Lüfterloses Aldi-NAS im Kurztest

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Ab dem 29. November verkauft Aldi-Süd einen Netzwerkspeicher mit 1-TByte-Festplatte; ein eng verwandtes 2-TByte-Gerät von Aldi-Nord haben wir ins c't-Labor geholt.

Aldi-Nord verkaufte am 22. November für 159 Euro den Netzwerkspeicher Medion Life P89635 alias MD 86803, der mit einer einzigen 2-TByte-Festplatte bestückt ist. Aldi-Süd bietet ab 29. November für 129 Euro das vermutlich eng verwandte Medion-NAS Life P89636 (MD 86805) mit nur 1 TByte an. In beiden Geräten steckt der ARM-Prozessor NAS 7820 von PLX.

Im c't-Labor konnten wir das 2-TByte-System antesten. Es steht auf seinen gummierten Füßen hochkant, damit die Wärme durch Kühlschlitze abzieht. Ein Lüfter fehlt, was das Betriebsgeräusch auf sehr gute 0,3 Sone bei Zugriffen und 0,2 Sone im Leerlauf begrenzt. Die interne Festplatte Western Digital WD20EARX versetzt eine Tischplatte aber in spürbare Schwingungen. Das rund 1,1 Kilogramm schwere NAS kommt mit 5,7 Watt im Leerlauf aus, bei Zugriffen sind es 9,9 Watt. Nachdem sich die Platte abgeschaltet hat, sind es bloß 3,7 Watt.

Der Zeitraum bis zur automatischen Abschaltung der Platte lässt sich über das Web-Interface zur Verwaltung des NAS einstellen. Im gut belasteten c't-Redaktionsnetz wachte das NAS allerdings ab und zu wieder auf, ohne dass bewusst Zugriffe ausgeführt wurden.

Vergrößern Medion Life P89635 von hinten: Außer Gigabit-Ethernet steht auch USB 2.0 bereit.

Über die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle fließen beim Lesen bis zu 83 MByte an Daten pro Sekunde, beim Schreiben bis zu 56 MByte/s. Ohne Jumbo-Frames sind es höchstens 78/37 MByte/s. Das sind gute Werte für ein dermaßen sparsames NAS. Bei kleinen Dateien (256 KByte) bricht die Transferrate allerdings auf unter 10 MByte/s ein.

Per USB 2.0 kann man Drucker oder Massenspeicher anschließen. Der frontseitige USB-2.0-Port ist für Sicherheitskopien von USB-Sticks oder Card-Readern gedacht. USB 3.0 fehlt.

Ebenso wie beim ähnlich schnellen Shuttle Omninas KD20 mit PLX NAS 7821 funktioniert File-Locking bei Samba-Freigaben nicht: Öffnen mehrere Nutzer dieselbe Datei, droht beim Abspeichern Datenverlust. Laut Medion ist ein Firmware-Update, welches dieses Problem abstellt, bereits in Arbeit.

Die von OCZ vor etwa einem Jahr übernommene PLX-Sparte geht ihrerseits auf die ehemalige Firma Oxford Semiconductor zurück. PLX entwickelt außer dem ARM-SoC NAS 7820 auch eine Art Firmware-Rohling, den die jeweiligen NAS-Hersteller für ihre Zwecke anpassen.

Der Funktionsumfang der Firmware ist recht groß. Beispielsweise ist ein Twonky-Medienserver vorinstalliert, auch DynDNS-Nutzung ist möglich. Unterstützung für DynDNS, NFS und automatische Backups ist in Form von Plug-ins realisiert – mehr als diese drei gibt es derzeit auch nicht. Das Medion Life P89635 unterstützt außer Ordnerfreigaben via CIFS (Samba-Server) auch FTP und kann Daten aus dem Web beziehungsweise per BitTorrent selbstständig herunterladen. Auch Uploads zu YouTube oder Flickr sind möglich.

Der Web-Zugriff auf die Oberfläche der Firmware war unter Windows 8 zunächst nicht mit dem dort vorinstallierten Internet Explorer 10 möglich. Dazu muss man die Desktop-Ansicht des IE10 wählen und dort wiederum die "Kompatibilitätsansicht". Es klappte problemlos etwa auch mit Google Chrome.

Das Omninas KD20 von Shuttle bietet dank ähnlichem Chip auch ähnlichen Funktionsumfang, ist aber für zwei Laufwerke ausgelegt und unterstützt sowohl RAID als auch USB 3.0. Es besitzt allerdings einen Lüfter und kostet schon ohne Festplatten mindestens etwa 125 Euro.

Die billigsten "Single-Bay"-NAS-Leergehäuse für jeweils eine einzelne Festplatte sind ab etwa 60 Euro erhältlich, eine 1-TByte-Platte kostet rund 65 Euro. Manche Billig-NAS sind mit sehr langsamen SoCs bestückt, die nur geringe Datentransferraten liefern. Außerdem erhält man von Medion 3 Jahre Garantie. So gesehen wären Medion Life P89635 und P89636 gute Angebote, wenn das File-Locking-Problem nicht wäre. Man kann es etwas entschärfen, wenn man via Benutzerverwaltung separate Ordner anlegt.

[Update:] Ein Austausch der internen Festplatte durch den Nutzer ist nicht vorgesehen. Das Gehäuse lässt sich allerdings mit etwas Erfahrung öffnen. Zuerst sind zwei Schrauben unter den aufgeklebten Gummifüßen zu entfernen. Danach muss man sehr vorsichtig viele unsichtbare Kunststoffhaken rund um die Gehäusekanten ausrasten, anschließend zwei scharfkantige Abschirmbleche entfernen und kann dann die drei Schrauben der Festplatte lösen. Der Zusammenbau ist noch etwas fummeliger, weil der Stößel zur Betätigung des One-Touch-Copy-(OTC-)Mikroschalters sehr genau passen muss. (ciw)

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