LinuxTag 2006

Wissen | Hintergrund

Mit einem prall gefüllten Vortragsprogramm und über 120 Ausstellern gibt der diesjährige LinuxTag einen guten Überblick über aktuelle Trends im Open-Source-Umfeld.

Ungewöhnlich früh findet dieses Jahr der LinuxTag statt: Statt wie üblich Ende Juni kommen Linux-Community, -Firmen und -Interessierte bereits vom 3. bis 6. Mai in den Rhein-Main-Hallen Wiesbaden zusammen. Grund für die Verschiebung ist natürlich die Fußball-Weltmeisterschaft. Wie üblich gibt es ein umfangreiches Vortragsprogramm und eine Ausstellung, in der sich über hundert Open-Source-Firmen und -Projekte präsentieren.

Der Eintritt beträgt an der Tageskasse 15 Euro für einen Tag plus jeweils 10 Euro pro Verlängerungstag. Die Fachbuchhandlung Lehmanns bietet die Eintrittskarten im Vorverkauf für fünf Euro plus Vorverkaufsgebühr an. Teile des Vortragsprogramms kosten zusätzlichen Eintritt.

Bereits im Vorfeld, am 2. Mai, findet das dritte Telephony Summit statt. Thema der beiden parallelen Vortragstracks sind unterschiedlichste Aspekte von VoIP und Telefonie mit Open-Source-Software. Eine prominente Rolle dabei spielt natürlich Asterisk, in der Ausstellung an Stand 935 zu finden. So wird Kevin P. Fleming von Digium Inc., der Firma hinter der Telefonie-Software, den aktuellen Stand er Entwicklung schildern und einen Ausblick auf die Zukunft geben. Der Preis für die Teilnahme beträgt 360 Euro, Schüler und Studenten zahlen ermäßigt 120 Euro.

Der erste Kongresstag (Mittwoch, 3. Mai) ist traditionell für den Business- und Behördenkongress reserviert. Hier wird beispielsweise das Linux-Client-Team der Stadt München über die Linux-Migration in der Landeshauptstadt berichten. Die meisten Vorträge beschäftigen sich mit Software für den Unternehmenseinsatz – von Samba bis zum Content Management System. Die Teilnahme kostet 200 Euro.

Die restlichen drei Tage gehören dem für jeden Besucher kostenlos zugänglichen freien Vortragsprogramm. Die drei Tracks am Donnerstag beschäftigen sich mit Sicherheit, Anwendungsentwicklung und dem OpenSUSE-Projekt. Die Vorträge am Freitag drehen sich um den Linux-Kernel (darunter eine Keynote von Kernel-Maintainer Andrew Morton), Content- und Dokumentenmanagement, die freien BSD-Systeme und OpenSolaris. Samstag stehen Virtualisierung und Cluster, gesellschaftliche und rechtliche Aspekte von Open Source sowie Multimediathemen auf dem Programm.

Parallel zum Vortragsprogramm will das ebenfalls kostenlose Practical Linux Forum praxistaugliche Lösungsansätze für häufige Fragestellungen vermitteln. Das Themenspekrum reicht vom Linux-Desktop über Datenbanken bis zur Softwareentwicklung. Wer es genauer wissen will: Ein- und zweitägige Tutorien beschäftigen sich in aller Tiefe mit Themen wie SELinux, Asterisk, IPv6 oder Netzwerküberwachung. Ein Tag Tutorial kostet 580 Euro, jeder weitere Tag 348 Euro.

Über hundert Firmen und Open-Source-Projekte präsentieren sich von Mittwoch bis Samstag in der Fachausstellung, darunter die Branchenschwergewichte IBM, Novell und Sun. Auffallend sind die Lücken: Hewlett-Packard, Intel, Microsoft, Oracle und Red Hat, im letzten Jahr noch dabei (HP und Intel sogar als wichtigste Partner), fehlen auf dem LinuxTag 2006. Microsoft erklärte zu seiner Absage, in der Vergangenheit habe man auf dem LinuxTag gute Kontakte zur Open-Source-Gemeinde hergestellt, die man jetzt in anderem Rahmen vertiefen wolle.

