Leseprobe aus c't 5/00
Kein neues Betriebssystem läuft reibungslos: Treiber des Vorgängers spielen nicht mit, lieb gewonnene Einstellungen gehen beim Update über den Jordan, manches Programm läuft partout nicht mehr und neue Funktionen sind fehlerhaft. Das ist bei Windows 2000 nicht anders. Neugierige und Frühadepten finden hier die wichtigsten Hinweise von sanft bis brachial.
Die endgültige Version von Windows 2000 ist seit Januar zumindest ausgewählten Kundenkreisen zugänglich. Mit Erscheinen dieses Heftes sollte das Produkt auch im Handel erhältlich sein. Wenn nicht, dann haben wahrscheinlich die Wettbewerbshüter der Europäischen Gemeinschaft ihr Veto eingelegt. Während die EU untersucht, ob Windows 2000 zu Verzerrungen im Wettbewerb führt, hat c't die Professional-Version in der Praxis auf die Probe gestellt.
Viele der folgenden Hinweise haben sich in der Redaktion beim Einsatz von Windows 2000 bereits bewährt, etwa Lösungen, um bestimmte Probleme zu umschiffen, und Tipps zum Umgang mit neu hinzugekommen Funktionen. Selbst diejenigen, die noch verhalten abwarten, dass Microsoft das erste Service Pack für Windows 2000 herausbringt, können daran abschätzen, worüber sie sich im Vorfeld einen Kopf machen sollten. Letztlich dokumentiert das Folgende auch, wie schmerzhaft der Umstieg auf Windows 2000 eventuell ausfallen kann.
Für alle, die sich nur für bestimmte Aspekte des Einsatzes von Windows 2000 interessieren, ist dieser Artikel in drei Bereiche aufgeteilt: Den Anfang macht die Installation zusammen mit dem nachträglichen Einbinden von neuen Hardware-Komponenten in das eingerichtete System. Darauf folgen Hinweise zum Verwalten einer Installation, zum Beispiel dem Betrieb von Windows 2000 am Internet und als Client im LAN. Den Abschluss bilden Handreichungen für den Umgang mit neuen Fähigkeiten, etwa dem verschlüsselnden Dateisystem und den erweiterten Diagnoseoptionen.
Um nicht schon im Vorfeld einen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Windows 2000 vollbringt gemessen an seinem Vorgänger NT 4 Großes bei der Installation. Es erkennt von sich aus den Löwenanteil der gebräuchlichen Hardware, etwa PCI-Chipsätze, USB-Ports, 1394-Adapter, AGP-, Sound- und Netzwerkkarten - ganz gleich, ob es sich um ISA-, ISA-Plug&Play- oder PCI-Karten handelt. Entsprechend läuft die Installation von Windows 2000 auf diversen PCs reibungslos.
Weiter gehts in c't 5/2000 auf Seite 149
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Microsofts derzeitige Produktpolitik scheint geradezu dazu angetan, potenzielle Käufer zu verwirren. Deshalb eine kurze Bestandsaufnahme - mit Erscheinen dieses Heftes wird Microsoft primär zwei Windows-Versionen anbieten: Windows 98 Zweite Ausgabe und Windows 2000. Windows 98, der DOS-basierte Nachfolger von Windows 3.x und 95, richtet sich an Endverbraucher (Consumer), Windows 2000 als neue NT-Version hingegen vornehmlich an Geschäftskunden. Allein die Preise untermauern das: Windows 2000 kostet rund doppelt soviel wie Windows 98.
Ausstattungstechnisch verschwimmen die Grenzen zwischen den beiden Systemen zwar zunehmend, doch bis auf weiteres gilt: Wer optimale Spieleperformance, höchstmögliche DOS-Kompatibilität oder preisgünstige USB-Erweiterungen erwartet, bleibt besser bei Windows 9x. Wer hingegen Wert darauf legt, dass sein System stabil läuft, wer seine Daten einigermaßen sicher aufbewahrt wissen oder mehrere Benutzer an einem System voreinander abschotten will, sollte Windows 2000 nehmen.
