Kinder im Internet? Um Gottes willen! Der virtuelle Raum zwischen Porno-Page und Nazi-News ist doch kein Spielplatz für den Nachwuchs. Oder? Eltern, die so denken, sollten erst mal selbst ihre Hausaufgaben machen. Eine Bestandsaufnahme zum Potential des Netzes als Freizeitmedium für Kinder.
Allzu viele Cyberkids gibt es in Deutschland offenbar noch nicht. Die kargen Forschungsergebnisse über die 'Surfer unter 14' zeigen: Kinder im Grundschulalter sind die absolute Ausnahmeerscheinung im Netz. Elf- bis 13jährige trifft man etwas häufiger. Aber alles in allem dürfte die Reichweite von Internet und Online-Diensten in der Altersgruppe der 6- bis 13jährigen unter einem Prozent liegen (siehe Kasten '[#kasten1 Kids im Netz]').
Daß sich kaum junge Kinder im Netz tummeln, sollte nicht weiter verwundern. Denn bisher gibt es verhältnismäßig wenige Online-Angebote, die speziell auf diese Nutzergruppe zugeschnitten sind. Das Internet ist (noch) kein Kindermedium. Die proprietären Dienste halten sich zurück - allein AOL hat ein Angebot für Kinder, den Kids Club [[#lit1 1]]. Der jedoch wird offenbar nicht allzu eifrig besucht. Zumindest läßt das dürftige EMail-Aufkommen in den Diskussionsforen darauf schließen.
Im World Wide Web hingegen hat sich in den letzten Jahren einiges getan, so die Feststellung der Hamburger Pädagogin Birgit Bachmann. Sie beobachtet die 'Kinder-Szene' seit vielen Monaten und hat im Februar 1997 mit der Blinden Kuh die bislang einzige deutschsprachige Suchmaschine für kindgerechte WWW-Angebote ins Netz gehoben: 'Besonders einige hauptberuflich und/oder kommerziell geführte Angebote bieten inzwischen wirklich nette Kinder-Seiten, auf denen es Unterhaltung und Information gibt. Die Anzahl privater Kinder-Seiten ist ebenfalls gewachsen. Allerdings bestehen viele, bis auf einige wirklich außerordentliche Seiten, nur aus einer Sammlung von Surftips, die sich kaum voneinander unterscheiden - allenfalls durch das Background-Gif oder die Farbe.'
Dürftiger Content ist das eine Manko allzu vieler WWW-Sites für Kinder. Ein anderes ist, daß häufig Interaktionsmöglichkeiten fehlen. Auch multimediale Elemente - grafische Animationen und Sounds - sind Mangelware. Viele Webmaster überrumpeln die kleinen Surfer statt dessen mit ellenlangen Textstrecken. Dabei zeigen Studien aus den USA, daß Kinder ungern scrollen und allenfalls zwei Bildschirmseiten Text über sich ergehen lassen.
Zahlreiche Homepages für Kinder gehen auf die Initiative von Privatleuten zurück. Auch die Rundfunkanstalten sind sehr aktiv, ebenso größere Verlagshäuser wie Ravensburger, Cornelsen, Egmont Interactive und Langenscheidt. Auch kleinere privatwirtschaftlich organisierte Firmen interessieren sich vermehrt für den jungen Markt, Online-Agenturen beispielsweise, die sich mit dem Engagement für Kinder einen Namen machen wollen. Die Nürnberger Agentur Point Up ist solch ein Fall. Point Up ist seit Februar 1997 mit den Pixelkids im Netz, einem ausgesprochen liebevoll gestalteten Online-Spielplatz für Kids. 'Wir wollten mal etwas für Kinder machen, weil es da so wenig gab, und auch so ein bißchen 'was gegen dieses Image - das böse Internet - tun.' Für Rainer Wehner, Inhaber von Point Up, ist aber auch klar: Wirtschaftlich gesehen trägt sich das Ganze nicht. Werbung war zwar von Anfang an vorgesehen. Bislang ist die Resonanz aus der Wirtschaft jedoch kläglich.
Öffentlich-rechtliche Institutionen, Interessenvertretungen, Vereine und Verbände halten sich bedeckt, was kinderfreundliche Netzauftritte angeht. Die Politik klinkt sich (fast) völlig aus. Einziger Lichtblick: die Seite Politix des Bundesrates. Wichtige politische Begriffe und Prozesse werden hier erklärt. Die Macher der Seite haben sich um Interaktivität bemüht: Kinder und Jugendliche können sich via Mausklick eine standardisierte Rede zusammenbasteln oder testen, ob sie einen guten Politiker abgeben würden.