IBM (Stand 924) zeigt unter anderem Blade-Server mit PowerPC970- und den neuen Cell-Prozessoren unter Linux, die ihre Leistungsfähigkeit bei Visualisierungsaufgaben an einer medizinische Bilddatenbearbeitung demonstrieren. Ebenfalls am IBM-Stand präsentiert die Linux Solutions Group (LiSoG) aktuelle Projekte mit Linux- und Open-Source-basierten Softwarelösungen.

Novell stellt an Stand 918 den Suse Linux Desktop 10.1 und die kommende Server-Version Suse Linux Enterprise 10 vor. Am Stand wird auch das Opensuse-Projekt vertreten sein, das – wenn die Roadmap von Mitte April hält – die finale Version von Suse Linux 10.1 vorführen kann. Den Donnerstag (4. Mai) hat Novell zum "Opensuse Day" erklärt: An diesem Tag wird sich ein ganzer Vortragstrack mit Novells Community-Distribution beschäftigen, inklusive einem Workshop zum Erstellen eigener Pakete für Suse Linux. Am 4. und 5. Mai können sich potenzielle Bewerber über Arbeits-, Praktikums- und Diplomarbeitsmöglichkeiten informieren.

Sun Microsystems (Stand 915) zeigt OpenSolaris im Einsatz. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Desktop mit OpenOffice, den SunRay-Thin-Clients und der neuen Version 4.2 des Secure Global Desktop zum Zugriff auf Anwendungen übers Netz. Entwickler können einen ersten Blick auf die Vorabversion der Sun-Studio-Softwareentwicklungstools und -Compiler für Linux werfen. Ein mit SunRays bestückter E-Mail-Garden steht allen LinuxTag-Besuchern offen. Der Freitag ist "OpenSolaris-Tag" mit einem kompletten Vortragstrack zum Thema.

Transtec präsentiert an Stand 914 einen Ausschnitt des eigenen Hardware-Angebots, darunter einen Hochverfügbarkeitscluster, ein selbst entwickeltes RAID-System, das sich sowohl über iSCSI wie FibreChannel ansprechen lässt und dank preiswerter SATA-Platten sehr günstig angeboten werden soll, Thin Clients und eine NAS-Lösung auf Linux-Basis.

Prominent vertreten ist Ubuntu. Die kommende Version 6.06 (Dapper Drake) ist an Stand 932 zu sehen, die deutsche User-Gemeinde präsentiert die "Kinderversion" Edubuntu an Stand 120. Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth, Multimillionär und der zweite Tourist im Weltraum, soll am Samstag Nachmittag einen Vortrag halten -- der genaue Termin steht noch nicht fest. Xandros präsentiert seine Linux-Distribution an Stand 911, Mandriva glänzt durch Abwesenheit – für den Mandriva-Stand zeichnet die deutsche Anwendergemeinde verantwortlich (Stand 936). Univention zeigt an Stand 929 seinen Corporate Server.

Wie auf IT-Messen heutzutage üblich, spielen Sicherheitslösungen eine große Rolle. Astaro präsentiert seine Firewall- und Gateway-Apliances an Stand 929, Avira (Stand 913), Kaspersky (Stand 917) und Softwin (Stand 932a) konzetrieren sich auf Antiviren-Software. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) findet man an Stand 931.

Diverse Dienstleister, die bei der Einführung freier Software und der Umsetzung von Projekten mit Open-Source-Software helfen können, sind mit einem eigenen Stand auf dem LinuxTag vertreten, darunter Bitbone und Gonicus an Stand 929, Heinlein (Stand 933), Intevation (Stand 930), .riess (Stand 909) und der Datenbankspezialist Tarent (Stand 929).

Natürlich sind zahlreiche Open-Source-Projekte vor Ort. Die freien BSD-Versionen und die im OpenBSD-Projekt entstandene OpenSSH belegen Stand 942 bis 944. Hier kann man Desktop-, Free-, Net- und OpenBSD in Aktion erleben und sich über die Arbeit der BSD Certification Group informieren. Das Debian-Projekt präsentiert sich an Stand 938, Fedora zeigt den neuen Core 5 und die Fedora-Live-CD an Stand 108. ArchLinux führt seine Distribution "für fortgeschrittene Linux-Anwender" an Stand 122 vor.