Wie ernst es Microsoft mit den beiden Linien ist, wird auch daran deutlich, dass beide weiterentwickelt werden. Vom Nachfolger für Windows 98 Zweite Ausgabe steht schon mehr als nur der Name fest: Windows Me, für Millennium Edition, soll jüngsten Gerüchten zufolge schon Anfang Juni in den Handel gelangen - Spötter reden von ‘Windows 98 Dritter Aufguss’. Vom Windows-2000-Nachfolger hat sich bisher nur der Codename ‘Whistler’ herumgesprochen. Diese Version soll laut Microsoft die Verschmelzung der beiden Windows-Linien bringen.
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... ist guter Rat teuer. Microsoft hat an der Support-Politik für das ‘professionelle Betriebssystem für den geschäftlichen Einsatz’ nichts geändert: Zwei Anrufe beim Support sind für die Professional-Version wie für den Vorgänger NT-Workstation kostenlos. Alle weiteren Anfragen kosten Geld (wie schon die erste Frage zur Server-Version von Windows 2000). Wie die Politik für OEM-Versionen aussieht, also wie es um den Support einer Lizenz bestellt ist, die man zusammen mit dem Rechner erworben hat, steht derzeit noch in den Sternen.
Wer sich seine beiden Anrufe für ernste Probleme aufheben will, übt sich in Sparsamkeit und studiert kostenlose Quellen. Die sind gar nicht weit weg: Microsoft selbst betreibt einen großen Informationsfundus zu Windows, die Microsoft Knowledgebase [9]. Sie füllt sich seit Ende Dezember 1999 mit Beiträgen zu Windows 2000. Letztlich handelt es sich um die erste und beste Adresse, um festzustellen, ob bestimmte Probleme schon bekannt sind. Mitunter finden sich in der Wissensdatenbank Hinweise auf bereitgestellte Bug-Fixes.
Nur Teile der Wissensdatenbank werden ins Deutsche übertragen. Um an die englischsprachigen Begriffe für eine erfolgreiche Suche heranzukommen, kann man sich helfen: Microsoft arbeitet mit einer Verschlagwortung. Einzelne Suchwörter finden sich am Ende eines jeden Beitrags. Fischt man zunächst eher allgemeine Einträge aus der Datenbank, kann man mit diesen Begriffen präzisere Anfragen formulieren. Ein Beispiel fürs DFÜ-Netzwerk: Das heißt im Englischen Dial up Networking (DUN) oder Remote Access Service (RAS).
Erfahrungsgemäß dauert es eine ganze Weile, bis sich bestimmte Fehler oder Eigenschaften einer Windows-Version in der Datenbank niederschlagen. Wer es eher auf aktuelle Informationen abgesehen hat, kommt mit DejaNews schneller weiter. Dahinter steckt ein Dienst, der die Suche in Internet-Newsgruppen gestattet. Auch hier hilft es, ‘W2K’ als das gebräuchlichste Akronym für Windows 2000 und weitere einschlägige Begriffe zu kennen, da ein Großteil der Kommunikation in englischer Sprache erfolgt.
Soll eine Suche bei DejaNews mehr als nur Leidensgenossen zu Tage fördern, muss man auch hier hartnäckig bohren, etwa nur einzelne Gruppen absuchen oder gar bestimmten Autoren hinterher recherchieren. Und sollte die Suche mal keine Treffer erbringen, lernt man immerhin, welche Gruppen lesenswert sind, in welcher Gruppe eine Frage angebracht scheint und in welcher wohl nicht.
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Das US-amerikanische Fachhändlerblatt Sm@rt Reseller will aus einem internen Microsoft-Memo erfahren haben, dass Windows 2000 noch zigtausend Fehler enthalte. Das Memo soll von Marc Lucovsky stammen, einem der Entwicklungsleiter bei Microsoft. ‘Wie viele von euch würden 500 Dollar für ein Stück Software mit über 63 000 potenziellen bekannten Defekten ausgeben?’, zitiert die Zeitung aus dem Dokument. Die Zahl der Bugs, die zu ‘echten Problemen’ führen könnten, schätze Microsoft auf 28 000, heißt es weiter.
Unterdessen bekräftigte die Marktforschungsfirma Gartner Group ihre Empfehlung an Firmen, Windows 2000 nicht einzusetzen, bevor das erste Service Pack verfügbar ist. Die Marktforscher präzisierten ihre Warnung mit einer Studie, wonach ein Viertel aller Unternehmen beim Wechsel auf Windows 2000 Probleme bekommen werde, weil das Betriebssystem nicht mit vorhandener Software harmoniere.