Sehr aktiv sind Umweltverbände und -vereine. So hat Greenpeace eine eigene Kinderseite mit aktuellen Meldungen zu Umweltthemen, zu den Greenteams, mit Online-Versionen der Greenpeace-Kinderbroschüren und einer Pinnwand, wo Kinder miteinander in Kontakt treten können. Auch der Emil-Grünbär-Club, eine Initiative der Hamburger Aktionsgemeinschaft Umwelt, Gesundheit und Ernährung (A.U.G.E.), leistet sich einen stattlichen Netzauftritt. Hier lösen Kids Umwelträtsel, mischen bei themenzentrierten Diskussionen mit, blättern im virtuellen Umweltlexikon oder holen sich Anregungen zum Basteln. Eine weitere regionale Kinder-Umweltgruppe mit einer hübschen Homepage: der Fritz-Kids-Club aus Bonn - im World Wide Web präsent mit Spielen, kindgerecht aufbereiteten Umwelt-Infos, Brieffreundeforum und einem Online-Flohmarkt.
Kinder und Jugendliche schätzen an Online-Medien offenbar ganz besonders die Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten. Ein eindrucksvoller Beleg dafür ist das Kindernetz. Dieses Komplettangebot des Südwest-Rundfunks (SWR) wurde auf der CeBIT 97 vorgestellt. Zwei Tage nach der Online-Geburt konnte der SWR bereits 9000 EMails verbuchen.
Was macht das Kindernetz so attraktiv? Vor allem wohl die Möglichkeit für die Kids und Jugendlichen, sich über ein einfaches Eingabe-Tool eine - wenn auch formal sehr eingeschränkte - virtuelle Heimstatt einzurichten. Dort erzählen sie von ihren Hobbys. Eine Suchmaschine ermöglicht es dem Cyber-Nachwuchs, andere Kinder mit ähnlichen Interessen ausfindig zu machen. Außerdem bietet das Kindernetz unter anderem ein offenes Web-Forum, zwei themenzentrierte Diskussionsgruppen sowie einen Chat.
Die Online-Redaktion des SWR wurde von der starken Resonanz völlig überrascht: Anfang September dieses Jahres hatten rund 6100 Kinder und Jugendliche eine eigene kleine Homepage im Kindernetz. Insgesamt kommt das SWR-Angebot derzeit auf knapp 200 000 Pageviews im Monat.
Das Durchschnittsalter liegt bei 13 Jahren. Immerhin jedes fünfte Kind aber ist zwischen sieben und neun, fast die Hälfte zwischen zehn und zwölf Jahren alt. Jungen und Mädchen sind gleich stark vertreten.
Mittlerweile hat das Kindernetz ernstzunehmende Konkurrenz bekommen. Auch Fun Online setzt stark auf Partizipation. Ins Leben gerufen hat dieses Angebot Egmont Interactive, ein Schwesterunternehmen des Ehapa Verlages (stark mit Comics im Markt vertreten wie Mickey Mouse, Asterix und Lucky Luke). Ursprünglich war Fun Online als proprietärer Dienst und Provider für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre geplant, ist seit Mitte Mai aber mit einem umfangreichen Angebot frei zugänglich im World Wide Web vertreten.
Die Idee eines kostenpflichtigen Content-Providers, exklusiv für Kids, hat man schnell aufgegeben. 'Es fehlt einfach die Bereitschaft, für Online-Inhalte zusätzlich Geld auszugeben', so Marion Egenberger, Marketing-Beauftragte von Fun Online. Am Ende kam man auf ganze 3000 Mitgliedsanträge für den proprietären Dienst.
Seit Fun Online aber frei zugänglich ist, stürmen die jungen Surfer diese virtuelle Bastion. Bis Anfang September hatten sich rund 10 000 Kinder und Jugendliche bei Fun Online angemeldet. Denn das ist der Clou bei diesem Angebot: Wenn Kinder die einfache Anmeldeprozedur durchlaufen, können sie sich einen exklusiven Alias reservieren, der sie gegenüber anderen Fun Onlinern ausweist. Jeder angemeldete Nutzer bekommt eine virtuelle Visitenkarte, ein Postfach für den Briefverkehr innerhalb der Community sowie ein persönliches Gästebuch. Zwei Drittel der registrierten Fun Onliner sind zwischen zehn und 14 Jahre alt. Wie beim Kindernetz halten sich Zahlen von Jungen und Mädchen in etwa die Waage.
