9000 Besucher zog es vom 3. bis 6. Mai zum LinuxTag 2006 nach Wiesbaden - ein Rückgang um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der Aussteller sank um rund ein Viertel auf 120 - abgesprungen waren auch Branchenriesen wie Hewlett-Packard, Intel, Microsoft, Oracle und Red Hat. Dennoch sieht Nils Magnus, Vorstandsmitglied des LinuxTag e.V., die Veranstaltung als Erfolg und betont, dass die Zahl der präsentierten Open-Source-Projekte auf über 90 gestiegen ist: „Unser Ziel, der Community eine professionelle Plattform zur Darstellung ihrer Ergebnisse zu bieten, ist geglückt.“
Die Projekte von Gnome bis Debian zogen dann auch in der Ausstellung die meisten Besucher an. Unternehmen wie IBM, Novell und Sun, die in erster Linie Kontakt zu Entwicklern und Anwendern suchten, zeigten sich zufrieden, andere Aussteller beklagten sich über zu wenige Business-Kunden. Dennoch sieht Magnus den LinuxTag nicht auf dem Weg zurück zu einem reinen Community-Treffen. So nahmen rund hundert Personen am kostenpflichtigen Business- und Behördenkongress teil, der sich an IT-Entscheider richtet. Für politische Prominenz sorgte ein Besuch von Bundesjustizministerin Zypries, die sich auf Einladung des Linux-Verbandes über einige Projekte informierte.
Ein Höhepunkt des Vortragsprogramms war die Keynote von Ubuntu-Finanzier Mark Shuttleworth, bei der fast Festival-Stimmung aufkam. Ubuntu wird mit der voraussichtlich am ersten Juni erscheinenden Version 6.06 LTS (Dapper Drake) die Desktops Gnome, KDE (Kubuntu) und den ressourcenschonenden XFCE (Xubuntu) unterstützen. Diese Version soll mit ihrer Stabilität die Unternehmen von Ubuntu überzeugen: Shuttleworths Firma Canonical will fünf Jahre Support und Sicherheits-Updates für diese Version liefern - das LTS im Release-Namen steht für Long Term Support.
Im Interview mit heise open erläuterte Shuttleworth seine Rolle bei der Ubuntu-Entwicklung: In der Balance zwischen Stabilität und den „coolen Sachen“, die die Entwickler ausprobieren wollen, dränge er auf „äußerst stabile und zuverlässige Releases, die die Erwartungen unserer Partner erfüllen.“ Die für November geplante Folgeversion Edgy Eft hingegen werde „eine Vielzahl neuer Features enthalten, die nicht 110 Prozent ausgereift sind, und es wird dafür auch keine fünf Jahre Support geben“. Die Stärke der Open-Source-Community liege in ihren guten Ideen, aber der Entwicklungsprozess sei „nicht sonderlich produktiv oder effizient“.
Als Motiv für sein Engagement, das ihn einige Millionen US-Dollar pro Jahr kostet, nennt der südafrikanische Milliardär, dass er selbst von Open Source profitiert hat: „Vor zehn Jahren war ich vom Internet fasziniert. Linux gab mir die Möglichkeit, mit den besten Firmen der Welt zu spielen ... Das hat mich zum Milliardär gemacht ... Ich möchte etwas zurückgeben.“ Das komplette Interview lesen Sie auf heise open.
Kernel-Maintainer Andrew Morton erläuterte in seiner Keynote, wie die Kernelentwicklung funktioniert. Als erfolgreicher erwiesen sich Projekte, die ihren Code in kleinen Stücken anliefern, die mit neuen Kernelreleases Schritt für Schritt aufgenommen werden können. Für das Testen mehrerer kleiner Codeerweiterungen fände man leichter Tester als für ein großes Projekt wie zum Beispiel das immer noch nicht in den Kernel integrierte Dateisystem Reiser4.
Hoffnungen auf einen neuen Entwicklerkernel 2.7 erteilte Morton eine Absage. Ein Entwicklerkernel fände bei vielen Anwendern und Distributoren keine Verwendung, sodass neue Funktionen zu lange nur einer kleinen Nutzergruppe zugänglich blieben. Stattdessen würde man bei dem aktuellen Konzept bleiben, neue Funktionen mit einem Release Candidate zu testen, aus dem dann der nächste stabile Kernel entsteht. (bbu)
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