, die kein Remote Wakeup unterstützen, muss man das Interfaces allerdings herunterfahren, damit die Stromsparmechanismen zum Zuge kommen. Neu dabei sind die Treiber btmrvl und btmrvl_sdio für Bluetooth-Chips von Marvell (Dokumentation). Zudem integrierten die Kernel-Entwickler mehre mISDN-Treiber:

  • avmfritz für AVM-PCI-Karten der Fritz!-Serie
  • netjet für NETJet-PCI-Karten von Traverse Technologies
  • mISDNinfineon für verschiedene ISDN-Chips von Siemens beziehungsweise Infineon
  • speedfax für den auf Speedfax+-Hardware eingesetzten ISAR-DSP-Chip von Siemens
  • w6692 für PCI-Karten mit Winbond W6692

Erstmals im Kernel enthalten ist ein von einem Pengutronix-Mitarbeiter eingebrachter Treiber für den CAN-Controller auf dem Atmel-Chip AT91SAM9263 (1, 2). Der maßgeblich von Oracle-Entwicklern eingebrachte Code zur Unterstützung des für Server-Cluster konzipierten Protokolls Reliable Datagram Sockets (RDS) unterstützt nun auch eine Übertragung via TCP.

Die Kernel-Hacker haben die Unterstützung für Wireless Extensions (WE) und Network Namespaces erheblich verbessert. Die (englischen) Überschriften einiger dieser und weiterer nicht ganz so wichtigen, aber keineswegs unbedeutenden Änderungen finden sich in der folgenden Liste. Die Einträge verlinken genau wie viele der Verweise im vorangegangenen Text auf den jeweiligen Commit im Webfrontend des für die Linux-Entwicklung eingesetzten Quellcodeverwaltungssystems. Dort liefern normalerweise der Commit-Kommentar und der Patch selbst zahlreiche weitere Informationen zur jeweiligen Änderung.

LAN
WLAN

Various other commits

Weitere Hintergründe und Informationen rund um die Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Ausgaben des Kernel-Log.(thl)

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  1. Funken
  2. Netzwerk
  3. Die kleinen Perlen
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