Alle Nutzer, die gerade online sind, stehen auf einer Buddy-Liste und können angemailt und beispielsweise zum Chat eingeladen werden. Nachmittags betreuen 15 Studenten (Scouts) diese Web-Chats; sie sollen die Diskussion in Gang bringen und rüpelhafte Chatter rüffeln.
Java-Chats für Kids gibt es auch andernorts im Internet: Im Schülernet des Langenscheidt-Verlages, im Schulweb und beim Kindernetz. Wer sich mit der Technik ein bißchen auskennt, kann sich auch direkt auf den IRC-Servern von Kidsworld einloggen, einer gemeinnützigen Organisation in den USA. Erwachsene dürfen die Server nur zum Ausprobieren 'betreten'. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Kidsworld machen Stichproben, um unliebsame Gäste fernzuhalten. Im Schnitt sind gleichzeitig 50 Kinder aus allen Erdteilen auf den sechs Kidsworld-Servern eingeloggt.
Computer-Cracks unter den 'Knirpsen' können sich sogar - Englischkenntnisse vorausgesetzt - in einem eigens für sie konzipierten MUD (Multi User Dungeon) tummeln: MOOSE Crossing, eine virtuelle Erlebniswelt aus Wörtern, wurde von Amy Susan Bruckman am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt, dem amerikanischen Mekka der Multimedia-Forschung. MOOSE Crossing bezieht Kinder von vornherein in die Gestaltung der Online-Welt ein. Anders als in traditionellen MUDs brauchen die Nachwuchssurfer nicht erst den Status eines Magiers zu erreichen, um mit Hilfe einer einfachen Programmiersprache beispielsweise virtuelle Haustiere schaffen zu können oder gar ganze Räume und Teilwelten. Bis Anfang September 1998 hatten sich rund 300 Kinder bis 14 Jahre bei MOOSE Crossing angemeldet.
Da aber gerade jüngere Kinder über unzureichende Lese- und Schreibkenntnisse verfügen, dürften sie an Angeboten wie MOOSE Crossing wenig Gefallen finden. Um dieser Zielgruppe den Zugang zur Online-Welt zu verschaffen, hat Austina De Bonte - ebenfalls am MIT - das erste frei zugängliche visuelle MUD für Kids entwickelt: Pet Park. Die kleinen Bewohner des Tierparks im Cyberspace können sich in einer grafischen Bibliothek Muster für Comicfiguren und Einrichtungsgegenstände aussuchen, ihre Eigenschaften variieren, gar kleine Animationen generieren, sie dann irgendwo im Pet Park plazieren und so den virtuellen Kinderspielplatz mit Leben füllen.
Wie MOOSE Crossing wird auch Pet Park von der Idee getragen, daß Kinder bei der netzgestützten Echtzeitbegegnung mit Gleichaltrigen aus der ganzen Welt grundlegende Programmierkenntnisse und gleichzeitig soziale Kompetenz erwerben. Pet Park besteht allerdings zur Zeit nur als Prototyp und wurde nach einer mehrmonatigen Testphase Ende Mai zunächst aus dem Netz genommen. Wann und ob der Park überhaupt wiedereröffnet wird, ist noch unklar.
Das Software-Konzept, das hinter Pet Park steht, dürfte jedoch richtungsweisend sein für künftige visuelle Begegnungszentren im Netz, die sich an Kinder richten. Die Kids navigieren innerhalb der 2D-Welt anhand einfacher Buttons. Vor dem ersten Ausflug in den Park installieren sie ein Softwarepaket auf ihrem Rechner, wodurch sich die Ladezeiten in erträglichen Grenzen halten. Das wiederum ist eine Grundvoraussetzung bei der Gestaltung von Online-Multimedia-Präsentationen für Kinder. Wie amerikanische Studien zeigen, sind Kids nämlich ausgesprochen intolerant, was lange Wartezeiten angeht.
Ähnlich ambitionierte Projekte wie MOOSE Crossing oder Pet Park fehlen leider in Deutschland noch. Die Bielefelder Agentur Visart arbeitet zwar schon seit Anfang letzten Jahres an einer VRML-Welt für Kinder und Jugendliche: 3DimenCity. Im World Wide Web sind bislang jedoch erst einige Visualisierungen zu besichtigen. Für den Abschluß des Projektes fehlen bislang Sponsoren.
