Drei neue Vierkernprozessoren - darunter auch einer für Desktop-PCs - vervollständigen Intels Quad-Core-Angebot. Ein Dual-Core-Prozessor mit abgespecktem Cache und gedrosseltem Frontsidebus rundet das Core-Sortiment nach unten ab.
Rund zwei Monate nach dem ersten Vierkern-x86-Prozessor - dem Core 2 Extreme QX6700 für gut betuchte Gamer - hat Intel nun mit dem Core 2 Quad Q6600 auch eine Variante für normale Desktop-PCs vorgestellt. Die meisten Kunden dürfte aber auch der Q6600 - übrigens der erste Prozessor mit dem Namen „Core 2 Quad“ - frühestens nach der nächsten Preissenkung locken: Im zweiten Quartal soll der Listenpreis von derzeit stolzen 851 US-Dollar auf 530 US-Dollar sinken. In Deutschland tauchte der Prozessor bereits kurz vor dem Launch für rund 850 Euro auf. Ein noch billigerer Q6400 mit 2,13 GHz Taktfrequenz soll bald kommen. Als Xeon X3210 wurde er bereits vorgestellt, doch dazu später mehr.
Der Q6600 hat einen Kentsfield-Kern und wird in einem 65-nm-Prozess hergestellt. Kentsfield besteht - wie die anderen Quad-Core-Prozessoren - aus zwei getrennten Dice, die im Prinzip dem Conroe-Kern der Core-2-Duo-CPUs entsprechen. Jedes Die beherbergt also zwei Kerne und 4 MByte L2-Cache, sodass der Q6600 insgesamt auf 8 MByte L2-Cache kommt. Die beiden Teile des Chips teilen sich einen gemeinsamen Frontsidebus (FSB1066) und können auch nur über diesen miteinander kommunizieren. Einen schnellen Crossbar-Switch, wie ihn beispielsweise der für Mitte des Jahres erwartete Vierkernprozessor von AMD (Codename Barcelona) verwenden wird, gibt es bei Intel nicht. Die Taktfrequenz des Q6600 liegt bei 2,4 GHz, seine Thermal Design Power (TDP) bei 105 Watt. Der QX6700 mit seinen 2,66 GHz schluckt bis zu 130 Watt. Als Chipsätze empfiehlt Intel die hauseigene 965-Reihe oder den 975X.
Ebenfalls neu vorgestellt hat Intel zwei Vierkernprozessoren aus der Xeon-3000-Familie für Server und Workstations mit nur einem Sockel (LGA775). Der X3220 (2,4 GHz, 2 x 4 MByte L2-Cache, FSB1066) soll 851 US-Dollar kosten, der X3210 (2,13 GHz, 2 x 4 MByte L2-Cache, FSB1066) 690 US-Dollar. Die TDP der beiden Xeons ist noch nicht bekannt, da Intel bis zum Redaktionsschluss die Datenblätter noch nicht veröffentlicht hat.
Auch am anderen Ende der Leistungsskala bekommt die Core-Famile Zuwachs: Der Core 2 Duo E4300 soll mit einem Listenpreis von vorerst 163 US-Dollar auch günstige PCs antreiben. Mit der nächsten Preissenkung dürfte er für 133 oder gar 113 US-Dollar zu haben sein. In Online-Shops kostet er derzeit 160 bis 170 Euro.
Der E4300 besitzt 2 MByte L2-Cache und läuft mit einer Taktfrequenz von 1,8 GHz (9 x 200 MHz) und FSB800. Letzteres unterscheidet ihn von den Modellen der E6000-Reihe, die mit FSB1066 arbeiten. Auch beherrschen die E4000-Prozessoren die VT-Befehle für die Virtualisierungsunterstützung nicht.
Über die niedrige FSB-Taktfrequenz von nur 200 MHz dürften sich insbesondere Übertakter freuen. Denn so lässt sich auf vielen modernen FSB1066-Mainboards ohne großen Aufwand die CPU-Frequenz aufbohren (9 x 266 MHz = 2,4 GHz). Auch die TDP von 65 Watt kommt dem entgegen. So kursieren bereits Berichte, nach denen ein E4300 mit gewöhnlichen Luftkühlern bis zu 3,42 GHz erreicht hat.
Aber auch wer Wert auf einen leisen und sparsamen Prozessor legt, könnte am E4300 Gefallen finden, denn er kann sich bei akuter Langeweile auf 1,2 GHz (6 x 200 MHz) heruntertakten. Seine FSB1066-Brüder laufen mit mindestens 1,6 GHz (6 x 266 MHz).
Die 100-Euro-Grenze sollen Core-Prozessoren im dritten Quartal unter dem Label Pentium E2000 unterschreiten. Sie sollen angeblich nur 1 MByte L2-Cache, aber immer noch zwei Kerne haben. Den Anfang sollen der E2140 und der E2160 mit 1,6 und 1,8 GHz machen. Die VT-Erweiterungen sowie Viiv und vPro wird es für die E2000-Reihe nicht geben. Mittelfristig erwartet Intel, dass die E2000-Modelle rund 18 Prozent Anteil an den eigenen CPU-Verkäufen ausmachen werden, denn die Produktion von Pentium D und Pentium 4 will Intel dann einstellen.
Bei den Benchmarks bringt der Q6600 keine großen Überraschungen. Die im Vergleich zum QX6700 rund zehn Prozent niedrigere Taktfrequenz schlägt sich auch in den meisten Benchmarks nieder: Der Performance-Unterschied liegt zwischen vier und acht Prozent. Deutlicher sind die Unterschiede bei der Leistungsaufnahme, hier kommt der Q6600 mit 17 Prozent weniger aus, ist also etwas effizienter. Wie viel vier statt zwei Kerne bringen, hängt stark vom Benchmark ab. Von keinem messbaren Vorteil bis zu 90 Prozent Zuwachs reicht die Skala.
Der E4300 liegt in puncto Performance nahe beim E6300: Je nach Benchmark bleibt er ein bis fünf Prozent zurück. Das entspricht in etwa auch dem Preisunterschied zwischen den beiden CPUs. Bei der Leistungsaufnahme kann jedoch in der Rubrik ruhender Desktop der E4300 punkten. Er schluckt fast zehn Watt weniger als der E6300.
(bbe)
| Neue Intel-Prozessoren | |||||
| Prozessor | Taktfrequenz | L2-Cache | Frontsidebus | Leistungsaufnahme (TDP) | OEM-Preis [US-Dollar], Januar 2007 |
| Dualcore-CPU für Desktop-PCs, Sockel LGA775 | |||||
| Core 2 Duo E4300 | 1,8 GHz | 2 x 2 MByte | FSB800 | 65 Watt | 163 |
| Quadcore-CPU für Desktop-PCs, Sockel LGA775 | |||||
| Core 2 Quad Q6600 | 2,4 GHz | 2 x 4 MByte | FSB1066 | 105 Watt | 851 |
| Quadcore-CPU für Single-Socket-Server/-Workstation, Sockel LGA775 | |||||
| Xeon X3220 | 2,4 GHz | 2 x 4 MByte | FSB1066 | 105 Watt | 851 |
| Xeon X3220 | 2,13 GHz | 2 x 4 MByte | FSB1066 | 105 Watt | 690 |
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