Collaboration-Software boomt, und so stellen eine ganze Reihe von Open-Source-Projekte Software zur Zusammenarbeit in irgendeiner Form aus. Darunter sind die Groupware-Lösungen Colamo.org (Stand 122a), eGroupware (Stand 904), exchange4linux (Stand 908), OpenGroupware (Stand 127) und Scalix (Stand 912a), die Content Management Systeme Drupal (Stand 102) und – speziell für Vereine – Larnux (Stand 103) sowie das Trouble-Ticket-System OTRS (Stand 946).

Virtualisierung ist derzeit ein wichtiges Thema in der Linux-Welt. Das Linux-Vserver-Projekt präsentiert seine Virtualisierungslösung an Stand 948a, OpenVZ und dessen kommerziellen Ableger Virtuozzo findet man am Stand von SWSoft (Stand 905). Andere Ansätze – Xen, das Anfang April auf der LinuxWorld in Boston viel Aufmerksamkeit erhielt, oder Vmware – sind auf dem LinuxTag leider nicht vertreten.

Systemsoftware aller Art spielt wie immer eine große Rolle. Das Spektrum reicht von dem Directory-Dienst OpenLDAP (Stand 10) über das distributionsübergreifende Programmpaket-System OpenPKG (Stand 947) bis zum "Windows-Nicht-Emulator" Wine an Stand 110. Die Datenbank PostgreSQL findet man an Stand 908a), den File- und Printserver Samba an Stand 945a.

Wer sich für aktuelle Entwicklungen auf dem Linux-Desktop interessiert: Am Stand 937 findet man das KDE-Projekt, der Gnome-Desktop wird an Stand 124 präsentiert. Wenn es eine Nummer kleiner sein soll: Das GPE Palmtop Environment, eine Bedienoberfläche für PDAs inklusive der üblichen Anwendungen, stellt an Stand 124 aus. X.org, Grundlage nahezu aller grafischen Oberflächen unter Linux, belegt Stand 946a.

Indeview versucht einen neuen Ansatz zur Erstellung von Präsentationen, die auf jedem Abspielrechner ohne Darstellungsprobleme funktionieren sollen. Die Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn zeigt an Stand ihre Homebanking-Software MoneyPenny, die eine besonders sichere Abwicklung von Bankgeschäften nach dem HBCI-Standard erlauben soll. Das OpenOffice-Projekt ist außer bei Sun (Stand 915) mit dem eigenen Stand 950 vertreten.

Multimedia ist längst kein Fremdwort mehr in der Open-Source-Welt, auch wenn patentgeschützte Video- und Audio-Codecs, DRM-Mechanismen und die Debatte um stärkeren Schutz der Urheberrechte derzeit einen großen Schatten auf die weitere Entwicklung werfen. An Stand 107 geht es um den Festplattenrecorder VDR, um Audio Stand 106 bei Linux Audio, einem Zusammenschluss von Firmen und Open-Source-Projekten zur Förderung der Entwicklung professioneller Audio-Tools für Linux. Die Mediencenter-Software MythTV wird an Stand 107a vorgeführt. Spieler finden an Stand 128a den freien Flugsimulator FlightGear.

Der LPI e.V., deutscher Ableger des Linux Professional Institute, ist an Stand 952 zu finden. Wie in den vergangenen Jahren bietet man die Prüfungen 101 und 102 auf Deutsch und Englisch zum halben Preis (60 Euro) an. Vorab ist eine Registrierung erforderlich. Die Prüfungen finden um 11:00 Uhr und um 14:30 Uhr statt, Treffpunkt ist 5 Minuten vor Prüfungsbeginn am Raum 12.

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) informiert an Stand 3 über ihre Arbeit. Ein Thema hier wird sicher die kommende Version 3 der GPL sein. Die Wikipedia-Community stellt ihr Wissensprojekt an Stand 109a vor. (odi)

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