Es muß nicht immer Echtzeit sein. Das Internet bietet Kindern auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, zeitversetzt miteinander zu kommunizieren. Da wäre vor allem natürlich die EMail. Daß schon Kids im Grundschulalter dieses Medium zum privaten Gedankenaustausch eifrig nutzen, dafür mag der Ansturm auf die vielen Brieffreunde-Foren im Netz als Beleg gelten. Beispiele: der Mailwürmchen-Treffpunkt auf der Kinder-Homepage zur EXPO 2000 und das Web-Forum Kinderpost der Pädagogin Birgit Bachmann. Letztere bietet Kindern nicht nur die Möglichkeit, Brieffreunde zu suchen, sondern über ihre Web-Seite auch direkt in den Dialog mit anderen zu treten. Mitte April hat Bachmann auch eine waschechte Mailingliste für Kinder ins Leben gerufen - eine der ersten deutschsprachigen Diskussionsgruppen dieser Art überhaupt. Moderiert wird die Liste von Bachmann selbst und einem befreundeten Journalisten. Bis Anfang September hatten sich über 60 Teilnehmer bei der Kinderpost-Mailingliste eingeschrieben.
Es gibt nichts, was es nicht gibt im Internet - wer weiß, wie er zu suchen hat, findet Informationen zu allen erdenklichen Wissensgebieten. Speziell für Kinder aufbereitete 'Wissens-Seiten' gibt es jedoch nur wenige - zumindest in deutscher Sprache. Kids, die Englisch verstehen, haben es besser. Sie können sich beispielsweise von der NASA durch die Sternenwelt führen lassen. Die amerikanische Raumfahrtbehörde hat gleich zwei umfassende Informations- und Spielangebote im Netz.
In Deutschland tut sich neben anderen der Dettmer Verlag hervor, der Kinder zu einem Rundgang durch den Computer einlädt. Die Kids lernen so die Funktionsweise einzelner Rechnerbauteile kennen. Der Tessloff-Verlag stellt einige Bücher aus der 'Was ist Was?'-Reihe vor und vermittelt dort kindgerecht Allgemeinwissen. Auf Thoddy's Wolf Web Site, einer privaten Homepage, stellt der Grafiker Thorsten Hardel wissenswerte Informationen über Wölfe zusammen - alles in sehr einfacher Sprache und illustriert durch professionelle Cartoon-Zeichnungen. Bei den Pixelkids schließlich können sich Kinder in die Grundzüge der HTML-Programmierung einarbeiten.
Was die aktuelle und zeitlose Berichterstattung angeht, so hat sich das Internet mittlerweile zu einem ernstzunehmenden Medium auch für Kinder gemausert. Auf immer mehr Homepages können sich die Kids mit professionell aufgearbeiteten Informationen versorgen, auch wenn sich das Angebot im Vergleich zum englischsprachigen Teil des Internet bescheiden ausnimmt.
Eines der ambitioniertesten Projekte ist die Online-Zeitung 'sowieso'. Herausgegeben wird sie von einer kleinen Berliner Agentur. Drei Redakteurinnen bereiten hier Informationen aus verschiedenen Berichterstattungsgebieten auf, aufgeteilt in klassische Ressorts. Hier finden sich Nachrichten aus dem In- und dem Ausland, Hintergrundreportagen, Kurioses und Sportmeldungen. In der Rubrik 'Du bist gefragt' wird ein aktuelles Thema zur Diskussion gestellt, zu dem jeder online einen Kommentar abgeben kann. Und im Archiv findet der Nachwuchs Erklärungen zu 'Fachbegriffen' aus der Erwachsenenwelt.
Eher einem bunten Unterhaltungsmagazin gleichen die teilweise täglich aktualisierten Info-Angebote bei Fun Online. Hier geht's vor allem um Trend-Themen wie Skating, Graffiti oder um (fast) aller Kinder Liebling - den Dino. Selbst ein tagesaktuelles Horoskop finden die Kids bei Fun Online und den Foto-Fortsetzungsroman 'Stray Kids'.
Bei den Info-Magazinen tut sich besonders GEO Lino hervor, die Online-Version des gleichnamigen Kindermagazins aus dem Gruner & Jahr Verlag. Das GEO-Baby erscheint - online und gedruckt - alle zwei Monate. Es gleicht von der Themenstruktur seinem erwachsenen Pendant. Reportagen aus verschiedenen Wissensgebieten werden mit Links versehen, die zu themenverwandten Seiten führen. GEO Lino geizt auch nicht mit Spiel-Elementen. So zierte die Ausgabe 1/98 eine ausgesprochen amüsante Anleitung: Wie bastele ich mir aus Hühnerknochen ein Dinosaurier-Skelett?
Tagesaktuelle Meldungen gibt es auf der Homepage von Lilipuz, dem KinderhörfunkProgramm des Westdeutschen Rundfunks. Wochentags bereitet die Kinderhörfunk-Redaktion des Kölner Senders Nachrichtenagentur-Meldungen in kindgerechter Sprache auf. Die Texte werden aus den Sendemanuskripten übernommen und auf die Homepage gestellt.
