Leseprobe aus c't 5/13
Urs Mansmann
Kindersicher im Internet
Web-Inhalte im Heimnetz und auf dem Kinder-PC filtern
Ungeeignete Internet-Inhalte können Kinder nachhaltig verstören. Ohne elterliche Aufsicht sollten sie daher niemals im Netz unterwegs sein. Kaum jemand hat aber Zeit und Muße, das Kind bei allen Ausflügen ins Internet zu beaufsichtigen – in diese Lücke stoßen Kinderschutzlösungen und versprechen sicheres Surfen für Kinder und Jugendliche. Bevor man ihnen sein Kind anvertraut, sollte man wissen, was sie zu leisten vermögen.
Schon in der Grundschule lernen die Schüler den Umgang mit dem Internet. Wo früher die Pädagogen den Blick ins Schulbuch oder den Gang in die Bibliothek in Auftrag gaben, heißt es heute an weiterführenden Schulen „Schaut das im Internet nach“. An die Stelle des Anrufs oder spontanen Besuchs sind Facebook und Skype getreten. Kindern den Zugang zum Internet zu verwehren, ist praktisch nicht mehr möglich.
Dieser und die weiteren Artikel des Schwerpunkts aus c't 5/13 sind zusammen jetzt auch als eBook "Kinder sicher im Netz" erhältlich.
Verantwortungsbewusste Eltern müssen die Aufgabe lösen, ihren Kindern zwar Zugriff auf das Material für Referate zu verschaffen, aber gleichzeitig Gewaltdarstellungen, Hasspredigten oder Pornografie von ihnen fernzuhalten. Hier versprechen die Hersteller von Filterprogrammen Hilfe. Mit ihren Programmen, so suggerieren sie, kann man Kinder unbesorgt im Internet surfen lassen. Schmutz und Schund sollen im Filter hängenbleiben. In der Praxis kann kein Hersteller dieses Versprechen wirklich erfüllen. Der Filter gehört für Kinder dennoch zum Surfen wie der Helm zum Radfahren.
Wir haben providerunabhängig erhältliche Programme für Windows und Mac OS X zur Absicherung eines Kinder-PC einem Praxistest unterzogen und mit einer Reihe von teils heiklen Seiten konfrontiert. Anwendungen für mobile Geräte finden Sie ab Seite 114 in c't 5/2013. Alle hier getesteten Programme lassen sich zumindest eine Woche lang kostenlos ausprobieren. Für den Test wählten wir nicht nur Seiten, die eindeutig der hellen oder der dunklen Seite zuzuordnen sind. Kinderseiten sind eindeutig hell, diese sollte jeder Filter passieren lassen. Dunkle Seiten wie Pornos oder Nazipropaganda gehören unbedingt gesperrt. Daneben gibt es noch eine Gruppe grauer Seiten, etwa Videonetzwerke, Auftritte von Firmen und Behörden, Aufklärungs- und Nachrichtenseiten, die je nach Alter des Kindes zu- oder abträglich sein können.
Deutliche Unterschiede
Bei Programmen, die Feineinstellungen ermöglichen, haben wir zwei Testdurchläufe gemacht; einen mit den Vorgaben für ein Kind von neun bis zehn Jahren, einen für einen Teenager von 15 bis 16. Dabei zeigten sich teilweise deutliche Unterschiede beim Filtern, und das ist auch gut so. Aufklärungsseiten über Sexualität oder Drogenmissbrauch beispielsweise sind für Jugendliche durchaus zuträglich, Kinder hingegen sollten solche Inhalte besser nicht zu Gesicht bekommen. Grundsätzlich ist es vorzuziehen, wenn ein Programm beim Filtern eher zu gründlich als zu nachlässig zu Werke geht.
Das Ziel ist indessen nicht ganz einfach zu erreichen. Nirgendwo gibt es eine Stelle, die Webinhalte schnell, zutreffend und verlässlich kategorisiert. Alle bisherigen Anläufe, ein Labelsystem für die Altersfreigabe einzuführen und zum Standard zu machen, scheiterten. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hält zwar mit der Kennzeichnung per age-de.xml an dem Modell fest, praktikabel ist es allerdings nicht [1]. Ein grundsätzliches Problem besteht darin, dass Selbstdeklarationen von Seitenbetreibern oft fehlerhaft sind.
Die Anbieter von Filterprogrammen müssen erheblichen Aufwand betreiben, um die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen zu befördern. Eigentlich müssten sie jede Seite einzeln ansehen – eine Sisyphusarbeit, denn ständig kommen neue hinzu und werden bestehende geändert. Bis 2012 hat keines der Programme die strengen Qualitätskriterien der KJM erfüllt. Im vergangenen Jahr hat die Kommission ihre Anforderungen gelockert, sodass die Filter von JusProg und T-Online nunmehr von der KJM anerkannt sind, allerdings ohne das sich die Qualität der Programme grundlegend gebessert hätte.
Hat man gute und böse Seiten aufgelistet, kommt die Frage, wie man damit umgeht. Die sichere Variante ist ein Whitelist-Filter wie FragFINN. Der lässt nur durch, was vorher als unbedenklich klassifiziert wurde. Das führt allerdings dazu, dass sehr viele Seiten gesperrt bleiben, auch wenn sie durchaus für Kinder geeignet sind. Die Sicherheit hat also den Preis, dass Eltern ständig nachbessern und weitere Seiten in die Liste aufnehmen müssen. Für kleine Kinder, die ohnehin nur von den Eltern handverlesene Inhalte zu sehen bekommen, ist solch ein Filter als zusätzliche Sicherungseinrichtung erste Wahl.
Für Jugendliche, die beispielsweise auch einmal nachschauen wollen, wie man ein Kondom richtig handhabt, ohne ihre Eltern um Freigabe der betreffenden Seite bitten zu müssen, scheidet eine solche Whitelist-Lösung aus. Hier setzen alle Programme auf Blacklists, also die Identifizierung und Sperre böser Seiten. Was nicht kategorisiert ist, schlüpft durch den Filter. Naturgemäß ist die Trefferquote hier deutlich schlechter als bei Whitelist-Filtern, dafür ist die Rate der falsch-positiven, also der zu Unrecht gesperrten Websites, viel niedriger. ...
(uma)
Kinder sicher im Netz
Artikel zum Thema finden Sie in c't 5/2013
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 5/2013.