Die PC-Hersteller hatten die früheren Premieren von Microsoft bejubelt, weil sie den Umsatz ankurbelten. Dieses Mal ist kaum Vorfreude zu bemerken. Michael Dell, Chef der Nummer 1 im amerikanischen PC-Markt, schockierte die Wirtschaftsanalysten mit der Voraussage, er erwarte keine Verkaufsbelebung durch Windows 2000. Wie die Gartner Group geht auch Dell davon aus, dass Geschäftskunden nicht vorschnell auf dem NT-Nachfolger umsteigen sollten.
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Vor der offiziellen Markteinführung von Windows 2000 häuften sich die kritischen Stimmen: Marktforscher rieten vom Umstieg ab, Großhändler sahen keine Belebung des Geschäfts kommen, Mitbewerber deckten Sicherheitslücken auf, die EU ermittelte wegen eventueller Wettbewerbsverstöße und das Linux-Lager rief zu einem weltweiten Demo-Tag auf. Man konnte fast meinen, der Rest der Welt hätte sich gegen Microsoft verschworen ...
Doch es gab auch andere Stimmen. Immer wieder meldeten sich Anwender zu Wort, die Windows 2000 schon über Monate und von denen manche seit Wochen sogar die endgültige Version eingesetzt haben - ihr Tenor: Zufriedenheit. Letztlich stellt dieses Lob den Lohn für die Entwickler dar. Auch wenn noch unzählige Fehler unbehoben geblieben sind, hat Microsoft in vielen Punkten schlicht die Wünsche der Anwender erhört. So gesehen stellt Windows 2000 gewiss eine positive Weiterentwicklung seines Vorgängers dar.
Dem Löwenanteil der Leute jedoch, die heute vor der Frage stehen, ob sie auf Windows 2000 umsteigen sollen, hilft eine Liste der tollen, zweifellos nützlichen Funktionen und Möglichkeiten wenig. c't hat darüber während der Entwicklungszeit von Windows 2000 regelmäßig und mit der bei einer Beta-Version gebotenen Distanz berichtet. Mit Vorliegen der endgültigen Version braucht man kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.
Dass c't in diesem Artikel einmal mehr die neuralgischen Punkte ins Licht rückt, hat nichts damit zu tun, Windows 2000 zu diskreditieren. Wir halten das Betriebssystem nicht nur für ein interessantes Produkt, sondern für einen riesigen Fortschritt gegenüber dem veralteten NT 4. Dass Redakteure ohnehin stets am Ball bleiben müssen, spielt dabei weniger eine Rolle. Vielmehr bietet Windows 2000 neben einer breiten Software-Basis auch viele praktische Neuerungen.
Die Tatsache, dass sich Windows 2000 bei unseren Benchmarks in der letzten Ausgabe nicht als Renner entpuppt hat, ändert an der positiven Einstellung dem System gegenüber wenig. Ob Windows 2000 in speziellen Disziplinen, etwa der Audiobearbeitung oder beim Videoschnitt, besser abschneidet, werden kommende Prüfstände in c't zeigen; der von uns bisher eingesetzte SYSmark 2000 ist dazu nicht geeignet. Wir haben nach Erscheinen des Artikels [siehe c't 4/2000, Seite 180] weitere Messungen mit abgewandelten Systemkonfigurationen durchgeführt, so etwa mit SCSI- statt IDE-Platten, anderen Grafikkarten und Mainboards.
Die Quintessenz bleibt die Gleiche: Windows 2000 geht allenfalls so schnell wie Windows 98 und meist langsamer als NT 4.0 zu Werke, wenn es ausreichend Speicher hat - mehr hat ohnehin kaum jemand erwartet. Und wenn doch, hat sich bisher herausgestellt, dass nachgeholfen wurde, so bei den Benchmarks, mit denen Microsoft Windows 2000 schmückte, kurz nachdem die Produktion angelaufen war. Im Nachhinein wurde eingeräumt, dass das zum Vergleich herangezogene NT4 schlecht konfiguriert war.
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