Foto-affine Hersteller orientieren sich eher an der amerikanischen PMA als an der CeBIT und präsentieren ihre Frühjahrs-Neuheiten deshalb traditionell einige Wochen früher.
Der Trend geht bei den Kompakten auch in diesem Jahr zu immer kleineren und damit rauschfreudigeren Bildsensoren - Sony bringt bei der 12fach-Zoom-Kamera DSC-H5 und der kleinen Cyber-shot W70 inzwischen rekordverdächtige 7,2 Millionen Pixel auf einem 1/2,5"-CCD unter. Auch wenn die preiswerte Fertigung dieser Chips den Geldbeutel des hauptsächlich auf Megapixel-Zahlen schielenden Konsumenten schont, bedeutet dies eher einen Rückschritt in Sachen Bildqualität und kreativen Spielraums. Da helfen auch keine algorithmische Entrauschung und kein „ISO-Verwacklungsschutz“ - Letzteres ist bei näherer Betrachtung kaum mehr als eine Marketing-Phrase.
Vor den Mini-Sensoren schreckt auch Canon nicht zurück, so etwa bei der sonst recht innovativen Ixus 800 IS (6 MP, 500 Euro) mit einem voll versenkbaren, optisch stabilisierten 4fach-Zoom-Objektiv bis 140 KB-Millimeter. Das 2,5" messende und mit 173 000 Pixeln recht hochauflösende TFT-Display hat sie mit der Schwester Ixus 60 gemein, die als Ixus-55-Nachfolgerin mit 3fach-Zoom und einigen kleineren ergonomischen Verbesserungen für rund 350 Euro ab März im Handel ist.
50 Euro mehr werden ab Mitte April für die Ixus 65 fällig, die dafür mit einem üppigen 3"-Display mit gleicher Auflösung aufwartet, das im Wiedergabemodus das Foto und einen frei wählbaren Ausschnitt parallel anzeigt. Die 4-Wege-Wippe ist einem elektronischen Sensor gewichen, der wie beim iPod kreisende Fingerbewegungen in Scroll- und Menü-Manöver übersetzt.
Die PowerShot A420 und A430 sind die neuen Lowcost-Zoom-Modelle mit 4-MP-CCDs bei nur 1/3,1"-Diagonale. Die Auflösung der 1,8"-Displays von 77 000 Pixeln geriet dürftig, dafür kostet die tonlose A420 nur rund 150 und die A430 rund 170 Euro. Die PowerShot A530 und A540 gehen dagegen mit 4fach-Zoom-Objektiven und 5- beziehungsweise 6-MP-CCDs an den Start. Die A540 erlaubt sogar einige manuelle Einstellungen und bietet ein 2,5"-TFT, allerdings mit nur 85 000 Pixeln. Wer mehr will, dem bietet das neue 6-MP-Modell PowerShot A700 ein 6fach-Zoom bis 210 mm KB-Brennweite. Rund 350 Euro möchte Canon dafür erlösen.
Alle Ixus- und PowerShot-Kameras besitzen nun einen 16:9-Aufnahmemodus und zeichnen VGA-Videoclips mit 30 fps bis zu einer Dateigröße von 1 GByte am Stück auf. Alle Modelle bis auf die A420/A430 bieten jetzt die ISO-Stufe 800 an - angesichts der Winz-CCDs eine mutige Entscheidung. Das gilt auch für die 550 Euro teure S3 IS, das neue 12fach-Superzoom-Modell der PowerShot-Reihe. Gegenüber der Vorgängerin S2 IS löst sie jetzt 6 MP auf.
Aus einer Kooperation mit Olympus ist die Panasonic Lumix L1 entstanden, eine Four- Thirds-Spiegelreflex mit Leica-Objektiv und Bildstabilisator. Ihren Preis wird man erst auf der CeBIT erfahren.