Auch YPS, das Urgestein der deutschen Jugendzeitschriften-Landschaft, leistet sich einen Netzauftritt - allerdings mit wenigen Inhalten aus der Print-Ausgabe. Das Service-Angebot für Kids und Teens jedoch ist einmalig: Im YPS-'Extrablatt' bieten Kids Monchichis, Gameboy-Spiele und Überraschungseier-Figuren feil.
Unter Service-Gesichtspunkten bietet das Internet jedoch insgesamt noch nicht sehr viele Sites, die gezielt Kinder ansprechen. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel: Da wären das tägliche Kinder-Fernsehprogramm von TV Today zu nennen oder die regionalen Ausflugstips beim WDR (Lilipuz) und auf den Pänz Pages der Agentur Köln Digital.
Im World Wide Web wird nur geklickt, die Bilderflut in Digitalien verzieht die Kids von heute zu illiteraten Datenknechten - so die Befürchtung der einen. Internet-Visionäre hingegen schwärmen von der weltumspannenden Mega-Bibliothek. In aller Nüchternheit bleibt für den deutschen Teil des WWW festzustellen: Im Cyberspace ist durchaus Platz für Lesekultur. Kinder finden hier zahlreiche Geschichten, Gedichte und sogar ganze Bücher, die speziell für sie gemacht sind. Die wenigsten haben hingegen Prädikate wie 'multimedial' oder 'interaktiv' verdient: Grafik ist nicht selten Mangelware, Textseiten sind ellenlang, Sound- und Video-Dateien so gut wie nicht vorhanden.
Eine der wenigen wirklich multimedialen Geschichten für Kinder ist - kurioserweise - beim Fremdsprachen-Institut der Virginia Commonwealth University nachzulesen: die Streiche von Max und Moritz. Die Seite ist mit Originalzeichnungen aus den Wilhelm-Busch-Büchern illustriert, und die Kids können sich einzelne Verse vorlesen lassen.
Die Märchenseite der Grafik-Designerin Ika Bremer besticht durch den Interaktionslevel und die Grafik. Sie erzählt niedliche Kurzgeschichten mit vielen Bildern und wenig Text. Eher was für ältere ist die Bibliothek der Märchen, die auf das studentische Gutenbergprojekt zurückgeht. In dem virtuellen Bücherschrank lagern mehrere hundert Geschichten bekannter Märchen- und Sagenerzähler. Allerdings ist diese Seite nicht speziell für Kinder gemacht, was sich in einer rudimentären grafischen Aufbereitung niederschlägt. Gleiches gilt für die Homepage der Karl May Stiftung. Hier lagern unter anderem zahlreiche Romane und Kurzgeschichten des Winnetou-Erfinders im Volltext.
Zum einen gibt es also jede Menge Lesestoff im Internet selbst. Andererseits stolpert man an allen Ecken und Enden des Netzes über Buchbesprechungen zur Kinderliteratur. Allerdings stehen solche Hinweise nicht selten auf Verlagsseiten oder auf persönlichen Homepages der Autoren, sind somit also eher vom Verkaufsgedanken getragen. Zwei unabhängige Empfehlungslisten von beeindruckendem Umfang - und zudem in kindgerechter Sprache - sind bei Lilipuz und beim Kinderkurier (KiKu) beheimatet. Der Kinderkurier ist eine Beilage für die jüngsten Leser der Österreichischen Zeitung Kurier und hat auch ein bescheidenes Internet-Angebot auf die Beine gestellt. Bei Lilipuz und KiKu können Kids die Datenbank mit Hilfe einer Suchmaschine nach ihrem Lieblingsautor oder einem bestimmten Buchtitel durchforsten. Die Bücherwurm-Seite des Kinderkuriers bietet zudem eine alphabetische Liste mit rund 260 Einträgen. Bei Lilipuz sind die knapp 90 Kinderbuchtitel in Rubriken aufgeteilt.
Auf zahllosen privat und professionell betriebenen Sites haben Kinder Gelegenheit, sich mit ihrer Kreativität ins Medium einzubringen. Bei den Pixelkids können sie Lügengeschichten erfinden, auf dem Märchenbasar des NRW-Bildungsservers Märchen veröffentlichen und beim Netzmatz Kurzgeschichten, Witze und Filzstift-Kreationen ins Netz stellen. Eine der umfangreichsten Online-Galerien mit Kinderbildern ist die Global Children's Art Gallery (leider in englischer Sprache).
