Mit dem Umzug der RoboCup German Open auf die Hannover Messe bekommt die Robotik auf der Industrieschau auch eine spielerische Seite - was auch die Unternehmen freut, die gern mehr Nachwuchs für Technik begeistern würden.
Wenn es gelingt, Roboter zu entwickeln, die mit Menschen zusammen Fußball spielen, dann können diese Roboter auch gemeinsam mit Menschen andere Aufgaben erledigen“, beschreibt der Vizepräsident der RoboCup-Federation Hans-Dieter Burkhard in einer Infobroschüre zur Hannover Messe das eigentliche Ziel der RoboCup-Wettbewerbe (www.robocup-german-open.de). Was auf dem Weg dorthin bereits erreicht wurde, aber auch was noch kommende Forscher- und Entwicklergenerationen beschäftigen wird, lässt sich in der dritten Aprilwoche auf der Hannover Messe Industrie bei den RoboCup German Open ebenso wie bei den Fachausstellungen besichtigen.
Die erstmals in den Pavillons unter dem Expo-Dach (P32-P35) ausgetragenen German Open sind neben der Weltmeisterschaft selbst das größte RoboCup-Ereignis, bei dem neben zweibeinigen, vierbeinigen, mehrrädrigen und simulierten Fußballrobotern auch Service- und Rettungsroboter zeigen, was sie können. 150 Teams aus 13 Nationen werden in Hannover vom 17. bis 21. April in den RoboCupSoccer-Ligen sowie bei RoboCupRescue und RoboCup@Home ihre Forschungsergebnisse ganz praktisch in Wettkämpfen vergleichen.
Bei den RoboCupJunior-Wettbewerben in den Disziplinen RoboDance, RoboRescue und RoboSoccer ist das Interesse noch größer: Selbst nach zusätzlichen Vorentscheiden treten in Hannover in einem eigenen Pavillon immer noch 100 Schülerteams an, um sich vom 19. April an für einen der 19 Startplätze bei der RoboCup-WM in Atlanta zu qualifizieren. Die Finalspiele sind in allen Ligen sowie bei RoboCupJunior jeweils am Sonnabend, einen Tag nach dem Ende der Hannover Messe, die bereits am Montag, 16. April, startet.
Bei der mehrere Fachmessen bündelnden Industrieschau, die nach eigenem Bekunden „das jährlich weltweit wichtigste Technologieereignis ist und bleibt“, lässt sich auch erkunden, welche Rolle Informations- und Kommunikationstechniken für den Maschinenbau spielen - und umgekehrt. Ganz offensichtlich ist der Zusammenhang bei der durchdigitalisierten Fabrik, um Planung und Produktion zu optimieren. Bei der Fachmesse Digital Factory stehen in diesem Jahr IT-based Services im Mittelpunkt.
Den praktischen Beweis, dass eine durchgängige horizontale und vertikale Kommunikation über alle Ebenen und Produktionsstufen möglich ist, wollen dreizehn Industriepartner im Application Park in Halle 17 antreten. Dort soll ein persönlicher Kaffeebecher von der Bestellung am PC über die Fertigung und Verpackung bis zur Auslieferung komplett live produziert werden. „Wir zeigen anhand einer konkreten Applikation, wie die Kommunikationstechnologien Profinet, Ethernet und Internet miteinander kommunizieren, IT-powered Automation ist ein wichtiges Trendthema“, wirbt Roland Bent, Geschäftsführer von Phoenix Contact für die Vorführung.
Eine entscheidende Basis hierfür ist die Mechatronik - das interdisziplinäre Zusammenwirken mechanischer, elektronischer und informationstechnischer Systeme. Was das heißt, soll der „Parcours Mensch & Mechatronik“ innerhalb der Fachmesse Factory Automation in Halle 15 anschaulich machen. Was passiert, wenn man Mechatronik bis in den Nanobereich miniaturisieren will, zeigt die Fachmesse MicroTechnology.
Hierbei wie auch in anderen Ausstellungsbereichen wird auch einiges gezeigt, dass noch an oder jenseits der Grenze zur Forschung liegt. So wirbt das Fraunhofer IAIS für seine Forschungsergebnisse nicht nur konzentriert in der Fachmesse Research & Technology in Halle 2, sondern präsentiert bei der Fachmesse Energy den BrennBot - eine mit einer Brennstoffzellen-Stromversorgung ausgestattete Variante des VolksBots, die ohne Nachladen 24 Stunden am Stück laufen soll (Halle 13, Stand E27) - sowie auf dem Freigelände des Pavillons P34 die Ergebnisse des Projektes Outdoor zur Entwicklung von kooperierenden autonomen Robotern. Das in Halle 17 am Stand C60 vorgestellte Int-Manus-Projekt soll dagegen Maschinen und Roboter so verbinden, dass die Kontrollplattform durch Benutzereingaben Informationen sammelt, eigenständig bewertet und nach einer Lernphase selbstständig in den Produktionsprozess eingreift und diesen effizienter macht.
Forschung und Entwicklung brauchen qualifizierte Fachkräfte. Institute wie Firmen fürchten, diese wegen der Kombination aus geburtenschwächeren Jahrgängen und einem bei den Schulabgängern wieder nachlassenden Interesse an Technik immer weniger zu finden. Diese Sorge spiegelt sich auf der Hannover Messe gleich in mehreren Initiativen wider. So gehört der RoboCup ebenso wie der Schülerwettbewerb Invent A Chip zu den Höhepunkten der Initiative TectoYou, mit der die Hannover Messe sowie Institutionen, Verbände und Unternehmen das Interesse der Jugend an Technik steigern wollen. Schüler und Studierende sollen bei den Veranstaltungen - unter anderem interaktive Exponate, Vorträge, Gespräche und am Messe-Freitag zum Abschluss eines „Festivals of Technology“ ein Live-Konzert - „die Faszination, die Chancen und die Perspektiven von Berufsbildern in der Technologiebranche hautnah und im direkten Kontakt mit Unternehmen und Verbänden erfahren“.
Wer dabei oder beim Schauen in den Hallen Lust bekommen hat, selbst einzusteigen, kann sich unter anderem beim Job + Career Market informieren oder beim Start-Up Robotik im tech transfer Forum Tipps zu Unternehmensgründungen und Produktentwicklungen holen. (anm)
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