Für eine gewisse Ernüchterung sorgte Canon bei den Spekulationen um die EOS 20D-Nachfolge mit der nur moderat „gereiften“ EOS 30D. Die digitale Spiegelreflexkamera behält den alten CMOS-Sensor mit 8,2 MP, die 5-fps-Serienbildrate und den 9-Punkt-Autofokus. Von der EOS 5D erbte sie das große 2,5"-Display mit 230 000 Pixeln und die PictureStyle-Funktionen für modellübergreifend vergleichbare Bildcharakteristiken. Die Startzeit wurde auf 0,15 s verkürzt, und der mechanische Verschluss soll jetzt mindestens 100 000 Auslösungen überstehen. Neu sind auch eine Spot-Messfunktion und die ISO-Einstellung bis 3200. Der Rest sind Detailänderungen, unter anderem bei den Individualeinstellungen. Die EOS 30D soll im März im Handel erhältlich sein und knapp 1400 Euro kosten - für das schlichte Kit-Objektiv EF-S 18-55mm werden 100 Euro Aufpreis fällig, und für das Set mit dem optisch stabilisierten EF-S 17-85 mm IS USM sind rund 1950 Euro anzusetzen.
Vollsortimenter Panasonic will auf der CeBIT die ultrakompakte Lumix DMC-FX01 mit Weitwinkel-Zoom (ab 28 mm KB, 6 MP) und die kleinste 10fach-Zoomkamera DMC-TZ1 (35 bis 350 mm KB, 5 MP) präsentieren. Beide Kameras besitzen wie bei Panasonic üblich eine optische Bildstabilisierung und ein hochauflösendes 2,5"-LCD mit 207 000 Pixeln.
Auch wenn die anderen großen Kamera-Hersteller der CeBIT nun fernbleiben, finden deren PMA-Neuheiten demnächst Einzug in die Regale der Händler. Mit den Coolpix L2 (6 MP, 250 Euro), L3 (5 MP, 210 Euro) und L4 (4 MP, 160 Euro) gibt es bei Nikon drei neue Kameras der Einsteigerserie, die mit 2"-Display, 3fach-Zoom und mit dem „gesichtserkennenden“ Autofokus sowie der Schattenaufhellungsfunktion D-Lighting ausgestattet sind.
In der „Performance“-Klasse bekommen die Modelle Coolpix P3 und P4 ebenfalls 2,5“-LCDs verpasst. Beide Modelle lösen Bilder mit 8,1 Megapixeln auf, ihr 3,5fach-Zoom ist jetzt auch mit einem optischen Bildstabilisator (Vibration Reduction, VR) versehen. Während die P4 rund 350 Euro kosten wird, bekommt man für 50 Euro mehr die P3 mit integriertem 802.11b/g-fähigem WLAN-Interface, das auch in der ultrakompakten S6 (450 Euro) zu finden ist.
Mit der E-330 bringt Olympus die weltweit erste System-Spiegelreflexkamera mit kontinuierlicher Livebild-Anzeige auf den Markt. Sie besitzt einen FourThirds-CMOS-Sensor mit 7,5 Megapixeln und das Gehäuseformat der älteren E-300. Hierbei wird das Sucherbild über ein spezielles Prismensystem nicht nur zum optischen Sucher, sondern auch auf einen zweiten Bildsensor geleitet, der etwa 92 Prozent des Sucher-Bildfeldes „live“ für das LC-Display bereitstellt. Der Kamera-Body soll 1000 Euro kosten.
Pentax schließlich führt mit der 400 Euro teuren Optio T10 ein neues Bedienkonzept in die Kompaktkamera-Klasse ein: Das 6-Megapixel-Modell besitzt statt Bedienknöpfen ein 3"-Touchscreen mit 232 000 Pixeln. Mit dem beigelegten Griffel kann man sogar einfache Bildbearbeitungsfunktionen ausführen und Skizzen anfertigen. Weitere Highlights bei Pentax sind die 350 Euro teure Optio A10 mit 8 Megapixeln und Bildstabilisator sowie die wasserdichte W10 (6 MP, 330 Euro).
(cm)
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