Meistens stößt das Angebot, Texte zu schreiben oder Bilder zu malen und im WWW zu veröffentlichen, auf nur mäßige Resonanz. Eine der wenigen Ausnahmen ist das SWR-Kindernetz, wo Kids an einem interaktiven Hörspiel schreiben. Dort können auch Töne eingebunden werden, doch kein einziges Kind hat diese Möglichkeit bis dato genutzt.
Der nächste Schritt zur Online-Präsenz - die eigene Homepage, die Kinder über den Account von Mama oder Papa laufen lassen oder bei Geocities beantragen können: Der amerikanische Internet-Serviceanbieter stellt jedem Kind im GeoKidz Club kostenlos 2 MByte für das eigene virtuelle Zuhause bereit.
Kinder, die im Internet vor allem spielen wollen, werden schnell fündig. Simple Shockwave-Spiele bieten Fun Online und die Kinderhomepage zur Expo 2000. Die meisten dieser Programme verlieren jedoch schnell ihren Reiz, da ihnen die Möglichkeit fehlt, sich mit anderen Spielern via Datenhighway zu messen. Mehr Interaktion mit leibhaftigen Kontrahenten versprechen Netzwerk-Games wie Strategiespiele Warcraft oder Duke Nukem - Programme, die zunächst auf dem lokalen Rechner installiert und dann mit dem Internet verbunden werden. Solche Spiele sind für Kinder und Jugendliche von besonderem Reiz, schreiben die Medienpädagogen Wolfgang Fehr und Dr. Jürgen Fritz in der Fachzeitschrift GMK-Rundbrief [[#lit4 4]]: 'Nach den bisher vorliegenden Untersuchungsergebnissen steigert sich in der Regel die Faszinationskraft des Spiels. Der menschliche Gegner ist allemal reizvoller als der Computer.'
Aus dem Internet lassen sich Spielprogramme auch herunterladen - viele Hersteller und Versender bieten Demoversionen ihrer Produkte an. So kommen Kinder mitunter auch an Programme, die für ihr Alter nicht geeignet sind - unter dem Gesichtspunkt des Jugendschutzes eine bedenkliche Tatsache.
Das Internet als Freizeitmedium für Kinder befindet sich heute am Anfang seiner Konsolidierungsphase. Die kritische Masse an kindgerechten Angeboten, die erste Trendaussagen ermöglichen, ist gerade erreicht. Vor allem läßt sich eines festhalten: Betreiber von Sites, die den Kids viel Leseleistung abverlangen und wenig Interaktionsmöglichkeiten bieten, sollten nicht mit vielen Pageviews rechnen. Bessere Chancen haben erlebnisorientierte Angebote wie das SWR-Kindernetz oder Fun Online (pen)
[1] Dr. Thomas J. Schult, Hits für Kids, Kinder und Computer - eine verhängnisvolle Affäre?, c't 11/97, S. 154
[2] Annika Granholm, Björn Schumacher, Kenneth Andersson, Kalle surft im Internet, Ravensburg 1997
[3] Francis Moss, Ted Pedersen, Internet for Kids! Ein Ratgeber für Kinder, Eltern und Lehrer, Hamburg 1997 (Xenios)
[4] Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur: GMK-Rundbrief: Netzwärts - Multimedia und Internet, Neue Perspektiven für Kinder und Jugendliche. Bielefeld 1997. (direkt zu beziehen bei der GMK: Körnerstr. 3, 33602 Bielefeld)
[5] Harald G. Grieser, Christine McCready, Lernorte im Internet, Hilfreiche Adressen für Schule und Unterricht, Mühlheim an der Ruhr 1996
[6] Seymour Papert, Die vernetzte Familie, Stuttgart 1998 (Kreuz-Verlag)
[7] Michael Schmidtbauer, Paul Löhr, Internet-Kompetenz für Kinder, in: TelevIZIon 1/1998, S. 4 ff.
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Die Markt- und Medienforschung hat Netizen unter 14 Jahren bislang geflissentlich ignoriert. Abgesicherte Angaben über die Reichweite von Online-Medien bei Kindern sind also kaum möglich. Noch schwieriger gestalten sich Aussagen über Nutzungsprofile in der Altersgruppe der 6- bis 13jährigen. Aber immerhin - einige spärliche Daten liegen vor:
Die Kids-Verbraucheranalyse (KidsVA) 98 liefert für Deutschland Zahlen über die Internet-Verbreitung in privaten Haushalten. Danach nutzten Anfang 1998 weniger als ein Prozent aller Kinder zwischen sechs und 13 Jahren das Internet oder Online-Dienste am eigenen PC oder dem der Eltern oder Geschwister. Von den 6- bis 10jährigen sind nur knapp 0,3 Prozent online, bei den 11- bis 13jährigen immerhin zwei von hundert. Das entspricht rund 60 000 Cyberkids zwischen sechs und 13 Jahren, die vom heimischen Computer aus Trips in die Online-Welt unternehmen.
Daß die wenigsten Kinder zu Hause die Möglichkeit haben, Online-Medien zu nutzen, ist logisch. Schließlich wird das Internet in Deutschland vor allem zu beruflichen Zwecken eingesetzt. Das zeigen die wenigen bislang durchgeführten Repräsentativ-Erhebungen wie die ARD-Online-Studie von Anfang 1997. Von den Privatnutzern aber wohnt nur etwas mehr als ein Viertel in Haushalten mit Kindern unter 14 Jahren. Das ermittelte die jüngst veröffentlichte 'Typologie der Wünsche Intermedia 98/99', eine repräsentative Befragung von Bundesbürgern ab 14 Jahren in Privathaushalten (Burda-Medien-Forschung).
Über das Nutzungsverhalten der Internet-Kids ist so gut wie nichts bekannt. Repräsentative Studien gibt es nicht. Im Rahmen einer Diplomarbeit führte der Autor im Sommer dieses Jahres eine Online-Umfrage durch, die ein wenig Licht auf die Nutzungsgewohnheiten der 6- bis 13jährigen werfen sollte. Die Studie 'Kinder im Netz' ist allerdings mit all den für Online-Umfragen typischen methodischen Mängeln behaftet. Vor allem ist sie nicht repräsentativ, und Aussagen darüber, ob tatsächlich nur Kinder den Fragebogen ausgefüllt haben, sind ebenfalls nicht möglich. Insgesamt kamen rund 300 Web-Fragebögen ausgefüllt zurück. Die Aktion dauerte gut zwei Monate (weitere Informationen unter http://pweb.uunet.de/pr-gehle.do/kinder/).
Fast zwei Drittel der Kinder, die sich beteiligt haben, waren zwischen elf und 13 Jahren alt - indirekt eine Bestätigung der Ergebnisse aus der KidsVA 98: Grundschüler sind im Netz kaum anzutreffen. Von männlicher Dominanz ist bei den Online-Youngsters keine Spur zu bemerken: Drei von fünf Kindern, die bei der Fragebogen-Aktion mitgemacht haben, sind Mädchen. Und tendenziell nutzen Mädchen mit Online-Erfahrung das Internet auch intensiver als Jungs.
Häufigster Ausgangspunkt für Cyber-Trips ist der heimische PC: Die Hälfte der Kinder geht meistens von zu Hause aus online, nur knapp ein Drittel in der Schule. Immerhin ein Viertel ist fast jeden Tag im Internet, jeweils knapp ein Drittel ein- bis zweimal pro Woche oder seltener.
Die Kinder sollten angeben, welche Online-Inhalte sie schon einmal abgerufen und welche Dienste sie ausprobiert haben. Fotos, Grafiken und Videos belegen mit einem Bekanntheitsgrad von rund 80 Prozent Platz eins der Rangliste, gefolgt von der elektronischen Post mit knapp zwei Dritteln. Rund 60 Prozent der Kinder haben sich bereits Tondateien oder Musik im Internet angehört, etwas mehr als die Hälfte online Geschichten oder aktuelle Nachrichten gelesen. Weniger als jedes zweite Kind ist Chat-erprobt, lediglich zwei von fünf kennen Online-Spiele, und immerhin knapp 30 Prozent haben eigene Bilder oder Texte im Netz veröffentlicht.
Danach gefragt, wie Kindern die ihnen bekannten Online-Anwendungen gefallen, stellte sich heraus: Die kommunikativen Dienste EMail und Chat kommen besonders gut an. Dies wiederum läßt darauf schließen, daß das Internet von den 6- bis 13jährigen vor allem als Konversationsmedium geschätzt wird. Dies würde auch den großen Erfolg von Angeboten wie dem SWR-Kindernetz und Fun Online erklären. Interaktive Spielwiesen, auf denen Kinder sich mit Gleichaltrigen treffen können, sind der Renner. Statischen und vor allem textlastigen Angeboten dürfte nur wenig Erfolg beschieden sein.
[#anfang Seitenanfang]
| Online-Angebote für Kinder | |
| Meinungsaustausch | |
| Fun Online | Nachrichtenbretter, Java-Chat, Links |
| Kids World | Java-Chat (englisch) |
| Kinderpost | Kontakte, moderierte Mailingliste |
| Kindernetz des SWR | themenzentrierte Kinder-Foren, Java-Chat |
| Langenscheidt-Schülernet | Java-Chat, Links, Tips |
| Mailwürmchen (http://www.expo2000.de/ deutsch/kinderexpo/) |
EXPO 2000 für Kids |
| MOOSE Crossing | virtuelle Erlebniswelt (englisch) |
| [news:schule.schueler.forum Newsgroup schule.schueler.forum] | |
| [news:schule.schueler.schwatz Newsgroup schule.schueler.schwatz] | |
| [news:schule.schueler.kontakte Newsgroup schule.schueler.kontakte] | |
| [news:alt.kids-talk Newsgroup alt.kids-talk] | englischsprachige Newsgroup |
| Pet Park | virtuelle Erlebniswelt (englisch) |
| Schulweb | Java-Chat |
| Suchmaschinen und Links | |
| Blinde Kuh | Suchmaschine |
| Cyber-Zwerge (http://members.aol.com/ cyberzwerg/index.htm) |
Webring, Links |
| Kinderinfo | Link-Liste |
| Kinder-Seiten | Link-Liste |
| yahooligans | Suchmaschine (englisch) |
| Organisationen, Institutionen, Interessensverbände | |
| Emil Grünbar | Kontakte, Infos, Spiele, Umwelt-Lexikon |
| Fritz-Kids-Club | Kontakte, Infos, Spiele |
| Greenpeace | Umweltmeldungen, Unterhaltung, Greenteams |
| Jugend forscht | Infos zum Wettbewerb, Chat |
| Mediapark | Medientips |
| Politix | Informationen zum Bundesrat |
| Terre des Hommes | Geschichten, Infos, Tips |
| Unicef | Diskussionen, Infos, Spiele (englisch) |
| Scoutnet | Pfadfinder-Infos, Tips, Chat |
| Wissen | |
| Bauernhof-Net | Landwirtschaft zum 'Anfassen' |
| Computer-Kurs | Computergrundlagen |
| Just for Kids (http://lsda.jsc.nasa.gov/ just_for_kids.html) |
Astronomie (englisch) |
| Lernsoftware | Datenbank für Lernsoftware |
| JOJO's Spaziergang | Computergrundlagen durch den Computer |
| Pixelkids | HTML-Kurs, Tips, Kontakte, Geschichten |
| Star Child | Astronomie (englisch) |
| Tessloff Verlag | Sachbücher |
| Thoddy's Wolf-Site | Alles über Wölfe |
| Service und aktuelle Informationen | |
| DrMathe | Schulaufgabenhilfe |
| Familie & Co (Familienzeitschrift) | Familien-Magazin |
| GEO Lino | Online-Wissenschaftsmagazin |
| Kinderkanal | TV-Programm |
| Kinderkurier | Kinderkultur, Geschichten |
| LILIPUZ (WDR) | Kindernachrichten, Programmtips |
| Referate Fundus | Referatesammlung |
| Sowieso | Online-Kindermagazin |
| Pänz Pages (http://www.koeln-digital.de/ paenz/index.htm) |
Kinderinfos für Köln |
| Time magazine for Kids | Online-Kindermagazine (englisch) |
| TV-Today | TV-Tips für Kinder |
| YPS | Tauschbörse |
| Hobbies und Spiele | |
| 3DimenCity (http://www.visart.de/3dimen/index.html) |
virtuelle Erlebniswelt |
| Chilias | Mitmachseite |
| Danielle's Seite für Kinder | Spiele, Naturkunde |
| Game Zone | Spiele-Datenbank |
| GeoKidz Club | kostenlose Kinder-Homepages (englisch) |
| Global Children's Art Gallery | Bildergalerie |
| Netzmatz | Mitmachseite |
| Ravensburger | Spiele, Geschichten, Internet-Enzyklopädie |
| Tina's Kinderwelt | Spiele, Basteln |
| Multimedia-Geschichten | |
| 19th-Century German Stories | Multimediale Geschichten (deutsch, englisch) |
| Bibliothek der Märchen | Märchen, Sagen, Fabeln |
| Dr. Ali Gator | Bildergeschichte |
| Ika Bremers | Online-Märchen |
| Jutta Behling (http://ourworld.compuserve.com/ homepages/J_Behling/oz/index.htm) |
Der Zauberer von Oz |
| Karl May | Originaltexte |
| Martin Auer | Geschichtenmaschine |
| Der Märchenbasar | Märchen lesen und schreiben |
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